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Thema: Was geschieht während einer Terapie???

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  1. #1

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    Standard Was geschieht während einer Terapie???

    Hallo alle Zusammen, aus einem Themenbeitrag ist eine kleine Frage entstanden, die sich dank Franz zu einem neuen Forenthema gemausert hat.

    Also, da mein Freund in nächster Zeit von der Haft in die Langzeittherapie wechselt, stellt sich mir so langsam die Frage was uns so dort erwartet.
    Die oberflächlichen Dinge, wie Kontaktsperre, Besuchszeiten u.s.w. kennen wir.
    Es geht also viel mehr um die internen Dinge:

    ° welche Themen beinhaltet die Therapie bei einem Suchtkranken?
    ° wie wird im innerlichen die Seele berührt?
    ° wie habt ihr Euch nach Selbsteinschätzung entwickelt?
    ° welche Rolle spielten Partner/Familie/Freunde in der Therapiezeit und danach?
    ° welche Ängste und Bedenken hattet ihr?
    ° was und welche welche Therapiepunkte waren für Euch die Schönsten?
    ° welche die Schwierigsten?
    ° was habt Ihr aus der Therapie mitgenommen?

    Danke im Voraus.
    Geändert von Muferkübchen (28.11.2009 um 14:11 Uhr)

  2. #2
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    Standard

    So sollte/könnte ein Konzept aussehen, Dauer ist ja Heute sehr zurück geschraubt worden. Optimaler Klinikaufenthalt für Alkoholabhängige 3-6 Monate, Abhängige anderer Drogen 4-9 Monate, wobei ich das so zu pauschal sehe - aber Richtlinien sind, welche für die Bewilligung von Therapien hergenommen werden.

    Dauer:

    • Orientierungsphase ca. 3-4 Wochen
    • Behandlungsphase ca. 7-14 Wochen
    • Re-Integrationsphase ca. 8-12 Wochendurchschnitt
    • Gesamtdauer ca, 18-30 Wochen


    10 Stufen des Heilungsprozesse (de Leon):

    • Verleugnung
    • Ambivalenz
    • Motivation
    • Bereitschaft für Veränderung
    • Bereitschaft für Behandlung
    • Distanz zu Suchtmitteln
    • Abstinenz
    • Durchhalten
    • Integration und verändertes Selbstbild


    Das waren nun mal trockene Angaben

    Ich will mal versuchen, gezielt auf deine Fragen einzugehen.

    ° welche Themen beinhaltet die http://www.suchtundselbsthilfe.de/fo...lossarlink.gif Therapie bei einem Suchtkranken?
    Pauschal kann man das so wohl nicht sagen, es sollte sich durch eine umfangreiche Anamnese entwickeln. Es kann sich also bis ins frühkindliche Geschehen bewegen, es soll der Grund der Suchterkrankung angesehen werden. Ich persönlich mochte das überhaupt nicht, wenn es um Eltern ging, welche mit schuld sein sollen - aber es hat nun mal mit Vorleben der Eltern und erlebten zu tun

    ° wie wird im innerlichen die Seele berührt?
    Ganz intensiv, zum Teil ging es bei mir soweit, dass ich keinen Bock mehr hatte. Die Seele eines Süchtigen ist eh schon extrem angegriffen, die Belatung der Therapie treibt das auf die Spitze - aber das wird wohl auch Kernpunkt sein, es zu erlernen, mit Extremsituationen umgehen zu können.

    ° wie habt ihr Euch nach Selbsteinschätzung entwickelt?
    Anfangs gar nicht, ich war ein "trotziges Kind", was die Augen vor der Wirklichkeit geschlossen hatte. Deswegen war ein Rückfall vorprogrammiert.
    Heute, also 20 Jahre später sehr ich vieles anders, hab gelernt, gespürt und gelitten. Ich war über 11 Jahre clean, hab mich mit einer sehr ausgeprägten Arbeitssucht über Wasser gehalten. Nach Trennung, Scheidung und Insolvenz meiner Firma hatte ich paar kleinere Rückfälle, der letzte hat meine Schwerbehinderung verursacht.
    Erst da hat es wohl dann auch was bewirkt, weil ich gar so durchgekommen bin und sterben will ich nun mal nicht

    ° welche Rolle spielten Partner/Familie/Freunde in der Therapiezeit und danach?
    Für mich eine sehr wichtige Rolle, weil man Rückhalt gut vertragen kann. Zum Teil kann es aber auch sehr belastend sein, Erwartungen glaubt man nicht erfüllen zu können, Beziehungen trennen sind. Was ein wesentlicher Punkt dabei ist, oft kennt man sich nur "betäubt" und nach einer Therapie schaut vieles ganz anders aus.

    ° welche Ängste und Bedenken hattet ihr?
    Nicht zu überleben, schon damals hatte ich extreme Schwierigkeiten, die Droge noch richtig zu dosieren - dauernd sich wiederholende Klinikaufenthalte wegen Überdosen waren extrem belastend.

    ° was und welche welche Therapiepunkte waren für Euch die Schönsten?
    Arbeitstherapie, ich war in einer Schreinerei, später hab ich das zu meinem Beruf gemacht. Im Großen und Ganzen mochte iach aber alles, ich hab gemerkt, dass sich was ändert.

    ° welche die Schwierigsten?
    Gruppentherapien! Früher gab es Stellen, welche glaubten, man muss einen Süchtigen erstmal richtig fertig machen und dann neu aufbauen
    Nach meinem Wissen hat sich aber da viel verändert, zu meiner Zeit begann gard mal die Substi, aber in den Genuss kamen nur Leute, die schon 20 Jahre drauf waren oder gute Beziehungen hatten.

    ° was habt Ihr aus der http://www.suchtundselbsthilfe.de/fo...lossarlink.gif Therapie mitgenommen?
    Das Wissen, dass es auch ein Leben ohne Drogen geben kann, wenn auch der Weg dann noch sehr weit war, bis es dann wirklich geklappt hat.
    Aber zum Teil lag es auch an meiner Therapie, es war ein versuch, von LZT auf Kurzzeit umzustellen - dieser versuch ging über 3 Monate und das war für mich (aus heutiger Sicht gesehen) viel zu kurz.

    Puh, ich hoffe du kannst damit wa anfangen

    Hier noch ne andere Therapiebeschreibung ==> http://www.ciao.de/Suchttherapie__Test_2791982

    LG Franz

  3. #3
    Themenstarter

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    WOW Franz, hut ab !
    bin gerade mächtig sprachlos.seitdem ich mich hier bei euch auf der hp rumschleiche wird mir immer mehr bewusst, warum die therapie als schwierig angesehen wird.
    hatte schon so hier und da mal gehört, das man ganz ordentliche entwicklungsschübe durchmacht.
    wenn ich deinen bericht so lese, bekomme ich es etwas mit der angst zu tun.
    hab gedacht, wenn die haftzeit überstanden ist und es in die therapie geht, wird es wesentlich einfacher, anscheinend scheint die haftzeit dagegen schon fast der kleinere weg zu sein.
    würde vielleicht auch meine fragen aus meinem postfach beantworten.
    hatte mich gewundert warum die jva so auf die abstinenzorientierte abteilung oder auf ein soziales training besteht.
    mein freund schrieb, er komme sich vor wie in einem testlabor und sie würden ihm nur steine in den weg legen, obwohl er sich echt bemüht.
    habe lange überlegt warum die jva solche entscheidungen trifft und ihn so zappeln lässt...er sagte auch das er das gefühl hat das sie bis an seine äussersten grenzen gehen, die einzige erklärung die ich dafür hatte war das sie sehen wollen, wie belastbar er ist und wie sehr er diese therapie wirklich möchte.
    würde sagen dein beitrag bestätigt das.
    finde er hat in seinen knapp drei monaten haftzeit schon eine ordentliche entwicklung hingelegt, seitdem er sich endlich der suchtberatung, psychologen und sozialarbeitern öffnet.
    er hat das immer als rückschläge bezeichnet wenn etwas nicht so lief wie er sich das vorstellte.hab zu ihm gesagt das ihn jeder rückschlag nur noch härter und stärker in seinem willen werden lassen sollte und das ein rückschlag dazu dient, seinen fehler zu korrigieren und die sache erneut anzugehen.naja, wie gesagt seine entwicklung ist ernorm,
    haut mich jedesmal neu vom hocker wenn ich post bekomme oder ihn bei den besuchen sehe.
    dann kann ich ja davon ausgehen, das sich wärend der therapie auch nochmal ordentlich etwas tut.ich meine ich freu mich, macht mir aber auch angst .
    habe jetzt schon den eindruck das wir uns ganz von vorne kennen lernen,
    bisher gott sei dank positiv.
    es ist ähnlich wie als wenn man sich gerade erst kennengelernt hat, ähnelt dem schon sehr.

    war sehr erstaunt darüber, das die therapie nur 6 monate geht, war das früher nicht mal ein ganzes jahr???

    wir hatten eigentlich nach der therapie eine ganze menge gemeinsame pläne, denke die sollte man vielleicht dann doch erstmal zurück stellen und schauen was die therapie noch so alles mit sich zieht.

    in der therapie bei uns ist es so, das sie nur zwei wochen kontaktsperre haben, dann ist sonntags besuchstag, handy darf dann abends benutzt werden und ab der 8. woche darf er schon von freitags bis sonntags nach hause.

    danke franz für deine überaus ehrlichen antworten, denke das ist bestimmt nicht leicht.ziehe echt den hut vor dir.danke.
    ganz lieben gruss,
    hexelakritze.
    Geändert von Muferkübchen (28.11.2009 um 19:11 Uhr)

  4. #4
    Themenstarter

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    was mich echt beschäftigt ist, warum manchmal wärend einer therapie geraten wird abstand zu angehörigen zu nehemen, oder daran gearbeitet wird kontakt zu süchtigen angehörigen herzustellen?
    habe das hier schonmal gelesen...(siehe beitrag von manuela, beziehung zu einem junkie unter Familie und freunde)
    ich meine, die kontaktsperre ist mir erklärbar, aber danach...?
    dachte immer positive, soziale kontakte wären wichtig...

  5. #5

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    Es sind ja leider nicht immer alle Beziehungen positiv. Gerade als Süchtiger hat man oft Probleme damit, seine Grenzen (und die anderer) zu sehen und auch zu zeigen. Ein gewisser Abstand kann dann sehr hilfreich sein, um die Beziehung nochmal zu überdenken und neu zu beurteilen.

    Wenn ich allein schaue, wieviele für mich eher schädliche Beziehungen ich vor meiner Thera hatte, bin ich sehr froh, dass ich dort die Möglichkeit bekam, endlich mal auszusortieren. Wenn es die Kontaktsperre (als ersten Schritt) nicht gegeben hätte, hätte ich wohl kaum Distanz zu bestimmten Menschen herstellen können. Mittlerweile habe ich zu mehr Menschen den Kontakt abgebrochen, als umgekehrt.

    Ich hoffe, ich konnte ein wenig deine Frage beantworten, Hexe

  6. #6
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    hallo alive, danke für deine antwort.zu menschen die dem süchtigen nicht gut tun, das verstehe ich ja.laut manuela`s beitrag war es aber der fall das dem süchtigen freund die beziehung zu seiner alkoholkranken mutter aufgebaut wurde *kopfschüttel* ist es für ihn nicht besser gegen den kontakt zu anderen süchtigen zu sein?
    frage deshalb weil die familie meines freundes nur aus süchtigen besteht und er seit dem er in der jva ist keinen kontakt mehr zu ihnen möchte.ich selbst hab das so stehen lassen und nichts weiter dazu gesagt, da aber bald der wechsel in die therapie aussteht frage ich mich ob das verhältnis zu seiner familie wieder aufgebaut wird und der kontakt zu mir als nicht süchtiger mensch...oh gott, darf gar nicht daran denken...

  7. #7

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    Bei uns bestand sogar eine komplette Kontaktsperre zu anderen abhängigen Menschen, also in der gesamten Therazeit, es sei denn, jemand konnte es vor der Gruppe sehr gut begründen, warum er gerade zu diesem abhängigen Menschen Kontakt haben müsse. Die Form der Therapie , wie Manuela sie beschrieben hat, ist mir völlig unbekannt.

  8. #8
    Themenstarter

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    das ist es ja was mich so stutzig macht, ihre ganze geschichte hat mich aus der bahn geworfen...ich kenne das eigentlich auch nur so, das soziale kontakte zu nicht süchtigen menschen die voll im leben stehen gefördert werden.das ist selbst in der jva so, hast du draussen jemanden der ein gesellschaftliches leben führt bekommst du unterstützung, weil eine bessere chance auf heilung besteht.
    ich persönlich denke das gerade der "alte" kontakt zu süchtigen menschen nicht förderlich ist.deswegen wird doch auch oft gesagt das ein umzug in eine andere stadt sehr von vorteil wäre...
    ausserdem wird doch auch wieder eingliederungsarbeit geleistet, oder nicht.sich in der gesellschaft von nicht-süchtigen menschen zurecht zu finden?
    wie ist es dir in deiner therapie ergangen alive?
    hast du dich wohl gefühlt?
    war es schwer für dich?

  9. #9

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    Yep, Thera war sehr hart, aber auch richtig toll. Ich habe mich dort richtig kennenlernen können, mit all meinen teilweise echt schrägen Verhaltensweisen. Es war die wichtigste Zeit in meinem Leben, würde ich jetzt sagen.

    Das, was Manuela beschreibt, klingt für mich irgendwie leicht nach Sekte oder sowas und weniger nach Therapie , wie sie mir bekannt ist. Es kann ja nicht Sinn der Sache sein, einen Süchtigen in eine erneute Abhängigkeit, nämlich die zur Einrichtung, zu drängen. Normalerweise ist es, wie du sagst, Eigenverantwortung wird groß geschrieben, sowie Unabhängigkeit und Wiedereingliederung.

  10. #10
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    Ich versteh nicht ganz, es wurde doch nicht so geschrieben, dass dort Kontakt zu anderen Süchtigen aufgebaut wird, oder?

    Bei der Mutter ist es doch etwas anderes, vermutlich gibt es da Dinge zu klären und Kontaktaufnahme, das kann alles mögliche bedeuten.

    Zum Umzug noch was, ich bin auch weggezogen, aber ganz ehrlich, meiner Meinung bringt das nur bedingt was.
    Klar is man vorerst mal raus aus dem gewohnten Umfeld, nur wenn man den Kontakt zur Droge sucht , dann findet man den immer - dafür haben wir doch alle nen Blick

    In dem Moment wo ich den Rückfall haben wollte, da bin ich genau dort hin gefahren, wo ich früher meine Kontakte hatte. Es könnte dann 1000 km weg sein ...

    Aber Hexe, so ziemlich jede Therapiestelle hat eigene Vorstellungen, die weichen oft von einander ab - wenn vielleicht auch nicht so gravierend. Aus der Bahn werfen sollte dich also so schnell nix
    Jeder muss seine eigene Erfahrung mit den jeweiligen Stellen machen, ich finde, Empfehlungen sind meist eh unbrauchbar. Wenn wer sagt, da ist es toll, da läuft alles super, da werden viele andere ganz was anderes sagen.

    Wie kommst denn auf so was alive, ich finde das sehr hart, wenn man eine Suchteinrichtung als Sekte hinstellt - zugegeben, manches hört sich komisch an, aber ich finde da braucht es doch schon etwas mehr, als hier bekannt ist!

    LG Franz
    Geändert von Franz (06.12.2009 um 23:15 Uhr)

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