Sexchat süchtig?

  • Hallo liebes Forum,


    ich weiß nicht genau, ob man das, was ich mache als Sucht bezeichnen kann. Auf jeden Fall möchte ich davon loskommen und schaffe es aber irgendwie nicht.

    Ich (w24) bin in einer glücklichen Beziehung, wir sind seit fast vier Jahren ein Paar und es läuft gut. Allerdings finde ich mich, immer wieder auf Internetseiten wieder, auf denen man Cybersex hat oder über sexuelles spricht. Ich habe damit angefangen, da war ich 14, da hat mir eine damalige Klassenkameradin die Seite gezeigt und seitdem war ich immer wieder dort und auch auf ähnlichen Seiten. Ich schaffe es dann, immer wieder für mehrere Monate gar nicht mehr daran zu denken und diese Seiten auch nicht zu besuchen aber dann, denke ich wieder daran und finde mich wieder dort. Ich möchte meine Beziehung nicht gefährden dadurch, prinzipiell sage ich mir immer, ich mache ja nichts schlimmes, ich sitze nur da und schreibe über Sex. Ich befriedige mich dabei nicht selbst, das habe ich vereinzelt mal gemacht aber das ist schon lange her. Meine beste Freundin weiß darüber bescheid und hat auch schon einmal mit mir zusammen alle Konten gelöscht - ich hatte sogar ein extra Mail Konto für Kontakte aus dem Chat eingerichtet. Das habe ich jetzt wieder eröffnet, weil ich von diesem einen Mann nicht loskomme, mit dem ich regelmäßig momentan wieder schreibe über Sex. Ich finde es doof, dass ich das tue aber ich tue es trotzdem, es ist wie ein Knopf den ich im Kopf ausschalte und mein Gewissen ist wie weggewischt. Hinterher fühle ich mich immer schlecht und frage mich, wieso ich es nicht lassen kann. Jetzt habe ich mich dazu entschieden einfach mal um Rat zu fragen im Forum, es meinem freund zu sagen ist keine Option für mich, weil ich einfach Angst habe, dass die Beziehung beendet ist und das will ich auf keinen Fall. Ich habe schon mehrfach den Kontakt zu dem Mann abgebrochen und wieder aufgesucht, mit dem ich chatte. Dabei kennen wir uns nicht richtig, es geht nur um Fantasieaustausch, mehr reden wir nicht. Nichts persönliches. Ich glaube ich brauche eine Strategie, wie ich endgültig von diesen Seiten und vor allem von meinem extra Mailkonto wegkomme, nur die passende habe ich einfach bisher nicht gefunden.
    Ich hab einige andere Beiträge zu dem Thema hier gelesen aber wollte meine eigene Geschichte einfach mal etwas schildern und hoffe auf konstruktive Ratschläge.

    Liebe Grüße,
    Laura

  • Servus Laura,


    normal sagt man, ganz einfach, lösche alle Zugänge unwiderruflich und schon ist es gut 8)
    Aber so einfach wird es nicht sein, das ist klar ...

    Wir nutzen mehr oder weniger täglich das Netz, klar könnte man Seiten sperren, ähnlich wie Kinderschutzsoftware.


    Die Strategie führt aber über deinen Freund, was glaubst du, wenn er es "aus Versehen" erfährt/entdeckt?

    Klar würde es Diskussionen geben, aber wenn man es so erklärt, wie du es hier geschrieben hast, dann sollte es verständlich sein.


    Sucht ist nicht das Gleiche wie Gewohnheit - für eine Suchterkrankung braucht es einige Kriterien.

    Zum Beispiel:

    • bringt der Konsum Probleme mit sich - ich finde ja, wenn du deinen Partner belügst
    • vernachlässigst du wichtige Dinge in deinem Leben, um zu chatten - kann ich nicht sagen
    • hat es Auswirkungen auf dein reales Sexualleben - kannst nur du beantworten

    Grundsätzlich sollte aber schon genauer geklärt werden, warum dich das so anzieht - ist es der bestimmte Mann oder um was gehts da wirklich.

    Ansonsten kann man nur raten, geh zu einer realen Beratungsstelle oder einem Therapeuten der sich mit dem Thema auskennt.

    Eine Selbsthilfegruppe könnte auch helfen und die gibt es in fast allen Städten.


    Aber hier zu schreiben ist sicher ein guter Anfang, mal sehen ob noch mehr als dein erster Beitrag kommt ;)

    Fange nie an aufzuhören <-> höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Hallo Franz,


    danke für deine Antwort :)


    Also ich möchte auf keinen Fall, dass mein Freund davon erfährt. Deshalb habe ich ja versucht mit meiner besten Freundin darüber zu reden und mit ihr eine Lösung zu finden. Zu den Kriterien die du beschrieben hast, ersteres sehe ich auch so. Deshalb will ich ja davon weg kommen. Vernachlässigen tue ich nichts, ich bin sehr konsequent was das angeht, ich erledige immer alles vorher oder komme gar nicht erst in Versuchung, wenn ich etwas zu tun habe. Auf mein Sexualleben hat es auch keine Auswirkungen, da läuft es eigentlich prima mit meinem Freund.

    Ich habe mich auch schon oft hingesetzt und gefragt "Warum mache ich das?" aber irgendwie konnte ich bisher keine Antwort darauf finden. Vielleicht manchmal, weil mir langweilig ist aber auch weil ich es spannend und interessant finde.

    Ja zu einer realen Betratungsstelle zu gehen habe ich auch schon oft überlegt, allerdings müsste ich dafür meinem Freund sagen was los ist, weil ich ihn nicht noch weiter belügen möchte indem ich im verheimliche wo ich hingehe. Ganz streng genommen belüge ich ihn damit ja auch nicht, ich verheimliche ihm etwas. Aber ich finde das ist ungefährt gleichgewichtig und führt beides zu einem schlechten Gewissen.

    Ich glaube aber auch, dass ich das hier schonmal geschrieben habe ist zumindest ein erster Schritt.

  • Hi,


    frag Dich mal was Dir fehlt in Deiner Beziehung oder in Deinem Leben allgemein.

    Ist es der Kick, den Du brauchst? Das Kribbeln? Das Gefühl begehrt zu werden?

    Empfindest Du Cybersex als Fremdgehen und machst es deshalb im realen Leben nicht?

    Was wäre, wenn Dein Freund das gleiche machen würde?

  • Hallo Laura,


    Nachdem ich deine Zeilen gelesen hatte musste ich kurz lächeln, weil genau so und damit meine ich wirklich auf den Punkt gebracht genauso geht es mir auch. Nur das meine Frau mich erwischt hat und ich jetzt die gemeinsame Wohnung verlassen muss. Ich habe mich hier heute angemeldet weil ich weiß das ich in einer Sucht stecke und aber auch weiß das ich für diese Sucht nicht meine Ehe riskieren möchte. Ich habe mich an einen Verein gewendet bekomme aber dort leider erst in ca. 6-8 Wochen einen ersten Termin. Ich hoffe in der Übergangszeit mich hier vielleicht schon selber etwas therapieren zu können. Ich hasse die Teufelskreislauf der einen ständig wieder in seinen Bann zieht.