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Thema: 3 Rückfälle und ein Leben voller Scherben

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  1. #71
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    Zitat Zitat von stella_83 Beitrag anzeigen
    Ich möchte einfach auch mal erhobenen Hauptes in die Welt rausspazieren können und sagen können: Hier bin ich! Das hab ich erreicht! Mir geht es gut!
    Aber bis dahin ist wohl noch ein langer Weg...
    Damit Du das machen kannst hast Du ja angefangen etwas zu aendern, Du faengst an darueber nachzudenken und auch zu reden und jeder geht seinen eigenen Weg und nicht jeder Weg ist einfach. Und um das mal ganz bloede zu sagen...jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt und wenn Du den Himalaya auf Deinem Weg besteigen willst dann musst Du halt die Steine die im Weg liegen ueberwinden. Aber Du solltest mal das Selbstmitleid vergessen denn das frisst Dein Selbstvertrauen weil Du nicht an Dich selbst glaubst dabei.

    Ich weiss bald gar nicht mehr wie oft ich "neu" angefangen habe und wie oft ich gescheitert bin aber deswegen fange ich nicht an zu lernen wie man sich als Versager fuehlt. Und das solltest Du Dir auch ersparen.

    Viele Gruesse:

    Siegfried

  2. #72

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    Hi Stella,

    gut im neuen Jahr angekommen?
    Erzähl doch mal... ?!

    LG.Gane

  3. #73
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    Hallo Ihr Lieben,
    erst mal wünsch ich euch ein glückliches neues Jahr - wenn auch etwas verspätet... ;-) Es tut mir leid, dass ich erst jetzt antworte, aber seit Silvester ging es mit meiner Stimmung rapide bergab. Ich war daher auch 14 Tage teilstationär zur Krisenintervention , was mich wieder einigermaßen stabilisiert hat.
    Heute war ich zum ersten Mal seit langem wieder weg und mir ging es richtig schlecht dabei. Eine Freundin hatte eine neue Bekannte angeschleppt, die, wie sie selbst auch, die absolute Karrierefrau ist. Sie erzählte voller Elan, dass sie neulich beruflich in LA war, weil sie an der Grafik irgendeines Kinofilms gearbeitet hatte, erzählte wie toll doch Amerika sei und was für einen großartigen Job sie doch hätte. Obwohl es kaum überheblich rüberkam, merkte ich schon wieder, wie mir alles zu viel wurde und ich mich am liebsten mit Alkohol oder Tabletten abgeschossen hätte. Als dann auch noch die Frage kam, was ich denn beruflich mache, war es ganz vorbei mit mir. Ich saugte mir etwas halbwegs glaubhaftes aus den Fingern und schämte mich gleichzeitig für meine Lüge und ich wünschte mir in diesem Moment, dass sich der Boden auftun möge, so dass ich mich hinabstürzen könnte oder nach irgendetwas, das mich aus dieser peinlichen Situation befreit hätte. Aber nichts passierte und alles was ich spürte war diese beklemmende Kluft zwischen der Welt und mir, die mir in altbekannter gähnender Leere entgegenglotzte.
    Ich sehne mich manchmal nach den alten Junkiezeiten, denn da war wenigstens ein Platz für mich, da nahm man mich ernst und niemanden interessierte es wer ich war und wieviel oder wenig ich in meinem Leben erreicht habe. Hier in dieser nüchternen Welt, da ist kein Platz für mich, ich bin einfach anders, passe hier nicht her. Ich mag diese Gedanken nicht, aber ich schreibe sie dennoch nieder, weil sie ehrlich sind. Ehrlich - im Gegensatz zu den Lügen, die ich meiner Umgebung auftischen muss um einigermaßen Bestand zu haben.
    Seitdem ich wieder klar im Kopf bin, da erscheint mir mein Leben wie ein einziger Alptraum aus dem ich einfach nicht wach werde. Jetzt weiß ich auch, warum ich mich ständig zudröhnen wollte - denn so sehe ich die Scherben nicht, die meine Borderlinepersönlichkeitsstörung von meinen früheren Träumen hinterlassen hat. Nichts ist mehr da nur noch Trümmer. Es ist als stünde ich vor einem überdimensional großen Trümmerhaufen und ich weiß einfach nicht wo ich ansetzen soll. Es sind einfach viel zu viele Scherben.
    Mein Traum vom Abi - zerbrochen; mein Traum vom Studium - kaputt; mein Traum, mich meiner Familie, mir selbst, zu beweisen - vorbei.
    Der Zug ist abgefahren. Alles was ich jetzt noch spüre ist eine alles lähmende Traurigkeit. Oder vielmehr eine tiefe Trauer, ein Abschied, so, als ob etwas, was mir einmal viel bedeutet hat, gestorben ist. Ich lasse die Trauer zu, denn sie braucht ihren Raum und sie fühlt sich besser an, als alles andere, was ich in den vergangenen Jahren wahrgenommen habe, denn sie fühlt sich echt an, lebendig, auch wenn sie weh tut.
    Und ich bin jetzt schon so weit gegangen, jetzt kann ich nicht mehr umkehren. Es wird schon alles seinen Sinn haben. Das hoffe ich zumindest.
    Geändert von stella_83 (29.01.2012 um 00:13 Uhr)

  4. #74
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    Hi stella,

    schön dass du dich meldest.

    Hört sich ja echt nicht so prima an, wie es gerade bei dir läuft. Zu dieser "Karrieregeschichte" kann ich auch nichts weiter Produktives beitragen. Ich denke mal, dieses Feeling kennt so ziemlich jeder, der auf die eine oder andere Weise hinter seinen realen Möglichkeiten, seiner eigentlichen Leistungsfähigkeit hinterherhinkt. Bisweilen habe ich da auch zu knabbern, und zu hadern dran. Meiner besseren Hälfte geht es da teilweise ähnlich, hat ja auch zwei Studien in den Sand gesetzt.
    Jetzt einfach "Kopf hoch" zu sagen, bringt es auch nicht, ich weiß. Es ist halt irgendwo Mist, wenn man noch nicht so den rechten Platz gefunden hat, an dem man sich ausbreiten, den man ausfüllen kann. Nunja, die Drogen spielen da auch gewaltig mit rein, haben ja irgendwo etliche Jahre der "Selbstfindung" effektiv verhindert, und nun heißt es wohl nachholen, irgendwo auch aufholen. Das kostet Kraft, und lässt einen manchmal arg verzweifeln.

    Wo ich mal gern einhaken möchte, ist die Geschichte mit dem Traum von Abi und Studium. Hast du schon einmal einen Versuch auf dem zweiten Bildungsweg unternommen? Da würde Alter keine Rolle spielen, und die Finanzierung bis zum Ende des Studiums wäre auch kein Problem, wenn du über ein Kolleg rangehen würdest.

    LG
    WbD

  5. #75
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    Hi WrongByDesign,

    ja hast Recht - ist wohl der übliche Werdegang eines Süchtigen, der die ersten zaghaften Schritte in ein cleanes Leben wagt.

    Die Sache mit dem 2. Bildungsweg hab ich schon zig-mal durchgekaut. Ich war bereits 2x auf der BOS - das erste Mal brach ich sie ab wegen Benzos und Angstzuständen und das 2. Mal wegen Stimulanzien . Jetzt bin ich dabei mich mental von meiner gescheiterten BOS-Zeit zu verabschieden und das ist nicht leicht, denn ich habe noch jede Nacht Alpträume davon. Als ich das letzte Mal die Schule geschmissen habe (wegen Ritalin und Amphetamin ), da hat mich sogar der stellvertretende Direktor persönlich angerufen und mich darum gebeten wieder in die Schule zu kommen. Er hat mir sogar meinen Numerus Clausus ausgerechnet, für den Fall, dass ich das Abi total verkacken würde - selbst dann hätte ich bestanden. Aber ich konnte einfach nicht mehr in die Schule gehen - ich war viel zu kaputt und steckte viel zu tief in der Abhängigkeit drinnen. Ich konnte keinen Tag mehr nüchtern bleiben. Als ich die Schule endgültig an den Nagel gehängt habe, da hab ich mich nur noch so mit Medikinet weggerichtet - vor meiner Entgiftung hatte ich eine ganze Woche nicht mehr geschlafen und kaum mehr gegessen. Ich mache mir solche Vorwürfe deswegen und setze meine ganze Kraft darin, mich endgültig von dieser Zeit zu verabschieden. Denn nicht nur meine Zukunft an der Uni hab ich mir verbockt, ich habe auch alle meine Freunde aus dieser Zeit verloren. So hoch war der Preis für die Sucht . Und jetzt ist die Scham zu groß, als dass ich nochmal mit jemandem von damals Kontakt aufnehmen wollte. Darüber hinaus sind alle ihrem Traum gefolgt und ich denke ich würde daran zerbrechen, wenn sie mir von ihrem Studentenleben erzählten.

    Außerdem habe ich kaum Geld. Mein letztes Erspartes habe ich damals für Shore ausgegeben. Jetzt ist nichts mehr da. Ich habe keine Rücklagen, nichts, könnte nicht mal die Kaution für eine Wohnung bezahlen.
    Ich muss jetzt erst mal Geld verdienen und es mit therapeutischer Hilfe irgendwie schaffen, loszulassen.

    Danke dennoch für deinen Rat, aber so einfach ist das leider nicht.

    Liebe Grüße,

    stella
    Geändert von stella_83 (29.01.2012 um 21:28 Uhr)

  6. #76

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    Hi Stella,

    mal ehrlich:
    Es tut mir leid, dass ich erst jetzt antworte, aber seit Silvester ging es mit meiner Stimmung rapide bergab. Ich war daher auch 14 Tage teilstationär zur Krisenintervention , was mich wieder einigermaßen stabilisiert hat.
    Weist du, das ist ne enorme Leistung, die du da abgeliefert hast.
    Ist zwar schade, dass das gesellschaftlich nicht honoriert wird, aber das ist doch auch ne Art von Karrieresprung, finde ich.
    Jeder von uns weiß, wie schwer das ist, wie hoch die Hürde ist, die man da überwinden muß und und und...
    Wir gehen nun mal nicht den 'normalen' Weg - und mal nebenbei: Du weißt ja nicht, wie sich deine 'Karrierefrauen' innerlich fühlen;
    viele von den sogenannten "Normalos" zahlen einen verdammt hohen Preis für ihre Art des Erfolgs!
    Die sind zum Teil genauso ängstlich, unsicher, unzufrieden & einsam - packen es halt unter der Maske weg.
    Warum sonst gibt es so viele Menschen mit Burnout, Depression, etc...

    Ist ne hohe Kunst, aber die Zufriedenheit müssen wir wohl alle selbst entdecken und finden.
    Das ist ein lebenslanger Prozess!

    Wünsch dir was.LG.Gane

  7. #77
    uwe53

    Standard

    Ist ne hohe Kunst, aber die Zufriedenheit müssen wir wohl alle selbst entdecken und finden.
    hallo stella,

    das o.g. ist ein ganz wichtiger satz.
    es ist wurscht was du bist. zufrieden kann man auch mit weniger sein. das betrifft die materiellen dinge genauso wie die ideellen sachen. was nutzt es, wenn du das diplom in der tasche hast und mußt täglich bangen, dass du mit der überforderung nicht klar kommst.
    und hier beginnt ein teufelskreis.

    lg uwe

  8. #78
    - ModeratorIn
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    Hi stella,

    was heißt nicht so einfach? Auf eine Art letztlich schon. Allerdings kann ich deine Beweggründe da ziemlich gut nachvollziehen, und hey, auch das ist ein schwerer Gang, den du da jetzt beschreitest.
    Außerdem ist ja auch noch nicht aller Tage Abend. Studieren kannst du auch später noch. Das geht auch per Quereinstieg und in aller Ruhe. Davon abgesehen ist so ein akademischer Titel nun auch nicht das Maß aller Dinge und schon gar kein Garant für beruflichen Erfolg, oder gesellschaftliches Ansehen, von Zufriedenheit wollen wir mal schweigen...

    Aber, das haben ja meine Vorredner schon alles gesagt.

    LG
    WbD

  9. #79

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    Hi,

    habe ich vorhin vergessen, lies doch mal, was Zyna da gerade gepostet hat:
    Auf in ein neues Leben, ich möchte euch Mut machen!

    deckt sich in etwa mit meinen eigenen Erfahrungen: Irgendwie geht fast ALLES !

    LG.Gane

  10. #80

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    Ich bin neu hier und habe kein Suchtproblem, sondern ein Familienangehöriger, aber was ich hier so lese macht mir echt Angst . Hätte nie gedacht das eine Sucht einen so dermassen zerstören kann, meine das nicht so, das ich bisher blauäugig durchs Leben gelaufen bin, aber so tiefe und verletzende Selbszerstörung von einer Sucht auf was auch immer, das hätt ich nicht vermutet. Wünsche Dir ganz viel Kraft liebe Stella

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