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Thema: Heroin: Langzeitschäden (Hilfe?)

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  1. #1

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    Standard Heroin: Langzeitschäden (Hilfe?)

    Greets Leute, kurze Vorstellung, komme aus Wien, und habe selber keine Suchtprobleme (tja, rauchen tu ich, ist im Moment aber nicht ein Problem, dem ich mich stellen will ^_^) auch im Familien / Freundeskreis gibt es keine "dringend ernsten" Suchtfälle, frage also nicht wirklich für mich, sondern aus reiner Neugierde,- mich würden *detaillierte* berichte bzw. links zu relevanter Information über die *Langzeitschäden* die durch Heroin Missbrauch auftreten interessieren.

    Ich frage, weil ich das Gefühl bekomme (so beim durchlesen der Information zu Heroin bzw. Heroinmissbrauch), das, auch wenn man es Jahre lang genommen hat, bzw. eine starke Sucht hatten, scheint es mir so, das sobald man es geschafft hat, clean zu werden, eigentlich ja alles wieder beim "alten" ist bzw. der Körper trägt keine Langzeitschäden davon bzw. regeneriert sich nach einer Weile wieder. Hab ich da was falsch verstanden, oder ist das tatsächlich so? Damit meine ich, bei anderen Drogen lese ich oft "auch nach aufhören schwere ___ Schäden" etc, nur bei Heroin finde ich nichts? Ist man also, wenn man die Sucht (und die Komplikationen, die sich daraus ergeben), überstanden hat, und clean ist, körperlich 'fein raus'? Würde mich echt interessieren.

    lg leuts

  2. #2

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    Hallo erstmal und schöne grüße an meine Ex Heimat .

    Also folgendes. Heroin gehört zu den Opiaten welche aus Opium bzw. aus der Mohnblume gewonnen wird (bitte noch genauer beschreiben, ich bin da nicht so gut!). Heroin wird schon seit Jahrhunderten eingesetzt und wurde als Schmerzmittel bekannt. Auch unser Körper produziert Opiate , das ist etwas, dass sich bei Heroinabhängigen aber auch bei vielen anderen Abhängigen anderer Drogen einstellt. Der Körper ist gewöhnt dass ihm körperfremde Opiate zugeführt werden und stellt die eigene Produktion ein. Deswegen sind verfallen soviele Süchtige in Depressionen , weil der ganze Haushalt durcheinander kommt. Es dauert bis wieder eigene Glückshormone hergestellt werden.
    Schädlich ist an Opiaten primär die ART des Konsums, die oft mit schweren Infektionen wie HIV oder sehr verbreitet Hepatitis C hereingeht. Gefolgt von Infektionen, Spritzabszessen, Embolien und die Liste lässt sich ewig fortführen (kann ich dir gerne zusenden). Allerdings spielt das Heroin hier bei eine sekundäre Rolle, außer es ist wie heutzutage sehr oft oder eigentlich meistens, durch allerlei Streckmitteln (Milchzucker bis hin zu Strichnyn !!) verseucht und gestreckt.

    Ich sags mal so. Ja bei Heroin gibt es gewaltige Schäden. Der Körper verfällt aufgrund unzureichender Ernährung oder Mangelernährung, nicht ausreichender Hygiene etc. Sowohl sozial als auch körperlich sind die Schäden enorm.
    Allerdings würde ich das eher die Begleiterscheinungen von Heroin nennen. Ein reines Heroin wird sicherlich nicht soviel Schäden anrichten wie Alkohol auf Jahrzente gesehen oder der Konsum anderer chemischr Drogen.
    Noch dazu darf man nicht vergessen, dass heutzutage alles mögliche konsumiert wird. Die wenigsten Abhängigen konsumieren nur Heroin . Gekoppelt mit anderen Substanzen bleiben erhebliche kognitive und neurologische Defizite.

    Eine Sucht übersteht man nie, süchtig bleibst du immer und die Gefahr bleibt immer bestehen. Man kann aber lernen damit umzugehen, nur leider gelingt das wahrlich wenigen.

    Ich habe u.a auch Heroin konsumiert. Opiate waren meine Hauptdrogen.

    Ich bin 21 Jahre alt und habe schlimmste Schlafstörungen , ich habe 3 mal fast mein Leben verloren, habe eine Muskelschwäche, ordentliche Traumatisierungen die mir das Leben schwer machen und ganz schön zu kämpfen in dieser "normalen" Welt sowie massive Konzentrationsstörungen.

    Lass die Finger davon, Heroin ist ein Spiel mit dem Feuer, beim du dich verbrennen wirst. Je nachdem wie es läuft, erstickst du in den Flamen oder kriegst noch die Kurve. In meinem kurzen Leben, kenne ich in meinem Real Life fast niemanden - außer eine Freundin- der von Heroin weggekommen ist, ich zähle da zu den Ausnahmen und hier werden dir noch ein paar über den Weg laufen.
    Übrigens habe ich nicht nur Langzeitkonsumenten Junkies zu Grabe getragen sondern auch ein 17jähriges Mädchen, dass beim ersten Mal, draufgegangen ist. Sie wollte nur probieren, ein einziges Mal nur.. und bezahlt hat sie mit dem größten Preis den es überhaupt gibt, mit dem eigenen Leben.

    Hör dir mal die Geschichten der anderen hier an, Tragödien für sich.

    Und eins kannst du dir sicher sein, es haben alle, Folgeschäden davongetragen - und was für welche - werden sie dir selber erzählen .

    Übrigens wenn du mich sehen würdest, du würdest dein Leben lang nie glauben, ich wäre mal voll auf H gewesen. Spuren sind nicht immer sichtbar

    Alles Gute, Future

    ps: Achja, eins hab ich vergessen. Ich bin eigentlich noch immer Opiatabhängig. Ja, ich bin im Drogenersatzprogramm und habe noch nen langen Weg vor mir. Wenn du wissen willst wie beschissen es ist, wenn man von Opiaten abhängig ist und das ganze Leben darauf ausrichten muss, kannst du dich gerne melden .
    Geändert von Future (11.12.2010 um 01:16 Uhr)

  3. #3

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    Hallo Seepferdchen,
    eigentlich hat Future schon alles richtig gesagt. Habe auch etwa 10 Jahre lang Heroin konsumiert und habe immer zugesehen das ich eine " Gute Connection " hatta wo der Stoff nicht so verunreinigt war wie das Zeug was man auf der Strasse kauft. Ein Artzt hat mal zu mir gesagt,mit reinem Heroin kann man 100 Jahre alt werden,man wird natürlich süchtig aber nicht Krank. Aber da habe ich immer das Bild von Miles Davis ( Ein U.S. Sänger,die älteren unter uns werden sich vieleicht noch erinnern.......) im Kopf. Der hatte sicher genug Geld um sich anständige Qualität zu besorgen aber hat später trotzdem ausgesehen wie ein lebender Toter.

    Hier in Hamburg wird an eine Handvoll Allerschwerstabhängiger,denen auch mit Substitution ncht mehr zu helfen ist, künstlich hergestelltes Heroin ausgegeben. Müssen zwei mal am Tag zum Artzt und bekommen es dann gespritzt.Ich glaube es handelt sich dabei noch um eine Versuchsstudie.Aber wenn reines Heroin Schäden verursachen würde,dann dürfte es so ein Programm eigentlich nicht geben.

    Also ist es wohl so das reines Heroin keine Langzeitschäden am Körper verursacht aber mit Sicherheit spätestens beim Absetzen hat man erstmal Schäden an der Psyche.

    Und wenn man nicht gerade künstliches Heroin verschrieben bekommt,wo bekomm ein normal Sterblicher schon mal sauberes Heroin ? Das ist immer schon von Haus verunreinigt. Also werden die Konsumenten Krank und verfallen aus den von Future aufgeführten Gründen immer mehr.

    Gruss Si

  4. #4

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    Jo, kann ich mich anschließen!
    Selbst, wenn du nicht körperlich krank wirst - ist ja bereits geschildert - du bleibst dann ganzes Leben lang süchtig.
    Und Langzeit folgen?
    Naja - ich habe mit 40 angefangen, mich wieder zu einem fühlenden Menschen zu entwickeln, mich in der "Normalität" einzugliedern & wieder Zugang zur Familie zu erarbeiten.
    Bin nach 10 Jahren recht weit gekommen - aber habe Unmassen an Glück dabei gehabt & weiß genau, dass ich in Sekunden diese 10 Jahre auf den Müll haue,
    wenn ich nicht ständig auf der Hut bin.
    Gesundheitlich? Weiß keiner, was da noch nachkommen kann. War ein enormer Verschleiß!!!

    LG.Ganesha

  5. #5
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    War zum ersten mal, seitdem ich dies gepostet hatte, wieder hier, und freue mich natürlich über die sehr guten Antworten, vielen Dank, vor allem an Future, hast Dir wirklich Mühe gemacht, mir das genau zu erklären, dafür vielen dank erst mal! Und danke auch, für deine Offenheit, ich wünsche Dir das allerbeste auf dem Weg in ein normales leben. Meinem ersten Posting sei noch hinzugefügt, das ich nicht den Eindruck erwecken wollte, Heroin sei keine gefährliche Droge, weiss schon das sie es wirklich ist. Wollte mich geziehlt der Langzeitschäden erkundigen.
    Was harte Drogen angeht, hab ich (ganz bewusst, weil ich eine Heidenangst vor neuer Abhängigkeit bzw. viel Pech beim ersten Trip habe) noch nie welche genommen, habe es auch nicht vor. Werde also sowieso definitiv die Finger davon lassen, danke für die Warnung, Future

    Einige Sachen, die sich aus deiner Antwort ergeben haben, haben mich sehr interessiert. Zum Beispiel hast Du gesagt, das auch wenn man es schafft, von Heroin ganz wegzukommen, ist man trotzdem "sein Leben lang abhängig", und muss "immer auf der Hut sein", könntest Du mir das eventuell genauer erörtern? Meinst Du damit, der Körper hört nie auf, sich danach zu sehnen? Wie darf ich das verstehen?

    Ausserdem wurden noch Schlafstörungen , kognitive Probleme und Muskelschwäche angeführt, wie genau ergibt sich das? Kenne mich etwas bei chemischen Prozessen im Körper aus (durch's Psychologiestudium, wo viel Biologisches dabei war, gerade im Zusammenhang mit Drogen), kann mir das aber als jemand der noch nie abhängig von harten Drogen war, und auch nie die Gelegenheit gehabt hat, mit Leuten, die es sind oder waren, zu reden, nur schwer visualisieren.

    Was mein Interesse angeht, ich bin prinzipiell immer an allem interessiert, so kann ich auch in meiner Freizeit kaum aufhören, zu lesen, bzw. mit Leuten über dies oder das zu quatschen, um mehr zu erfahren, das Interesse ist also nicht Drogenspezifisch. Hab erst vor kurzem begonnen, mich für Drogen bzw. Drogensucht zu interessieren, war vorher eher eine Wissenslücke von mir. Auf Drogen kam ich erst vor kurzem, als ich mir den Film Permanent Midnight ansah, fand ihn so cool/interessant, (was mir bei filmen eigendlich nicht so oft passiert) das ich darauf anfing, über Drogensucht zu lesen. (Hab hier bei euch im Forum was andere Drogen angeht auch schon so einiges dazugelernt)

    @Ganesha: Also ich hab mir unter Heroinabhängigen bzw. anders Drogenabhängigen immer gutverdienende Rockstars vorgestellt, denen keinerlei sonderlich schlechtes (abgesehen von einem occasional bad trip oder so) passierte, war ich aber noch klein, und ist ja klar das man nicht merkt, was so alles abgeht, wenn sie nicht im Musikvideo, oder auf der Bühne zu sehen sind!
    Geändert von Seepferdchen (11.12.2010 um 16:45 Uhr)

  6. #6

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    Hallo Seepferdchen

    bin jetzt auch ein bisserl neugierig - schreibst bestimmt gerade an Deiner Diplomarbeit - richtig?

    Viele Grüsse

    Mickey

  7. #7
    Themenstarter

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    Hallo Mickey!
    Diplomarbeit (Gottseidank) schon hinter mir, Thema war ein Vergleich von kognitivem, insbesondere visuell-räumlichem Denk- und Lernvermögen, bei monolingualen vs. bilingualen Leuten, als auch die Unterschiede in der Sprachauffassung.
    Habe vor weiterzustudieren, wird also sicher irgendwann in absehbarer Zukunft noch eine - längere - Diplomarbeit auf mich zukommen *weinlach*

  8. #8

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    Hallo Seepferdchen

    oha - spannendes Thema, wobei meine Baustelle mehr die Arbeits- & Organisationspsychologie war - z. B. formelle & informelle Gruppen. Das Paradigma von "Buridians Esel" ist ähnlich wie Maslow vielleicht allen bekannt. Und vielleicht reicht eine empirische Studie zum Heroin als Dissertationsthema aus? Es gibt Mediziner, die sich in ihrer Doktorarbeit mit Statistiken über Hubschrauberlandeplätze auf Krankenhäusern befasst haben. Da ist nur ein bisserl Phantasie gefragt!

    Viele Grüße

    Mickey

  9. #9

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    Hallo,

    Ich beantworte dir gerne deine Fragen, wird aber morgen werden. Bin grad vom arbeiten heim und muss noch einiges tun heute.

    Alles liebe Future

  10. #10
    Themenstarter

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    Mickey-
    Deine 'Spezialität' ist aber auch sehr interessant, schon fast ins Soziologische übergreifend! Hab auch Soziologie studiert, hab also Gruppen primär im Soziologischen Sinne untersucht. Mich interessieren Subkulturen total, vor allem die Deaf Community, so entstand auch die Idee zu meiner psychologie-bilingualismus-Studie. Glaube, das Buch, das mich als Teenager am meisten beeindruckt hat, war Oliver Sacks' "Seeing Voices", über die Gehörlosen-community. (Awakenings, sein populärstes Buch hingegen hat mich nie sehr beeindruckt, alle seine L-DOPA Studien laufen im grossen und ganzen aufs selbe hinaus).

    Ich glaube, ich werde wieder etwas Deaf Studies mässiges als Diplomarbeitsthema aussuchen, wobei ich dabei natürlich auch den vergleichsmässig übermässigen Alkoholkonsum von Gehörlosen näher beleuchten könnte. Mich zieht's im Allgemeinen mehr zu den Sprachlichen Besonderheiten (Zeichensprache, Signwriting, etc), und das "Eigenständige Kultur" denken, das sich in den letzten ca. 4 Dekaden aufgebaut hat - bzw. was viele schon als eine Ethnie (!!) verstehen, die sich daraus ergibt.

    Future-
    Ist klar, bitte lass dir Zeit, will hier niemanden stressen! Nach einem langen Arbeitstag bin ich auch nicht wirklich mehr zu viel im Stande
    Geändert von Seepferdchen (11.12.2010 um 22:14 Uhr)

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