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Thema: Ich esse bis ich platze!

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  1. #1

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    Standard Ich esse bis ich platze!

    Liebe Leidensgenossen/innen und Interessierte Leser,

    ich denke ich bin der klassische Overeater. Sobald ich alleine zu Hause oder auf der Arbeit bin, kann ich nicht anders als Essen in mich reinzuschaufeln.

    Das kann alles sein, ich werde richtig kreativ wenn der Kühlschrank sogut wie leer ist, dann tut es auch ein Glas Gewürzgurken oder Schokolade die eigentlich zum Kouvertieren ist und so abslout schei**e schmeckt.
    Somit habe ich keine bevorzugte Speise, sondern esse einfach "egal was" solange bis ich zum bersten voll bin und beim besten Willen nichts mehr reinpasst.
    Ich hasse mich dafür, dass ich nicht damit aufhören kann, aber intervenieren fällt mir ausgeprochen schwer.
    Das Gefühl dass der Magen völlig unter Spannung steht ist natürlich furchtbar und dauert ewig bis es weg geht und trotzdem setze ich noch einen oben drauf und esse kurze Zeit später wieder etwas, um wieder randvoll zu sein sobald ich etwas verdaut habe.

    Angefangen hat das bereits als ich zwölf wurde. Mein Vater war starker Alkoholiker, oftmals habe ich ihn mittags neben 4-6 leeren Weinflaschen gefunden, eine bis zur Hälfte mit Zigaretten gefüllt. Er war arbeitsloser Sprachwissenschaftler und hat in Deutschland niemals wirklich Anschluss gefunden. (wir sind nach Deutschland gekommen, da bin ich etwa 6 Jahre alt gewesen.)
    Meine Mutter hat viel gearbeitet. Es gab Wochen, da habe ich sie kaum zu Gesicht bekommen, was im laufe der Jahre immer weniger wurde, da Sie als ich eta 15 war zurück in unser heimatland gezogen ist um dort einen guten beruf auszuüben.
    Mein Vater ist etwa zur gleichen Zeit verschwunden. ich mache keinen vom beiden Vorwürfe, sie wussten es wahrscheinlich nicht besser, aber die Vernachlässigung die ich erfahren habe, hat mich bis ins Erwachsenenalter depressiv gemacht.

    Wofür sie allerdings gesorgt hat, war dass ich ein Dach überm Kopf hatte und einen vollen Kühlschrank.. gekocht wurde sehr selten, ich wusste lange nicht wie das geht oder wofür es wichtig ist. Was für Lebensmittel gut oder schlecht für mich sind schon gar nicht. Ich habe gesehen wie sie sich für mein Aussehen geschämt hat wenn sie mich besuchen kam.

    Immer wen die Tür ins Schloss viel und ich wusste ich bin für die nächsten 6 Wochen alleine, bin ich zum Kühlschrank gegangen und habe mich vollgestopft, das ist bis heute geblieben (ich bin jetzt 23).

    Zwischendurch bekomme ich es immer wieder in den Griff, mache Sport und versuche mein Gewicht zu halten (das bei 1,73cm Körpergröße zwischen 90 und 95 pendelt, es waren auch schon mal 116, aber auch schon 75) aber es ist ein unfassbarer Kampf mit mir selber, nicht wieder in alte Muster zu verfallen. Und jetzt ist es wiedermal so weit, dass ich mir selbst alles zerstöre was ich geschafft habe und das fressen wieder anfange.

    Wie unterdrückt ihr diesen "Suchtdruck" (ich nenne es bewusst so)? Was für Strategien kennt ihr abgesehen von Therapien? Ich denke ich brauche einen neuen Ansatz mit dem ich arbeiten kann, um es einfach sein zu lassen, meinen Körper weiterhin zu maltretieren. Ich bin für jede Antwort dankbar.

  2. #2

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    Grüß dich Maroni,

    willkommen hier im SuS.

    Auch wenn im Moment leider nicht so viele mit einem ähnlichen Problem da sind, so wirst Du - hoffentlich - dennoch ein paar mehr Antworten bekommen.

    Ich kann mir deinen Leidensdruck ganz gut vorstellen. Ach je - mistige Kreisläufe.

    Wie unterdrückt ihr diesen "Suchtdruck" (ich nenne es bewusst so)? Was für Strategien kennt ihr abgesehen von Therapien?
    Es ist bestimmt ganz treffend, es Suchtdruck zu nennen - meiner Meinung nach passt das ganz gut.
    Und warum denn eigentlich "abgesehen von Therapien"?

    Strategien gegen den Suchtdruck wären ja die klassischen drei A's - Abhauen, Ablenken, Abwarten ...aber bei mir ist es so, daß mir am allerbesten hilft, wenn ich es schaffe, die Emotionen und Motive aufzudröseln.

    Mein Thema ist zwar an sich eher "Sucht" - erst Nikotin und Cannabis , dann ließ ich Nikotin weg und später dann noch Cannabis , aber mir ist das Essen, um des Essens willen total vertraut. Dann geht es nicht um Nahrungsaufnahme - das sowieso nicht. Bei mir geht es ganz oft ums Mampfen. Blödes Wort, aber ich kann es gar nicht anders beschreiben. Es ist da diese Mampf-Lust. Und mir hilft es, wenn ich mich dann frage "was genau will ich"
    Das ist so meine Standart-Strategie gegen die Sucht . (Das funktioniert bei mir ganz gut - das dahinterstehende Bedürfnis finden, und dann dieses auf freud und achtsame Weise befriedigen)
    Wenn ich dann so partout mampfen will, dann mampfe ich eben Wasser, oder Tee - da hab ich dann auch den Mund voll.

    Aber bei dir scheint es sich ja weniger im Mund abzuspielen, als vielmehr im Bauch - Füllen? (Auf jeden Fall, denke ich, sollen wir uns ernst nehmen - das Verhalten ist ja nicht nur aus "oller Gewohnheit" da - es gibt immer gute Gründe!)

    So, vielleicht kommen ja von Anderen auch noch ein paar Strategien und/oder Anregungen...

    Gutes Gelingen dir

    LG Wolke
    Geändert von Wolke (13.01.2012 um 22:31 Uhr)

  3. #3
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    Guten Abend Maroni.

    Natürlich sind Essstörungen schwieriger als "normale" Süchte - denn bei 'ner Drogensucht kann man in den meisten Fällen theoretisch ohne das Suchtmittel auskommen, aber ohne Essen/Nahrung, das geht nicht.

    Ich finde es schon einen tollen Ansatz, dass du differenzieren kannst wann und warum du isst.
    Vielleicht über dieses Wissen Ansätze finden dein Essverhalten zu normalisieren. Ob das ganz ohne Therapie geht, kann ich persönlich nicht einschätzen. Wobei ich allerdings nur Fälle kenne, in denen es nicht ohne ging.

    Du isst also vornehmlich, wenn du dich alleingelassen fühlst, hab ich das richtig verstanden?
    Wie ist es denn mit deinem Freundeskreis? Hast du heute Bezugspersonen, an die du dich in solchen Momenten wenden kannst?
    Prinzipiell würd ich sagen, dass es bestimmt nicht so einfach ist deine Kindheitserfahrungen aufzuarbeiten. Ich seh das an mir: dass, was meine Eltern in meiner Erziehung versäumt haben, hängt mir manchmal heute noch nach, und auch wenn Erkennen da der erste Schritt ist, ist es natürlich nicht immer so einfach damit umzugehen und ggfs. was anders zu machen.

    Hast du Hobbys oder Leidenschaften, die in "Ich brauch was zu essen"-Momenten für Ablenkung (mental oder körperlich) sorgen könnten?
    Ich weiß für mich zum Beispiel, dass mir geistige Beschäftigungen (in meinem Fall: Lesen), oder zumindest irgendwas, auf das ich mich in dem Moment wirklich komplett konzentrieren muss, helfen. Gibt's sowas für dich auch?
    Vielleicht könnte das in akuten Situationen helfen?


    Gruß .fibra.

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