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Thema: Habe ich mein Mehrsein verloren?

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  1. #1

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    Standard Habe ich mein Mehrsein verloren?

    Hallo,

    ich habe seit längerem das Gefühl, dass ich mich sozial isoliere. Dazu muss ich vielleicht sagen, dass ich bis zur 10. Klasse viele Freunde hatte, danach ein Jahr in Mexiko war und darauf in eine andere Klassenstufe gekommen bin. Bis dahin habe ich eigentlich regelmäßig etwas mit meinen Freunden unternommen. Besonders zu erwähnen ist, dass die Leute oft auf mich zugekommen sind, weil ich eine sehr freundliche und lustige Person war und hoffentlich noch bin. Jetzt studiere ich und kenne auch ein paar neue Leute.
    Was mir aber während all dieser Zeit wohl nicht aufgefallen ist, mir jedoch in letzter Zeit aufgefallen ist, dass ich keinen wirklichen Kumpeltyp (egal ob Mann oder Frau) hab mit dem ich über meine Ängste und Sorgen sprechen konnte oder kann.
    Erschwerend kommt noch hinzu, dass ich Gefühle, abgesehen von Freude, schlecht ausdrücken oder beschreiben kann. Auch körperliche Nähe ist für mich relativ schwierig, denn ich habe oft die Befürchtung, mein gegenüber könnte mich nicht mögen.

    Wie gesagt das Problem ist besonders in den letzten Wochen aufgekommen und ich hoffe jemand kann mir helfen! Danke!

  2. #2
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    Hallo Absolem,

    nun, ich kenn dich nicht, aber kann es sein, dass du "einfach" ein sehr schlechtes Selbstbewusstsein hast und deswegen niemand so richtig an dich ran lassen kannst, weil du denkst, je besser dich jemand kennt, desto eher läuft er vor dir weg? Wenn ich dich richtig verstanden habe, wünschst du dir gerade jetzt und in letzter Zeit, einen Freund, mit dem du über deine Probleme reden kannst und dir ist dadurch aufgefallen, dass du so jemanden nicht hast, sondern "nur" Leute, mit denen du feiern gehen kannst? Bitte korrigier mich, wenn ich dich falsch verstanden habe, ja?!

    Wäre denn unter den Leuten, die du jetzt kennst, jemand, bei dem du dir vorstellen könntest, dass du ihm/ihr dein Vertrauen schenken und auch mal über ernstere Themen sprechen könntest? Wenn ja, dann versuch doch "einfach" mal ins kalte Wasser zu springen und ihm/ihr etwas anzuvertrauen. Wahre Freundschaft, in der man über alles lachen, aber auch über alles weinen kann, ist selten und bedarf eines langen und langsamen Aufbaus. Hast du Angst , dass dein Vertrauen ausgenutzt werden könnte? Nun, davor bist du wohl nie sicher (außer du vertraust niemandem ) und es kann gut sein, dass du in so manche Falle tritts und manche Enttäuschung erleben wirst. Aber du könntest auch das Geschenk einer wunderbaren Freundschaft finden. Spring ins kalte Wasser und fang an zu schwimmen, nur so kannst du jemanden finden, der DICH mit allem drum und dran so mag wie du bist. Alle anderen sind sowieso keinen Gedanken wert!

  3. #3
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    Danke, dass du dir die Mühe gemacht hast und versucht hast mich zu verstehen!

    Das mein Selbstbewusstsein ausbaufähig ist stimmt. Aber ich habe keine Angst , dass mich jemand nicht mögen würde wenn er/sie mich besser kennlernt. Im Gegenteil, die die mich besser kennen schätzen mich, weil ich immer gut drauf bin und ich bin in einer "familiären" recht gelassen. Aber neue Leute anzusprechen kostet mich immer Überwindung, eine Hürde die ich oft nicht meistern kann. (Vielleicht bin ich auch einfach nicht geübt darin?) Da ist meine Lockerheit und Offenheit dann plötzlich weg, dann habe ich das Gefühl von Anspannung und komme mir eingeschränkt vor. Vielleicht mache ich mir einfach viel zu viele Gedanken, aber abstellen kann man die ja leider nicht...

    Du hast sehr richtig erkannt, dass ich bis jetzt noch niemanden gefunden habe mit dem ich über meine Probleme, bzw. emotionale Dinge, Wünsche, Träume, Ziele reden kann. Unter meinen Freunden gibt es einige mit denen ich so etwas besprechen kann, aber ich denke mir immer andere Leute haben auch Probleme, dann wollen sie sicherlich nicht auch noch von meinen hören.

    Es hört sich jetzt alles danach an als wäre ich sehr unglücklich, aber ich bin (fast) immer positiv und lache viel. Ich habe keine Geldsorgen und war in den letzten zwei Jahren nicht krank. (weder Fieber noch sonst irgendwas) Mein Studium läuft super und macht mir Spaß. Aber es wäre noch schöner wenn das zwischenmenschliche mehr und intensiver würde. Ich weiß, dass es an mir liegt, aber die Lösung scheint irgendwie schwierig.

  4. #4

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    Versuchs doch mal -wenn es zeitlich in Dein Leben passt- mit einem Hund. Da kannst Dir sicher sein das er/sie Dich vorbehaltlos mag und der Körperkontakt zu allgemein Tieren ist ja sehr hilfreich. Vor allem, Du kommst raus, lernst andere Hundebesis kennen und hast immer ein Gesprächsthema. Ich hab zwei von der Sorte und hab in den letzen Jahren so viele total tolle Freunde kennengelernt, an denen ich sonst bestimmt vorbeigelaufen wäre....

  5. #5
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    Hallo Absolem,

    Ich denke auch, nachdem was du so schreibst, das es sicherlich auch eine Übungssache ist.
    Ich glaube für niemanden ist es leicht sich neuen Situationen zu stellen und auf fremde Menschen zu zugehen.

    Mir selber fällt das auch extrem schwer.
    Wie wäre es wenn du dir eine Sicherheit einbaust. Z.B. ein altes Hobby wieder aufleben läßt und dich anderen Intressenten anschließt.
    Sei es ein Schwimmverein, ein Fitnesscenter oder Häkelkurs...
    Ich denke in so bestimmten Bereichen fällt es einfach etwas leichter und man hat einfach öfter positive Bestätigungen und kann es dann auch in seinem Umfeld wieder angehen.

    Weiß ja nicht ob es dir helfen könnte oder du überhaupt auch Zeit dafür hast.

    Liebe Grüße

    Bluemchen

  6. #6

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    Hat dein Jahr in Mexiko vielleicht irgendwas damit zu tun gehabt? Oft verändert man sich durch solche Erfahrungen sehr als Mensch. Ich war ein Jahr in Guatemala und habe gemerkt, daß ich danach meinen Freundeskreis fast komplett gewechselt habe. Und wenn man vielleicht noch ein Bischen Schwierigkeiten hat, da passende Leute leicht zu finden, kann es auch sein, daß man sich erstmal abkapselt? Nur so 'ne Idee.

  7. #7
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    @Augen_auf
    Interessante Idee, und wie ich finde, gar nicht abwegig.

    Ich habe einen Kumpel, welcher vor ein paar Jahren Eines in Paraguay verbracht hat, seither eine Freundin dort hat, usw. Ich kannte ihn ja vorher nicht, aber laut seiner Erzählung, hat er sich wohl seit seiner Rückkehr auch mehr oder weniger eingeigelt, bzw. seinen Freundeskreis entschlackt, und gewechselt. Wenn man ihn fragt, warum das so sei, dann bekommt man zur Antwort, dass er mit der allgemeinen deutschen Mentalität rein gar nichts mehr anfangen könne, und ihn die Art der zwischenmenschlichen Interaktion hier ihn im Allgemeinen unglücklich mache.
    Nunja, ich hab ihn zwar schon eine Weile aus den Augen verloren, aber seinerzeit stand eigentlich zur Debatte, dass er vielleicht sein Studium nach Paraguay verlagern wolle.

    Aus eigener Erfahrung kenne ich ähnliche Effekte schon bei mehrwöchigen Arbeitseinsätzen im europäischen Ausland. Nach drei Wochen Spanien, oder drei Wochen Belgien, zwei Wochen Südfrankreich, usw. wollte ich jedes Mal so recht auch nicht mehr nach Deutschland zurück, habe mich nach meiner Rückkehr auch immer etwas verloren gefühlt und hatte keine rechte Lust, meinen Kumpelkreis zu sehen.
    Warum kann ich nicht recht sagen. Ein Grund mag vielleicht sein, dass ich feststellte, dass es mir an vielen Orten im Ausland bedeutend leichter fiel, Beziehungen zu anderen Menschen einzugehen, sogar gern am Abend mit weg ging, weil ich das Zusammensein viel spontaner und freier erlebte.

    @Absolem
    Unter meinen Freunden gibt es einige mit denen ich so etwas besprechen kann, aber ich denke mir immer andere Leute haben auch Probleme, dann wollen sie sicherlich nicht auch noch von meinen hören.
    Ich finde ja, dass du das falsch siehst. Gerade dieser persönliche Austausch macht ja eigentlich eine freundschaftliche Beziehung wertvoll, bereichert diese um viele Ebenen.
    Ich war eigentlich oft der "seelische Mülleimer" für Viele aus meinem Freundeskreis. Bin ich gut mit klar gekommen, und habe mich des mir entgegengebrachten Vertrauens wegen geehrt gefühlt.

    Aber es wäre noch schöner wenn das zwischenmenschliche mehr und intensiver würde. Ich weiß, dass es an mir liegt, aber die Lösung scheint irgendwie schwierig.
    Die Lösung gibt es da sowieso nicht. Ist ein permanenter Lernprozess, frei nach "Trial and Error".
    Als ich frisch aus der Tagesklinik kam, hatte ich seinerzeit eine Feststellung gemacht: Mir persönlich hat es dabei, mich meinen näheren Kontakten mehr zu öffnen, enorm geholfen, auch mit Fremden einen etwas offeneren Umgang zu pflegen, auch einfach mal wahllos "jemanden anzuquatschen".

    LG
    WbD

  8. #8

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    @WbD Das kenne ich auch aus meiner Schulzeit, daß da eine Mitschülerin, die sich sowieso etwas abseits fühlte, nach einem Jahr in Kolumbien am liebsten weiterhin in dieser anderen Welt leben wollte. Die Synthese zwischen dem, was man da erlebt hat und dem, woher man kommt und auch weiterhin lebt zu schaffen gelingt nicht unbedingt jedem. Ist aber auch ein Bischen eine Altersfrage.

  9. #9

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    Ich arbeite gerade an mir weil es mir ähnlich geht. Ich denke es hat etwas mit Selbstliebe zu tun. Wenn man sich nicht selbst, genau so wie man ist, liebt und gerne hat kommen auch Ängste auf dass andere auch so von einem denken würden und kanzelt sich somit selbst ab von Leuten die wahscheinlich sehr gerne Zeit mit einem verbringen würden. (z.B.: kennst du diese Stimmen "du bist doch wieder hässlich", "sie wird sich daran stören dass du stinkst", "du schaffst es ja eh nicht eine gute beziehung zu ihr aufzubauen" - lauter so Sachen die meiner Meinung nach damit zusammenhängen). Vielleicht kann man es nicht abstellen - aber man kann etwas über Selbstliebe lernen. Das ist eine Riesenerleichterung für mich. Und nebenbei bemerkt auch für die Menschen in meiner Umgebung. Ganz liebe Grüße, Ed

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