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Thema: Absetzen von Strattera bei ADHS

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  1. #1

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    Standard Absetzen von Strattera bei ADHS

    Hallo zusammen,

    bin noch neu hier,habe AHDS (erst vor 2 J.als Erwachsene erkannt) und versuche gerade Strattera (Atomoxetin) nach ca. 1 Jahr auszuschleichen.

    Problem: Zwar hatte ich viele Nebenwirkungen mit dem Zeug, aber es hat auch geholfen, und nun wo ich fast bei 0 mg angekommen bin fühle ich mich extrem gereizt und düsterer Stimmung und total unfit, unkonzentriert.

    Hat wer damit Erfahrungen wie lang das anhält??

    Und ich überlege ob ich mich auf Methylphenidat /Ritalin einlassen soll, weil ich jetzt schon ahne, dass die Nebenwirkungen wohl ähnlich sein werden und das absetzen auch nicht viel leichter?

  2. #2

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    Hallo Chelona,

    erstmal herzlich willkommen im Forum

    Mein Freund hat ebenfalls ADS (ohne Hyperaktivität) im Erwachsenen Alter. Er jedoch nimmt Methylphenidat . Wenn er es nimmt wirkt es sofort und so ist es auch wenn er es nicht nimmt. Er merkt ab einer gewissen Zeit, dass er unkonzentriert und gereizt ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass es mit deinem Medikament genauso ist. Kein Medikament keine Wirkung, obwohl ich von Atomoxetin keine Ahnung habe d.h. alles nur Vermutungen (!!!). Dein Körper ist deiner Krankheit wieder ausgeliefert und fällt in alte Verhaltensmuster zurück. Ich empfehle dir jedoch auf jedenfall einen Arzt zu kontaktieren, falls du das noch nicht getan hast (?!). Vielleicht gibt es Absetzhilfen oder er kann dich parrallel auf Ritalin umstellen.

    Zu dem Ritalin kann ich dir nur von meinem Freund erzählen. Er hat kaum Nebenwirkungen, Mundtrockenheit ist das Einzige was hin und wieder vorkommt. Laut seines Psychaters ist für die Behandlung bei ADS /ADHS Ritalin das Medikament mit den wenigsten Nebenwirkungen. Absetzterscheinungen hat er in so fern, dass er genau den gegenteiligen Effekt als mit dem Ritalin hat. Er ist überaus depressiv unkonzentriert. Deswegen sollte man sie auch immer unbedingt, unter der Aufsicht eines Arztes, ausschleichen lassen. Ritalin ist ein heftiges Medikament was nicht umsonst unter "Betäubungsmittel" fällt.

    Lieben Gruß und alles Gute,
    Wakening.

  3. #3
    Themenstarter

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    Standard

    Hallo Wakening,

    herzlichen Dank für deine Antwort.

    Ich bin bei einem Psychiater in Behandlung, mit ihm habe ich das Problem mit Strattera auch besprochen- aber er sagt, ich wäre die einzige die mit solchen Nebenwirkungen kämpft.
    Deswegen fürchte ich, dass das bei Ritalin ähnlich ist. Was du von deinem Freund schreibt beruhigt mich ja bzgl.der Nebenwirkungen.

    Ich werde es austesten und sehen ob für mich die positiven Wirkungen höher sind als die Neben-/ Nachwirkungen.

    vlg,chelona

  4. #4

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    Hallo Chelona,

    die einzige Möglichkeit es heraus zu finden ist, es einfach zu versuchen. Man fängt ja sowieso immer mit einer geringen Dosis an und steigert dann nach Bedarf.

    Ich hoffe, dass es dir besser hilft als das vorige Medikament. Kannst mich ja in diesem Thread mal auf dem Laufenden halten *g*

    Lieben Gruß,
    Wakening

  5. #5
    Marion

    Standard

    Hi chelona,

    Strattera ist ja eigentlich ein Antidepressivum (und wird auch nur als solches bei Erwachsenen von der Krankenkasse bezahlt). Sprich, die Wirkung baut sich im Gegensatz zum MPH erst nach zwei drei Wochen auf, und braucht auch genauso lange bis sie wieder ganz verschwunden ist. Strattera wirkt auf den Noradrenalinhaushalt, MPH dagegen auf den Dopaminhaushalt, daher können Wirkungen und Nebenwirkungen völlig unterschiedlich sein. Ich würde mir da in deiner Stelle keine Gedanken machen und möglichst unvoreingenommen an einen Versuch mit MPH gehen.

    Wie Wakening schon schrieb, die Wirkung von MPH ist kurz, im Durchschnitt hält sie ca. 3 Stunden an. Bei den retardierten, also länger wirkenden, sind es ca. 6 Stunden oder etwas länger. Absetzerscheinungen gibt es außer dem auch schon genannten Rebound keine, nach Wirkungsende werden also die eigentlichen Symptome für ca. eine halbe Stunde bis 1 Stunde verstärkt. Danach ist der Hirnstoffwechsel wieder genauso, wie er vorher war.

    Allerdings wirkt MPH im Gegensatz zu Strattera nicht stimmungsaufhellend. Ist eine begleitende Depression bei dir diagnostiziert worden? Man kann MPH ganz gut mit Antidepressiva kombinieren, sollte die düstere Stimmung nach einer Weile nicht weggehen. MPH wirkt halt schwerpunktmäßig auf die reinen ADHS -Symptome.

    Es kann bei Erwachsenen schon eine ganze Weile dauern, bis die richtigen Medikamente in der richtigen Dosierung gefunden sind. Seit letztem oder vorletztem Jahr gibt es auch noch Elontril , ebenfalls ein Antidepressivum, was aber als einziges AD auf den Dopaminhaushalt wirkt. Manche Ärzte kombinieren dieses mit Strattera, um so sowohl das Dopamin als auch das Noradrenalin zu beeinflussen.

    Was ich damit sagen will: hab Geduld und lass dich aufs ausprobieren ein.

    Machst du eigentlich parallel auch eine (Verhaltens)therapie? Medikamente allein helfen bei Erwachsenen meistens nicht genug. Allerdings sind Therapieplätze bei Fachleuten auch so gut wie garnicht zu bekommen. :/

    progressive

  6. #6
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    Hi. Gerade wenig Zeit, daher mach ich hoffentlich kurz:

    Ich hatte Strattera auch weit über ein Jahr. Mich haben die extremen Nebenwirkungen auch zum Absetzen bewogen.

    Studien konnten eindeutig die Unwirksamkeit von Atomoxetin bei Depressionen nachweisen, deswegen verbuche ich eine vermeintliche stimmungsaufhellende Komponente als Urban Legend.
    Fakt ist, es greift dennoch ganz enorm in die Persönlichkeitsstrukturen ein. Viele "Betroffene" (manch einer würde auch Gesegnete sagen. ) berichteten mir von einem immensen Gefühl "nicht mehr sie selbst zu sein" und Dergleichen.
    Ein vollständiger Wirkungsabbau benötigt sogar länger als die Aufbauphase, da der Neurotransmitterhaushalt nachhaltig "aus dem Trab" gekommen ist und eine Normalisierung langwierig ist. Dieser Prozess wird im Allgemeinen auch als äußerst unangenehm beschrieben. Hier kann MPH tatsächlich lindern. Dieses ist nämlich nicht hochselektiv und wirkt auch geringfügig auf den noradrenergen Haushalt ein. Ich für meinen Teil bin nahtlos von Atomoxetin auf MPH umgestiegen und habe gleichzeitig ab- und aufdosiert. Die Übergangsphase empfand ich von den Nebenwirkungen her gelinde gesprochen als krass. Würde ich persönlich nicht noch einmal so machen, und lieber vorübergehend mit einer Verschlechterung der ADHS -Problematik leben.

    Zum Thema MPH:
    Die Nebenwirkungen sind da von ganz anderer Natur und mit Strattera nicht zu vergleichen. Überdies ist es ein On-Off-Präparat und bedarf keiner Aufbauphase. Auch ein plötzliches Absetzen ist mit keiner nennenswerten Entzugssymptomatik verbunden. Dafür ist aber die Einstellung eine ziemlich nervige Angelegenheit. Bis eine Dosierung (Menge, Zeiten, usw.) gefunden ist, vergeht meist eine erhebliche Zeitspanne. Dann ändert sich bei vielen die benötigte Dosierung über die Zeit immer mal wieder, was dann auch wieder mit Rumexperimentieren verbunden ist. Selbst die strikt geregelte Nahrungsaufnahme wird auf einmal wichtig, da es leicht zu plötzlichen Rebounderscheinungen kommen kann, die man während der Arbeit usw. absolut nicht gebrauchen kann. usw. usw. usf. Dann noch eine Non-Responderrate von ca. 30%, bei denen es überhaupt keine sinnvolle Wirkung zeigt.

    Kurzum: Zuletzt habe ich mich mehr mit dem Syndrom, den Therapiemöglichkeiten und dem ganzen Drumherum beschäftigt, als mit dem eigentlichen Leben an sich. Ich persönlich bin deshalb über die letzten Jahre wieder vollkommen von der medikamentösen Therapie abgekommen. Initial wirkten die Medikamente gut zur Unterstützung einer entsprechenden Therapie . Mittel- bis langfristig konnte ich jedoch nur von Letzterer profitieren. Mittlerweile ist mir diese ganze ADHS -Geschichte vollkommen unwichtig geworden. Vielleicht habe ich es, vielleicht gibt es nicht einmal so etwas wie diese so benannte Symptomsammlung. Vielleicht rebelliert auch nur meine Psyche gegen die ungerechtfertigten Anforderungen unserer modernen Lebenswelt, an denen so viele zu leiden scheinen. Keine Ahnung. *schulterzuck* Ich habe mir mein Leben mittlerweile so eingerichtet, dass es mir egal sein und ich auch so mit mir glücklich sein kann.

    Letztlich muss das jeder für sich selbst entscheiden: MPH ist nichts als eine Krücke und vermag den Lahmen auch nicht zum Sprinter werden zu lassen, unterstützt ihn aber wohl beim durchs Leben humpeln.

    Ich hoffe ihr könnt dem Chaos da oben was entnehmen. Ich bin gerade von einem anstrengenden Ausflug rein, arg müde und daher nicht so gesammelt und formulierungsstark, wie es die Thematik eigentlich erfordern würde.

    So, ab ins Bettchen. Gute Nacht. WbD

  7. #7
    Marion

    Standard

    Ah, cool. Jemand mit aktuelleren Kenntnissen zum Thema, muss ich mich nicht verpflichtet fühlen hier weiterzuhelfen.

  8. #8
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    Super Beitrag WbD

    Und progressive, ich finde, mehr Meinungen sind für jeden eine Bereicherung, der hier nach was fragt - also fühl dich bitte weiter verpflichtet

    LG Franz

  9. #9
    Themenstarter

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    Hallo zusammen,

    vielen lieben Dank für die vielen Infos! Hatte ich gar nicht erwartet!!

    Depressionen habe ich eigentlich nicht, eher massive Stimmungsschwankungen und häufig Gereiztheit.

    @WbD: Ich wünschte ich wär schon soweit wie du, das ADHS einfach links liegen zu lassen-im Job geht`s einigermaßen weil ich mich sehr zusammenreiße, aber privat kann ich mich zu nichts aufraffen,bin total erschöpft, mache viel zu viel Sport,...bin ziemlich vereinsamt und das will ich ändern.

    Die Wirkung von Strattera war sehr positiv bei mir, stimmungsaufhellend, dämpfend und wie du auch sagst die ganze Persönlichkeit betreffend-deswegen fühle ich mich gerade als hätte wer den Lichtschalter ausgeschaltet, leer, nüchtern, gereizt,unzufrieden.

    Aber eben auch Pulsrasen,schwitzen, Schlafstörungen , allergische Reaktionen, die gerade fast weg sind: Ich will meinen Körper auch nicht kaputtmachen,dann habe ich ADHS durch neue Probleme ersetzt.

    Ich fange nächste Woche wie geplant mit MPH an,mache sowieso seit 1,5 Jahren eine Therapie (tiefenpsych.) die mir sehr hilft- und damit ich einige Strukturen langfristig verankern kann werde ich es erstmal weiter mit Medikamenten probieren, aber mit dem Ziel das nur einen begrenzten Zeitraum zu nehmen, so 6 Mon. und dann mein Leben eben so zu gestalten dass ich mit dem ADHS ohne Pillen klarkomme.

    Auf jeden Fall gut, dass MPH nicht diese lästigen Ein- und Ausschleichphasen hat. Dann müsste ich ja schnell merken ob es anschlägt.

    @WbD, wie hast du dir dein Leben denn eingerichtet um klarzukommen? Ich hab`s immerhin schon geschafft bei der Arbeit auf TZ zu gehen,das war auch schon hilfreich.


    Liebe Grüße von chelona

  10. #10
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    @progressive
    Simpler Grund warum du dich auch weiter verpflichtet fühlen solltest: In diversen AD(H)S-bezogenen Foren hätte mein obiger Beitrag wahrscheinlich zu allgemeiner Empörung geführt und ich wäre der Ketzer gewesen. Hehe.

    @cholena
    Ich habe, wie zu erwarten war, gestern abend noch was vergessen:
    Ich bin bei einem Psychiater in Behandlung, mit ihm habe ich das Problem mit Strattera auch besprochen- aber er sagt, ich wäre die einzige die mit solchen Nebenwirkungen kämpft.
    Hier liegt auch einer der Gründe, warum ich für mich mittlerweile so vehement die medikamentöse Therapie ablehne. Haargenau das Gleiche wollte mir mein damaliger Psychiater auch einreden. Und ich bin bei weitem nicht der Einzige, der diese Erfahrung gemacht hat. Lass dir da nichts einreden. Ich hatte durch Atomoxetin auch derbste Nebenwirkungen, die ich als extrem unangenehm empfand. Das ging Anderen genau so, und denen hat ihr jeweiliger Psychiater auch Ähnliches erzählt. Obendrein wurden auch bei anderen Präparaten die Nebenwirkungen heruntergespielt, frei nach dem Motto: "Haben sie sich doch nicht so! Ist doch nur halb so wild!" Interessant ist dabei, dass der Onki Doc der da vor einem sitzt, selbst meist noch nie persönliche Erfahrungen mit der längerfristigen Einnahme solcher Präparate sammeln konnte.
    Meine letzte Neurologin war da von anderem Kaliber, da sie lt. Aussage selbst schon Erfahrungen in der Hinsicht machen musste. Ihrer Ansicht nach, sind jegliche Psychopharmaka nichts anderes als die ultima ratio, welche erst in Betracht zu ziehen seien, wenn man seinen Kopf unterm Arm trage und sämtliche sanfteren Vorgehensweisen langfristig nicht von Erfolg gekrönt seien. (--> Stichwort Verhaltenstherapie // Studien konnten belegen, dass eine reine Verhaltenstherapie ohne Medis genauso wirksam, ja in einigen Fällen sogar wirksamer, als eine reine medikamentöse Therapie sein kann. Die multimodale, also Medis + VT ist beiden Varianten überlegen) De facto ist also erst einmal ein Versuch mit reiner VT angebracht, bevor an die medikamentöse gedacht wird. Leider ist die übliche Vorgehenswese genau die entgegengesetzte. Das ist natürlich auch der geringen Zahl entsprechender Therapieplätze geschuldet. Letztere wundert mich auch nicht, wenn ich mal die Zahlen der möglichen KK-Zulassungen für Psychologen Revue passieren lasse.

    Ich lehne im Übrigen auch die Annahme ab, dass sich der Hirnstoffwechsel nach dem Absetzen von MPH und einer längeren Medikationsdauer innerhalb weniger Tage wieder normalisiere. Dem widerspricht nämlich die eindeutig belegbare Plastizität des menschlichen Gehirns. Selbiges passt sich über die Zeit allem Möglichen an. (Ich verweise da mal pauschal auf einige interessante Studien an buddhistischen Mönchen, welche ich rauszusuchen jetzt zu faul bin.) Stimulanzien gehen im Hirnstoffwechsel hoch wie eine Bombe, wobei wir über das Ausmaß und die jeweiligen Wirkmechanismen im Verhältnis noch so gut wie nichts wissen. Wir kennen nur Teilwirkungen und haben darauf basierende Hypothesen entwickelt. Der gestörte dopaminerge Haushalt als Ursache für eine ADS ist auch nichts weiter als eine Hypothese, die zu weiten Teilen auf der Wirksamkeit von Stimulanzien beruht. Irgendwo wird also hier das Pferd von hinten aufgezäumt. Sollte die Hypothese dennoch zutreffen, besteht auch weiterhin die Frage, ob der gestörte dopaminerge Haushalt ursächlich ist, oder eine Folge anderer Ereignisse. usw. usw. Letztlich weiß ich nur, dass wir nichts wissen.
    Eigentlich hört man zunehmend, dass eigentlich Amphetaminsalze dem MPH eigentlich ein paar kleine Vorteile voraus hätten, diese aber auf Grund ihres schlechten Rufs als Suchtmittel nur ungern verordnet würden. Für meine Begriffe nehmen sich beide Wirkstoffe langfristig betrachtet nicht viel. Ich habe Erfahrung mit beiden, obendrein auch mit Amphetaminmissbrauch. Man bedenke, wie nachhaltig ein langfristiger Stimulanzienmissbrauch die betreffenden Konsumenten verändern kann. Sicher sind die Missbrauchsdosierungen weit entfernt von den therapeutischen Dosierungen. Dennoch halte ich es für blauäugig, nicht von einer langfristigen Veränderung der Hirnchemie auszugehen.

    Ich für meinen Teil habe lange gebraucht, um mich von den ganzen Medikamenten wieder zu regenerieren. Die Gereiztheit nach dem Absetzen von MPH ist im Übrigen auch nur vorübergehender Natur und lässt genau wie die erst einmal noch weiter geminderte Konzentrationsfähigkeit über die Zeit wieder nach. Für den Betroffenen stellt es sich natürlich so dar, als würde sein AD(H)S jetzt wieder voll durchbrechen, und das hätte nichts mit den Medikamenten zu tun. Najaaa... ich jedenfalls sehe da Parallelen zwischen meinen Drogenmissbrauchserfahrungen und den jeweiligen Abhängigkeiten, und den Absetzsymptomen.

    Wie schon mal erwähnt: Muss letztlich jeder für sich selbst entscheiden. Sicher gibt es genug Betroffene, die um eine Medikation nicht umhin kommen. Ich finde aber, dass man im Vorfeld erst einmal sämtliche anderen Möglichkeiten ausgeschöpft haben sollte, und da gibt es bei dieser Thematik derlei viele.

    Mal eine lose Sammlung wovon ich so alles profitiert habe:

    Sport ist natürlich eine wichtige Stütze, wobei ich da selbst im Moment ziemlich faul bin.
    Verhaltenstherapie : Ich persönlich bin von tiefenpsychologisch orientierten Verfahren in Zusammenhang mit AD(H)S überhaupt nicht überzeugt. Betroffene neigen oft zum 'Gedankenkreiseln', wobei sich natürlich bevorzugt an den negativen Aspekten aufgehangen wird. Das permanente Gestochere in der Vergangenheit heizt das irgendwo noch an. Über den eigenen Lebensweg reflektierend auf der Couch zu sitzen, schließt für mich persönlich irgendwo das Leben des echten Lebens aus. Praktische Ansätze und Strategien im Hier und Jetzt sind da für mich wichtig. ADHS 'lern sagt man ja auch gern Ungeduld nach. Mein Lieblingstherapeut sagte mal in der TK als ich nach Feierabend noch mit einer der Schwestern über irgendwelche Erkenntnisse und was ich damit anfangen wollte sprach, ganz unverblümt zu mir: Wenn ich sie so reden höre, frage ich mich warum sie noch hier rumstehen. Haben sie nichts Besseres zu tun? Autsch, Botschaft angekommen.
    Achtsamkeitsübungen und Meditation haben mir sehr geholfen. Irgendwie, ich kanns selbst nicht so genau erklären, hat sich dadurch mein Blick aufs Leben verändert. Hört sich mystisch an, ists aber gar nicht.
    Glotze aus! Bei mir bleibt der Kasten konsequent ausgeschalten, bwz. rationiere ich mir Fernsehzeiten strikt und suche mir bewusst ein paar wenige interessante Sendungen aus, bevor ich das Teil einschalte. Wäre ich alleinstehend, hätte ich das Teil schon vor Jahren verschenkt. Klingt zwar wieder abgehoben: Aber dem manipulativen Charakter des kompletten Programms kann sich kaum einer entziehen, und ich spreche da nicht von Werbung. "Denken hilft zwar, nützt aber nichts"
    Leben konsequent umstrukturieren: Von den Möglichkeiten moderner Technik profitieren... mich sieht keiner mehr ohne meinen PDA, bzw. neuerdings ohne Smartphone rumlaufen. Das Teil ist zu meinem persönlichen Manager und Coach geworden. Ich nutze Eieruhren um meine Arbeit erledigen zu können, regelmäßige Pausen einzulegen und am Ball zu bleiben bis es klingelt. Jegliche Termine landen da drin und werden automatisch organisiert, genau wie Notizen usw. immer schön in übersichtlichen Kategorien. Am Rechner vermeide ich Störungen indem ich alles was ich gerade nicht brauche konsequent schließe und mir Recherchearbeit als Aufgaben für später anlege, usw. Dann gönne ich mir bewusst auch Phasen der Ablenkung, des Treibenlassens im Internet, oder ein Ballerspiel, oder ellenlange Texte in Foren zu verfassen. Wenn ich dadurch halt mal was nicht schaffe und was liegenbleibt... mir egal. Ist dann halt so. Irgendwo habe ich mal gelesen, man sollte sich am Morgen jedes einzigen Tages für die Durchschnittlichkeit entscheiden. So in etwa halte ich es auch mit der Erfüllung der an mich gestellten Aufgaben. Möge sich jemand anderes den Buckel für eine überdurchschnittliche Leistung krummschuften.
    Gegen die beständige Unruhe habe ich immer und überall ein gutes Buch bei mir, dem ich mich halt auch in unpassenden Situationen zuwende.
    Mein Umfeld habe ich damals auch umstrukturiert. Alle die mir nicht gut taten konsequent aus meinem Leben gestrichen und dabei auch nicht vor Familienangehörigen halt gemacht. Klingt radikal, war es auch und obendrein alles andere als leicht. Im Rückblick aber mehr als notwendig.

    Ich wills dabei jetzt belassen. Ich habe mir eine Unmenge kleiner Detaillösungen erdacht, die für mich persönlich alle mehr oder weniger gut funktionieren, und das würde jetzt hier zu weit führen. Mal davon abgesehen ist vieles mit Sicherheit nicht übertragbar, anderes vielleicht auch sinnentleert oder kontraproduktiv.

    PS: Ich will hier keinesfalls behaupten, mir würde hier permanent die Sonne aus dem Anus scheinen. So ist es nun keinesfalls. Sonst wäre ich wohl auch nicht in diesem Forum aktiv. Das obige ist letztlich nichts weiter als ein Abriss meines ganz persönlichen Glaubenssystems. Die Betonung liegt hierbei auf Glauben, nicht Wissen. Schließlich habe ich die Weisheit auch nicht kellenweise gelöffelt.

    PPS: Sorry, dass es so lang geworden ist, aber ich komme gern vom Stöckchen aufs Hölzchen und neige zum Abschweifen. *g*

    Gute Nacht.

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