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Thema: Sportsucht

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  1. #1

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    Standard Sportsucht

    Hallo Leute,

    Mal ein Thema, was mich persönlich ziemlich stark betrifft. Wie der Titel schon sagt: Sportsucht. Hier jetzt speziell meine ich keine Sportsucht, die aus einer Essstörung entsteht, sondern wirklich eine primäre Sportsucht. Kaum ein Therapeut weiss etwas darüber, von Klischees abgesehen. Oft wird das allenfalls nur belächelt.

    Doch bei mir ist es schon echt ernst. Ich mache seit 20 Jahren exzessiv Sport. Meist 4-6 Stunden täglich. Das ist für mich schon ein Kompromis, aus Zeitnöten. Mittlerweile habe ich gelernt, die Sportarten so über die Woche zu planen, dass ich mich nicht zwangsläufig durch Überbelastung verletze, sondern nur schleichend. Ohne Sport werde ich aggressiv, launisch, zeige körperliche Symptome, auch wenn ich eigentlich total erschöpft bin schreit es in mir zu trainieren, immer und immer mehr, weil es mir nicht mehr reicht - ich merke auch nicht, wenn ich verletzt bin oder kurz vor einem Kollaps stehe. So ein "kleiner Knochenbruch" ist für mich keinesfalls ein Hindernis. Einen Tag Zwangspause die Woche habe ich mir verordnet und kann das meistens auch durchhalten, zumal mein Körper auch Ruhe und Schlaf braucht, an allen anderen Tagen stehe ich extra früher auf um Sport zu machen. Überall wo es geht zweige ich Zeit ab. Manchmal schlafe ich einfach irgendwo ein, weil ich so erschöpft bin. Weil ich nicht super ausgezehrt aussehen will, muss ich fast ständig essen.

    Lange Rede kurzer Sinn: die Vernunft sagt "du spinnst, hör auf", der Körper und der Wille sagt "ich will will will" und "besser als Drogen"... aber selbst wenn ich 100% aufhören wollte, ich bin mir sicher, dass ich es nicht könnte. Ich trainiere Woche für Woche intensiver, bis ich operiert werden muss, weil die Gelenke dies nicht mitmachen. Dieses Verhalten zieht sich schon durch mein ganzes Leben. Ich identifiziere mich auch darüber. Sport bedeutet mir einfach alles, ist mir wichtiger, als jeder Mensch und doch macht es mich kaputt, ich sehe das. Ich kenne niemanden, der sich damit auskennt, oder der davon in gleichen Ausmaß betroffen ist.

    Habt ihr Tipps?
    Geändert von grany (20.10.2011 um 23:42 Uhr)

  2. #2
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    Leider weiß ich auch keinen gescheiten Tip. Außer das doofe- Übertreib es nicht!
    Aber das ist es ja nicht, was du hören willst, geschweigedenn was helfen könnte. Ich selber kann das ein Stück weit nachvollziehen. Ich treibe grad acuh wenn es mir schlecht geht viel Sport.
    Überleg mal, wieso brauchst du das? Was würdest du in den Stunden tun, in denen du nicht trainierst?
    Versucht du damit was wegzudrücken? Selbst diese Art von Sucht scheint ja eine Ursache zu haben. Und ich denke, du kannst diese nur dann bekämpfen, wenn du an die Ursachenforschung gehst, d.h. wieso tue ich das?
    Mehr fällt mir leider grad auch nicht ein.

  3. #3

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    Hi, kenn mich in dem Millieu ebenfalls nicht aus, bin auch wohl das absolute Gegenteil deiner Person was das betrifft.
    Mir fiele das du deine aufreibenden Sportarten vielleicht durch was ersetzen solltest was dich a) beruhigt, also eher besinnt um deine Aggressionen und deinen Drang in den Griff zu bekommen und b) die nciht so hart für deinen Körper sind!
    Schon Yoga oder Meditation ausprobiert?
    Und wenn dus nur teilweise austauschst, bringt warscheinlich schon ein wenig auf Dauer

  4. #4

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    Hi Grany,

    kann das gut nachvollziehen.
    Habe es ja gerade für mich selbst auch erinnert, wie das war, als ich mit Qualmen aufhörte & mit sporteln anfing.
    Joggen, radeln, Sauna & Fitnesscenter...
    Ich lernte schnell, den Kick zu schätzen, den es da gab!
    (naja, dauerte ne Weile, bis ich an den Kickpunkt kam, als frischer Nichtraucher).

    Ich merkte, dass mir die Vortstellung, nicht mehr joggen zu können, Ähnlich zu Schaffen machte, wie wenn das Drogendepot früher zur Neige ging.
    Ich hatte dann "das Glück", dass die Beziehung zu Ende ging, ich in Depression verfiel & meine COPD richtig loslegte bzw. diagnostiziert wurde.

    Radeln fiel dann gleich mal flach (hügelig hier) & vom Joggen nahm ich aus Vernunft (hörthört) selbst Abstand.
    Walken ist gelenkschonender und LANGSAMER; ich sehe die Landschaft und der Kick....naja, ist ein sanfter Flow geworden;
    damit komme ich viel besser klar.

    Nun habe ich es da allerdings relativ leicht gehabt, da ich ja zuvor NULL Sport gemacht hatte.
    So extrem, wie du das betreibst, naja - ich weiß nicht, ob du jetzt "NUR" Drogen damit ersetzt, oder ob du dir selbst dabei entfleuchen willst...???

    Mäßigung & Disziplin wäre halt angesagt, da scheinste aber weit davon entfernt zu sein?
    Therapie ??? *seufz*

    Nen Lesetip habe ich da noch dazu:
    Lauf um Dein Leben

    Mach mal langsam *hust* Sonst mußt du ne Weile mit mir spazierengehen, bis dein Level wieder stimmig ist *droh*

    LG.Gane
    Geändert von ganesha (21.10.2011 um 10:48 Uhr)

  5. #5
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    Ich frag mal grany, was genau gibt es dir?
    Kannst mal bisserl genauer beschreiben was da abgeht, wenn so extrem da ran gehst?
    Auch die Überwindung z.B. wenn du eigentlich verletzt bist ... hinsichtlich Schmerz usw.

    Ganz ehrlich, ich hab den Verdacht, hier gehts vorrangig nicht um Sucht oder Suchtverlagerung ...
    Aber mal sehen ob da noch was beschreiben kannst

    LG Franz

  6. #6

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    Hallo grany,

    uff...ja, sind ja alle Symptome der klassischen Sucht da.
    Ich habe nur Erfahrung mit Sucht . NIcht mit Sportsucht.

    Wie gehen denn Leistungssportler damit um?
    Weil, ich geh mal davon aus, daß Du ums Aufhören nicht drumrum kommst.
    Wie du sagst - es macht dich kaputt. Sport ist dir das Wichtigste im Leben. Das ist ja eine fürchterliche Sklaverei. Da bist Du so unfrei wie mit allen anderen Drogen auch. Da gibts keine Entscheidungsfreiheit und keine Möglichkeiten. Da ist immer die Droge der Mittelpunkt.

    Denkst Du schon über das Aufhören nach? Und vor allem - könntest Du das körperlich, oder wäre ein Abtrainieren nötig.

    Bei mir hat es enorm geholfen, als irgendwann die negativen Gefühle immer mehr zugenommen hab. So war es beim Rauchen und auch beim Kiffen so, daß irgendwann der Nerv und das "Angekotzt sein vom Suchtverhalten" größer war, als die Lust auf den Konsum, und dann konnte ich aufhören.

    LG Wolke

  7. #7
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    Okay, wow, mit sovielen Antworten hatte ich nun nicht gerechnet. Danke. Ich werd versuchen, auf das meiste einzugehen, also sorry, wenn´s länger wird.

    Zitat Zitat von Soccerlady
    Überleg mal, wieso brauchst du das? Was würdest du in den Stunden tun, in denen du nicht trainierst?
    Ich brauch das um klar zu kommen (darauf komme ich nochmal zurück). In den Stunden würde ich vermutlich sonst lernen, schlafen oder in depressiver Stimmung die Decke anstarren

    Zitat Zitat von Quzen
    (...)das du deine aufreibenden Sportarten vielleicht durch was ersetzen solltest (...)
    Ja, das habe ich schon versucht, über kurzen Zeitraum kann das auch gutgehen, aber langfristig kommt das einfach nicht an richtigen Sport ran. TaiChi mache ich nach wie vor täglich und das tut mir echt gut.

    Zitat Zitat von ganesha
    ich weiß nicht, ob du jetzt "NUR" Drogen damit ersetzt, oder ob du dir selbst dabei entfleuchen willst...???
    Eindeutig entfleuchen. Obwohl ich bisher immer clean über/durch Sport wurde, glaube ich das ist eher nur eine Ausrede um noch mehr Sport zu machen. Therapie ? Geht gerade wg. Terminmangels seitens des Theras nicht (bemühe mich schon um Wechsel) und es gibt zuviel anderes, was wichtiger ist, als dass wir darauf aktuell zu sprechen kommen. Vor mehreren Monaten hat er gesagt, ich solle den Mist einfach sein lassen, ich wüsste doch, dass ich kein Sport machen dürfte - Super Hilfe *g*.
    Gane, ich finde es stark, dass du so damit umgehst und nun dein Maß glücklich erfüllen kannst!

    Zitat Zitat von Franz
    Ich frag mal grany, was genau gibt es dir?
    Ich versuch das mal zu erklären. Wenn ich Sport mache, fühle ich mich (natürlich) stark, kann meinen Körper annehmen, fühle mich glücklich und eins mit mir selbst. Ich habe keinerlei Probleme mit anderen zu interagieren, ich fühle mich absolut sicher und kann ich selbst sein. Mein Kopf wird frei, ich bin wie erlöst und kann auch über Dinge nachdenken, sie einsortieren ohne das ich in Gedankenmühlen verfalle, aller Druck fällt ab. Ich kann alles raus- und loslassen. Danach kann ich schlafen, tief und fest. Ich bin erschöpft und ausgepowert, sodass ich mich ganz ruhig und entspannt mit klaren Gedanken an meinen restlichen Alltag begeben kann. Wenn ich nicht instensiv genug Sport mache, dann habe ich diese Effekte nicht, dann bin ich unzufrieden, denke ans Trainieren und bin insgesamt sehr unruhig, fühle mich extrem unwohl, unkonzentriert und habe auch (paradoxerweise) ein tierisch schlechtes Gewissen.

    Wenn ich verletzt bin, dann zieht mich das in ein tiefes Loch. Sport macht mir dann keinen Spaß, weil ich weiss, dass ich mich weiter verletze und das meist, z.b. im Teamsport, auch noch verheimliche. Aber wenn ich dann keinen Sport mache, komme ich mit meinem Leben gar nicht mehr klar. Das Verletztsein reisst mich tief rein und das kann ich nur durch Sport wieder lösen, nur das beruhigt mich dann und lässt mich psychisch runterfahren, auch wenn es mich gleichzeitig traurig macht. Ah, wie schwer zu erklären, das ist eigentlich ein Widerspruch, aber das hat einfach eine ganz andere Qualtität: ohne Sport geht es mir schlecht, aber so schlecht, dass ich die Kontrolle verliere und zu kaum was mehr fähig bin; mit Sport geht es mir auch schlecht, aber ich kann ganz ruhig alles andere angehen und verliere die Kontrolle nicht, in gewisser Weise geht es mir gut. Vielleicht ist es auch ein Zwang, keine Sucht .

    Zitat Zitat von Wolke
    Denkst Du schon über das Aufhören nach? Und vor allem - könntest Du das körperlich, oder wäre ein Abtrainieren nötig.
    Aktuell habe ich eine Phase "ohne Sport" (= mit weniger Sport) hinter mir, weil ich erst operiert wurde. Das war eine echt schlimme Zeit für mich, möchte ich nicht nochmal haben. Musste mich auch immer abwenden, wenn ich Leute sporteln gesehen habe, weil ich den Anblick nicht ertragen konnte. Und ja, schon nach so kurzer Zeit müsste ich inzwischen abtrainieren, ich habe und hatte schon von Anfang an ein Sportlerherz. Ich bin/war ja selbst Leistungssportler . Momentan ist eine totale Gier nach Sport da, obwohl ich es eigentlich besser weiss.

    Das ist mal ein Versuch zu beschreiben, wie das so ist, ich hoffe es ist halbwegs zu verstehen.
    Geändert von grany (21.10.2011 um 13:40 Uhr)

  8. #8

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    Vielleicht ist es auch ein Zwang, keine Sucht .
    Vermutlich.Wobei mir eben beim WALKEN (!) einfiel, dass es ja auch SVV ist & der Drang zur Selbstzerstörung ?!!

    Ich kann dein Dilemma abstrakt bestens nachvollziehen, aber was einfallen will mir auch nicht so recht.
    Wird dir nix anderes übrigbleiben, als nen neuen, gesunden Inhalt für dich zu (er)finden...

    *autschn* ich weiß! LG.Gane

  9. #9
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    Zitat Zitat von ganesha Beitrag anzeigen
    ..... dass es ja auch SVV ist & der Drang zur Selbstzerstörung ?!! .....
    Das geht in Richtung meiner Denke!
    Ich werd mich noch ausgiebiger dazu äußern, eventuell auf anderen Wegen

    LG Franz

  10. #10
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    Hi grany,

    jetzt nur ganz kurz, wegen Zeitmangels:

    sehr unruhig, fühle mich extrem unwohl, unkonzentriert und habe auch (paradoxerweise) ein tierisch schlechtes Gewissen
    Mein Kopf wird frei, ich bin wie erlöst und kann auch über Dinge nachdenken, sie einsortieren ohne das ich in Gedankenmühlen verfalle
    Danach kann ich schlafen, tief und fest.
    mit Sport geht es mir auch schlecht, aber ich kann ganz ruhig alles andere angehen und verliere die Kontrolle nicht
    Was passiert denn ohne Sport? Bricht das Chaos ins Leben?

    Ich hüte mich eigentlich davor das einfach so in den Raum zu stellen, bzw. zu fragen. Hat es bei dir schon einmal eine Anamnese hinsichtlich ADHS gegeben??? Was du beschreibst, kenne ich von zwei mir bekannten fundiert diagnostizierten ADHSlern haargenau so. Btw. finden sich in der einschlägigen Fachliteratur auch enorm passgenaue Fallbeschreibungen.

    Wie gesagt, soll das überhaupt nichts heißen, weil ich kein Fachmann bin, und im Allgemeinen hüte ich mich, dieses Thema bei irgendjemand anderem aufs Tableau zu bringen, aber ADHS , Sport und Sucht sind manchmal eine unheilige Trias, und eine entsprechende Anamnese lohnt schon allein um es ausschließen zu können. Nur so am Rand, sollte sowas nicht der übliche "Wald-und-Wiesen-Psychologe" übernehmen, sondern jemand, der sich wirklich damit auskennt und nicht nur einen Fragebogen vorlegt: Geht's nach den Fragebögen, hat das nämlich beinahe jeder.

    LG
    WbD

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