Hmm... das geht ja schon so ein wenig in die Richtung des stufenweisen Entzugs. Klar, ganz andere Grundvoraussetzungen: ärztlich überwacht, und primär geht es dabei ja auch eher um die Vermeidung lebensbedrohlicher Komplikationen, die bei einigen Medis ja auftreten könnten, wenn man Diese zu abrupt absetzt.Das einzige ist (soweit ich weiß), dass sich die Entgiftung bei den Tablettenabhängigen etwas länger hinzog, da die Dosis nicht gleich auf Null zurückgeschraubt werden konnte.
Ich denke mal, dass das Argument körperlicher Probleme auch eine starke Einschränkung erfährt, wenn man in einem klinischen Rahmen entgiftet. Dort kann das ja ein Arzt entscheiden. Allgemein bin ich ja ohnehin der Ansicht, dass man nach Möglichkeit sämtliche Suchtmittel entziehen sollte, wenn man ohnehin schon den Schritt in die Entgiftung gewagt hat. Zumal es sich ja dann auch anbietet, den nachgeschalteten therapeutischen Prozess anzustrengen.
Spontan fällt mir da gerade eine Episode ein, die nur randläufig was mit dem Thema zu tun hat. Als Jugendlicher lag ich im Krankenhaus mit drei Alkoholikern auf dem Zimmer (war gerade kein Bett auf einer anderen Station frei, und ich war wegen einem Infekt dort), wovon einer nach der Einlieferung noch tagelang an einem Alkoholtropf hing. Der war gleichermaßen auch auf Opiaten. Von Letzteren haben sie den aber erst runtergeholt, nachdem sie ihn vom Alk hatten. Ich glaube mal, dass das einer dieser Fälle war, wo man die Doppelbelastung nicht riskieren wollte. Ich hatte mich seinerzeit viel mit ihm unterhalten, war ja gerade 17 und rang damals noch irgendwo um Verständnis meiner Alkoholikereltern. War ein sehr gebildeter Mann mit diversen akademischen Titeln und einer lebensfrohen, humorvollen Art. Naja, ist leider wenige Monate nach diesem Krankenhausaufenthalt elendig gestorben. War wohl laut seiner Frau auch die Leber.
Steht halt so ein bisschen die Frage im Raum, ob zwangsläufig jeder Abhängige zur Entgiftung gehen muss? Ich persönlich würde diesen Schritt für mich ja wahrscheinlich erst gehen, wenn ich mit Versuchen in Eigenregie eindeutig gescheitert wäre. Vorausgesetzt natürlich, dass das bei meinem Suchtmittel auch möglich wäre. Oder anders: Bei Alkohol, Medikamenten und Opiaten würde ich mit absoluter Sicherheit so oder so den Versuch nur unter ärztlicher Kontrolle, sprich auf Station wagen.
Klar empfehle ich ja generell auch den Weg über therapeutische Einrichtungen, bin aber nicht bei jedem Suchtmittel und jedem Abhängigen rückhaltlos davon überzeugt. Ich kenne da auch zwei, die reinweg wegen Kiffens auf Station waren. Sind da irgendwie untergegangen zwischen den "Härtefällen", wurden nicht ernstgenommen und einer davon kam irgendwie hoffnungsloser zurück, als ich den vorweg erlebte. Da hätte vielleicht ein versierter Psychotherapeutambulant besser zu gepasst.
Ich habe da auch irgendwie das Beispiel meines Vaters im Hinterkopf: Diverse gescheiterte Entzüge + LZT. Irgendwann in Eigenregie hat es dann geklappt. Sogar so weit, dass er heutzutage auch mal ein Bier trinken kann, ohne dass das gleich eine Woche Absturz nach sich zieht. Klar merkt man ihm an, dass er dieses Risiko dann auch bewusst eingeht und der Umgang keineswegs unbeschwert ist. Allerdings weiß ich nicht, inwiefern man ihn als typischen "Quartalssäufer" (Früher aller 2 Monate: eine Woche Dauersuff, eine Woche Krankenbett) da als exemplarisch betrachten darf.
Dry, mich würden ja mal deine Gedanken zu den zwei Lagern interessieren. Kennste das auch so, oder wie ist da deine Erfahrungslage?
LG
WbD






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