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Thema: Alkohol im Haus/in der Wohnung?

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  1. #1

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    Daumen hoch Alkohol im Haus/in der Wohnung?

    Hallöchen ihr alle Süchtigen ! (keine Beleidigung, bin ja auch so eine!)

    Seit fast 4 Jahren wohne ich alleine in einem Appartment. Da ich seit
    5 1/2 Jahren trocken bin, hatte ich in dieser Wohnung bislang noch nie Alkohol , so bringe ich mich wenigstens nicht unnötig in Gefahr, in brensligen Situationen dazu zu greifen. Der Weg zur Tanke oder woanders hin ist dann immer noch ein kleiner Hinderungsgrund. Na ja, bisher hat´s ja auch funktioniert!

    Vor drei Tagen hab ich (Eßstörung!) beim Lieferservice für über 30 € Pizza usw. bestellt. Und prompt ´ne Flasche Wein mitgebracht bekommen. Völlig baff habe ich sie angenommen und in den Flur gestellt. Das war der erste Alkohol in meinen vier Wänden. Und der hat mich nicht zum Trinken gebracht aber letzlich ganz schön unruhig werden lassen. Am Ende bin ich um die Flasche rumgeschlichen. Glücklicherweise war mir eh schon schlecht und schwindelig , deshalb blieb ich vorm Trinken verschont und habe sie dann meiner Ma mitgegeben.

    Wie haltet ihr das ? Bin ich zu schwach, dass ich den Alk nicht in meiner Nähe ertragen kann oder was?
    Ich glaube , es ist reiner Selbstschutz, weil ich mich eben kenne.

    LG von Hermine

  2. #2

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    Bin ich zu schwach, dass ich den Alk nicht in meiner Nähe ertragen kann oder was?

    was bitte hat das mit Schwäche zu tun? Du bist süchtig, fertig aus.

    Du hast sehr gut drauf reagiert, indem du den Alk so schnell wie möglich loswurdest. Ich hatte mal eine ähnliche Situation. Ich bekam ein opiathaltiges Medikament, was bei mir wohl ähnliches auslösen würde, wie der Alk bei dir. Ich nahm es mit heim und fühlte mich sehr unwohl damit. Ich hab es dann meiner Mitbewohnerin gegeben, weil mir klar war, wie gefährlich mir dieses Zeug evtl. werden könnte. Ich wollte kein Risiko eingehen. Mir ist bewusst, dass ich süchtig bin und dass es nichts mit Schwäche zu tun hat, falls Suchtdruck entstehen sollte.

  3. #3

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    Hi Hermine!

    also ich halte das auch so... nix in der Wohnung haben. Ist mir einfach zu gefährlich. Auch wenn ich mich noch so stabil fühle. Für wen auch???

    Einzigste Ausnahme ist, wenn mein Freund mal da ist und unbedingt ein Bier trinken will, dann muß er sich das selber besorgen und entsorgen und das auch nur, wenn es mir gut geht und ich damit umgehen kann.

    Mich in die Gefahr bringen, wenn ich alleine bin und scheiße drauf, dann doch was zu schlucken nur weils dann so praktisch in der Nähe ist, ist mir einfach zu groß. Ich würde dann nicht wirklich drüber nachdenken, ob es mir schadet. Wenn ich erstmal rausgehen müsste, an die Tanke laufen oder so... da hat sich bis jetzt zum Glück immer diese innere Stimme eingeschaltet, die solche Aktionen gleich in Frage stellt und dann konnte ich meine Krisen anders bewältigen. Aber mit Alk in der Bude... ohoh...

    In meinen Augen ist das keine Schwäche, sondern die Stärke für sich selber gut zu sorgen. Achtsam sein mit sich. Du kennst Dich am Besten, du kennst Deine Sucht und warum sollst Du Dein Leben aufs Spiel setzen?
    Und gerade in der eigenen Wohnung muß man sich doch sicher und gut fühlen.

    ... 5 1/2 Jahre kannst echt stolz auf Dich sein!

    Grüßle

  4. #4

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    In meinen Augen ist das keine Schwäche, sondern die Stärke für sich selber gut zu sorgen.

    Wow, der Satz ist abolut spitze

  5. #5

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    hallo hermine,

    ich kann deine unruhe gut verstehen und deine reaktion war ganz normal...

    ich war vor 10 jahren med.abhängig und habe allerdings die ganze zeit immer noch was im haus gehabt....

    konnte mich irgendwie nie von trennen, erst vor ca 4 monaten habe ich mich entgültig davon getrennt und es in die mülltonne geschmissen...

    ich finde auch du kannst super stolz auf dich sein... du hast stärke bewiesen...

    lg finja

  6. #6
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    YEAH !!!

    Ihr habt ja Recht. War kurz nach dieser "Situation" nur irgendwie zu durcheinander um klare Gedanken zu fassen.

    Der blöde Suchtdruck kommt ja meistens unverhofft und schlägt dann voll zu; natürlich ist es dann sehr clever, nichts in der Nähe zu haben!

    Ja, so lange Zeit ohne. Manchmal kann ich mir gar nicht vorstellen, wie man nach so langer Abstinenz noch Bock darauf haben kann und wieder voll hineinrutschen würde.
    Da mir das aber schon mal passiert ist (früher) , muß ich es wohl so akzeptieren.
    Wenn bei mir Gedanken ans "kontrollierte Trinken" kommen, laufe ich in die Meetings und bin dann hoffentlich schnell von dem Gedanken kuriert! Wünsche es keinem trockenen Alki, die utopische Vorstellung vom genußvollen Trinken. Das ist der Anfang allen Übels.

    Zum Glück denke ich meist in Wodkaflaschen und nicht in Bier- oder Weingläsern; das zeigt mir immer schnell, dass ich süchtig bin.

    Also, der Alk wird auch in Zukunft nicht bei mir in der Wohnung sein. Und ich hoffe, das wird auch so bleiben! :O
    Vielleicht können ja noch andere erzählen, wie sie es damit halten.
    Von vielen hab ich schon gehört, dass sie immer was da haben, für Freunde und so weita...
    ist doch eigentlich Schwachsinn, aber in der heutigen Gesellschaft wohl leider fast notwendig, wenn man gut ankommen möchte. Feiert doch mal ´ne Party ohne Alkohol . Mal sehen, wer kommt.
    O.K. das reicht jetzt mal von mir...

    LG von Hermine

  7. #7

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    Hallo Hermine!
    Erst einmal RESPEKT und Glückwunsch zu den 5 1/2 Jahren Trockenheit!!! Hut ab! Bin selber gerade (nach der ersten und hoffentlich letzten Therapie ) 1 1/4 Jahr trocken und weiss wie scheisse schwer das ist.
    Du kannst stolz auf Dich sein der Versuchung widerstanden zu haben.
    Ich hätte wahrscheinlich auch einen Riesenschreck mit der Pulle im Haus bekommen. Vielleicht hätte ich sie sogar direkt über der Spüle geöffnet und weggekippt, um mich selber zu schützen. Ich habe auch keinen Alk im Haus und ich denke, dass mich das in einigen Situationen schon vor Schlimmeren bewahrt hat. Meine Freundin mit der ich zusammen wohne respektiert das und schläft sogar -wenn möglich- ausserhalb, wenn sie was getrunken hat..."Fahnen" find ich zum ! Ich frag auch immer ganz offen wenn ich irgendwo zu Gast bin, ob im Essen oder Kuchen usw. Alk ist. Habe damit bis jetzt NUR positive Erfahrungen gemacht. Im Gegenteil, viele Leute fragen dann ganz interessiert wie man denn ohne Alk so lebt. Ausserdem ist das für mich auch wichtig, mich immer wieder daran zu erinnern.
    Leider hatte ich auch schon mal einen "körperlichen Rückfall"...unbeabsichtigt...Meine Freundin hatte Belgische Pralinen gekauft und extra drauf geachtet dass die OHNE sind. Hmmm...ja Kacke (Sorry), da hatte sich wohl eine in der Packung verirrt und ausgerechnet ich greif die ab. Glückwunsch! Da war 80%iger Jamaikarum drin. Ich verstehe bis heute nicht warum ich die damals nicht ausgespuckt habe , das war sicherlich der süchtige Teil von mir.
    Jedenfalls hatte ich binnen 1-2Minuten das Gefühl ICH BIN BETRUNKEN!!! Ich dachte ich schwanke und lalle!!! Kann ja gar nicht sein von ´ner halben Praline. Wahrscheinlich hat mir mein Gehirn einen Streich gespielt, weil ich schon Riesenangst vor nem Rückfall habe. das war die blanke Angst . Gott sei Dank war der Spuck nach 10min vorüber.
    Das möcht ich nicht nochmal erleben, das war nicht lustig!!
    Übrigen war ich schon auf einer Party ohne Alk . Das geht! Wir hatten ne Menge Spass mit der Playstation-Singstar und den richtigen Leuten .
    Würd mich freuen vielleicht von Dir noch was zu lesen, wie Du so über die lange Zeit gekommen bist.
    Ganz liebe Grüße,
    Sunny
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  8. #8
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    Na das freut mich ja, dass du (sunny1) / ihr interessiert seid...

    Es ist wirklich eine lange Zeit, wenn man mal drüber nachdenkt...
    Ja , also, da ich ja ziemlich bekloppt bin, mehrere Süchte und Störungen habe, ist es manchmal gar nicht so einfach, sie getrennt voneinander zu betrachten.

    Da der Alkohol und die Medikamente Stoffe sind, auf die man ganz und gar "verzichten kann" (ich weiß, klingt einfacher, als es ist!), fällt es mir mitlerweile leichter, nicht auf sie zurückzugreifen.
    Mit den Jahren kommt dann eine Art Gewohnheit dazu, und immer mehr verschwindet Alkohol als Strategie gegen Seelenschmerz und unbeherschbare Gefühle aus meinem Kopf.
    Die zahllosen Meetings und immer wiederholte Sätze , wie z.B. "Lass das erste Glas stehen und komm wieder" haben mir sehr geholfen. Und natürlich nette mitfühlende Menschen um mich herum.
    Suchtdruck kenne ich trotzdem immer noch gut. Zwischendurch erwischt es mich manchmal aus heiterem Himmel, und manchmal als überlegte Lösungsmöglichkeit für Probleme. Dann hilft eigentlich nur noch "Aushalten" und Hoffen, dass es bald vorbei geht.

    Es wird einem ja auch nicht gerade leicht gemacht. Sogar in Maggi Fix Produkten ist teilweise Alkohol -Extrakt drin.
    Na ja, wie auch immer... mal ist es einfacher, an anderen Tagen ist es hammerhart. Da brauch ich stupides Durchhaltevermögen und teilweise wohl auch ´ne Portion Glück, um standhaft zu bleiben.

    Wünsch euch allen dasselbe,
    bis später dann, Hermine

  9. #9

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    Ja , also, da ich ja ziemlich bekloppt bin, mehrere Süchte und Störungen habe, ist es manchmal gar nicht so einfach, sie getrennt voneinander zu betrachten.
    Es gibt nicht mehrere Süchte! Die Sucht ist eine Krankheit, die sich eben verschieden äussern kann, in unterschiedlichen Abhängigkeiten. Ich differenziere das sehr. Süchtig zu sein, heisst, dass wir immer besonders darauf achten müssen, was wir tun, damit keine neue Abhängigkeit entsteht. Alles, was uns (vermeintlich) gut tut, kann uns wieder abhängig werden lassen. Wir Süchtigen haben große Probleme (unsere) Grenzen zu erkennen und sie zu setzen. Wir neigen leider in allem dazu, maßlos zu sein. Vorbeugen können wir, indem wir uns ständig hinterfragen, in allem, was wir tun. Daran arbeiten, geht nur, indem wir versuchen, das Gesamtbild der Sucht zu sehen und vor allem diese Krankheit auch akzeptieren. Wir werden sie niemals los, sie ist ein Teil von uns, mit dem wir leben lernen müssen, wenn wir aus der Abhängigkeit raus wollen, bzw. in keine Neue rutschen wollen.

    LG, alive

  10. #10
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    Es gibt da einen Satz: "Die Summe der Süchte wird nicht weniger."

    Das, was du beschreibst, alive, stimmt natürlich. Ich bin ein süchtiger MEnsch. Wenn ich eine aufgeben will, steht die nächste schon vor der Tür; auch wenn ich manchmal noch gar nichts davon weiß. Suchtverlagerung hab ich voll drauf.
    Ich für mich bin überzeugt, dass das auch so bleiben wird und ich lediglich die Art der Sucht vielleicht beeinflussen kann, in eine, die mir nicht so durch und durch schadet und mich in den Abgrund zieht.

    Hört sich vielleicht blöd an, aber ich sehe das so, dass man diese "Veranlagung" in sich nicht abstellen, sondern höchstens ein gaaaaaaaaaaaaanz kleines bißchen lenken kann.

    LG von Hermine

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