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Thema: Suchtproblematik in der Beziehung

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  1. #1
    Fuchur

    Standard Suchtproblematik in der Beziehung

    Am 2. Januar 08 gehe ich in die Klinik, "entgiften"...
    zum zweiten Mal in meinem Leben bin ich dem "alten Feind verfallen" und zum zweiten Mal kam ich durch meinen Lebenspartner an das weiße Gift.
    Vor ca. 14 Jahren fing ich aus Neugierde damit an und stellte nach über einem Jahr entsetzt fest, dass ich dabei war, mich psychisch und physisch in den Ruin zu treiben. Ich führte lange Gespräche mit meinem damaligen Freund... doch er sah, zu diesem Zeitpunkt, keinen Handlungsbedarf.

    Ich fing eine Gesprächstherapie an und trennt mich im Rahmen dieser von meinem Freund; die Therapie brach ich nach einigen Wochen ab, weil ich es zu diesem Zeitpunkt nicht ertragen konnte, über meinen Vater zu sprechen (er war Alkoholiker und starb, als ich zehn war).

    Und nun... tja, viele "Auslöser" mögen zu meinem Rückfall geführt haben:
    Überforderung durch die Arbeit (ambulante Pflege), Mobbing (mein mühselig aufrecht gehaltenes Selbstbewußtsein ging damals echt den Bach runter)
    und die Sterbebegleitung bei meiner Kollegin. Und wohl auch, bedingt durch die Alkoholabhängigkeit meines Vaters?, eine gewisse "Suchtgefährdung".

    Bei allem anderen, also Alkohol , Tabletten, Gras oder sonstigem, zeige ich absolut keine Tendenzen... nur bei Speed ... weil es mich selbstbewußter macht?... weil ich dann wieder ein gewisses Mass an Optimismus entwickel, welcher mir ansonsten im alltäglichen Leben verloren geht?
    Keine Ahnung; ist die Beantwortung dieser Frage überhaupt relevant?
    Keine Ahnung.

    Mein jetziger Freund kam vor ca. einem Jahr mit diesem Zeugs nach Hause und ich... griff zu, ohne zu zögern oder überhaupt daran zu denken, was ich da tat. Und so war ich nach ein paar Monaten genau da, wo ich eigentlich NIE wieder hinwollte: im alten, verdammten Suchtverhalten.

    Irgendwann sagte ich mir, dass auch meine Beziehung SO nicht weitergehen kann und ich führte (mal wieder) Gespräche...: "Hör zu, es macht uns kaputt, damit ist jetzt Schluss, oder ich trenne mich." Seit einigen Tagen nun sind wir beide clean und darüber freue ich mich sehr; auch wenn ich genau weiß, dass damit noch lange nicht alles ausgestanden ist!

    Hat es Sinn, wenn nur ich eine Therapie mache? Muss ich meine Beziehung aufgeben, und ist meine Liebe zu ihm nicht das, was Liebe sein sollte????
    (ich meine, habe ICH vielleicht ein gestörtes Verhältnis zu dem, was die Mehrheit so als Liebe bezeichnet....)

    Bin ich als Kind eines Alkoholikers dazu "verdammt", ähnliche "Muster" an den Tag zu legen, wie mein Vater es schon tat - ist das etwa erblich???

    Im großen und ganzen war meine Kindheit geprägt von "Du bist NICHTS!";
    meine Mutter verfiel in Depressionen , als ich 12 war und nutzte von da ab so manche Gelegenheiten mir - entweder durch ihre beleidigende "Wortwahl" (Hure war da noch die freundliche Variante) oder aber die letzten Jahre durch ihr Desinteresse meiner Person gegenüber - ihre mangelnde Zuneigung mir gegenüber zu zeigen.

    Vielleicht hat oben beschriebenes nicht viel mit meinem jetzigen Problem zu tun,
    zumal ich mich (emotional gesehen) von meinem Vater gelöst habe...
    bei meiner Mutter fällt mir dies schwerer, sie lebt noch... und ich ertappe mich, trotz Abwehrhaltung, immer wieder dabei, auf ihre "Liebe" zu warten... die wohl nie kommen wird und die sie wohl auch gar nicht in sich spürt (-en kann).

    Nu hab ich doch so viel geschrieben... und weiß nicht, soll ich das so stehen lassen oder nen Teil löschen??? Ne, ich lass es stehen, es gehört zu mir, zu meinem Leben!

    Fuchur

  2. #2

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    Standard

    Hi.

    Ich dachte mir auch schon: "ist Suchtverhalten erblich?". Aber es kommt doch immer auf den Menschen an. Ich könnte mehreren süchten verfallen (2 habe ich). Meine Geschwister nicht. Die stehen voll im Leben und haben keine Süchte.

    Mehr kann ich nicht schreiben. Ich drücke Dir die Daumen das Ihr beide Clean bleibt!!!!

    Frohes neues Jahr

  3. #3
    Fuchur

    Standard

    Hi agroall,

    als allererstes möcht ich dir, wenn auch leicht verspätet , ein frohes neues Jahr wünschen und dir für´s Daumen drücken danken!

    Ich hatte dir schon 3x zurückgeschrieben... konnt die Beiträge jedoch nicht abspeichern, da ich immer noch "abwesend" war hier. Dank Franz´ freundlicher Unterstützung bin ich nu wieder anwesend und kann endlich antworten.

    An dieser Stelle übrigens noch mal ein Danke schön an dich Franz .

    Und nu zu der Frage, ob Suchtverhalten erblich ist / sein kann oder nicht.

    Nach all dem, was ich in den letzten Monaten gelesen bzw. gehört habe, denke ich, dass nicht das Suchtverhalten erblich ist, sondern bestimmte Verhaltensmuster.

    Meine Eltern z.B.: Papa hat seine Probleme in Alkohol ertränkt und meine Mutter "flüchtete" sich in ihre Depressionen ... keiner von beiden war, aus welchen Gründen auch immer, in der Lage, ihren Kindern ein verantwortungsvolles Handeln mit sich selbst vorzuleben.

    Mein Bruder ist seit Jahren schon in Rente (diverse Psychoseschübe, Alkoholprobleme), meine ältere Schwester lebt ein relativ normales Leben und ich... hatte bis jetzt 2x in meinem Leben eine selbstzerstörerische und über viele Monate anhaltende Phase mit dem "Gift" - ansonsten habe auch ich ganz normal gelebt (meine Kinder großgezogen, gearbeitet usw.).

    Nein, das Suchtverhalten als solches ist nicht erblich - dieses entsteht aufgrund einer "Veränderung" im Gehirn... (sehr aufschlussreich erklärt im neuen "Stern" - ab Nr. 3).

    Wir zwei sind immer noch clean und es geht uns sehr gut dabei ;
    vorgestern hatte ich ein "date" mit meinem Chef, ich habe endlich gekündigt... ein sehr wichtiger Schritt für mich und ich bin echt froh, dass ich das endlich getan habe. Ich fühle mich frei... frei von dieser erdrückenden Last (Arbeit) und frei von dem Zeugs, welches über einen sehr langen Zeitraum mein Leben bestimmt hat.

    Nun habe ich MEIN Leben endlich wieder und alles liegt in MEINER Hand !

    Lieber Agroall, ich wünsche dir, dass auch du deinen Weg gehst und deine Süchte in den Griff bekommst - es ist möglich, glaub mir!!!

    LG
    Fuchur

  4. #4
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    Standard

    Hallo Fuchur,

    hört sich ja echt spitze an und wenn ich dir da mit paar Zeilen helfen konnte, dann passt das ja auch noch.

    Man wird sicher nicht mit der Flasche Schnaps oder der Linn Koks oder so geboren, das denke ich auch. Dennoch glaube ich, es gibt schon eine Veranlagung für eine Sucht , so jedenfalls hat es mein Therapeut immer gesagt.
    Das aber wiederum bedeutet nicht, wenn man diese Veranlagung hat, dass man es auch wird, da braucht es wieder die "Zutaten" wie du sie beschrieben hast - erlebte/erlernte Verhaltensmuster usw.

    Was dann aber die Sucht mit unserem Gehirn macht, da is kein Zweifel dran, es programmiert wirklich alles um

    Wie geht es nun weiter? Du hast entgiftet, machst du nun ne Therapie oder was ist da geplant?

    Du hast es in der Hand, vollkommen richtig und dabei wünsch ich dir alles Gute!

    LG Franz

  5. #5

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    Standard

    Hallo Fuchur,

    find das super, dass Du das machst. Ja, man hats auch selber in der Hand, sich zu entscheiden, was dagegen zu tun! Ich wünsche Dir alles alles Gute auf Deinem Weg!
    Den ersten Schritt hast getan und das ist schonmal sehr sehr gut

    lg

    eternal

  6. #6
    Fuchur

    Standard

    Hallo Franz,

    während meines Aufenthaltes in der Klinik hatte ich mit dem Gedanken gespielt, eine weiterführende Therapie - hier in der Nähe unserer beschaulichen Kleinstadt - zu machen. Doch nun fühle ich mich nach diesen 3 z.T. echt harten Wochen (2 Wochen davon Kontaktverbot zu meiner Familie, total überforderdes Personal, andere "schwierige" Patienten, null Privatsphäre usw.) innerlich sehr gestärkt. Will sagen, ich habe meine persönliche Stärke, Kraft endlich wieder gefunden.

    Mein ganzes Leben lang, von Kindheit an, musste ich diese Stärke aufbringen - für mich selbst, später dann für meine Kinder... manchmal hat mir diese Stärke sicherlich "Steine" in den Weg gelegt; Hilfe annehmen z.B. war für mich bis zu einem gewissen Punkt ein sehr schwieriges Unterfangen.

    Während meiner schlimmsten Speed -Zeit war ich nur noch ein Schatten meiner Selbst, voller Zweifel, Ängste und Unsicherheiten; ich war in dem gleichen "Zustand" wie vor ca. 14 Jahren. Ich denke, du weißt, wovon ich schreibe.

    Ich für mich möchte endlich wieder mein Leben aktiv in die Hand nehmen, freie Entscheidungen treffen können; hierzu gehört logischerweise auch die Entscheidung, NICHT wieder zu dem Gift zu greifen, wenn´s z.B. grad mal schwierig wird im Leben.

    Am 1. Februar habe ich einen Termin bei einem Psychiater ... angeraten wurde mir dies von einer Dame bei der Drogenberatungsstelle hier vor Ort. Schon nach unserem 1. Gespräch hat sie mir dazu geraten, weil...

    Zitat: "Wir werden mit Fr.P. in weiteren Beratungsgesprächen klären, ob eine suchtspezifische Entwöhnung aus unserer fachlichen Sicht indiziert erscheint." Zitatende

    Bei der Drogenberatungsstelle war ich schon vor dem Klinikaufenthalt und habe den nächsten Termin am 7.2.

    Ich kann verstehen, dass du jetzt evtl. "skeptisch" reagierst... hört sich auch wirklich alles ein wenig skurill bzw. untypisch an - ich weiß -

    Aber ich persönlich kenne mich selbst sehr gut... und momentan geniesse ich einfach nur, dass ich endlich wieder selbständig über mein Leben bestimmen kann; wozu jetzt aktuell natürlich auch der Gang zum Arbeitsamt gehört *würg* (irgendwo muss die Kohle nu herkommen, in diesem Fall halt Arbeitslosengeld) und eben das Schreiben von Bewerbungen.

    Oh man, so viel wollt ich gar nicht schreiben... egal *g*

    Ich danke dir für die guten Wünsche!

    LG
    Fuchur

  7. #7

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    Standard

    Hi fuchur,

    mich hats auch alle jahre wieder.. speed macht deine seele irgendwie hart.
    das ists schon.
    unter extremen psych stress u kraftloser aufgabe der ziele.
    kommt dann das gift, und kurz hilts ja spitzenmäßig (ironie) es tötet alle echten sanften gefühle komplett ab.

    und wenn man dann weitermacht, lösen sich geist im irrsinn,
    und körper durch lebenstil einfach auf.

    geh auch wieder (hoffentl ganz) bald entgiften, nur sind bei mir wieder valium un co dabei....

    für empfindliche, depressive, mit masochistischer neigung (mich) is das ein suchtgift
    gefahrstufe 1 .
    schlimmer als heroin und alles andre.

    denk es liegt an einer mangelhaften selbstsicherheit.
    und ich will es nichtmehr so maskieren müssen.
    es geht ich weiß es.

    freut mich daß du unten bist,
    aber das schwerste ist der ganze rest des lebens ohne....

    lb gr Oryx

  8. #8
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    Skepsis hin oder her, Oryx schreibt es, der schwere Teil kommt ja erst

    So hart ein Entzug ist, glaub mir, ich weiß es, es ist nur ein winziger Anfang. Aber Therapie muss nicht immer stationär laufen, es gibt auch gute Suchttherapeuten die ambulant behandeln und wesentlich bist ja du der Punkt.
    Die meisten tun sich einfacher wenn es nicht im häuslichen Rahmen abgeht, wenn m an mal weg von seinem Umfeld ist, sich ganz auf sich konzentrieren kann.
    Doch jeder muss für sich herausfinden, wie man es am besten anstellt - nur ehrlich sollte man zu sich sein!
    Weil wenn es nicht so klappt, dann sollte man nicht lange zögern und umgehend wohin gehen.

    Nur eines kann ich dir raten, behalt die Drobsler und einen Therapeuten bei, man glaubt oft zu früh dass es erledigt ist - aber unser Problem bleibt uns und hört nie wieder auf. Dazu braucht es eine gute Vorbereitung, wenn du dir zig Rückfälle wie ich ersparen willst

    Auf los gehts los, viel Erfolg, Glück und vor allem Kraft!

    LG Franz

  9. #9
    joe
    joe ist offline

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    120

    Standard

    Ich wiollte nochwas zu Vererbung von Süchten loswerden. Ich hab mal von einer Studie davon gelesen, dass es tatsächlich Gene gibt, die eine Sucht begünstigen können. "Begünstigen" heisst ja noch lange nicht, süchtig zur Welt kommen. Franz drückte das ähnlich aus...

    Und noch etwas anderes:
    Fuchur schrieb:

    Hat es Sinn, wenn nur ich eine Therapie mache? Muss ich meine Beziehung aufgeben, und ist meine Liebe zu ihm nicht das, was Liebe sein sollte????
    (ich meine, habe ICH vielleicht ein gestörtes Verhältnis zu dem, was die Mehrheit so als Liebe bezeichnet....)

    Bin ich als Kind eines Alkoholikers dazu "verdammt", ähnliche "Muster" an den Tag zu legen, wie mein Vater es schon tat - ist das etwa erblich???
    Ich habe Man kann eigentlich in jeder Literatur über Alkoholissmus nachlesen, dass Kinder von Alkoholgeprägten Familein allesamt Co-Abhängig sind. Dahinter vebirgt sich Beziehungs-,Romanzen-, oder auch Sexsucht. Ein sehr difizieles Thema wie ich finde.l

    Ich falle z.b: in tiefste Depressioenen, wenn ich keine Partnerin habe. Und in einer Partnerschaft klammere ich daran, auch wenns total scheisse läuft. (Und ich finde auch immer die passende, manipulierbare Partnerin für sowas!) Es ist wie verhext. Ich bin Süchtig nach einer Partnerin! Momentan aber...öh... auf meinen eigenen Wunsch hin seit 1,5 jahre "clean" aber leidend.
    Ich muss für mich immer an ein Zitat von Plato denken: Liebe: eine schwere Geisteskrankheit.

    joe

  10. #10
    Fuchur

    Standard

    Hallo eternal,

    vielen Dank für deine aufmunternden Worte!

    Zitat Zitat von eternal Beitrag anzeigen
    ... Ja, man hats auch selber in der Hand, sich zu entscheiden, was dagegen zu tun!...
    Genauso sehe ich es auch !

    lg
    Fuchur

    Hallo Franz, Oryx und Joe,

    ich möchte euch gern morgen in Ruhe antworten. Zur Zeit ist mein Kopf "voll" wegen der Bewerbungen, die ich schreibe. Ich hätte nicht gedacht, dass diese Angelegenheit dermaßen "kompliziert" ist... na ja, die letzten Bewerbungen usw. liegen ja nun auch schon Jahre zurück und da hat sich einiges geändert in dieser Hinsicht.

    Bis morgen
    lg
    Fuchur
    Geändert von Franz (28.01.2008 um 21:17 Uhr)

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