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Thema: Immer wieder Enttäuschungen oder lieber einsam?

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  1. #1
    Mitglied SuS e.V. Forenleiterin
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    *rumwusel*

    Standard Immer wieder Enttäuschungen oder lieber einsam?

    Hallo ihr lieben,

    nach vielen vielen Enttäuschungen in meinem Leben sind meine sozialen Kontakte auf ein Minimum geschrumpft. Ich habe meinen Mann und meine beste Freundin (die allerdings 400km von mir entfernt wohnt). Das war's. Ich hab keine Bekannten (kann so schlecht nur oberflächliche zwischenmenschliche Beziehungen haben) und Freunde sowieso keine. Aber ich bemühe mich auch nicht mehr darum. Weil ich es nicht mehr will. Ich hab mich bewusst dazu entschlossen. Ob das nun so für den Rest meines lebens so bleibt oder nur eine Phase ist und wenn es eine Phase ist, wie lange die dauert - keine Ahnung. Aber momentan geht es mir so besser. Klar bin ich oft einsam und würde gern mal mit jemand anderem als meinem Mann auch was unternehmen, aber der Preis, den ich dafür eventuell bezahlen müsste (Enttäuschung), der ist mir einfach zu hoch.

    Wie ist das bei euch? Habt ihr viele Enttäuschungen von sogenannten Freunden erlebt und wie geht ihr damit um? Zieht ihr diese Enttäuschungen oder eher wie ich die Einsamkeit vor?

    Liebe Grüße
    gelberose

  2. #2

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    Standard

     
    Liebe Rose,
     
    habe eine Zeitlang darüber nachgedacht ob ich das jetzt alles schreiben soll.
    Weil es ein ganz ganz großes Stück von meinem ICH preisgibt.
    Aber warum nicht?


    Ich habe drei lange Jahre mit niemand anderem gesprochen als mit meiner Familie.
    Zu dieser Zeit war ich nicht berufstätig, somit musste ich auch mit niemand anderem reden.
    Das war ne krasse Zeit, weil ich es echt stur durchzog.
    Klar kam es wegen Enttäuschungen, wegen Schmerzen die mir durch andere zugeführt wurden.
    Ich fand die Zeit damals "klasse".
    Hab mich hinter dem "Klasseschild" versteckt und mir ging es damit gut.
    Zumindest redete ich es mir ein.


    Es war übrigens die zweite einer solchen "Phase" von mir.
    Beim ersten Mal war es so extrem, dass ich regelrecht verlernte mich mit Menschen auszutauschen.
    Als ich in eine "Krabbelgruppe" mit meinen Kindern ging und dort andere Mütter saßen, die mich ansprachen, bekam ich regelrecht Zittern und Schweißausbrüche und stammelte mir einen ab, als wäre ich zu dämlich mich zu artikulieren.
    Das ging zum Glück auch wieder vorbei.
     
    Naja, und beim zweiten Mal war ich eben auch stur und zog das, wie gesagt, drei Jahre lang durch.
    Ich bildete mir ein nichts zu vermissen.
    Als ich dann meinen Job anfing, kam ich zwangsläufig mit Menschen zusammen, was ein Glück.
     
    Ich lernte einen wunderbaren Menschen kennen, die liebste Frau der Welt.
    Und nach und nach nahm ich auch den Kontakt zu anderen Menschen auf.
    Ebenfalls mein Glück.
     
    Ein paar wundervolle Leute durfte ich kennenlernen. Diesen Menschen hätte ich niemals vorher die Chance gegeben – nein falsch – ICH hätte mir niemals sonst die Chance gegeben, diese kennenzulernen.
    Den einen oder anderen gibt es für mich nimmer, aber das ist OK.
    Ich habe mein "Klasseschild" umgewandelt in ein "Nimm es nicht so schwer" Schild.
     
    Ich kann Bekanntschaften jetzt gut abhaken – trauere ihnen nicht mehr so hinterher wie es damals der Fall war.
     
    Warum??
     
    Ich habe mir geschworen, mich verletzt niemand mehr so sehr wie damals.
    Bisher hat´s geklappt.
     
    Mittlerweile sehe ich es auch anders als "früher".
    Mittlerweile sehe ich eine "Bekanntschaft" oder einen "Freund" als "Wegabschnittsgefährten".
    Hört sich komisch an, gelle? (Ein neues Schutzschild? Mit diesem kann ich gut leben.)
    Ein/dieser Mensch geht ein Stück mit auf meinem Weg, oder – ganz egal – ich ein Stück mit auf seinem.
    Wie weit dieses Stück sein wird, kann natürlich niemand wissen.
    Aber AUF diesem Stück bin ich gerne mit ihm gegangen/gehe gerne mit ihm ... denn es ist und bleibt ein gutes Stück – eine gute Zeit.
     
    Hoffe es ist nicht sehr verwirrend was ich hier schreibe und ich hoffe, Du kannst ein klitzekleines Bisschen mein Denken verstehen.
     
    Alles Liebe Dir.
    Und ich wünsche Dir schöne Wege, die Du mit Menschen gehen darfst, ohne "danach" dieses schöne Stück nicht mehr zu sehen.
     
    Leben

  3. #3

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    Hallo gelberose!

    Da ich selber prinzipiell nur ein extrem geringes Interesse an menschlichem Kontakt habe und das mittlerweile auch pflege, kann ich dich vollstens verstehen.
    Ich habe meine Familie, meinen Partner und eine Freundin, mehr will ich ich gar nicht.
    Es ist nur schwer, das anderen beizubringen, da sie dahinter immer Angst oder Schüchternheit vermuten.
    Aber weder bin ich ängstlich noch übermäßig schüchtern und es mangelt mir auch nicht an zumindest theoretischen Fertigkeiten, andere kennen zu lernen. Und seltsamerweise bin ich anderen auch sympathisch genug, dass sie meine Gegenwart schätzen. Was ich selber nicht so ganz verstehe, vor allen Dingen wenn ich das gar nicht weiter vertiefen will.

    Aber für mich sehe ich nicht, dass ich Kontakt zu mehr Menschen bräuchte oder aus anderen Gründen haben müsste.

    Lebe es also aus, wenn du dich dabei gut fühlst und wenn deine Stimmung sich ändert dann suchst du eben wieder den Kontakt.

    Grüße
    Denise

  4. #4

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    Für mich gibt es da kein entweder oder. Natürlich wurde ich auch schon sehr oft enttäuscht. Lieber eine Ent-täuschung, als eine anhaltende (Selbst-)Täuschung, wenn mich Freunde enttäuschen weiss ich besser, woran ich bin und passe die Beziehung je nach Ausmaß an. Zugegebenermaßen, ich lasse niemand so nahe an mich ran, dass das in meinen "Kernbereich" geht und ich bin mir der stetigen Veränderungen in Bindungen bewusst, vielleicht sehe ich das deswegen auch anders, aber ich denke, Bekanntschaften sind ein echt guter Kompromis, da geht man weniger Verletzungsrisiko ein.

    Bekannte habe ich mehr als ich will, richtige Freunde nur zwei. Auch wenn wir uns nur alle paar Jahre sehen, so sehen wir uns doch stets wirklich, Täuschungen haben da wenig Raum.

  5. #5
    Mitglied SuS e.V. Forenleiterin
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    Danke für eure Antworten!

    @Leben: Ich habe kein Problem damit, wenn das Leben sich so entwickelt, dass sich die gemeinsamen Wege irgendwann trennen und auseinander gehen. Mein Problem ist, WIE das geschehen ist, WIE sich die menschen dabei mir gegenüber verhalten haben!!!! Es gibt eine Person, die mir sehr wichtig war, die zog nach Norddeutscholand und sagte mir direkt, dass sie versuchen wird, den Kontakt zu halten, sich aber sehr wahrscheinlich nicht oft melden wird. Das war für mich ok! Da fühlte ich mich auch nicht verletzt, weil das alles offen und ehrlich ausgesprochen wurde. Ich freu mich, wenn ich von ihr höre, aber wenn das nur alle halbe Jahre oder so ist, ist es auch in Ordnung. Aber bei den meisten Menschen trennten sich die Wege, weil ich erkennen musste, dass sie mich nur ausgenutzt, benutzt, betrogen und belogen hatten. Menschen, die ich für meine Freunde, meine Seelenverandte, meine Ersatzfamilie gehalten hatte, haben ihr Interesse an mir nur vorgeheuchelt, um was von mir zu erhalten. Und DAS ist es, was ich nicht mehr will, was ich nicht mehr ertragen kann, was mir als Gefahr zu groß ist. Vielleicht vergebe ich dadurch Chancen, Menschen kennen zu lernen und an mich ran zu lassen, die es doch wirklich ernst und ehrlich mit mir meinen, aber das ist mir den Preis wert, dass ich nicht mehr ausgenutzt und betrogen, belogen, verarscht werde.

    @Denise: Danke, dass du mich so gut verstehst!

    @grany: Ja, so ein Mittelding mit einfachen Bekannten würd ich auch gern können, aber ich kann es nciht. Ich hab es versucht, aber ich bekomm es nicht hin... Liegt evtl am Borderline, keine Ahnung...

    Liebe Grüße
    gelberose

  6. #6
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    Hallo gelberose,

    echte Freundschaften sind ja nahezu vergleichbar mit Partnerschaften in denen getrennte Lebensbereiche und sexuelle Askese herrscht. Alles andere wie Ehrlichkeit, Unterstuetzung, Verstaendnis, Vertrauen usw.usw...sollte man allerdings darin finden und zwar unabhaengig davon welche Gruende vorhanden sind.

    Freundschaften entwickeln sich im Laufe der Zeit waehrend falsche Freunde oft nicht mehr wie fluechtige Bekannte sind und irgendwie auch nicht mehr werden. Man kennt sich halt irgendwoher und das war es dann...

    Ich selbst habe 2009 fuer mich den Schnitt gemacht als mir klar wurde das die meisten "Freundschaften" nicht mehr wie Interessengemeinschaften waren. Man wurde halt nur dann akzeptiert wenn man gerade dem gleichen Interesse zugeneigt war. Letztendlich waren es nicht mehr wie Bekanntschaften die sich einen Dreck darum scherten wie es mir ging wenn ich mal mit denen reden wollte aber wehe dem ich haette denen nicht zugehoert dann waere ich ein Drecksack oder so gewesen. Folgerichtig deklassierte ich dann diese "Freundschaften" zu Bekanntschaften und liess mich dann auch nicht mehr (ent)taeuschen weil ich diese letztendlich radikal beendete und seitdem geht es mir besser.

    Mein Leben betrachtend geht es mir wie Dir, Partnerin und ein Freund (der wohnt immer noch in Spanien, von hier knapp 1850 km entfernt) und halt die Familienmitglieder wie Eltern und Geschwister mit denen ich ein sehr gutes Verhaeltnis habe.

    Wir sind nun mal alle etwas anders gestrickt und jeder muss da fuer sich wissen was ihm da gut tut. Freunde/Bekannte zu haben oder sich vielleicht doch mehr auf das Wesentliche, das eigene Leben, konzentrieren. Ob das jetzt bei Dir nur eine Phase oder eine Lebenseinstellung ist sei dahingestellt, das erfaehrst Du im Laufe der Zeit und bis dahin solltest Du es einfach so handhaben wie Du Dich selbst am wohlsten fuehlst.

    Viele Gruesse:

    Siegfried

    P.S.: Lass dich nie benutzen !
    Geändert von Siegfried (25.08.2011 um 08:47 Uhr)

  7. #7

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    Halllo,

    mir wäre der Preis der drohenden Einsamkeit zu hoch. Da nehme ich gerne Ent-Täuschungen, Kränkungen und Verletzung in Kauf. Da mag ich gerne "weiterhin vewundbar" sein. Zum Einen gehe ich sowieso davon aus, daß Menschen aus Eigennutz handeln - und ich finde es gut so. Und oftmals kommen Kränkungen ja auch aus unangenehmem Feedback. Da sagt mir Jemand etwas, was einfach fürchterlich klingt - aber es könnte sein, daß was dran ist.

    Natürlich gibt es auch für mich Vorfälle, wo ich mich dann dauerhaft entferne - wenn ich kleiner werde auf Dauer in der Freundschaft - wenn es nur darum geht, sich selber auf meine Kosten zu erhöhen ....dann entferne ich mich.

    Es gibt so viele Menschen ohne Freunde - und das geht alles ein paar Jahre lang ganz gut - aber irgendwann scheint es schwierig zu werden, da Freunde ja auch ein Spiegel sind. Und ein Mensch, der mit so ganz arg wenig Freunden lebt, wird dann einfach selten "korrigiert" - bekommt selten gesagt, daß er sich vielleicht gerade total daneben benimmt.

    Darum wäre mir der Preis zu hoch. Lieber verletzt werden, als kontaktieren zu verlernen. Dies Risiko wär mich einfach zu hoch - am Ende bin ich 70 + und hab keine Freunde ....na super.

    (Und ich hab ja auch nicht so viele Freunde - na Handvoll - einige seit über 20 Jahren, aber auch in den letzten Jahren sind ein paar dazugekommen)

    LG Wolke

  8. #8

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    Ich kenne dieses Zurückziehen aus Frust und Enttäuschung von mir selbst auch.
    Hatte auch lange Zeiten der Selbstisolierung; sei es durch die Droge, sei es durch das Cleansein/werden nach absetzen der harten Sachen.

    Ich hatte aber immer das Bewußtsein, dass das an mir lag & es mir nicht wirklich gut tut.
    Habe es daher nie verneint, dass sich da was ändern könnte.

    Ich will es mal mit meinem momentanen Single Stand vergleichen:
    Ich bin damit gerade recht zufrieden & es geht mir gut damit,
    ich suche auch nach nix - aber ich WEIß, wenn es das gewisse Brizzeln macht, dann bin ich dabei !!!
    Enttäuschungen, Frustrationen etc - egal!
    Ich gebe der Sache eine Chance & das finde ich wichtig.

    Ich habe einige wirkliche Freundschaften, zum Teil seit 30 Jahren.
    Das ist immer ein Auf und Ab gewesen, hat manchmal furchtbar genervt, lag zwischendurch auf Eis, hat aber immer wieder herrlich vertraute Momente...

    Und eines der schönsten Dinge ist es, wenn ich gerade merke, dass ich aufm Holzweg bin, telefoniere (!) mit meinem Steinkumpel...und werde dann liebevoll ausgelacht!!!
    Könnte gleichzeitig zutreten und ihn umarmen...*lach*

    Dafür nehme ich auch einiges an Schrott in Kauf & im Laufe der Jahre sortiert man ja auch besser aus, lernt, sich auch abzugrenzen.
    Meine 25 Jahre WG Leben haben mir da sehr geholfen bzw tun es noch.


    LG.Gane

  9. #9
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    Mir wär die Angst vor dem Vereinsamen auch zu groß.
    Ich schaff es irgendwie, auch ähnlich wie grany gewisse Menschen nur als Bekannte zu haben, bei denen der Kontakt dann eh ungezwungen und nicht verpflichtet ist, mit denen ich oberflächliches Zeug besprechen kann oder einfach Zeit verbringen kann.
    Und bei Freundin gehe ich das Risiko ein. Wenn man es so sieht, geht man bei beiden Richtungen eh ein Risiko ein. Entweder man vereinsamt, wenn man keine sozialen Kontakte mehr pflegt, was ja ziemlich wahrscheinlich ist- oder man nimmt Enttäuschungen in Kauf, von denen man ja nicht mal sicher sagen kann, ob sie überhaupt eintreffen werden.
    Man sollte versuchen ein Mittelding zu finden. So versuche ich das auch.
    Gut, klappt auch nicht immer, aber wenn ich nicht meine Leute um mich hätte, wärs für mich schwer zu ertragen.
    Vielleicht kommt es auch ein wenig darauf an wie man selbst gestrickt ist. Braucht man immer Leute um sich, ist die Gefahr wohl größer, dass man Enttäuschungen ertragen muss, weil man nicht so schnell vereinsamt.

  10. #10

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    hi gelberose,

    Naja, weisst.. ich hab doch auch Borderline

    Schätze mal, das da wohl schon eine kleine Sehnsucht bei dir da ist, sonst würde dich das nicht beschäftigen. Wie gehts dir denn mit den Antworten, macht dir das was aus, zu lesen, dass es Menschen gibt, bei denen es anders läuft?

    lg,
    grany

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