Bevor sich mein Leben in Rauch auflöst

  • habe ich den Entschluss gefasst für immer mit dem Kiffen aufzuhören.


    Angefangen hat meine Drogenkarriere in dem Alter von 16 Jahre. Dort fing es mit anfänglichen Alkoholexzessen (wie man sie in der Jugend als "Komasaufen" kennt) an. Alkohol wurde ein immer größeres Thema für mich bis ich sogar angefangen habe während der Schulzeit mir ab und zu was zu genehmigen. Da war alles noch recht lustig, vor allem, da ich nicht alleine damit war. Alkohol war gesellschafltich akzeptiert und ich habe es nie als Problem empfunden. Wenn ich jetzt rückwirkend über die Zeit nachdenke, war dies wahrscheinlich mein Auslöser für die folgenden Jahre.


    Im Alter von 18 Jahren fing ich an zum ersten Mal zu kiffen. Anfangs noch recht human, ab und zu, alle paar Wochen mal am Wochenende mit Kollegen. Alkohol war zu dieser Zeit (und ist bis heute!) kein Thema mehr für mich. Ich trinke höchstens alle paar Monate. Doch wie bei so vielen habe ich angefangen Gras alleine am Wochende zu konsumieren - ohne Gesellschaft. In dieser Zeit habe ich in einer WG bzw. alleine gewohnt und habe recht gut in meiner Ausbildung verdient um mir das leisten zu können. Der Konsum steigerte sich in der Quantität (Wochende, Freitag noch dazu, ach Donnerstag geht doch auch, bis ich jeden Wochentag breit war), sowie Intensität (Joints->Bong).
    Seitdem ich 20 bin habe ich täglich gekifft. Meist mit Freunden, öfter auch alleine zum Schlafen gehen. Nüchtern schlafen war für mich keine Option mehr.
    Dann Anfang 2017 habe ich mir gesagt -> ich höre auf! Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und verkürzt (sehr gut wohlgemerkt) und unbefristet übernommen. Außerdem habe ich gemerkt, wie mich das Gras langsam im Kopf gemacht hat. Ich war stets ein aufgeweckter, intelligenter Junge. Kein Überflieger in der Schule, dafür umso besser im Job. Durch das Kiffen wurde ich langsamer im Kopf. Ich bekam Probleme flüssig Präsentationen zu halten, weil mir die Worte gefehlt haben und habe teilweise Angstzustände im Bus/an der Kasse bekommen, sowie einen Kreislaufzusammenbruch. 2017 sollte für mich ein kifffreies Jahr werden.
    Das Ganze hielt ca. 1,5 Monate bis ich zu einem LSD-Trip (3x kontrollierter Konsum in 3 Jahren) wieder kiffen wollte. Ich dachte mir, dass ich eventuell jetzt den Konsum im Griff habe und nur alle paar Tage mal zur Bong/Joint greifen muss.


    Ha. Was für ein Trugschluss.
    Durch die fertige Ausbildung war mehr als genügend Geld zur Verfügung, sodass ich mich täglich mit 1-2 Gramm bekiffen konnte. In dieser Zeit habe ich aber auch ein wunderbares Mädchen kennengelernt. Leider konnte ich aufgrund meines dauerbreiten Zustands keine wirkliche Entscheidung fassen und habe sie hingehalten. Aus Angst sie wegen meiner Sucht zu verlieren. Eines Tages (müsste Mitte März sein) habe ich mich ihr dann geöffnet und gesagt, dass ich täglich kiffe. Sie hat es relativ gut aufgenommen, auch wenn sie selbst absolut keine Drogen nimmt und dagegen ist.
    Ich habe einige Tage/Wochen weitergekifft und wir waren in einer "Fast"-Beziehung. Ich fing an sie zu belügen und meinen Konsum zu verheimlichen. Sie fand es heraus und konfrontierte mich damit. Dies war der Moment, wo sie mir die Augen geöffnet hat.
    Zum ersten Mal in meinem Leben hat sich ein Mädchen für mich wirklich interessiert. Ich hatte einige Beziehungen/ONS bis dahin, welche aber nie wirklich lange hielten und eher Mittel zum Zweck (Sex) waren.
    Und genau diesen Menschen möchte ich nicht verlieren. Am 17.04. war es nun so weit, ich fasste den Entschluss aufzuhören. Für immer. Ich öffnete mich ihr gegenüber und habe gesagt, dass ich mit dem Kiffen aufhören will und mit ihr zusammen sein möchte.


    Seit diesem Tag habe ich keinen Joint/Bong mehr angefasst und habe nun stark mit Entzugserscheinungen zu kämpfen.
    Ich leide momentan unter starken Schwitzen, gelegentlichen Angstzuständen auf der Arbeit (Was ist wenn ich nie wieder normal werde?), sowie Zittern, Stimmungsschwankungen, Lustlosigkeit und Depressionen. Ich merke wie mein Unterbewusstsein vieles zu verarbeiten hat, wie zum Beispiel der Tod eines geliebten Haustieres, den ich gar nicht richtig verarbeiten konnte, weil ich dauerhaft breit war.
    Was ich nicht habe ist Craving - ich bin froh so stark leiden zu müssen, weil mir nun bewusst wird was ich mir jahre/monatelang angetan habe.
    Mir ist bewusst, dass dies alles vom Cannabisentzug kommt und ich will weiterhin stark bleiben.


    Ich erwarte keine Ratschläge oder ähnliches, sondern wollte nur meine Gedanken und meine Gefühle niederschreiben. Jegliche Kommentare, ob positiv oder negativ, können trotzdem gerne hinterlassen werden.


    Liebe Grüße
    Mycro

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  • Tag 9:


    Heute morgen ging es mir ziemlich schlecht. Übelkeit, Unwohlsein, stärkeres Schwitzen.
    Auf der Arbeit war ich gut abgelenkt, da viel zu tun war und ich viel geschafft habe. Nun bin ich wieder Zuhause und mir fällt es schwer in einen Ruhestatus zu fallen. Stärkeres Schwitzen, sowie innere Unruhe begleiten mich.
    Craving immer noch null, ihr glaubt gar nicht was ich für einen Hass auf dieses Kraut entwickelt habe.

  • Servus Mycro,


    hört sich wirklich gut an, wie du das angehst :)


    Was ich nicht ganz verstehe, warum hast du LSD genommen, wenn du gerade Cannabis abgesetzt hattest?
    Es sollte klar sein, konsumiert man andere Suchtstoffe, dann ist der Rückfall meist nicht weit oder es kommt zu einer Suchtverlagerung.


    Unternimmst du aktiv was gegen deinen Entzug?
    Ich meine, viel frische Luft, Sport und viel trinken (Wasser, Tee o.ä.) unterstützt das Ganze bei vielen ...


    Weiter viel Erfolg!


    Vielleicht wäre ja unser Partnerprogramm Lass das Gras was für dich ==> lass-das-gras.de


    LG Franz

    Fange nie an aufzuhören <-> höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Servus Mycro,


    hört sich wirklich gut an, wie du das angehst :)


    Was ich nicht ganz verstehe, warum hast du LSD genommen, wenn du gerade Cannabis abgesetzt hattest?
    Es sollte klar sein, konsumiert man andere Suchtstoffe, dann ist der Rückfall meist nicht weit oder es kommt zu einer Suchtverlagerung.


    Hallo Franz!
    Danke für deine Antwort und Anteilnahme an meinem Thread.
    Ich habe LSD bisher 3x in meinem Leben konsumiert, stets mit großen Konsumpausen. Ich weiß nicht inwiefern du dich mit der Droge bisher auseinandergesetzt hast, aber das Suchtpotenzial dieser Droge ist sehr gering und hat für mich auch keinen Reiz, da ein Trip für mich als anstrengend (aber auch aufklärend) empfunden wird. Nach einer Konsumeinheit habe ich für die nächsten Monate keine Lust/Bedarf auf diese Droge. Da ich aber das Kiffen bisher immer zum "Reinkommen" genutzt habe, werde ich auch nie wieder LSD in meinem Leben konsumieren. Letzter Konsum war Anfang Februar und der davor Anfang 2016.
    Momentan fehlt es mir noch an Kraft bzw. Motivation Sport zu treiben. Ich trinke viel, bewege mich an der frischen Luft und unternehme viel mit meiner Freundin. Wir sehen uns fast täglich.
    Dort unterhalte ich mich dann mit ihr und das hilft mir extrem das Gelebte zu verarbeiten.
    Ich habe heute mein Erstgespräch bei Quit the Shit - ein Programm und dieses Forum reicht mir momentan als zusätzliche Hilfe von außen.
    Heute ist übrigens Tag 10 und es geht mir nicht wirklich gut:
    Fast nach Lehrbuch habe ich heute zum ersten Mal geträumt - natürlich ein Albtraum.
    In diesem Traum ging es darum, dass mich ein "Bekannter" erschossen hat, natürlich sehr lebhaft und mit vielen Emotionen verbunden. Ich habe in der Nacht als ich mit dem "Tod" aufgewacht bin, den Traum niedergeschrieben und versucht durch Selbstreflexion die Bedeutung des Traums zu finden. Ich denke, dass dieser Traum viel mit meinen Verlustängsten von guten Freunden/bzw. Leuten, die mir lieb sind zu tun hat.
    Abgesehen von dem Traum bin ich heute morgen sehr erschöpft aufgewacht, außerdem begleitet mich wieder das Schwitzen und die innere Unruhe den Arbeitstag über. Ich merke aber wie mir das Schreiben hier hilft und werde dementsprechend weiterhin das Tagebuch führen

  • Tag 11:


    Heute wieder ein Albtraum - dieses Mal wurde ich verstümmelt und mein Auto wurde demoliert. Schweißgebadet aufgewacht und erholsam war der Schlaf auch nicht wirklich.
    Bis zum Mittag war Stimmung ok, dann kam eine kurze Depri Phase. Autogenes Training hat mir geholfen mich extrem zu entspannen und seitdem bin ich auch echt entspannt drauf.
    Außerdem habe ich heute ein altes Keyboard rausgekramt und habe angefangen Piano/Keyboard zu spielen. Das macht mir auch super viel Spaß und die Stunden verfliegen wie im nun.


    Zusammengefasst: Heute ging es mir echt gut

  • Tag 12:


    Geträumt habe ich heute tatsächlich herzlich wenig bzw. kann mich nicht daran erinnern.
    Leider habe ich mir eine Erkältung eingefangen. Ich denke, dass mein ohnehin schon geschwächtes Immunsystem kein einfachen Kampf gegen die Viren meiner Freundin hatte :D 
    Auf jeden Fall lag ich mit leicht erhöhter Temperatur den Tag über im Bett. Abgesehen von den üblichen Symptomen einer Erkältung (Kopfschmerzen, Nase ist dicht, Lymphknoten geschwollen) geht es mir ausgesprochen gut. Nach 400er Ibuprofen und Bettruhe dem Tag über, geht es mir nun körperlich wieder recht gut.
    Ich hatte nur eine kurze negative Phase zwischen 15:00-15:30, die ich mit 10 minütigen autogenen Training schnell wegbekommen habe.


    Außerdem habe ich gegen Abend wieder 3 Stunden Keyboard geübt, die Zeit vergeht wirklich wie im Flug wenn ich am üben bin. Außerdem habe ich mir ein Keyboardständer+Stuhl bestellt :D


    Insgesamt wieder ein guter Tag! Ich merke wie es bergauf geht.


    Ich halte euch auf dem laufendem :)

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  • Hey melde mich jetzt auch mal zu Wort.


    Das mit dem Erkältet sein kenne ich auch zu gut, kommt bei mir meistens innerhalb der ersten 2 Wochen während dem Entzug, dies schleicht sich dann über Tage so weiter, was aber meistens am 2ten Tag schon besser wird.


    Wie ist es bei dir mit dem Einschlafen ? Klappt das gut ? oder kennst du villeicht auch dieses Gefühl 1:00 Uhr und die Augen und der Kopf werden wach, sodass man Bäume ausreißen könnte, bzw vieles gerne machen würde, was man die Jahre zuvor vernachlässigt hat ?
    Dich abzulenken und dinge zu tun, die dir Spaß machen ist sehr wichtig für einen, damit man nicht in ein tiefes Loch fällt, dies scheinst du denke aber nicht...... Schätze du hast auch aus vielen Versuchen aufzuhören gelernt, das es nix bringt sich selbst runter zu machen.
    Auch kleine Erfolge sind, Erfolge die man Wertschätzen muss dies villeicht zwar erst wieder lernen muss, aber nahja.


    Ich kiffe derzeit noooch, aber werde morgen, oder Montag nochmal versuchen aufzuhören, für ne längere Zeit.


    Wünsche dir weiterhin viel Erfolg und Glück. In 2 Wochen ist das schlimmste wenn du so weiter machst, auch schon überstanden.
    MFg

  • Mit dem Einschlafen klappt komischerweise sehr gut. Beim ersten Entzug lag ich auch stundenlang wach im Bett. Wahrscheinlich hilft mir auch hier Lasea (Johanniskrautextrakt).
    Das Keyboard spielen lenkt mich extrem ab, ich mache auch gute Fortschritte, was sehr motivierend ist.


    Die körperlichen Entzugserscheinungen sind so gut wie weg, ich muss nur mit dem Mindset stark bleiben - und mir bewusst sein, dass Stimmungsschwankungen durch den Entzug kommen und es bis zu 3 Monate dauern kann bis sich das stabilisiert hat.
    Langsam aber sicher kehrt auch mein Appetit zurück.


    Danke für deine Anteilnahme und dir auch viel Erfolg!

  • Hm. Ich finde das ich in der selben Situation bin, nur das ich als abgeschlossene Ausbildung ein verhauenes Abi habe, weil ich eine Klausur verpennt habe. Ich hab mit 16 angefangen und bin jez fast 20. Ich habe bzw hatte einen hohen iq und ein heftiges Zahlengedächtnis. Ist ja auch egal. Ich finde einfach nichts mehr feierlich, da ich mich teils an manche Sätze die gesprochen wurde, nicht mehr erinnern konnte, und ich somit nach meiner Meinung ein kurzzeitgedächtnis wie ein Vakuum bekommen hab. Ich hab jez gerade noch einen joint vor mir. Hoffentlich wird es mein letzter für eine lange Zeit, weil ich mich in meinem Körper fremd fühle, als wäre mein Verstand ein Fremdkörper und jeder einzelne Zug ein weiterer in meine dunkle Zukunft. Also so fühle ich mich und wenn es so weiter geht verreck ich an meinem komplex. ja. Good doing Mate.

  • Hm. Ich finde das ich in der selben Situation bin, nur das ich als abgeschlossene Ausbildung ein verhauenes Abi habe, weil ich eine Klausur verpennt habe. Ich hab mit 16 angefangen und bin jez fast 20. Ich habe bzw hatte einen hohen iq und ein heftiges Zahlengedächtnis. Ist ja auch egal. Ich finde einfach nichts mehr feierlich, da ich mich teils an manche Sätze die gesprochen wurde, nicht mehr erinnern konnte, und ich somit nach meiner Meinung ein kurzzeitgedächtnis wie ein Vakuum bekommen hab. Ich hab jez gerade noch einen joint vor mir. Hoffentlich wird es mein letzter für eine lange Zeit, weil ich mich in meinem Körper fremd fühle, als wäre mein Verstand ein Fremdkörper und jeder einzelne Zug ein weiterer in meine dunkle Zukunft. Also so fühle ich mich und wenn es so weiter geht verreck ich an meinem komplex. ja. Good doing Mate.

    Hallo Philster, danke für deine Anteilnahme :)


    Ich weiß was du meinst, irgendwann verlierst du den Sinn für dich selbst. Man verliert das bewusste Leben und siecht so den Tag dahin.
    Lass die Joints/Bong, der Anfang ist schwer und ich bin auch noch mitten im Anfang. Aber ich fühle mich jetzt schon viel besser, klarer im Kopf. Und die Entzugssymptome lassen auch nach.


    Heute geht es mir nicht ganz so gut, aber das liegt auch daran, dass ich noch ziemlich erkältet bin. Außerdem habe ich gestern mit einem Kollegen zusammen gechillt. Er hat dabei auch gekifft und ich habe ein gewisses Craving verspürt. Ich bin aber standhaft geblieben und mein Kollege war auch sehr verständnisvoll und hat auf dem Balkon geraucht, weil er weiß dass ich nicht mehr kiffe.

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  • Ich hab vor paar Monaten eine Woche, dann zwei Wochen und dann wieder eine Woche es geschafft clean zu sein und jeweils am Wochenende dann einen joint geraucht. Das ging am Anfang auch so das ich dabei war als meine Kollegen geraucht haben. Dann hab ich aber wieder angefangen indem ich mirn 10er geholt habe und das kurz vorm Abi, obwohl ich nur wegen dem Abi aufhören wollte. Ich hab ziemlich viel gelernt sprich 1500 Vokabeln etwa für englisch und hab nach meiner ersten cleanen Woche mein brain getestet auf wie viele Zahlen ich unbeschwert noch komme, waren 16, wobei ich vor Jahren auf das doppelte gekommen bin. Ich weiß nicht wie ich mein Abi jez nochmal machen kann und deshalb bin ich etwas planlos gerade weil ich studieren wollte. Somit hab ich gerade nichts mehr außer paar gute Freunde, die selber auf dem Tripp sind das Gras den kopf belastet, aber niemals aufhören würden. Gestern meinte einer, das ich mein Leben wieder aufbauen muss und Gras nicht mal das Problem ist wenn ichs am Wochenende rauche. So bin ich nur immer wieder darein gerutscht und das hat mein Leben erschwert, kaputt gemacht. Mein Kopf ist ja schon irreparabel also was solls.

  • Es hört sich fast so an als würdest du dir auch Erklärungen suchen wie du weiterhin kiffen kannst. Das kenne ich von mir selbst.
    Ich habe aber bei mir selbst gelernt, dass Gras für MICH im geregelten Konsum nicht möglich ist. Ich kann nicht nur einmal am Wochenende rauchen, weil ich direkt wieder in alte Muster rutsche.
    Ich kann dir auch nur empfehlen dich bei einem Selbsthilfeprogramm wie Quit the shit oder Lass das Gras anzumelden. Das hilft mir persönlich sehr mit "fremden" Leuten zu reden, die sich tagtäglich mit der Droge auseinandersetzen müssen und genau wissen wie die Droge funktioniert. Gerade der Beratungschat hat mir geholfen im Kopf ein bisschen klarer zu werden. Ich habe/hatte auch das Gefühl, dass ich mich irreparabel geschädigt habe durch den Konsum. Aber dieses Gefühl lässt immer mehr nach. Das gibt mir Hoffnung und Mut weiterzumachen.

  • weißt du das traurige ist, das mein erster Gedanke beim aufwachen ein 'bild' was kann man schon Bild nennen, von einem verlängerten Joint durch angeklebte papes mir durch'n Kopf ging und bis jez ich mich schon entschieden habe zum ticker zu gehen. Da frag ich mich als normal denkender dude, was bei mir falsch läuft?! Der Gedanke ohne nen Jonny zu pennen ohnman


    Das war noch eingetippt Deine letzten Sätze klingen echt beruhigend, trotzdem bleibe ich dabei mir mein Gedächtnis gefickt zu haben, wenn ich teils monatelang nicht träumen konnte oder sonst was schief gelaufen ist. Ich mach selber mal nem ausführlichen post und wünsche dir viel Glück. Hab gerade wieder nen 10er geholt, so im on my way

  • Wie gesagt - bis vor einem Monat konnte ich mir auch nicht vorstellen ohne Bongkopf schlafen gehen zu können.
    Ich bin nachts öfter aufgestanden um zu rauchen und siehe da, momentan habe ich kaum Craving und kann sogar recht gut schlafen!
    Abgesehen von den Albträumen, aber die gehen auch wieder.
    Ich freue mich auf deinen ausführlichen Post.

  • Hallo, sorry für die verspätete Meldung. Gestern bin ich nicht zum posten gekommen.


    Heute ist Tag 16:
    Ich bin weiterhin kifffrei geblieben. Ich war gestern bei einem Allgemeinmediziner, der nebenbei als Schwerpunkt noch Hypnose betreibt. Eigentlich wollte ich nur meinen Hausarzt wechseln, da mein alter in den Ruhestand gegangen ist.
    Dabei sind wir auch auf meinen ehemaligen Cannabiskonsum gekommen und er hat mir einiges erzählt, was mir zum Nachdenken gegeben hat. Einerseits hat er die Gründe hinterfragt. Warum ich gekifft habe und schnell wurde auch klar, dass der chronische Konsum psychische bzw. seelische Hintergründe haben muss.
    Er habe mir angeboten, dem ganzen näher auf den Grund zu gehen und hat mir noch einige wertvolle Tipps zur Appetitsteigerung gegeben. Zusätzlich hat er mir versichert, dass sich bei mir gewiss wieder alles einpendelt (die Angst immer geschädigt zu bleiben ist unbegründet), da er schon ganz andere Cannabiskonsumenten kennengelernt habe und bei mir alles in Ordnung sei.


    Das Gespräch hat mir wieder zusätzliche Kraft und Mut gegeben meinen Entzug weiterhin durchzuhalten.


    Die körperlichen Entzugserscheinungen sind fast komplett verschwunden. Einzig und allein die lebhaften Träume verbunden mit stärkeren Schweißausbrüchen sind geblieben. Die Träume sind aber nicht mehr ganz so negativ wie vor paar Tagen, sondern eher interessant und spannend.
    Von der Psyche geht es mir noch gemischt. Teilweise himmelhochjauchzend und glücklich, dann wieder leicht depressiv mit Gefühl von Leere. Das pendelt sich aber auch immer weiter ein und ich bin weiterhin auf der Suche nach Lückenfüllern.

  • Heute ist Tag 17:
    Gestern war ein guter Tag. Kaum Entzugserscheinungen gehabt (abgesehen von morgendlicher Verklatschtheit, als wenn ich den Abend zuvor geraucht hätte). Außerdem habe ich viel auf der Arbeit geschafft und war beim Friseur und Einkaufen. Mir geht es von Tag zu Tag besser.


    Außerdem habe ich zum ersten Mal vom Kiffen geträumt. Ein Mädchen hat sich neben mir einen Joint angesteckt und gefragt ob ich mitrauchen möchte. Anfangs wollte ich noch, aber als ich dann den Rauch gerochen habe, erinnerte ich mich an mein Vorhaben und habe im Traum dankend abgelehnt.
    Beim Aufwachen war ich dann doch ziemlich stolz auf mich, dass ich selbst im Traum noch gegen das Kiffen war.


    Meine Stimmung schwankt ein wenig, ich merke, dass ich recht dünnhäutig bin und bestimmte Aussagen schnell persönlich nehme. Abgesehen davon, geht es mir psychisch ganz gut.

  • Heute ist Tag 18.


    Ich werde die Tagebucheinträge weniger regelmäßig führen, auch weil ich das Gefühl habe, dass es ohnehin keiner liest :D


    Ich bin weiterhin rauchfrei geblieben, in 3 Tagen sind es sogar schon 3 Wochen. Ich fühle mich weiterhin ganz gut - der Arzt den ich kennengelernt habe ist ein großartiger Mensch und hilft mir im Rahmen einer inoffiziellen Psychotherapie weiter mich selbst und meine Probleme zu erkennen.


    Leider habe ich auch mit Stimmungsschwankungen zu kämpfen. Ich weiß, dass es die Entzugserscheinungen sind und hoffe, dass es sich alles bald wieder einpendelt.

  • Hey Mycro,


    ich hab Dich gelesen...poste hier nur auch sehr wenig bis gar nix, weil nur ganz wenig bis nix los ist.
    Wollte Dir aber mitteilen, dass Du dennoch sicher nicht in`s Leere schreibst.
    Bestimmt lesen hier einige auch nur ohne was zu posten.
    Deine Geschichte macht Mut - vielleicht gerade auch den stillen, (noch) unentschlossenen Mitlesern...?


    Ich bin nun seit Januar kiff-frei und hab heute wieder erfahren, dass es auch eine lange Entzugsgeschichte sein kann,
    vor allem, wenn man lange gekifft hat und eben auch ein extremerer Suchtmensch noch dazu.
    Umso cooler, dass Du früher die Reissleine gezogen hast und das Ganze nun so straight durchziehst! :thumbsup: 
    Freut mich auch zu lesen, dass Du einen Beistand gefunden hast...das ist so viel wert!!
    Bei mir war es "Lass das Gras" - ohne diesen Beistand hätte ich es sicher nicht geschafft und bin soooo dankbar dafür!!!


    Das mit dem Stimmungsschwankungen gehört dazu...ja...kommt eben vieles hoch,
    was man vorher einfach weggeraucht hat;
    und nun darf man sich alldem voll und ganz widmen mit freiem Schädel. ;)


    Wünsche Dir weiterhin ganz viel Kraft beim Entzug und Wieder-zu-Dir-selber-finden!


    Beste Grüße
    marthy

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  • Hallo marthy,


    vielen Dank für deine Antwort! Ja, leider ist die Aktivität hier nicht die Größte - schade eigentlich, da es ja um was echt gutes geht.


    Heute ist schon Tag 21. Die Zeit vergeht und die Entzugssymptome werden immer schwächer. Ich träume immer noch sehr lebendig und habe auch nachts mit Schweißausbrüchen zu kämpfen. Den Tag über merke ich körperlich so gut wie nichts mehr, nur vom Kopf habe ich ab und zu noch eine leichte Unruhe/Nervosität. Aber längst nicht mehr so stark wie am Anfang, wo ich kaum noch klar denken konnte.


    Ich war am Samstag feiern und habe dazu auch getrunken. Am Sonntag ging es mir ziemlich schlecht und ich merke selbst heute noch einen leichten Kater. Wirklich toll fand ich den Rausch auch nicht, das reicht mir erstmal wieder für die nächsten paar Monate. Außerdem habe ich im Rausch starke Aggressionen bekommen. Meine Freundin wurde von einem Typen angegrabbelt woraufhin ich sehr aggressiv reagiert hatte. Meiner Freundin zuliebe habe ich ihm nichts angetan, aber so eine Wut habe ich schon lange nicht mehr verspürt gehabt. In diesem Zuge habe ich mich auch stark mit meiner Freundin gestritten - sie hatte Angst um die Konsequenzen, weil es eigentlich n Freund von ihr war und sie keinen Stress wollte, und ich wollte es nicht auf mir Sitzen lassen. Mittlerweile ist es aber wieder geklärt.


    Am Sonntag war ein Kollege bei mir der gekifft hat und ein anderer der nicht gekifft hat. Ehrlich gesagt hat mich der Bekiffte teilweise echt genervt, einfach nur weil er die Gespräche nicht mehr verfolgen konnte und man alles wiederholen musste. Ich selbst habe dankend abgelehnt als er mir etwas angeboten hat, das fällt mir auch sehr leicht. Ich merke einfach wie es bei mir Klick gemacht hat. Nie wieder Cannabis, in meinem ganzen Leben.


    Anfangs war die Motivation noch sehr hoch hier täglich reinzuschreiben, ich merke aber wie der Entzug selbst immer weiter in den Hintergrund rückt und ich mich gedanklich wieder mehr mit meinem Alltag beschäftige. Einerseits freut mich das, andererseits muss ich lernen diese Leere zu füllen.

  • Hallihallohallöle,


    heute ist Tag 23 (boah, schon über 3 Wochen?) und mir geht es ziemlich gut!


    Der wochenendliche Kater ist überstanden und ich habe am Montag mich sogar an den Betriebssport gewagt - coole Truppe kennengelernt, wo ich jetzt auch wöchentlich hingehe, um am Abend wieder ein bisschen Sport zu treiben.


    Außerdem freue ich mich über die positiven Aspekte des nicht-Kiffens. Meine täglichen Ausgaben haben sich stark reduziert, ich bin wieder um einiges klarer im Kopf und habe Zeit mich mit Sachen zu beschäftigen wofür ich vorher keine Lust hatte. Das Craving ist bei Null; da merke ich auch, dass wohl eine gewisse Nikotinabhängigkeit mit reingespielt hat, die ich über die E-Zigarette kompensiere. Ist zwar nicht wirklich gesund, aber allemal besser als sich täglich die Köpfe reinzuknallen.


    Ich werde weiterhin updaten, unregelmäßiger da sich nicht mehr so viel verändert (jedenfalls nach meinem Gefühl). Ich habe mittlerweile ein Stadium erlangt, wo ich mich mit meiner Zukunft weiter ausseinandersetze und ich mich auf wichtige Dinge konzentriere. Familie, Freunde, Arbeit und die Liebe.


    Es ist toll nicht mehr vom Gedanken nach dem grünen Teufel getrieben zu werden - und ich hoffe es bleibt so.


    EDIT: Ich habe gar nicht von meiner anfänglichen Appetitlosigkeit berichtet. Durch die Kifferzeit habe ich knapp 6 Kilo abgenommen und als ich aufgehört habe, hatte ich die ersten Tage (Tag 1-14 kaum Hunger bzw. Appetit). Das dreht sich gerade ein bisschen um, ich hau mir abends gegen 23 Uhr was zu essen rein und wache morgens wieder mit hungrigen Magen auf. Dieses Gefühl kannte ich bisher gar nicht (habe erst gegen Nachmittags was gegessen, bzw. wenn ich gekifft habe) und tut mir ausgesprochen gut. Ich kann das glücklicherweise auch mit meinem Längen/Breitenverhältnis auch gut vertragen :D

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