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Thema: Ein wenig Vergangenheit

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  1. #1
    Mitglied SuS e.V.
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    Standard Ein wenig Vergangenheit

    Ich lag gestern abend im Bett und konnte mal wieder nicht schlafen. Ich habe ja vor 3 Wochen Therapie angefangen und auch seit dem ich hier im Forum bin, kommen so viele Sachen wieder an die Oberfläche. Erst mal vorneweg, ich bin nicht sexuell mißbraucht worden, zumindestens weiß ich nichts, hatte mal Vermutungen, aber ich denke nicht.
    Ich bin täglich mißhandelt worden und daß nicht zu knapp. Bin eine Tochter von einem Alkoholiker und einer Schizophrenen Mutter. Zu ihr hatte ich keinen Kontakt, da ich die ersten Jahre in einem Heim aufgewachsen bin. 3 Jahre. Da mein Vater mich nicht großziehen konnte und auch meine Mutter nicht. Sie haben sich mal imKrankenhaus kennengelernt. Deshalb stritten sich die Omas um mich und die Mutter meines Vaters hat das Sorgerecht bekommen. Ich war dann in einem Wochenkindergarten von Mo - Fr. An den Wochenenden war ich bei meinem Vater und Oma. Erst als ich in dieSchule kam, zog ich ganz zu meinem Vater und Oma. Meine Mutter hatte ich mal gesehen im Kindergarten, sie stand am Zaun und gab mir eine Puppe. Die Kindergärtnerin zog mich zurück und die Puppe wurde über den Zaun zurückgeschmissen. Das sind meine einzigen richtigen Erinnerungen an Sie. Sie ist aber die Person, die ich am meisten vermisse. Wenn ich ein Tief habe, dann dissoziiere ich, dann bekomme ich Sehnsucht und es endet immer mit Tränen und dem Wunsch, daß ich zu meiner Mutter will, obwohl ich sie nicht kenne. Man hat mir nur schlechtes über sie erzählt. Fragte man mich später mal nach ihr dann hatte ich mir eine eigene Entschuldigung für ihre Krankheit zurechtgelegt. Sie hätte mich nicht kriegen dürfen, erst mit meiner Geburt wurde sie krank. Das hab ich jedem immer so erzählt. Sie war aber schon als Kind krank, sagte mir später das Krankenhaus, wo noch eine Akte von ihr Existiert. Ich war selbt mal in dem Krankenhaus, wo meine Mutter immer behandelt wurde und sie auch ein paar Jahre dort im geschlossenen Heim gelebt hatte. Ich wollte Einsicht in die Akte, die man mir verwehrte. Man las mir mal einen Wochenbericht von ihr vor, wo sie von mir sprach. Ich muss damals so 10 gewesen sein, wie sie mich vermißt und so. Seit dem habe ich das Gefühl, ich möchte diese Akte besitzen. Meine Mutter ist inzwischen verstorben,was heißt inzwischen, sie ist tod seit ich 16 war. Niemand aus der Familie erzählt mir was. Das war damals so. Als ich 16 war, wollte ich sie kennenlernen, machte mich auf die Suche und fand auch eine Adresse. Ich klingelte mit meinem Freund dort und die Oma machte auf. Ich sagte artig, wer ich bin und wurde reingebeten. Da sah ich sie, meine Mutter. Sie lief raus und verschanzte sich aufs Kloo. Das hat mich erschreckt, denn wenn es mir schlecht geht und auch, wenn ich Prügel bekam, verschanzte ich mich auch immer auf dem Kloo. Sie kam dann raus und sie war so komisch. Sie sagte nichts und ich schämte mich so vor meinem Freund wegen ihr. Seine Eltern stellten was dar. Eigentlich wollten wir dann am nächsten Tag mit kuchen dort wieder hin gehen, doch meine andere Oma bekam das raus und verbot es mir, natürlich bekam ich ordentlich Prügel, wie jeden Tag, war nichts schlimmes, tat auch nicht weh, ging vorbeit, war wie Mittag essen. Ich ging nie wieder zu meiner Mama. Damals empfand ich das nicht weiter tragisch. Im selben Jahr starb sie noch. Als man meiner oma bescheid gab, verkroch ich mich auf dem Kloo, atmete tief ein und aus, stieg aus und dann war das Thema Tod der Mutter erledigt. Ich durfte auch nicht auf die Beerdigung. Heute denke ich, sie wird sich wohl das Leben genommen haben. Es erzählte mir ja keiner was.
    Nun möchte ich für mich auf Vergangenheitssuche gehen, bevor alles verjährt. In dem Krankenhaus, wo sie gestorben ist, nachfragen, woran. Falls ich Rechte dazu habe.
    Dann möchte ich an die Äkte ran, was siedenn wirklich für eine Krankheit hatte. Da muss ich mit dem Anwalt ran. Ich würde mir diese akte so gerne in den Nachtschrank legen, dann hätte ich das Gefühl, sie wäre bei mir. Natürlich kann ich dort auch sachen erfahren, die mir vielleicht nicht gut tun, aber ich weiß nichts und die Verwandten lügen sowieso. Ich möchte Antworten haben, mir fehlt irgend wie die Gewißheit der Herkunft. Was sagt ihr dazu. Über mein ganzes Scheiß Leben schreib ich dann noch mal extra mehr. Aber dieses Thema läßt mich schon Jahre nicht los. Ich möchte diese Akte.
    Wie komm ich daran? Habe ich ein Recht dazu. Es ist das einzigste was von meiner Mutters Leben für mich existiert. Könnt ihr das verstehen. Würde mich über Antworten freuen. Ich denke mal, ich schreibe so ziemlich emotionslos, habe auch keine, die würde ich nicht aushalten. Mir gehts aber ziemlich dreckig, doch es mußte mal raus. Ich fühle mich schuldig, daß meine Mutter krank wurde und ich denke, daß sie sichumgebracht hat, weil ich nicht wiedergekommen bin mit 16. Damals hab ich mich aber nur geschämt für sie. Heute vermisse ich sie. Vielleicht war sie gar nicht so verrückt. Inzwischen kenne ich so viele Menschen mit Schizophrenie, die ganz normal sind. Ich hoffe,ihr wißt wie ich das meine. Meine Oma hat mir immer solche Angst gemacht. Ich hatte Angst vor meiner eigenen Mama. Danke fürs Lesen. Hoffe, ich überfordere da niemanden.

  2. #2

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    hallo Tine,

    ich kann dich sehr gut verstehen, dass du gerne diese Akte hättest, weil sie für dich das einzige Verbindungsglied zu deiner Mutter darstellt. Allerdings wird es bestimmt sehr schwierig, da ranzukommen, falls es sie noch gibt. Ich weiss nicht, ob es überhaupt möglich ist. Soweit mir bekannt ist, müssen Krankenhäuser Patientenakten nur eine bestimmte Zeit lang aufheben. Wie lange das genau ist, weiss ich leider nicht. Irgendwas zwischen 10 und 20 Jahren, soweit ich mich erinnere. Rechne also sicherheitshalber schon damit, dass es sie nicht mehr gibt. Lass dich mal bei einem Anwalt beraten.

    LG, alive

  3. #3

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    wende dich an die klinik am besten die station wo deine mutter behandelt worden ist. akten werden zum teil bis zu 25- 30 jahren aufgehoben so ist es in österreich der fall.. je nach der modernisierung der krankenhauses sind sie heutzutage digitalisiert oder auf negativen.. das nach so lange zeit noch ne papierakte besteht ist fraglich..
    in der klinik wendest du dich am besten an die patientenanwaltschaft, die können dir weiterhelfen.
    in wie weit du als tochter einsicht in die akte hast, kann ich dir nicht sagen.

    bei uns in ö würde dieser weg so gehen.

    ich hab jetzt nicht gelesen wie lange das alles her ist, weil ich grad am sprung bin.. aber das wollt ich dir da lassen.

    lg f

    ps: das original der akte wirst du nicht erhalten. aber eine kopie wäre möglich. originale werden auf keinen fall weiter gegeben.. ich hätt nämlich auch so gern meine originalakte bekommen (zum vernichten aber).
    Geändert von Future (26.10.2009 um 14:53 Uhr)

  4. #4
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    Danke Future, danke Alive, hab mit diesem Thema ganz schön zu kämpfen. Ich war in der selben Klinik wie meine Mutter und ich habe diese Akte schon gesehen, sie ist sehr dick, viele Zeichnungen, 'Berichte, die sie selber schreiben mußte und auch sicher Berichte der Ärzte. Einen Brief hat man mir vorgelesen und das sollte reichen, sagt der Arzt, wäre nicht gut, in der Vergangenheit zu wühlen, doch ich habe nichts von meiner Mutter, keine Verwandten, die mir was sagen. Habe eben eine Mail an die Datenschutzbehörde geschrieben und um Hilfe gebeten. Meine Mutter ist tod. Es schadet niemandem,wenn die Akte bei mir landet. Ich will nicht das sie geschreddert wird. Hätte mich da viel eher drum kümmern müssen. Als ich 16 war hat mich das nicht interessiert und nun kommt alles so geballt. Ich bleibe am Ball und ich danke fürs Lesen.

  5. #5
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    Dass du diese Akte willst, kann ich ebenfalls gut verstehen, doch ich denke, dass das im bürokratischen Deutschland nicht möglich sein wird...

    Ansonsten finde ich es toll, dass du den Mut und die Kraft gefunden hast, das alles mal aufzuschreiben.
    Weißt du, ich glaube, kann mich irren, selbst wenn du die Akte deiner Mutter haben würdest, würde das nichts an der inneren Leere ändern. Meiner Meinung nach kannst nur du die selbst füllen, indem du dich selbst ein Stück weit als dein eigenes Kind annimmst und dir selbst ein Stück weit eine Mutter bist, die Mutter für dich selbst bist, die dir so fehlt...

    Liebe Grüße
    rose

  6. #6
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    Hi gelbe Rose, danke für Deine lieben Worte. Durch die Therapie bin ich ja bereit, mich zu verändern. Ich habe auch das Gefühl, ich möchte von der Vergangenheit Abschied nehmen. Es ist jetzt auch ein veränderter Lebensabschnitt. Bin eine Oma, Kinder aus dem Haus. Da muß ich auch Abschied nehmen. Es verändert sich im Moment soviel. 5 Kinder und alle erwachsen. Ich freu mich auch, aber es wird Zeit, daß ich davon Abschied nehme, selbst eine Mutter haben zu wollen. Ich bin eine gute Mutter, Stiefmutter, Oma und Ehefrau. Niemand verletzt mich mehr. DAs schlimme ist Vergangenheit. Wenn ich bei meinem Therpeuten auf früher zu sprechen komme, dann wimmelt er schon geschickt ab. Es geht um das Hier und Jetzt. Mein Mann sagt, wenn er immerzu an seine Exfrau denken würde, würde er verrückt werden. Ich wünscht, ich könnt so abschalten wie er. Schön, daß es Euch hier gibt. Ich finds nur schade, daß wir uns alle nicht persönlich kennen. Da habe ich noch dran zu knabbern. Man schreibt irgendwie an "Geister"

  7. #7
    Nachtfalter

    Standard Hallo Tine,

    Ich kann dich ebenfalls sehr gut verstehen.

    Kenn mich leider überhaupt nicht aus mit sowas.

    Aber alleine dass du von früher schreibst, und dir Antworten suchst, finde ich super.

    bin nun leider auch auf dem Sprung,
    antworte aber gleich noch wauf deine PN.

    lg nachtfalter

  8. #8
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    Heute möchte ich mal einen ganz normalen Tag beschreiben, die ich dann so mit 15 erleben durfte.
    Morgens stehe ich auf, ich muß neben meiner Oma im Ehebett schlafen. Das ist mir so unangenehm. Da sie sehr aggressiv ist, liege ich immer ganz am Rand, um ja immer schnell aus dem Bett springen zu können, damit sie mich nicht mit ihrer Faust erwischt. Sie schlägt mich sehr viel und sehr stark, eine 165 große, kleine Person. Ich steh also auf und der Streit fängt schon an. Sie ist noch genervt vom Vortag, wie immer, weil mein Vater, der das Kinderzimmer bewohnt, wie immer besoffen und mit vollgeschissenen Hosen nach Hause kam. Natürlich auch bepisst. Entschuldigt die Ausdrücke, aber sonst würde es nicht richtig wirken. Ich geh zur Schule, da bin ich am liebsten. Und keiner weiß, was ich durchmache. Ich mache auch immer ein fröhliches Gesicht und dank meiner besten Freundin (habe mich an sie gehängt, weil sie am beliebtesten ist) bin ich in einer tollen Clique. Am liebsten würde ich in der Schule bleiben, auch abends, irgendwo ein Bett aufstellen und da bleiben oder in ein Heim gehen, aber ich tat nichts, kann ja meine liebe Omi nicht anschwärzen, hätte mir sowieso niemand geglaubt. So lange ich mich errinnern kann, hat sie zugeschlagen. Der Hund hat nicht mal so viel Dresche bekommen. Für den hat sie extra Leckerlis gekocht und extra was vom Schlachthof geholt, daß sie mir mal extra eine Tafel Schokolade gegeben hat, ist nicht drin gewesen. Sie hat sich immer so über meinen Vater aufgeregt und ich habs dann abbekommen. Nach dem Unterricht ging es dann eigentlich los. Ich habe Hausaufgaben gemacht, gegessen (allein) Sie hatte schon gegessen. Man hätte ja auch mal zusammen essen können. Dann laberte siemich täglich voll, daß ich im Haushalt nichts mache, aber Hallo, wenn ich mittags von der Schule kam, war alles perfekt ordentlich und sauber (hab ich übrigens von ihr übernommen diesen Putzfimmel) Dann mein Vater hat so gegen 14.00 Uhr Feierabend. Er müßte dann so 14.30 zu Hause sein. Meine Oma wußte, daß er nicht kommen wird, trotzdem war sie ab diesem zeitpunkt nur am Fenster. Ich bin dann rausgegangen, zum Abendbrot wieder rein, was ich auch alleine essen mußte. Tagsüber durfte ich auch in das Kinderzimmer, nachts wars mein Vaters Zimmer. An den Wochenenden wars immer schlimm mit dem Zimmer. Meine Oma schlief in der Stube, mein Vater in unserem Kinderzimmer und ich, ich wußte nicht wohin mitmir, saß ganz still in der Stube rum und las, bis sie wieder wach wurden. Und ich hätte nicht mal husten dürfen. Meine Oma hing nun am Fenster und dann kam irgendwann abends um 8 oder 9 der Satz von ihr. Dein Vater kommt und wieder besoffen. Das wußte ich doch, jedesmal die gleiche Leier. Sie schrie ihn schon von weitem an und schmiß die Schlüssel nach ihm. Dann wartete sie an der Treppe, bespuckte und beschimpfte ihn, daß alle Nachbarn es hörten. Ichmittendrin, wollte meinen Vater immer in Schutz nehmen. Er bekam ja Dresche von seiner Mama. Dann bekam ich Dresche und zum schluß schlugen beide auf mich ein. Ich versteckte mich immer hinter einen Schrank im Kinderzimmer, der am Fenster stand. Mit den Jahren wurde es da aber zu eng und getroffen haben sie mich doch immer. Dann bin ich immer irgendwie an den beiden vorbei. Inzwischen schlug ich mir zu, mußte mich ja wehren und lief aufs Kloo und schloß mich ein. Meine Oma schrie, daß ich die Tür aufmachen sollte und hämmerte wie eine Wahnsinnige. Sie hatte auch immer solchen Haßerfüllten Blick zu mir. Ich fühlte inzwischen gar nichts mehr, mir war jetzt alles egal, machte die tür auf und weiter gings. Ich wehrte mich nicht mehr. Irgendwann beruhigten sich die beiden. Meine Oma oder ich zogen meinen Vater aus, machten die Kacke aus der Hose und brachten ihn zu Bett. Manchmal übergab er sich noch, war nicht so schlimm. Das war doch meine Gute-Nacht-Geschichte. Und dann mußte ich mich wieder neben meine "liebe" Oma legen und neben ihr schlafen. Natürlich ganz am Rand, wegen dem Auf dem Sprung sein. Und sie schlief immer so ganz entspannt ein und ich, ich schlich mich aufs Kloss, machte dort Selbstbefriedigung, das war mein Ausgleich damals, (schon im Kindergarten) und erst dann schlief ich seelenruhig ein. Und wißt ihr was, wenn ich das hier so schreibe, fühle ich nichts nichts und von dem ganz viel. Es war so, hat sich immer so ergeben. Es tröstet mich nur ein wenig, daß ich mit einer schlechten Kindheit nicht allein da steh. Und deshalb muß man stark sein und sich nicht beschweren.

  9. #9
    fritz_the_cat

    Standard

    Hi Tine,

    zu deiner Geschichte muß ich nichts sagen außer, daß ich es klasse finde, daß Du sie so frei erzählen kannst. Sie aufzuschreiben und anderen Menschen zu mitzuteilen ist allein schon ein sehr großer Schritt. Damit beginnst Du, die Geschichte aufzuarbeiten. Wenn dein Therapeut allerdings an dieser Stelle abblockt und dich auf das Heute verweist ist das auch richtig. Eine Aufarbeitung der Vergangenheit ist nur dann sinnvoll, wenn Du mit dem Heute zurechtkommst, wenn keine aktuellen Probleme dein Denken unter Kontrolle halten. Hier ist der Ansatzpunkt: kommst Du mit deinem Alltag zurecht? Wenn ja, wenn nichts heute dich stark belastet, dann beginne vorsichtig damit, dich mit deiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. Mit deiner Vergangenheit, nicht mit der deiner Mutter. Sie ist nur ein Teil davon. Dein Theraeut wird schon wissen, warum er bei deiner Vergangenheitsbewältigung abblockt, vielleicht solltest Du mehr Vertrauen zu ihm haben, warum er das tut.

    Ich halte es nicht für sinnvoll, wenn Du dir jetzt die Akte besorgst, von der immer die Rede ist. Du solltest dich mit dem beschäftigen, was Du erlebt und gefühlt hast, ein Bericht über die Krankheit deiner Mutter hat da erstmal wenig mit zu tun. Viel wichtiger sind deine Gefühle und die stehen nicht in dieser Akte. Wenn Du mit deinem Gefühlsleben zu deiner Vergangenheit ins Reine gekommen bist, dann wäre es vielleicht sinnvoll, dich mit der Krankheitsgeschichte deiner Mutter zu beschäftigen, aber im Moment ist das bestimmt nicht dein Thema. Klammere dich nicht an deiner Mutter fest, auch wenn dein Leben mit Großmutter und Vater beschissen war. Du verrennst dich zu leicht in die Illusion, daß es mit deiner Mutter alles besser gewesen wäre. Das weißt Du nicht und wirst es nie wissen.

    und zuletzt noch zu deinem letzten Satz:

    [...]Es tröstet mich nur ein wenig, daß ich mit einer schlechten Kindheit nicht allein da steh. Und deshalb muß man stark sein und sich nicht beschweren.
    (Hervorhebung von mir)
    Das ist, mit Verlaub gesagt, total daneben. Ich will jetzt keine lange Erläuterung schreiben weil ich nebenbei noch arbeiten muß. Überlege mal, warum ich das für total daneben halte.


    Grüße

    det
    Geändert von fritz_the_cat (28.10.2009 um 15:13 Uhr) Grund: Wortwahl korrigiert

  10. #10
    chemgirl

    Standard

    Zitat Zitat von Tine05 Beitrag anzeigen
    Heute möchte ich mal einen ganz normalen Tag beschreiben, die ich dann so mit 15 erleben durfte.
    Morgens stehe ich auf, ich muß neben meiner Oma im Ehebett schlafen. Das ist mir so unangenehm. Da sie sehr aggressiv ist, liege ich immer ganz am Rand, um ja immer schnell aus dem Bett springen zu können, damit sie mich nicht mit ihrer Faust erwischt. Sie schlägt mich sehr viel und sehr stark, eine 165 große, kleine Person. Ich steh also auf und der Streit fängt schon an. Sie ist noch genervt vom Vortag, wie immer, weil mein Vater, der das Kinderzimmer bewohnt, wie immer besoffen und mit vollgeschissenen Hosen nach Hause kam. Natürlich auch bepisst. Entschuldigt die Ausdrücke, aber sonst würde es nicht richtig wirken. Ich geh zur Schule, da bin ich am liebsten. Und keiner weiß, was ich durchmache. Ich mache auch immer ein fröhliches Gesicht und dank meiner besten Freundin (habe mich an sie gehängt, weil sie am beliebtesten ist) bin ich in einer tollen Clique. Am liebsten würde ich in der Schule bleiben, auch abends, irgendwo ein Bett aufstellen und da bleiben oder in ein Heim gehen, aber ich tat nichts, kann ja meine liebe Omi nicht anschwärzen, hätte mir sowieso niemand geglaubt. So lange ich mich errinnern kann, hat sie zugeschlagen. Der Hund hat nicht mal so viel Dresche bekommen. Für den hat sie extra Leckerlis gekocht und extra was vom Schlachthof geholt, daß sie mir mal extra eine Tafel Schokolade gegeben hat, ist nicht drin gewesen. Sie hat sich immer so über meinen Vater aufgeregt und ich habs dann abbekommen. Nach dem Unterricht ging es dann eigentlich los. Ich habe Hausaufgaben gemacht, gegessen (allein) Sie hatte schon gegessen. Man hätte ja auch mal zusammen essen können. Dann laberte siemich täglich voll, daß ich im Haushalt nichts mache, aber Hallo, wenn ich mittags von der Schule kam, war alles perfekt ordentlich und sauber (hab ich übrigens von ihr übernommen diesen Putzfimmel) Dann mein Vater hat so gegen 14.00 Uhr Feierabend. Er müßte dann so 14.30 zu Hause sein. Meine Oma wußte, daß er nicht kommen wird, trotzdem war sie ab diesem zeitpunkt nur am Fenster. Ich bin dann rausgegangen, zum Abendbrot wieder rein, was ich auch alleine essen mußte. Tagsüber durfte ich auch in das Kinderzimmer, nachts wars mein Vaters Zimmer. An den Wochenenden wars immer schlimm mit dem Zimmer. Meine Oma schlief in der Stube, mein Vater in unserem Kinderzimmer und ich, ich wußte nicht wohin mitmir, saß ganz still in der Stube rum und las, bis sie wieder wach wurden. Und ich hätte nicht mal husten dürfen. Meine Oma hing nun am Fenster und dann kam irgendwann abends um 8 oder 9 der Satz von ihr. Dein Vater kommt und wieder besoffen. Das wußte ich doch, jedesmal die gleiche Leier. Sie schrie ihn schon von weitem an und schmiß die Schlüssel nach ihm. Dann wartete sie an der Treppe, bespuckte und beschimpfte ihn, daß alle Nachbarn es hörten. Ichmittendrin, wollte meinen Vater immer in Schutz nehmen. Er bekam ja Dresche von seiner Mama. Dann bekam ich Dresche und zum schluß schlugen beide auf mich ein. Ich versteckte mich immer hinter einen Schrank im Kinderzimmer, der am Fenster stand. Mit den Jahren wurde es da aber zu eng und getroffen haben sie mich doch immer. Dann bin ich immer irgendwie an den beiden vorbei. Inzwischen schlug ich mir zu, mußte mich ja wehren und lief aufs Kloo und schloß mich ein. Meine Oma schrie, daß ich die Tür aufmachen sollte und hämmerte wie eine Wahnsinnige. Sie hatte auch immer solchen Haßerfüllten Blick zu mir. Ich fühlte inzwischen gar nichts mehr, mir war jetzt alles egal, machte die tür auf und weiter gings. Ich wehrte mich nicht mehr. Irgendwann beruhigten sich die beiden. Meine Oma oder ich zogen meinen Vater aus, machten die Kacke aus der Hose und brachten ihn zu Bett. Manchmal übergab er sich noch, war nicht so schlimm. Das war doch meine Gute-Nacht-Geschichte. Und dann mußte ich mich wieder neben meine "liebe" Oma legen und neben ihr schlafen. Natürlich ganz am Rand, wegen dem Auf dem Sprung sein. Und sie schlief immer so ganz entspannt ein und ich, ich schlich mich aufs Kloss, machte dort Selbstbefriedigung, das war mein Ausgleich damals, (schon im Kindergarten) und erst dann schlief ich seelenruhig ein. Und wißt ihr was, wenn ich das hier so schreibe, fühle ich nichts nichts und von dem ganz viel. Es war so, hat sich immer so ergeben. Es tröstet mich nur ein wenig, daß ich mit einer schlechten Kindheit nicht allein da steh. Und deshalb muß man stark sein und sich nicht beschweren.

    Wow Tine..... wie traurig. Da bin ich jetzt eigentlich froh dass ich nur Fetzen von Erinnerungen an meine Kindheit habe. Ich habe ganz wenige Erinnerungen als ich unter 10 Jahre war. Fetzen das ist alles. Auch als ich dann aelter war, als Teenager, kann ich mich nur an Fetzen erinnern und die sind sehr traurig. Die einzig guten Erinnerungen die ich habe sind von meiner Oma. Die hat mich wirklich aufrichtig gern gehabt. Und ich vermisse sie noch heute.
    Fast jedes mal wenn ich mit meinem Vater telefoniere entschuldigt er sich das er als Vater versagt hat. Er hat mich nicht beschuetzt, hat mich einfach im Stich gelassen.
    Ich vermisse meine Mutter..... aber nicht die Mutter die ich hatte, Ich vermisse die Mutter die ich nie hatte. Macht das Sinn? Meine Psychiaterin die ich in Deutschland hatte hat immer gesagt, ich moechte dass meine Mutter sich als Mutter gibt.... aber ich wuerde etwas verlangen was diese Frau mir nicht geben kann.
    Und Du hattest nie die Gelegenheit Deine Mutter kennen zu lernen.

    So viele Gedanken gehen mir im Kopf herum und ich kann sie nicht in Worte fassen. Lass Dich ganz lieb gedrueckt wissen von mir.

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