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Thema: leben wollen und trotzdem sterben?

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  1. #1

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    Standard leben wollen und trotzdem sterben?

    Hi!
    Hab mal wieder so ein paar Gedanken, zu denen ich gern eure Meinung wüsste...
    Also hab heute nen Vortrag über Depressionen gehört. Und danach auch noch mit ner Freundin diskutiert. Wurde halt so dargestellt, dass man davon ausgehen kann, dass jeder Depressive doch leben will, auch wenn er durch die Depression Suizidgedanken hat.
    Naja, nur mit so einer hundertprozentigen Aussage hab ich so meine Probleme. Kann man wirklich davon ausgehen, dass jeder eigentlich leben will, auch wenn er mit der aktuellen Situation gerade nicht leben kann und deshalb sterben möchte?
    Und die andere Seite...Kann man überhaupt ein hundertprozentiges Ja zum Leben finden (zumal als psychisch Kranker)? Also ich mein, wenn ich so von mir ausgehe, ich weiß, dass ich eigentlich leben will. Aber ich würde nicht soweit gehen, dass ich für mich sagen könnte, dass ich den Suizid ganz ausschließen würde. Für mich ist es irgendwie eine Alternative ...noch immer, obwohl ich weiß, dass ich leben will.
    Naja, weiß nich, ob ihr damit was anfangen könnt...
    *nachdenk*
    Ragazza

  2. #2

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    Standard

    Naja, wenn sich jemand umbringt dann tut man das ja nciht weil man den Tod an sich so toll findet, sondern weil einen bestimmte Lebensumstände dazu zwingen. Oder es zumindest subjektiv so aussieht.

  3. #3
    Sonnenschein

    Standard RE: leben wollen und trotzdem sterben?

    Hallo Ragazza,

    jemand der den Freitod wählt, hat versucht zu leben, doch aus irgendeinem Grund, ist es gescheitert, misslungen, war es nicht schön. Der Suizidler sieht nur noch die negativen Seiten seines Lebens, hat keine Hoffnung mehr, kein Licht, alles schwarz. Er würde ja gerne leben - aber nicht so. Suizidler stellen sich häufig eine sehr schöne Welt vor, eine heile Welt, warm und mit Sonnenschein. Unsere Welt ist aber leider nicht so. Menschen verletzten, kränken, bekämpfen einander. Der Suizidler ist zu schwach, weiter zu machen, denkt er. Er will, dass es vorbei ist und sehnt sich nach Ruhe und Frieden. Vielleicht ist er auch körperlich krank und sein Leben erscheint ihm nicht mehr lebenswert. Es gibt so viele Gründe, doch eines haben sie immer gemeinsam:

    Es ist lediglich die eine Sicht des Selbstmordgefährdeten.

    Wenn er jemand findet, der ihm Licht gibt, Hoffnung, der ihm die schönen Seiten des Lebens zeigt - dann wird sein Leben wieder lebenswert.

    Wenn jemand schon alt ist oder krank, dann kann es sein, dass er in Frieden aus dem Leben scheiden will. Das ist aber etwas anderes. Der Suizidler geht ja im Streit mit der Welt. Er hadert mit ihr.

    Niemand Außenstehender kann nachfühlen, wie schwer es sich derjenige macht. Von außen haben die anderen gut reden, die seine Probleme nicht haben. Trotzdem: Es geht immer weiter und auf Regen folgt Sonne, die Nacht beinhaltet schon den Morgen.

  4. #4

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    Standard

    Ich hab schon davon gehört das jemand den Suizid wählen will, weil er mit der jetzigen Situation nicht klar kommt. Er meinte das er ja leben wolle, aber halt nicht so. Er lebt noch und spricht noch heute davon. Ich hoffe er lebt auch weiterhin.

    Also ich glaube schon das es beide, und nicht nur eine Seite gibt. Es gibt Suizidgefährdete, die "nur" mit ihrer Situation nicht klar kommen und deshalb sterben wollen.
    Es gibt aber auch diese, die wirklich keinen Sinn im leben finden und deshalb sterben wollen.
    Ich denk es gibt immer 2 Seiten.

    Eine Psychiaterin sagte mir mal, das ein Mensch mindestens 5 Stunden täglich an Suizid denken muss um wirklich suizidgefährdet zu sein.
    Habt ihr das verstanden? Ich auch nicht

  5. #5
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    Ich kenn' diese Aussage, sweety - Zwar mit der Zwitangabe von vier Stunden... aber das macht ja nicht wirklich einen Unterschied.
    Und ja, das wurde mir auch schon so gesagt....

    Ich frag' mich grad nur, was du daran nich verstehst?!

    Liebe Grüße
    Fibra.

  6. #6

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    Ich versteh einfach nicht wie man es an einer Zeit ausmachen kann Fibra.

  7. #7
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    Sicher ist da nicht eine genaue Zeit damit gemeint, aber wenn man anschaut, wieviel 4 oder 5 Stunden einen Platz in unserem Tagesablauf einehmen, dann erklärt es sich doch!

    Gehen wir mal davon aus, wir sind 15 Stunden wach, dann würde es bedeuten, dass man ein drittel des Tages mit Selbstmordgedanken verbringt.

    Man kann da noch weiter gehen und dann behaupten, ein drittel meines Lebens habe ich mich mit meine Suizidgedanken auseinandergesetzt!

  8. #8

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    hi
    Zitat :Er würde ja gerne leben - aber nicht so. Suizidler stellen sich häufig eine sehr schöne Welt vor, eine heile Welt, warm und mit Sonnenschein. Unsere Welt ist aber leider nicht so. Menschen verletzten, kränken, bekämpfen einander. Der Suizidler ist zu schwach, weiter zu machen, denkt er. Er will, dass es vorbei ist und sehnt sich nach Ruhe und Frieden.

    Könnte glatt von mir sein. Ja, man zieht sich zurück,will das richtige Leben nicht sehen, da es einfach zu schrecklich ist. Man wünscht sich in eine heile Welt, eine schöne Welt. Und dann wird man in die Realität gezogen. Man kommt mit der vielfältigkeit der Gefühlen nicht klar und will einfach nur seine Ruhe haben. Man ist zum Scheitern verdammt. Man denkt man kann das alles nicht aushalten, es zerreißt einem und man will Schluß machen.

    Ja dieses Gefühl kommt immer wieder, nicht so übergreifend, wie am Anfang meiner Reise, aber immer wieder in meinen Gedanken. Ich glaube, man ist nie davon befreit. Aber es zu denken und danach zu handeln sind für mich unterschiede.
    gruß violance

  9. #9
    Pauline

    Standard

    Hallo,

    meine Meinung dazu ist, daß der Mensch sich nicht ganz so einfach selbst umbringt.

    Die allermeisten Selbstmordversuche werden so angelegt, daß der Gefährdete bei seinem Versuch noch rechtzeitig gefunden wird, bevor der Tod tatsächlich eintritt.

    Die Natur hat eine Sperre eingebaut, die es einem normalerweise unmöglich macht, sich selbst umzubringen.

    Diese Sperre wird eigentlich nur aufgehoben, bei

    - Menschen mit starken Suizidgedanken, zzgl. z.B. Drogenkonsum
    - Menschen in einer absolut auwegslosen Lage, die durch ihren Freitod z.B. andere Menschen schützen wollen.
    - Menschen mit erheblichen psychischen "Defekten" (wie es bei uns gern genannt wird)

    Es gibt aber auch noch eine andere Art von "Selbstmord", die in unserer Zivilisation nicht vorkommt. Sie wird nur noch bei einigen Urvölkern praktiziert. Und zwar fühlen diese Menschen, wenn sie z.B. alt sind, daß ihre "Zeit" gekommen ist. Sie entfernen sich dann von ihrem Stamm, setzten sich z.B. an einen Baum und sterben einfach innerhalb weniger Stunden. Diese Menschen konzentrieren sich so auf ihren Tod, daß sie ihn tatsächlich herbeiholen können.

    Ich weiß nicht, ob all dieses ein wenig Licht in die Sache gebracht hat.

  10. #10

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    Standard

    Zitat von Ragazza:
    "Für mich ist es irgendwie eine Alternative ...noch immer, obwohl ich weiß, dass ich leben will."

    Der einzige Unterschied zu mir ist das " noch immer". Ich entdecke diese Alternative zum ersten Mal. Und sie stellt sich so unglaublich verlockend dar. Ich sehe keinen Unterschied mehr. Ob ich weiter völlig vereinsame und mehr und mehr den Sinn für meine Existenz verliere oder gleich hier Schluss mache. Seit einiger Zeit denke ich auch unglaublich oft an diese Alternative. Fast jeden Tag.
    Obwohl ich auch leben will. Ich will gar nicht sterben zumindest nicht jetzt und trotzdem denke ich darüber nach. In den Worten hier liegt so viel Wahres. Es ist genau das ich komme mit dieser Welt nicht mehr zurecht. Ich wünsche mir eine heile Welt und sehe dabei zu wie die reale Welt immer mehr auseinander bricht und immer mehr ihren Sinn verliert. Und von Tag zu Tag wird es schlimmer. Noch habe ich alles unter Kontrolle aber wie lange noch?
    Dieser Widerspruch in mir zerreißt mich, langsam aber stetig.

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