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Thema: Sterbehilfe

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  1. #1

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    Standard Sterbehilfe

    Hallo zusammen,
    mich würde mal interessieren wie ihr zum Thema Sterbehilfe steht.
    Seid` ihr dafür oder dagegen? In welchen Fällen haltet ihr sie für sinnvoll?
    Welche Ängste bringt ihr damit in verbindung?
    Freue mich auf einen fröhlichen Austausch.

    Liebe Grüsse,
    HexeLakritze.

  2. #2
    Carryon

    Standard

    Ein Aufschrei geht durchs Forum weil ich mich dazu äussere, grins. Ich hatte schon richtig Stress wegen einer Aussage über Sterbehilfe. Aber das ist schon fast vergessen.

    Also prinzipiell kann ich es verstehen wenn jemand im Krankheitsfall sein Leben beenden möchte. Nur....ER ist dann tod, der Helfer muss sein ganzes Leben damit verbringen. Sowas kann man einfach nicht von einem Menschen verlangen. Anderst sieht es aus mit passiver Sterbehilfe. Also ich z.b habe meiner Mutter keine Infusion mehr geben lassen weil klar war das Sie kurz vor dem Sterben ist, warum unnötig verlängern. Jeder sollte selbst entscheiden können aber nicht andere mit reinziehn. Wenn man dazu nicht mehr in der Lage ist.....tja, hätte man sich früher Gedanken machen müssen.
    Ich war bereits beim Notar und habe festgelegt das ich nicht an Maschinen kommen will. Eine wirkliche Absicherung ist das nicht, aber es ist klar was ICH wollte. Und Oli hat die Entscheidungsmöglichkeit im moment zumindest. Er weis was ich will.

    Ein sehr komplexes Thema, zusammengefasst: ich kann es total gut nachtvollziehn wenn jemand das so will, aber dabei aktiv helfen könnte ich nicht.

  3. #3

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    Standard

    Dagegen. Ich bin für eine schmerzfreie Begleitung in den Tod und diese ist heute durchaus gut gewährleistet. Ja es gibt auch Grenzen und es gehört noch genug gemacht aber ich spreche mich ganz vehement gegen eine aktive Sterbehilfe aus. Damit würde einfach zuviel Unfug passieren und vorallem wer hat das Recht über Leben und Tod zu entscheiden ? Und nicht zu vergessen in wie viele falsche Hände sowas gelangen würde..

  4. #4
    Carryon

    Standard

    Nunja, ich finde der Betroffene hat das Recht dazu. Ansonsten entscheiden ja all die anderen auch....nämlich das ich NICHT sterben darf. Und gegen Aktive bin ich ja auch definitiv.

  5. #5
    Mea parvitas

    Standard

    ich bin mir nicht sicher, wie ich in so einer situation handeln würde. auf der einen seite, das schreckliche gefühl, jemandem helfen zu wollen, aber nicht zu können. auf der anderen seite, die sehnsucht des betroffenen, von seinem leiden erlöst zu werden.

    ich kann mir gut vorstellen, dass jemand, der über jahre hinweg leiden muß, trotz aller maßnahmen nicht gesund, sondern noch kränker wird, irgendwann nicht mehr leben will. zum einen, weil er es nicht mehr erträgt zu leiden, zum anderen sicher auch, um den angehörigen nicht mehr zur last zu fallen.

    mir stellt sich die frage, ob wir das recht haben, jemandem den wunsch zu sterben, abzuschlagen- ihn quasi entmündigen. und warum machen wir das? weil es verboten ist, weil wir moralische bedenken haben oder vielleicht auch aus einem gewissen egoismus heraus: "ich will dich nicht verlieren!"?!?!
    auch, wenn das vielleicht blöd klingt, tiere erlösen wir, wenn sie zu sehr leiden müssen... bitte nicht falsch verstehen, ich will einfach mal meine gedanken zu diesem thema mitteilen.
    Geändert von Mea parvitas (05.02.2010 um 17:01 Uhr)

  6. #6
    Zeitlos

    Standard

    Hey...

    Also, da das Thema momentan bei mir hoch aktuel ist...gebe ich mein Senf auch mal dazu

    Eine effektive Begleitung in den Tod halte ich für das aller Wichtigste. Das bedeutet, soweit es geht Schmerzfreiheit und ohne Qaul. Wenn jemand Luftnot hat, sollte er soweit sediert werden, dass er seine Luftnot nicht spürt und bewusst erlebt. Bin auch der Meinung, das die Zeit zum sterben gegeben werden muss...es braucht nun mal seine Zeit und das ist bei jedem Menschen ganz individuell.
    Hatten letzte Woche einen Mann auf Station, er lag drei Tage im sterben...aber es war ok. Er hatte keine Schmerzen, keine Luftnot und er war entspannt. Er hat seine Zeit gebraucht und sie auch haben können...ganz in Ruhe. Dieser Sterbeprozess ist etwas ganz eigenes. Die Menschen sind weggetreten, für mich sogar in einer anderen Dimension. Sie schweben förmlich in einem Zustand des Daseins und das Verlassens...macht das Sinn?
    Habe auch den Eindruck, dass die Menschen es ein stückweit beeinflussen können, wann sie gehen. Ein Patient zum Beispiel, hat mir gesagt, er möchte es bis zum Geburtstag seiner Enkelin noch schaffen. Sie haben eine enge Bindung und ihm ist es einfach nur wichtig, dass sie ihn noch am Geburtstag dabei hat. Er kämpft die letzten zwei Tage...er kämpft wirklich. Er kann sich nicht gehen lassen. Ich habe ihm gesagt, er wird es bis zu ihrem Geburtstag schaffen, wenn er das will. Und so war es auch. Seine Enkelin hat heute Geburtstag und sie besucht ihn am Nachmittag. Er war heute richtig gut drauf...er hat auf diesen Tag gewartet und ich bin mr sicher, er wird sich spätestens morgen gehen lassen. Er wird sich fallen lassen und in den nächsten Tagen sterben. Ich freue mich für ihn, denn ich weiß, er möchte sterben. Er hat sein leben gelebt und er ist damit einverstanden dass es zu Ende geht.
    Was ich problematisch finde, ist die Tatsache, dass es verschiedene Sterbephasen gibt. Diese Phasen beginnen schon mit der Diagnosenstellung. Man erfährt, man ist tod sterbens krank und man setzt sich damit auseinander. Es gibt Gefühlsmomente der Resignation, des nicht wahrhaben wollens, die Wut darüber...warum ich? Die Akzeptanz der Erkrankung und des Sterbens...die Einsicht. Es gibt das Verhandeln....manchmal mit Gott...so nach dem Motto ich werde nie wieder sündigen wenn du mir nur noch ein paar Jahre gibst...Es gibt Aggressionen, gegenüber anderen, jüngeren, gesunden Menschen...neid...es gibt Trauer und Angst ...
    Diese "Phasen" können alle durchlaufen werden, in den verschiedensten Reihenfolgen. Sie können sich wiederholen, oder sich garnicht verändern...es gibt Menschen die in der wütenden Phase bleiben, es nie akzeptieren und so auch wirklich leidend sterben. Es gibt aber auch ganz häufig sterbende, die es hinnehmen, die sich higeben können...sich fallen lassen können... und somit auch zufrieden und abgeschlossen, friedlich sterben.

    Ich denke es ist unheimlich wichtig diese Phasen der Gefühle zu berücksichtigen wenn man über aktive Sterbehilfe nachdenkt. Die Gefühlsmomente können sich rapide verändern und der dringende Wunsch endlich zu sterben kann binnen Sekunden umschlagen und plötzlich tritt Panik auf und der Mensch würde seine Entscheidung am liebsten zurück nehmen und es ist zu spät...die Spritze ist schon verabreicht. Das stelle ich mir schlimm vor. Man entscheidet sich ganz plötzlich anders und man kann nicht friedlich gehen... Man fühlt sich in den letzten Sekunden so, als hätte man einen Fehler gemacht, als würde man umgebracht werden...Als hätte man sich selbst umgebracht.

    Habe eine Frau heute aufgenommen, welche noch nicht ganz im sterben liegt. Unsere Begrüßung lief gefolgt ab : "Können sie mir eine Todesspritze geben? Ich will nicht mehr. Ich habe mein Leben gelebt und ich möchte sterben. Ich bin glücklich das es bald soweit ist aber ich möchte es schneller gehen lassen."
    Im laufe des Gesprächs, hatte ich den Eindruck, sie möchte niemandem mehr zur Last fallen. Sie möchte ihrer Familie nicht mehr zur Last fallen und auch den Pflegekräften nicht. Mein Eindruck war, sie wolle ihre Mitmenschen "entlasten", nicht sich selbst. Und ich habe sehr viel Angst raus gehört. Angst vor dem was noch kommt. Wie werde ich sterben? Wie wird es sein? Werde ich Schmerzen haben? Werde ich friedlich gehen können? Das habe ich raus gehört... Natürlich habe ich sie darüber aufgekärt, dass die aktive Sterbehilfe in Deutschland verboten ist. Und ich habe ihr versichert, dass sie eine wundervolle Begleitung erleben wird. Das die Schmerzfreiheit das oberste Gebot ist und dafür alles in Bewegung gestetzt wird.
    Das hat sie nicht wirklich befriedigt, denn sie hat mich immer wieder gefragt.
    Habe die Ärztin rein geschickt um mit ihr zu sprechen. Leider weiß ich nicht, ob ihr die Angst genommen werden konnte...heute war mein letzter Tag auf der Palliativ.
    In solchen Fällen bin ich gegen die aktive Sterbehilfe. Denn sie wollte nur schneller gehen aus Angst und dem Gefühl eine Last für andere zu sein...

    Habe zwei Jahre lang eine Frau im Wachkoma gepflegt. Sie hat keine Lebensqaulität. Sie wird alle zwei Stunden gelagert, wird über die Magensonde ernährt und muss regelmäßig abgesaugt werden. Es ist keine Kommunikation möglich. Ihr Gesichtsausdruck ist dauerhaft verzerrt. Sie hat Schmerzen und sie hat die höchst mögliche Dosis an Opiaten, welche einfach nicht greifen. Eine Dosissteigerung würde sie töten. Sie ist seit sieben Jahrn in diesem Zustand.
    In der Zeit wo ich sie gepflegt habe, konnte ich ihr durch Basalestimmulation Gutes tuen. Das ist eine Methode der Pflege, welche absolute Entspannung auslöst und es hat ihr wrklich gut getan. Aber das waren höchstens ein Paar Stunden am Tag.... ist das Lebensqaulität? Für mich nicht. In ihrem Falle, wäre ich für eine aktive Sterbehilfe.
    Allerdings stört mich da auch die Tatsache, dass ich nicht weiß, in wie weit ihr Bewusstsein noch da ist. Wie würde sie das Sterben empfinden?
    Der Sterbeprozess erfolgt sehr bewusst in dem Menschen. Davon bin ich überzeugt. Ich finde dieses Bewusstsein auch sehr wichtig, um friedlich gehen zu können. Die Frage ist also, wenn sie mal an einem natürlichen Tod stirbt, wird es ihr bewusst sein? Wenn nicht, dann wäre ich für die aktive Erlösung.

    Ein sehr zwiegespaltenes Thema für mich. Es kommt ganz auf den Menschen, die Umstände und das Bewusstsein an.


    Liebe Grüße

    Zeitlos

  7. #7
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    Hallo zeitlos, ich danke Dir mal für die schönen Worte. Du hast mir etwas die Angst genommen, selber einmal zu sterben. Wenn ich dann solch einen Menschen wie dich an der Seite habe oder auf solch einer Station bin, dann werde ich glücklich sein.
    Unser Opa ist vor einem Jahr gestorben. Das war so schmerzlich für mich, aber wie du schon von einem Patienten berichtet hast, sie können noch kämpfen. Unser Opa wollte Weihnachten noch erleben mit seinem Urenkel. Und er hat es geschafft. Danach hat er immer gesagt, jetzt kanns los gehen, er hätte keine Angst . Ich kann leider nichts dazu sagen, ob ich dafür oder dagegen bin, denn ich habe viele Meinungen dazu, mal dafür, mal dagegen. Du sagst der Wachkomapatienten, da wärst du dafür, aber es gab auch schon Wunder, daß die wieder wach wurden.

    Und Hexe, gut das du das Thema angesprochen hast. Überhaupt der Tod ist ein gutes Thema, da kommen wir alle nicht drumherum, aber mal eine Kritik. Du schreibst, auf einen fröhlichen Austausch. Fröhlich kann ich bei diesem Thema nicht sein. Sorry

  8. #8
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    Finde, dass es oft humaner ist, Sterbehilfe zu leisten, als zuzusehen, wie jemand sich windet oder jämmerlich zugrunde geht.

    Es gibt ja in der Schweiz und in Holland eine Organisation.
    Und ich hab mich da schon informiert.
    Die Voraussetzungen sind genau festgelegt.
    Einfach so geht da garnichts.

    Ja, und wenn ein Mensch nicht mehr leben will, weil er unheilbar krank ist, und sowieso daran sterben wird, dann sollte es ihm auch vergönnt sein, sich das Leben auf diese Art und Weise nehmen zu lassen.
    Das ganze Leben lang wird uns gepredigt, wir haben alles in der Hand.
    Nur beim Sterben soll diese Verpflichtung und dieses Recht nicht gültig sein.

    Also ein entschiedenes JA.

  9. #9

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    Zitat Zitat von nebula Beitrag anzeigen
    Es gibt ja in der Schweiz und in Holland eine Organisation.
    Und ich hab mich da schon informiert.
    Die Voraussetzungen sind genau festgelegt.
    Einfach so geht da garnichts.
    wenn es ab heute überall möglich wäre, dann würde es genug schlupflöcher geben um sterbehilfe zu missbrauchen.. schaut doch mal wie viele unschuldige schon bei der todesstrafe hingerichtet wurden und eines wird immer vergessen das es sich mit der Grundhaltung der Medizin NICHT vereinbaren lässt ethisch sowieso nicht. denn es geht stets um die erhaltung von Leben was auch durchaus in manchen bereichen kritisch betrachtet werden kann (was nicht die begleitung eines möglich schmerzlosen Versterbens ausschließt) darum Leben zu retten, das ist der Eid der Medizin, so sollte er sein..
    Geändert von Future (05.02.2010 um 17:47 Uhr)

  10. #10
    Themenstarter

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    @ tine:

    der "fröhliche austausch" hatte nichts mit dem thema zu tun, sondern damit, dass ein so heikles thema friedlich verlaufen sollte
    lg,
    lakritze.

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