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Thema: Nach 9 Jahren Kiffen....

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  1. #1

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    Standard Nach 9 Jahren Kiffen....

    Hallo zusammen

    Ich habe mich die letzten Tage durch einige Foren gelesen und habe mich nun dazu entschlossen mich hier zu registrieren und etwas zu schreiben weil ich mich hier gleich ziemlich wohl und gut aufgehoben gefühlt habe. Ihr seid wirklich ein netter Haufen hier

    Ich bin am Sonntag 30 geworden und kiffte bis zu diesem Tag rund 9 Jahre täglich. Meinen ersten Joint habe ich schon so mit 14 geraucht und die Jahre danach nur ganz selten mal gekifft (alle paar Monate). So ungefähr mit 18/19 wurde es immer mehr (ca wöchentlich 2-3 Joints), habe damals aber alles noch ziemlich gut auf die Reihe bekommen, mein Abi wunderbar bestanden & eine tolle Zivildienststelle gefunden. Als ich 20 war bin ich von meinen Eltern in eine andere Stadt gezogen, habe dort einen tollen Job gefunden bei dem ich viel Spaß hatte und gut Geld verdient habe. Eigentlich hatte ich vor zu studieren aber der Studiengang für den ich mich entschieden hatte sagte mir nicht zu also arbeitete ich lieber. Fühlte mich in der Stadt leider gar nicht wohl und bin dann mit 21 nach Berlin gezogen wo ich schon immer gerne wohnen wollte. Dann fingen meine Probleme mit dem Kiffen so richtig an. Ich verliebte mich sehr in jemanden, der schon seit Jahren täglich kiffte und ich habe gerne mitgemacht. Gras zu kaufen wurde mir schnell zu blöd weil ich die Leute, zu denen wir damals gegangen sind um was zu kaufen extrem unangenehm fand und ausserdem ging es ziemlich ins Geld.
    Teamhinweis von Dirty
    Teil entfernt

    Da wurde es dann richtig schlimm. Die Beziehung hielt nicht mehr lange weil mein Freund immer öfter alleine zuhause kiffen wollte, mich nicht mehr so häufig sehen mochte, immer unzuverlässiger wurde, ich ihn teilweise tagelang nicht mehr ans Telefon bekam und er mich auch nicht zurückrief, die Unzufriedenheit mit seinem Leben an mir auslies, mich für alles mögliche, was bei ihm schief lief verantwortlich machte usw.
    In meiner nächsten Beziehung war ich dann schon derjenige, der sich lieber abends alleine in sein Zimmer einschloss und einen Joint nach dem anderen rauchte (10 an einem Abend waren keine Seltenheit) als mich um meinen Freund zu kümmern. Ich schaffte es nicht, meine sozialen Kontakte zu pflegen, hatte mich zwar für ein neues Studium eingeschrieben, ging aber nie hin, dann das nächste Studium auch versemmelt, ebenso das vierte
    Vor drei Jahren habe ich dann einen ganz wunderbaren Menschen kennen gelernt, der zwar auch kifft, durch den sich aber vieles bei mir verändert hat. Hatte es jahrelang geschafft mein Umfeld dermassen zu täuschen, dass niemand auch nur im Traum damit gerechnet hätte, dass ich irgendwelche Probleme haben könnte. Ich wohnte z.B. mit meinem zweiten Freund in Berlin zusammen und er hat drei Jahre lang nicht bemerkt, dass ich so gut wie nie zur Uni ging und Abends locker 10 Tüten wegrauchte.
    Wenn ich zwischendurch mal wieder eine Phase hatte in der ich weniger kiffte und beschloss mein Leben zu ändern und wieder mehr unter Menschen ging wurde ich stets von allen bewundert wie unglaublich kommuniktiv, lustig, reif, vernünftig, reflektiert, zielstrebig, kompetent usw. ich doch sei
    Niemand sollte merken, wie sehr ich teilweise am Ende war und das funktionierte toll zumal ich monatlich einen ganzen Batzen Geld von meinen Eltern überwiesen bekomme.
    Teamhinweis von Dirty
    Teil entfernt

    Vor drei Jahren änderte sich dann wie gesagt einiges. Ich lernte jemanden kennen, der bei mir einschlug wie eine Bombe und ich bei ihm auch. Ich hatte Angst , ihn hinter meine Fassade schauen zu lassen und hielt ihn auf Distanz obwohl ich am liebsten mit ihm verschmolzen wäre. Ausserdem habe ich ihn trotz der großen Gefühle als einen extrem schwierigen Menschen kennen gelernt, bei dem ich gar nicht wusste wie es denn bei aller Liebe möglich sein sollte harmonisch zueinander zu finden. Wir haben uns teilweise (Bildlich gesprochen) die Köpfe eingeschlagen, uns heftige Streitereien geliefert, haben uns bestimmt ein Dutzend mal geschworen nie wieder was miteinander zu tun haben zu wollen und sind immer wieder beieinander gelandet und nach sehr viel Arbeit haben wir es tatsächlich geschafft ein richtiges Paar zu werden indem wir Schritt für Schritt aufeinander zugegangen sind.
    Haben die ganze Zeit weiter gekifft, unter der Woche jeder für sich und am Wochenende zusammen. Ich habe mich vor einem Jahr für mein 5. Studium eingeschrieben und es tatsächlich geschafft hinzugehen und Scheine zu machen. Habe ein paar Freunde an der Uni gefunden und insgesamt ging es wirklich mal bergauf.
    Die Kifferei fing an mich immer mehr zu stören. Ich habe seit drei Jahren jeden Abend bei jedem Joint, den ich mir alleine angezündet habe gedacht "morgen hörst du auf!". Wirklich schön bekifft war ich schon lange nicht mehr weil ich kaum noch positive Wirkung von Gras habe. Es machte mich einfach nur noch passiv, träge und teilweise auch sehr ängstlich und besorgt. Ich habe nach dem Kiffen immer sehr viel gegrübelt, lange wach gelegen (teilweise konnte ich erst gegen 3 Uhr einschlafen mit den vorstellbaren Folgen für den nächsten Tag).
    Sehr genossen habe ich es hingegen immer wenn ich mit meinem Freund am Wochenende zusammen gekifft habe. Da sind wir beide irgendwie immer noch ein bißchen kuscheliger und auch geiler drauf gekommen. Haben viel gekuschelt, uns über irgendwelchen Mist im Fernsehen amüsiert und richtig tollen Sex gehabt.
    Wie gesagt wurden die negativen Aspekte aber immer wichtiger.
    Morgens aufstehen bereitete mir sehr viel Anstrengung, ich habe mich extra bemüht meinen Studenplan so zu machen, dass ich möglichst nie um 8 in der Uni sein muss. Soziale Kontakte zu pflegen fiel mir noch immer sehr schwer weil ich abends eben lieber zuhause einen rauchen wollte anstatt mit Freunden was zu unternehmen. Mit der Uni komm ich ganz gut klar aber es kostete mich sehr viel Energie mich aufzuraffen und oft habe ich dann doch abends einen geraucht obwohl ich eigentlich was für die Uni hätte machen sollen was ich dann später unter großem Zeitdruck nachholen musste. Wohnung aufräumen, putzen, einkaufen etc. habe ich auch oft vernachlässigt und erst gemacht, wenn es wirklich nicht mehr aufzuschieben war und das ist dann ziemlich ätzend, wenn man einen ganzen Tag braucht um es wieder halbweg wohnlich zu machen. Probleme und Aufgaben wurden von mir so lange verdrängt und aufgeschoben, bis es einfach nicht mehr anders ging usw.

    Am Samstag habe ich es dann tatsächlich geschafft meinen letzten Joint zu rauchen. Ich vermute, dass ich wohl nie wieder kiffen kann ohne schnell wieder in mein altes Muster zurück zu fallen, aber das möchte ich im Moment noch nicht so richtig wahr haben. Mein Freund hat mich sehr überrascht und auch mit aufgehört was mich unglaublich stolz und glücklich macht weil ich etwas Bedenken hatte, dass es für große Probleme zwischen uns sorgen könnte wenn er weiter kifft und ich nicht. Mein ganzes Gras haben wir bei mir in den Keller gepackt und er hat den Schlüssel bekommen weil wir beide irgendwie noch hoffen, dass wir vielleicht doch eines Tages wieder mal etwas rauchen "dürfen". Wir wollen auf jeden Fall nie wieder unter der Woche jeder alleine für sich zuhause sitzen und Joints rauchen aber hoffen, dass es vielleicht möglich ist irgendwann mal am Wochenende zusammen eine Bong zu rauchen. Bong deshalb, weil wir nie Bongraucher waren und wenn wir nun irgendwann wieder mit Joints mit Tabak&Gras anfangen würden wäre das sicher eine absolute Garantie dafür, dass wir wieder ganz schnell im alten Muster wären. Aber wie gesagt...das ist nur "Hoffnung" und ich vermute, dass die Realität eher so aussieht, dass wir nie wieder Gras konsumieren dürfen, egal in welcher Form.

    Für mich ist klar, dass ich (wenn überhaupt) erst wieder etwas kiffen werde, wenn ich noch ein paar Sachen in meinem Leben geändert habe. Ich möchte einen Nebenjob, damit ich das Geld meiner Eltern nicht mehr brauche, ich möchte einen stabilen Freundeskreis mit dem ich regelmäßig etwas unternehme, ich möchte zeitig einschlafen und nächstes Semester möglichst jeden Tag um 8 zur Uni gehen, ich möchte meinen Eltern erzählen, was die letzten Jahre mit mir los war, ich möchte berufliche Ziele entwickeln, meine Wohnung renovieren & regelmäßig und rechtzeitig aufräumen & putzen, wieder ein paar mehr Hobbys nachgehen, mehr Sport machen, mich wieder gesünder ernähren, auch noch mit den Zigaretten aufhören, niemandem mehr etwas vorspielen sondern über meine Probleme reden und mir helfen lassen, mich in der Uni nicht mit "gerade so bestanden" zufrieden geben sondern etwas mehr Ehrgeiz entwickeln, mal wieder ein gutes Buch lesen anstatt mich vom Fernseher unterhalten zu lassen, zweimal im Jahr zum Zahnarzt gehen anstatt alle 5 Jahre mal, meine Hemden bügeln bevor ich sie anziehe, Aufgaben rechtzeitig erledigen und nicht alles auf den letzten Drücker machen und meine Omas regelmäßig anrufen & Briefe schreiben.

    Heute ist nun also mein vierter Tag ohne Gras und ich muss sagen, dass es besser geht als erwartet. Mein Freund und ich haben beschlossen die erste Zeit jeden Abend und jede Nacht zusammen zu verbringen (sonst haben wir uns nur am Wochenende gesehen) um etwas Ablenkung zu haben. Die erste Nacht haben wir so gut wie gar nicht geschlafen und waren am Montag sehr müde, sind aber total gut um 7 Uhr aus dem Bett gekommen . Montag haben wir schon etwas besser geschlafen und letzte Nacht ging es fast schon richtig gut. Wir haben nachts zum Glück nicht so geschwitzt wie viele andere berichten, die mit dem Kiffen aufhören. Wie toll wir morgens aus dem Bett kommen ist einfach unglaublich. Mit dem Aufstehen hatten wir beide sonst immer sehr große Probleme.
    Fühlen uns beide aber körperlich etwas angeschlagen. Uns wird teilweise sehr kalt, bekommen Schüttelfrost, dann plötzlich einen kleinen Schweißausbruch, fühlen uns manchmal fiebrig und haben etwas Gleiderschmerzen. Ist aber gut auszuhalten. Emotional geht es mir total wechselhaft. Manchmal spüre ich ganz plötzlich eine unglaubliche Fröhlichkeit in mir aufsteigen, die mich singen und tanzen lässt und ein paar Sekunden später werde ich plötzlich sehr aggressiv oder total traurig, so dass ich anfange zu weinen und gar nicht mehr aufhören kann, dann wieder fröhlich usw. Habe manchmal (zum Glück bisher eher selten) große Lust einen Joint zu rauchen und kurze Zeit später denke ich, dass ich nie wieder kiffen will. Das fühlt sich alles ziemlich ungewohnt an und überfordert mich manchmal aber es ist ok. Gestern haben wir zum ersten mal versucht ohne kiffen Sex zu haben und es war richtig schlecht. Das hat uns beide ziemlich fertig gemacht weil wir seit drei Jahren scharf aufeinander sind, den besten Sex unseres Lebens haben und es sogar noch von mal zu mal besser wurde. Aber das wird sich hoffentlich wieder einspielen
    Versuchen insgesamt uns viel abzulenken. Er muss jeden Tag arbeiten, ich muss Hausarbeiten für die Uni schreiben, am Wochenende werden wir meine Wohnung renovieren und das übernächste Wochenende fahren wir zu seinen und zu meinen Eltern. Haben also schonmal dafür gesorgt die nächsten zwei Wochenenden gar nicht erst in Versuchung zu kommen und hoffen, dass wir das so durchhalten, wenn die Anfangeuphorie verflogen ist.

    So, das wars erstmal

    Viele Grüße
    RoterKater
    Geändert von Dirty (13.08.2008 um 16:26 Uhr)

  2. #2

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    Standard

    Hallo Roter Kater,

    Schön, dass Du uns Deine Geschichte erzählt hast, das hilft bei der therapheutischen Selbstheilung (sofern es diese gibt, aber ich glaube daran und mag dieses Forum sehr!).

    Mir gehts emotionell ähnlich wie Dir - habe mich mehr als 10 Jahre mit THC und ALK durch die Uni gerettet und beziehungstechnisch "auf Gras" einiges erlebt.

    Immer, wenn eine "Trennung" vom Partner stattfand, wurde der Konsum aus Frust weiter hochgeschraubt.

    Daneben machen sich natürlich die typischen Entzugserscheinungen wie Nervösität, Gereiztheit und Müdigkeit auf, was beim Rückfall ins alte Konsummuster amotivierend wirkt.

    Und sexuell ist nur dann was machbar, wenn THC und ALK mit im Spiel sind.

    Vom Grundatz her auch bei mir alles ein Trauerspiel, und ich funktioniere in dieser Welt nur noch wie ein Roboter..........

    Im Endeffekt kann es das nicht sein und wir sollten einer rauschfreien Zukunft entgegensehen.

    Viele liebe Grüsse
    Geändert von Mickey69 (14.08.2008 um 13:57 Uhr)

  3. #3
    Themenstarter

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    Hallo Mickey

    Ja, das Schreiben hilft mir ganz gut und davon zu lesen, wie es anderen Leuten mit ähnlichen Problemen geht auch. Hoffe, dass der Thread hier irgendwann mal für ein paar Leute so nützlich sein wird, wie für mich einige andere, die ich hier im Forum gelesen habe.

    Ich habe auch Deine Beiträge im Thread von firestarter gelesen. Bist Du noch "clean" oder hast Du in den letzten Tagen wieder was geraucht?
    Ich habe ja zum Glück kein Auto aber ich miete manchmal eines, wenn ich eines brauche und übernächstes Wochenende wird das erste seit sehr langer Zeit sein, an dem ich keine Angst mehr von einem Bluttest haben muss, sollte uns die Polizei anhalten.
    Es ist bisher zum Glück noch nie vorgekommen, dass ich im Strassenverkehr auf Drogen kontrolliert wurde aber ich hatte jedesmal ein ganz blödes Gefühl wenn ich hinterm Steuer saß und irgendwo auf der Autobahn an einer Ausfahrt einen Polizeiwagen sah, der dort auf jemanden, den man herauswinken könnte wartete. Wenn das nun passieren sollte und sie einen Test machen wollen kann ich einfach eine Urinprobe oder den Wischtest verweigern und dem Bluttest ganz gelassen entgegen sehen. Das wird bestimmt eine viel stressfreiere Fahrt als sonst .

    Der gestrige Nachmittag verlief bei mir nicht so super. Mir ging es plötzlich sehr schlecht, habe trotz 25°C wahnsinnig gefroren und hatte Schüttelfrost und merkwürdige Sehstörungen. War auch ziemlich antriebslos und habe nicht viel mehr geschafft als rumzuhängen. Habe mich dann in die heiße Badewanne gelegt und da ging es dann wieder ziemlich gut und ich habe mich rundum wohl gefühlt. War fast so schön wie bekifft sein . Dann rief mein Freund mich auch noch an um mich vorzuwarnen, dass er sehr mies drauf sei. Als er dann abends vorbei kam haben wir uns fast gestritten. Er sagte mir, dass es ihm so vorkäme, als hätte er sich durch die Kiff-Pause die Freude in seinem Leben genommen. Das ist schon bitter, wenn der Mensch, den du über alles liebst dir quasi ins Gesicht sagt, dass er mehr Freude daran hat alleine zuhause vor dem Fernseher zu kiffen als den Abend nüchtern mit dir zu verbringen. Ich habe versucht das nicht zu ernst zu nehmen weil ich ja weiß, was für eine Macht die Droge über einen haben kann und mich ja meinem Ex gegenüber auch so verhalten habe ohne es wirklich böse zu meinen. Aber weh tat es irgendwie schon. Ich habe ihm gesagt, dass das vorbei gehen wird und die Lebensfreude in ein paar Wochen, durch die wir jetzt halt durch müssen, schon wieder kommen wird und es dann eben echte Lebensfreude sein wird und nicht diese Scheinzufriedenheit, die man durchs Kiffen bekommt. Dann wurde er noch ein wenig trotziger und meinte, dass er ja eigentlich auch nur wegen mir damit aufgehört hätte und eigentlich mit seinem Leben wie es war sehr zufrieden war und eigentlich kaum Probleme wegen dem Kiffen gehabt hätte. Ich meinte dann zu ihm, dass ich nur zu gut weiß, was die Drogen einem vorspielen können und auf was für perfiden Wegen die Sucht versucht einen zu überreden, ihr doch wieder nachzugeben und ich nicht bereit bin, mich nun in die Spaßverderber-Ecke stellen zu lassen und gegen seine Sucht anzukämpfen weil ich weiß, dass ich diesen Kampf nicht gewinnen kann. Ich sagte ihm, dass er wenn er gar nicht mit Kiffen aufhören wolle einfach in den Keller gehen und sich das Gras holen kann. Dann könne er damit nach Hause fahren und sich einen dicken Joint bauen und rauchen. Ich würde mich dadurch nicht von meinem Vorhaben abbringen lassen und würde es auch alleine schaffen. So sehr ich mich über seine Unterstützung freue habe ich einfach keine Lust, dass er nur wegen mir aufhört und ich dann für ihn irgendwann "der Böse" bin auf den er diese unangenehmen Entzugserscheinungen, unter denen wir beide teilweise leiden projeziert. Der Abend ist dann doch noch gut ausgegangen. Er hat sich das Gras zum Glück nicht geholt weil irgendwo in ihm drin eben doch eine Stimme sagt, dass es sich nach 18 Jahren Dauerkonsum mal lohnen könnte zu schauen ob wirklich alles so prima lief.

    Wir hatten dann vorm Schlafen noch einen kleinen Quickie, der sogar ziemlich nett war. Kein Vergleich zu unseren sonstigen sexuellen Eskapaden aber es war trotzdem schön und geil und und fiel ein kleiner Stein vom Herzen weil anscheinend Hoffnung besteht auch ohne Drogen guten Sex haben zu können

    Haben letzte Nacht dann nahezu normal geschlafen und sind heute nicht ganz so gut aus dem Bett gekommen wie sonst. Insgesamt gehts mir heute wesentlich besser als gestern. Fühle mich körperlich nicht mehr so angeschlagen, habe ziemlich gute Laune und auch wieder Energie. Habe für nächste Woche ein paar Kommilitonen zu mir nach Hause eingeladen um eine kleine Party zu feiern. Habe sowas schon seit 8 Jahren nicht mehr veranstaltet und freue mich sehr.
    Das Bedürnis zu kiffen habe ich heute interessanterweise gar nicht. Habe gerade gesehen, dass hier noch eine Schere rumliegt, mit der ich immer Gras kleingeschnitten habe um n Joint zu bauen. Die ist total dick mit Harz überzogen aber die Vorstellung, das nun abzubröseln und in eine Zigarette zu mischen reizt mich komischerweise absolut nicht. Heute ist schon der 5. Tag ohne kiffen und ich bin total stolz drauf. Das fühlt sich besser an als was zu rauchen. War schon sehr lange nicht mehr stolz auf mich und wusste gar nicht mehr, wie schön das ist

    Viele Grüße und viel Kraft für Dich, Mickey. Wir haben uns das Zeug angewöhnt und wir werden es auch schaffen es uns wieder abzugewöhnen. Die Millionen Leute da draussen die nicht kiffen haben ja größtenteils auch ein sehr gutes Leben.

    RoterKater

  4. #4

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    Hallo roter Kater

    mit Spannung habe ich Deine Nachricht gelesen, und nein, bin leider immer noch nicht clean, kämpfe aber verzweifelt um eine rauschfreie Zeit. Gestern Abend habe ich nichts von dem grünen Zeug geraucht und hatte trotzdem knisternde erotische Erlebnisse mit meinem (konsumfreien!) Partner. Drogen und Sexualität hingen bei mir immer sehr stark zusammen, wahrscheinlich kann man mich hier als TRANSGENDER bezeichnen – also Identitätsprobleme mit dem eigenen Geschlecht - doch ich stehe dazu und lebe es aus!!!

    Hatte auch mal eine Partnerschaft, wo beide was konsumierten, aber auch ohne illegale Substanzen leben konnten. Wenn beidseitig der Entschluss da ist, mit Gras aufzuhören, dann leidet zwar die Erotik darunter – aber das sollte man gemeinsam durchstehen!!!

    Straßenverkehr und Drogen sind ja ein ganz anderes Thema und natürlich kreist hier immer die Angst in der eigenen Seele….

    Bin heute den 2. Tag clean. Die letzten zwei Wochen hatte ich mich ganz gut „abgeschossen“ und dabei mit Kreislaufproblemen (bei der Hitze!) vom allerfeinsten zu kämpfen, soweit zum Thema Entzugserscheinungen. Da helfen Vitaminsäfte als nettes Rezept und – richtig – feine Entspannungsbäder!

    Ach, war gestern übrigens endlich beim Zahnarzt, nachdem ich den Termin ca. 8 mal verschoben hatte – werde nächste Woche mal meine weiteren Alltagsprobleme angehen.

    Und auch ich überlege mir manchmal, ob es schöner ist, den Abend nüchtern mit dem Partner zu verbringen - oder alleine und zugedröhnt vor dem Videorecorder abzuhängen – aber jeder Tag, der grasfrei bleibt, ist ein guter Tag.

    Wenn ich mal nichts „geraucht“ habe, bin ich vielfach mies drauf und manchmal ungenießbar, aber das ist nun mal der Preis für die Sucht und einen erfolgreichen Entzug.

    Habe mir jetzt ein MEDION Notebook geholt, dass ich am Wochenende konfigurieren werde (bitteschön rauschfrei!) – der neue Computer soll eine Belohnung für meine Abstinenz sein. Feiere jetzt in meinem Alter weniger Studentenpartys, wenngleich ich immer noch an der Uni aktiv bin. Habe – ergo – als Dozent immer öfter zugedröhnt im Hörsaal gestanden und mit Studis Partys gefeiert, bei denen der Joint kreiste.

    Im Gegensatz zu vielen anderen im Forum postuliere ich (bisher) das kontrollierte Kiffen , aber letztendlich will ich mit dem Zeug aufhören. Ein immerwährender Entzug - immer wieder neu - ist ein Wechselbad der Gefühle, und dies spiegelt sich in der Partnerschaft negativ wieder. Aber wenn man sich liebt, dann steht man gemeinsam für ein neues Bewußtsein im Denken mit einer drogenfreien Zukunft im Herzen.

    Nur Mut und Euch ein rauschfreies Wochenende wünscht

    Mickey
    Geändert von Mickey69 (15.08.2008 um 11:41 Uhr)

  5. #5
    Themenstarter

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    Hallo Mickey

    Erstmal herzlichen Glückwunsch zum gestrigen, rauchfreien Abend . Bei mir ist es ebenso, dass eine starke Verknüpfung zwischen Sexualität und Drogen besteht. Ich denke, ich könnte die drogenfreien Sexerlebnisse in meinem Leben an zwei Händen abzählen und die meisten davon sind schon ein Jahrzehnt her. Wenn ich nüchtern bin habe ich selten Lust auf Sex, wenn ich high bin kann ich hingegen gar nicht genug davon bekommen. Sex ist für mich, genau wie die Drogen, auch immer eine Art Flucht vor der Realität & Ablenkung von Problemen und das funktioniert in Kombination mit Drogen natürlich noch viel besser. Ich bin gespannt auf dieses Wochenende. Werde es komplett mit meinem Freund zusammen verbringen und mal schauen wie es dann wird. Die Woche waren wir abends auch immer sehr müde und vom Entzug gestresst und frustriert was es auch irgendwie zusätzlich erschwert hat so richtig in Stimmung zu kommen. Vielleicht wird das morgen anders, wenn wir uns mal wieder richtig ausschlafen können. Ausserdem geht es uns beiden gerade morgens und tagsüber viel besser als abends und da ist es sicher nicht verkehrt, wenn wir da mal Zeit für Sex haben.
    Ich habe in meinem Leben auch schon einige Male mit den Zigaretten aufgehört und merkte da, dass mir anfangs Dinge, die ich normalerweise mit einer Zigarette erledigt hatte sehr schwer fielen und das wird nun wohl ähnlich sein. Es ist auf jeden Fall sehr schön zu lesen, dass ihr gestern auch ohne Drogen ein schönes Erlebnis hattet

    Heute fühle ich mich insgesamt noch ein gutes Stück besser als gestern. Ich würde sagen, dass der vierte Tag bisher der schlimmste war und es seitdem wieder bergauf geht. Habe heute keinerlei körperliche Beschwerden mehr. Bin vor allem froh, dass sich meine Sehstörungen wieder gelegt haben. Gestern habe ich alles noch sehr verschwommen wahrgenommen, hatte Schwierigkeiten Entfernungen abzuschätzen und alles um mich herum wirkte merkwürdig verzerrt und unwirklich. Ich hatte auch jahrelang heftige Magen- und Darmprobleme (täglich Krämpfe und Durchfall) für die kein Arzt eine Ursache gefunden hatte bis mir dann irgendwann, als keiner mehr weiter wusste, ein Reizdarm-Syndrom diagnostiziert wurde. Das hat sich alles in den letzten Tagen wieder normalsiert.

    Gestern abend gabs wieder fast Streit zwischen meinem Freund und mir. Ging wieder darum, dass er ja eigentlich nie ein Problem wegen des Kiffens gehabt hätte und am liebsten so weiter machen würde wie alles war. Diese Stimme habe ich auch in mir. Sie sagt: "Mensch, was machst Du eigentlich, ging doch alles stetig bergauf in den letzten Monaten TROTZ der Kifferei. Ihr hattet so viel Spaß, mach doch einfach weiter. Kriegst Dein Leben doch auch mit Kiffen auf die Reihe. Hast n klasse Freund, Studium läuft...." usw. Aber ich weiß, dass diese Stimme nur meine Sucht ist, die mich anlügt und mich weiter kontrollieren möchte.
    Ich bin im Moment wenig einfühlsam und habe angefangen, ihm alles vorzuhalten, wo ich der Meinung bin, dass er große Probleme wegen seines täglichen Konsums hat und das wollte er natürlich nicht hören und hat alles abgestritten (obwohl auch Sachen dabei waren, die er mir vor ein paar Tagen selber noch gesagt hatte). Ich bin dann richtig sauer geworden und er auch aber wir haben uns ziemlich schnell und sehr gut wieder eingekriegt. Am Ende mussten wir beide sogar ein bißchen über uns lachen als wir merkten, wie sehr wir auf Streit aus waren. Sind dann gegen 1 Uhr sehr gut eingeschlafen, heute morgen schon um 06:30 wieder aufgewacht und wieder erstaunlich gut aus dem Bett gekommen.

    Habe mich dann mit einer Kommiltonin getroffen um eine Hausarbeit zu besprechen und habe mich da viel mehr "bei der Sache" gefühlt als sonst. Konnte mir Dinge besser merken, war aufnahmefähiger als sonst, musste mir komplizierte Texte nicht 3 mal durchlesen um sie zu verstehen usw. War richtig angenehm und kein Vergleich zu der üblichen Quälerei. Empfinde es im Moment als den größten Vorteil, dass mich nicht mehr alles so viel Energie kostet wie früher. Früh aufstehen geht super, Wohnung ist schnell aufgeräumt, schmutziges Geschirr liegt nicht mehr tagelang rum sondern ich wasche alles sofort ab, es stapeln sich keine Berge schmutziger Wäsche mehr in der Wohnung, Katzenklo ist stets sauber. Schiebe nicht mehr so viel vor mir her sondern mache es einfach. Zahnarzttermin muss ich auch dringend machen

    Zum "kontrollierten Kiffen " möchte ich ja auch gerne, sollte es möglich sein (sehe ich im Moment eher noch als unrealistischen Wunschgedanken, wenn ich ganz ehrlich zu mir bin). Für mich ist es wichtig, erstmal einen kompletten Abstand zu bekommen weil meine Toleranz gegenüber THC inzwischen so groß ist, dass es eine unnötige Quälerei wäre einfach nur weniger zu kiffen . Ich hätte kaum eine positve Wirkung davon und am nächsten Tag wäre dann schon wieder der Wunsch da, mehr zu rauchen. Wenn ich einen Abend kiffen würde und den nächsten nicht würde der Entzug gleich wieder von vorne anfangen und die 6 Tage will ich mir nun nicht kaputt machen sondern erstmal an einem Punkt sein, wo mein Hirnstoffwechsel wieder normal funktioniert. Vielleicht wird es dann möglich sein am Wochenende mal was zu rauchen und unter der Woche dann nicht, solange ich dafür sorge, dass ich unter der Woche nicht an meine Grasvorräte komme. Mir ist aber klar, dass es (wenn überhaupt) nur mit starker Kontrolle durch mich und auch andere funktionieren kann. Wir haben vor, es dann weiterhin so handzuhaben, dass das Gras bei mir im Keller bleibt und mein Freund den Schlüssel hat. So kommen wir nur gemeinsam ran und da wir uns normalerweise nur am Wochenende sehen hätte ich dann gar nicht die Möglichkeit hier unter der Woche alleine zu kiffen .

    Habe zum Geburtstag einen tollen Entsafter bekommen, der gerade geliefert wurde. Werde mich gleich mal auf den Weg machen und eine Kiste Obst kaufen um nen leckeren Saft zu machen. Und dann nochmal in die Badewanne

    Wünsche Dir viel Erfolg mit dem Computer und ohne kiffen ! Wenn Du ganz viel Ablenkung brauchst empfehle ich Dir wireless lan unter Linux einzurichten. Da habe ich ein ganzes Wochenende für gebraucht

    Viele Grüße und auch Dir ein erfolgreiches und rauschfreies Wochenende!

    RoterKater

  6. #6

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    Hallo Roter Kater,

    genau, das Wochenende steht an und ich bin mal wieder viel unterwegs, bei meiner Mutter (da muss ich rauschfrei bleiben!) und bei meinem Partner (da werde ich ebenso konsumfrei sein!) – und mal sehen, was das Notebook macht (allerdings ohne LAN/WAN – daher erst ab Montag wieder im Forum online)…..

    Kämpfe erfolgreich gegen den Entzug an und merke ebenso, dass ich mich jetzt besser konzentrieren kann. Entscheidend ist erst mal, vom harten Konsummuster runterzukommen, und ich habe mich an diesem Wochenende für Enthaltsamkeit entschieden. Natürlich bin ich gereizt und manchmal streitsüchtig (auf Entzug!), aber das ist eine Frage der inneren Moral, damit umzugehen. Und mein Magen macht mir ebenfalls zu schaffen, aber da helfen eben Vitaminsaft und Co.

    Sexualität und Drogen sind bei mir auch ein ganz großes Thema, und Du hast das sehr gut reflektiert. Jahrelang konnte ich mit meinem Partner im Bereich Erotik und Co. nichts anfangen, wenn ich nicht – zumindest ansatzweise – vollgedröhnt war. Ergo zerstören Drogen Emotionen, die Liebe und das Leben; das Ganze mal zu Ende gedacht!

    Eine Bekannte von mir ist bisexuell – und Psychologin – und hat ein Suchtproblem mit Alkohol – da habe ich glücklicherweise einen kompetenten Gesprächspartner und Leidensgenossen. Mit ihr diskutiere ich auch die Frage "gelegentlich... oder Nullkonsum???"

    Viele meiner Partnerschaften haben unter meinem Rauschzustand von THC und ALK gelitten, da Drogen – auf lange Sicht – ebenso Gefühle zerstören, es bleibt nur ein nervliches Wrack über. Hatte teilweise die Entzugserscheinungen vom THC mit Alkohol bekämpft, und so was ist eine klare Suchtverlagerung.

    Ein – rein physischer - Abstand zum THC ist schon mal ganz gut und letztendlich kann es ja so nicht weiter gehen. Für mich ist es wichtig, die Gründe für meine Sucht aufzuarbeiten, darüber zu reden und den richtigen Mittelweg zu finden.

    Soweit ein paar kurze Impressionen und vielleicht bis Montag – auf ins rauschfreie Wochenende und liebe Grüsse

    Mickey
    Geändert von Mickey69 (15.08.2008 um 14:52 Uhr)

  7. #7

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    Hallo,
    will mich hier auch mal kurz zu Wort melden:
    Also: Wenn man bereits soweit im Drogenproblem verstrickt ist, das man es als Problem erkannt hat & merkt, wie sehr es einen beschäftigt, ist man nach meiner Erfahrung nicht mehr in der Lage mit "kontrolliertem Konsum" umzugehen, da die alten Suchtmuster unweigerlich wieder greifen werden!
    Eigene Erfahrung, klar...
    Zum Thema Sex und Drogen kann ich nur sagen, daß ich ca. 45 Jahre alt war, als ich meine erste drogenfreie SexBeziehung hatte & ich staunte nicht schlecht:
    Es gibt keine biochemische Droge, die an den Rausch eines innigen, in Liebe vollzogenen Liebesaktes heranreicht...
    Gebe gerne zu, dass ich alle Aspekte des bedröhnten Sexes gründlichst durch hatte & von daher vielleicht einfach auf das Neue ansprach........Aber, es ist so & ich genieße es weiterhin - nicht nur im Alltag, sondern auch in der Liebe - ICH SELBST zu sein.
    Natürlich ist es ein langer Weg, bis man alle gewohnten "Belohnungsscenen" etc durch anderes als Drogen ersetzt hat, aber es geht wirklich & ich habe nach Jahrzehnten des harten Konsums (Alles!) wirklich mittlerweile einige Tage am Stück, an denen ich nichtmal an Drogen denke & wenn, dann tuts nicht weh, sondern ist ein angenehmes Gefühl, das ich nix mehr nehme...
    Morgens aufzustehen & sich nix antun zu müssen ist nämlich eine geile Sache...
    Hatte gestern dann 7 Monate ohne Kippen & Kiff, der Konsum von Alk & Pulver fand im letzten Jahrtausend statt!

    Also: Macht weiter - es lohnt sich - nach und nach in jeder Hinsicht...
    Achja: Schreibts euch auf; wenn Krisen kommen, gucken, wie hart man kämpfen mußte, was sich verändert hat: Das hilft dann unbedingt!!!

    Ich wünsch euch was! LG.Ganesha.
    Geändert von ganesha (15.08.2008 um 15:38 Uhr) Grund: die Rechtschreibung...lol

  8. #8
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    Hallo Mickey

    Das ist eine gute Idee, Orte aufzusuchen, an denen Du eh nüchtern bleiben musst. Und ich finde, es ist ein gutes Zeichen, dass Du Dich sozusagen freiwillig in eine Situation begibst, in der Du nichts rauchen kannst/darfst
    Die eigentlichen Gründe dafür herauszufinden, warum man in die Sucht abgerutscht ist während es viele Leute gibt, die mal kiffen ohne süchtig zu werden finde ich auch extrem wichtig und ich denke dafür ist es sehr wichtig, erstmal einen Abstand zum Konsum zu bekommen. Ich vermute bei mir liegt es hauptsächlich an meiner extrem niedrigen Frustrationsschwelle (wie bei einem kleinen Kind) und daran, dass ich schon von klein auf andauernd für Sachen, die eigentlich selbstverständlich und nicht der Rede wert sein sollten belohnt wurde. Dazu kommt, dass ich mich innerlich sehr dagegen wehre erwachsen zu handeln & verantwortung zu übernehmen. Fühle mich auch schnell überfordert, wenn ich unter Leistungsdruck stehe obwohl ich eigentlich sehr leistungsfähig bin. Habe z.B. früher mit einem Freund sehr häufig Badminton gespielt und war auch sehr gut, solange bis er unbedingt um "Punkte" spielen wollte. Da hat es mir dann plötzlich gar keinen Spaß mehr gemacht. Ein absoluter Horror ist es auch für mich in der Uni benotet zu werden. Habe ein besonders Problem damit, wenn ich eine bessere Note habe als jemand anderes und der sich deswegen ärgert. Würde dann die Klausur am liebsten wiederholen und schlechter schreiben.

    Wünsche Dir eine angenehme Zeit!


    Hallo ganesha

    Ich befürchte, dass Du völlig recht hast damit, dass ein geregelter Konsum für mich nicht mehr möglich sein wird. Aber ich will es noch nicht so richtig wahr haben und es macht mir große Angst mir vorzustellen nie wieder kiffen zu dürfen.
    Ein klein wenig Hoffnung, dass es vielleicht doch klappen könnte habe ich, weil ich das letzte mal vor ca. 9 Jahren Gras gekauft habe und es nie wieder tun würde weil mir mein Geld (bzw. das meiner Eltern ) einfach zu schade wäre es irgendwelchen Leuten, die ich unangenehm finde, für mit Vogelsand gestrecktes Zeug miesester Qualität in den Rachen zu werfen. Ausserdem könnte ich mir das gar nicht leisten, selbst wenn ich wollte. Ich rauche übrigens auch keine Zigaretten, wenn "mein Tabak" gerade in den Tabakwarenläden in meiner Nähe ausverkauft ist (was hin und wieder mal vorkommt) weil ich andere Sorten einfach nicht mag und ich es dann angenehmer finde für ein oder zwei Tage nicht zu rauchen als eine andere Marke zu nehmen.
    Wenn mir der Zugang zu meinem Vorrat also versperrt ist (weil es weggeschlossen ist und jemand anderes den Schlüssel hat) bestünde eventuell eine Chance, dass ich so zumindest nicht mehr "einfach so" ran komme sondern eben z.B. nur noch am WE, wenn mein Schatz da ist. Ob das dann wirklich angenehm ist oder ich einfach nur die ganze Woche leide, bis ich am Wochenende endlich wieder darf steht natürlich auf einem ganz anderen Blatt. Vermutlich ist ganz und für immer aufhören dauerhaft die bessere Lösung aber im Moment fühlt es sich einfacher für mich an, in kleinen Schritten zu denken ("heute ging es gut, dann wird es morgen auch gehen")
    Ich habe das Glück, dass ich zwar schon so ziemlich alles an Drogen probiert habe aber mir nichts davon so recht Spaß gemacht hat außer eben Zigaretten, THC und ganz selten mal eine E. Ich trinke sogar so gut wie keinen Alkohol . Manchmal 1-2 Jahre nicht und dann mal wieder ein paar Bier oder Cocktails oder auch ne Flasche Wein aber danach denke ich wieder monatelang nichtmal daran eventuell was zu trinken obwohl ich das Gefühl angetrunken zu sein gar nicht mal so schlecht finde.
    Deine Beschreibung von drogenfreiem Sex macht mir sehr viel Mut vielen Dank. Herzlichen Glückwunsch auch zu Deinen 7 Monaten! Ich hoffe, dass ich das mit den Kippen auch bald geregelt bekomme ...

    Schönes Wochenende!!

    RoterKater
    Geändert von RoterKater (15.08.2008 um 17:29 Uhr)

  9. #9

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    Standard

    Hi Roter Kater,

    ich will mal auf deinen Eingangspost eingehen:

    Du zeigst viele typische Verhaltensweisen eines Hardcorekiffers. Ich erkenne das, denn es sind genau die gleichen Probleme wie bei mir. Ich möchte dir nun mal erzählen, was ich während meiner Aufarbeitung so herausgefunden habe :

    Zunächst einmal diese Lüge nach aussen zu leben. Hab ich auch gemacht. Leider. Klar, keiner soll wissen, wie es einem geht. Die Meinungen von anderen Leuten spielen keine so große Rolle wie die eigene Meinung, das eigene Empfinden. Diese Lüge nach aussen zu leben ist daher hauptsächlich Selbstbelügerei, der Unwille sich selbst einzugestehen, dass man vielleicht doch ein Problem hat und es einem nicht so gut geht. Irgendwann kommt dann der Moment, wo man dann sagt: Verdammt, ich will nicht nur so tun, ich will ehrlich glücklich sein! Ich will die ganze Scheisse nicht mehr, der Leidensdruck ist zu groß. So war es bei mir.

    Vorweg-->
    Ein wichtiger Punkt, den es zu erkennen gilt, ist dass man sich nicht von heute auf morgen verändern kann. Man hat zu lange Zeit in fest eingeschliffenen Verhaltensmustern gelebt, als dass man diese schnell verlassen könnte. Also nichts mit Gewalt erzwingen, sondern stetig an sich arbeiten und immer zurückblicken auf das was man schon geschafft hat.

    Dann guckt man sich mal selbst an und führt eine kritische Bestandsaufnahme durch: Was bin ich, was sind meine Eigenschaften?

    Typisch für den Hardcorekiffer: Aufschieberei, soziale Selbstisolation, keine Problembewältigungsfähigkeit, unreife Persönlichkeit.
    Die Aufschieberei ist ein typisches Anzeichen für Unreife. Bin ich immer noch Weltmeister drin, arbeite aber hart dran. Man vermeidet persönlichen Einsatz. Man gibt der Lustseite des Bewusstseins absolute Macht, und scheisst (mit Verlaub) auf die Konsequenzen dieser Handlung. Und das obwohl man weiss, dass ständiges Aufschieben nur in noch mehr Stress und Negativem enden wird. Man verhält sich wie ein uneinsichtiges, unreifes Kind.
    -->Beispiele: Wenn du nicht lernst, bestehst du keine Klausuren. Wenn du deine Wohnung nicht aufräumst, lebst du in einem Drecksloch.

    Und diese Sache mit dem drei-Jahre-lang-am-nächsten-Tag-aufhören-wollen hab ich auch erlebt, bei mir gings aber nur ein halbes Jahr LOL. Ist aber genau das gleiche:

    Vermeiden von persönlichem Einsatz. Darauf läufts immer wieder hinaus. Man hat sich seine Zufriedenheit jahrelang in Tüten verpackt beim Dealer eingekauft, und hat einfach verlernt, "normal" zufrieden zu sein, musste nie persönlichen Einsatz bringen.

    Ich mache momentan eine kleine Therapie beim Studentenwerk meiner Universität, die mir ungemein dabei geholfen hat, mich selbst besser zu verstehen. Vielleicht solltest du mal darüber nachdenken, ob dass nicht auch für dich eine gute Idee wäre.

    Jetzt versuch erst einmal, ohne das Scheisszeug zu leben, nach ungefähr 2-3 Wochen gehts schon ganz gut. Viel Erfolg.



    Grüße

  10. #10
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    Standard

    Hallo firestarter (und natürlich auch alle anderen)

    Was Du schreibst würde ich eigentlich voll unterschreiben. Ich spiele auch mit dem Gedanken, eine Psychotherapie zu beginnen wenn ich etwas mehr Abstand zum Konsum bekommen habe um dann Ursache und Wirkung meiner Kifferei etwas besser differenzieren zu können.

    Muss sagen, dass es mir heute extrem gut geht. Hatte ein sehr schönes Wochenende mit meinem Freund und am Freitag abend hat in ihm auch etwas "klick" gemacht. Seine Laune verbesserte sich ziemlich plötzlich und nachdem er letzte Woche wesentlich mieser drauf war als ich und gar keine Hoffnung hatte, dass es jemals wieder besser werden würde meinte er heute morgen schon, dass es eine richtig gute Idee war, das Kiffen erstmal sein zu lassen. Habe ihn ehrlich gesagt noch nie so fröhlich und aktiv erlebt wie dieses Wochenende was mir wiederum viel Kraft gegeben hat da ich denke, dass unsere Beziehung nun ein ganz neues Niveau erreichen kann und alleine dafür lohnt es sich schon weiter zu machen. Sonst verbrachten wir den größten Teil des Wochenendes kiffend und f***end im Bett und dieses war nun ganz anders. Habe endlich begonnen meine Wohnung zu renovieren (was ich schon über ein Jahr vor mir herschiebe) und er hat ein neues/altes Hobby wiederentdeckt obwohl er immer meinte, er hätte eigentlich gar keine großartigen Interessen und könnte auch kaum welche entwickeln.
    Natürlich hatten wir abends Lust einen zu rauchen, aber es fiel uns relativ leicht es nicht zu tun weil wir so stolz drauf sind schon eine Woche geschafft zu haben und es momentan so schön bergauf geht, dass wir uns das Erreichte keinesfalls wieder kaputt machen wollen. Haben viel über unsere Gefühle und auch Ängste geredet.
    Hatten aber am Samstag morgen ein sehr schönes sexuelles Erlebnis miteinander . Stellten beide aber fest, dass wir momentan eher wenig Interesse an Sex haben und es tat sehr gut darüber zu reden, weil wir beide etwas in Sorge waren, dass es dem anderen nicht so geht und das dann zum Problem werden könnte, wenn einer gerne möchte und der andere nicht. Nun sehen wir das ganz locker, lassen uns erstmal Zeit und entdecken ganz neue Seiten an unserer Beziehung

    Haben beide Nächte absolut perfekt geschlafen und ich habe sogar sehr schön geträumt: Ich war auf sowas wie einem Klassentreffen, wo aber nicht nur Mitschüler von ganz früher waren sondern auch alle möglichen Leute, die ich in den letzten Jahren so kennen gelernt hatte. Habe mit ihnen darüber geredet, wie leid es mir tut, dass ich es nicht geschafft habe den Kontakt zu ihnen zu pflegen, sie belogen und getäuscht habe und alle haben sehr verständnisvoll reagiert und mich wieder "aufgenommen". Das war so schön, dass ich nach dem Aufwachen fast vor Freude weinen musste.

    Heute Abend verbringen wir nun zum ersten mal jeder alleine um zu sehen, wie wir damit klar kommen. Habe momentan keinerlei Bedenken, dass es gut funktionieren wird. Habe hier noch viel zu spachteln und zu malern. Möchte die Wohnung gerne bis zu der kleinen Party am Dienstag fertig haben. Habe allen bescheid gesagt, dass jeder gerne noch jemanden mitbringen kann und ich freue mich drauf ein paar neue Menschen kennen zu lernen. Sonst habe ich mich immer bemüht mich von allen fern zu halten und hatte teilweise regelrechte Angst vor neuen Kontakten.

    Verspüre schon das ganze Wochenende so ein angenehm-freudiges Kribbeln im Bauch. Fühlt sich besser und echter an als jeder Drogenrausch . Es werden bestimmt auch mal wieder Tage kommen, an denen es mir nicht so gut geht aber das macht nichts. Ich bin im Moment richtig heiß drauf zu lernen ohne Drogen oder andere "schnelle Lösungen" damit fertig zu werden. Neue Verhaltensmuster lernen, erwachsener werden, Frustrationsschwelle anheben.

    Mach mich nun mal wieder an die Arbeit und wünsche Euch allen noch einen schönen Sonntag!!

    Liebe Grüße

    RoterKater
    Geändert von RoterKater (17.08.2008 um 14:51 Uhr)

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