Hallo,
ich war am Überlegen: Gehört es hier rein oder ins Sucht-Forum? Oder ist es SSV, denn ich hab mir damals mit dem Essverhalten körperlich sehr geschadet, das betrifft nicht nur die Figur, sondern auch das Wohlbefinden.
Es fing eigentlich schon in der Kindheit an. Erdnussflips, Chips usw. mochte ich sofort, als ich sie kennenlernte. Von da an war ich als "Naschkatze" berüchtigt und fand die Dinger auch im besten Versteck. Zunehmen konnte ich zum damaligen Zeitpunkt nicht davon, ich war im Wachstum und wir hatten Schulsport, außerdem tobte ich viel draußen herum.
Mit 8 Jahren hatte ich nen Blinddarmdurchbruch und das Verbot der Oberschwester trieb mir richtige Tränen in die Augen, vor allem als ich erfuhr, was ich alles essen durfte, denn das schmeckte mir fast alles nicht. Deshalb wurde mir auch 2001 die Galle entfernt, denn ich hielt mich nicht daran.
Es ist schwierig zu beschreiben, wie der Weg ins Übergewicht begann - im Grunde durch das Ende des Wachstums, als ich 18 war, und den Wegfall des Schulsports, den Führerschein, wegen dem ich das Fahrrad stehen ließ, und natürlich die Suchtnach Salzgebäck.
Das beschreibe ich mit gutem Grund als Sucht, denn in dem Moment, als ich unterwegs war zum Supermarkt, weil ich Hunger hatte und "was brauchte", war mein Gehirn ausgeschaltet. Anstatt Obst und Gemüse zu kaufen, das man aufwendig zubereiten muss, holte ich die Tüten, legte mich aufs Sofa und las meine Lieblingsbücher von Stephen King, Edgar Wallace & Co. oder schaltete das Fernsehen an.
Diese Rituale setzten sich auch fort, als ich an Blähungen, Hämhorrhoiden und Gallenkoliken litt. Ich hab mich furchtbar geschämt, vor allem beim Blick in den Spiegel. Ich dachte: Oh nein, so fett bin ich? Das bin nicht mehr ich, das ist ein Monstrum. Und trotzdem diese Hilflosigkeit beim Blick auf die Waage.
Es gab natürlich zwischendurch mal Zeiten, in denen ich ernsthaft bemüht war, abzunehmen, Diäten ausprobierte, Kurse bei der Krankenkasse mitmachte, zu weight watchers ging... aber die hielt ich, ähnlich wie beim Rauchen, höchstens 5-6 Monate aus. Dann kam eine Maniemit psychotischen Anteilen, ich musste ins Krankenhaus, und dort fing ich zumindest mit dem Rauchen wieder an. Als ich draußen war, hab ich mir die doofen Tabletten nicht wieder verschreiben lassen und ging stattdessen - wie früher auch - Salzgebäck und Schlaftabletten (frei verkäufliche) kaufen. Damit fühlte ich mich wohl. Aber nicht in dieser Haut. Am liebsten würde ich aus der Haut fahren und einen anderen Körper bestellen, aber das geht nicht.
Seit 10 Jahren bin ich clean in Bezug auf Zigaretten. In Bezug auf Salzgebäck bin ich seit 2007 clean. Seitdem habe ich viel zu wenig abgenommen, nur 12 kg, ich muss mehr tun, damit das weiter geht (Sport treiben), aber ich scheue mich davor, im Schwimmbad so viel Haut zu zeigen. Clean sein bedeutet für mich, seit mehr als einem Jahr die Substanz nicht mehr angerührt zu haben. Wenn ich jetzt nur 4 Monate clean wäre, würde ich noch voller Angstvor einem Rückfall stecken.
Diese Angstist weg, seit ich zufällig auf einer Feier ein paar Erdnüsse und Chips geknabbert habe, denn ich hab mir danach keine Tüte gekauft und auch die Reste nicht eingepackt. So bin ich also ziemlich suchterfahren. Erst der kalte Entzug von Zigaretten und dann der von Salzgebäck.
Allerdings hatte das von Anfang an nur Vorteile: kein schlechtes Befinden, keine Bauchkrämpfe, keine Hämhorrhoiden mehr, keine Heißhungerattacken mehr (für die auch ein Antidepressivum gesorgt hatte).
Es klingt unglaublich, aber in diese Salzknabbertüten mischen die irgendein Zeug, Glutamat oder so was, dass man sogar Jahre danach eine Sehnsucht nach dem Geschmack auf der Zunge hat. Manchmal wache ich damit auf, aber sie vergeht sehr schnell, denn all das, was ich mir seit 2007 erkämpft habe, möchte ich nicht einfach wegwerfen.
Für mich bedeuten diese Fertigprodukte Abhängigkeitspotential, vor allem weil die Zubereitungsphase entfällt, man macht es sich gemütlich und muss dann mit der Ablehnung und dem Abscheu der Umwelt klarkommen. Das ist dann der Nachteil, zusammen mit der schlechten körperlichen Verfassung.Auch wenn das alles aussieht wie ein schlechter Witz: Ich habe ihn erlebt, und möchte am liebsten die ganze Welt davor warnen. Kann mir allerdings kaum vorstellen, dass jemand so dumm ist wie ich und jahrelang mit Scheuklappen durch die Läden streift.





Allerdings hatte das von Anfang an nur Vorteile: kein schlechtes Befinden, keine Bauchkrämpfe, keine Hämhorrhoiden mehr, keine Heißhungerattacken mehr (für die auch ein Antidepressivum gesorgt hatte).
Auch wenn das alles aussieht wie ein schlechter Witz: Ich habe ihn erlebt, und möchte am liebsten die ganze Welt davor warnen. Kann mir allerdings kaum vorstellen, dass jemand so dumm ist wie ich und jahrelang mit Scheuklappen durch die Läden streift.
Zitieren

.
