Glücksspielsucht (Onlinecasino; insb. Roulette)

  • Hey Ihr.


    Mein Name ist Timo und 19 Jahre alt.


    Bevor Ich ein wenig über die aktuelle Situation schreibe, erzähle Ich einfach mal den Anfang.


    Alles begann so mit 16 Jahren, als Ich, begründet durch damalige "Geschäftstätigkeiten", Geld über ein Onlinecasino auszahlen lies.

    Dort habe Ich Paysafecards eingezahlt, um daraus bares Geld zu machen. Die PINs erhielt Ich gegen den Eintausch viruteller Güter meinerseits.

    Ähnlich wie der Verkauf von Gold in dem Onlinegame World of Warcraft, nur auf einer anderen Plattform.


    Soweit so gut.

    Damit nicht der Verdacht der Geldwäsche auftritt, habe Ich einen gewissen Teil immer verspielt und dann ausgezahlt.

    Das klappte solange ohne Probleme, bis Ich anfing länger als die geplante Dauer bzw den geplanten Einsatz zu spielen.

    Ich spielte mich auf 900€ hoch, verspielte diese jedoch in der nächsten halben Stunde.

    Ich weiß nicht warum, aber Ich find es nicht allzu schlimm... vielleicht weil Ich es zuvor gewonnen hatte? Ich weiß es nicht.

    In den darauffolgenden Tagen und Wochen zahlte Ich mir immer Geld aus, bis Ich vom Betreiber gesperrt wurde.


    Nun legte Ich eine zweijährige Pause ein.

    Mit 18 fing Ich wieder mit der selben Masche an, dieses mal auf einer anderen Plattform (immer Onlinecasinos).

    Das lief eine Zeit lang gut, Ich verspielte nur ab und an wieder was.


    Nun kam ein halbes Jahr Pause.

    Ende meines 18. Lebensjahres bzw Anfang des 19. nahm alles seinen Höhepunkt.

    Ich zahle nun nicht mehr die PINs der "Kunden" ein, sondern überwies per Sofortüberweisung Geld vom meinem eigenen Konto.

    Ich wechselte von den Spielautomaten an den Roulettetisch.

    Dort steigerten sich meine Einsätze, aber auch meinen Gewinn enorm.


    Als Student bzw. damalig Schüler/Bundesfreiwilligendienstler kam Ich so von ein paar Tausend € auf knapp 9000.

    Davon konnte Ich mir die geplante Japanreise gut leisten und hatte am Ende noch ca 6500€ über.


    In den folgenden Wochen, direkt nach dem Urlaub, verspielte Ich knapp das gesamte Geld.

    Erst fiel Ich auf 5000 und sagte mir, dass ich lieber aufhöre.

    Dann fiel Ich auf 4000, in der Hoffnung, dass Ich mit dem Spielen meine Verluste ausgleichen könnte.


    Als dies solange weiterging, bis Ich auf unter 1000 kam, war Ich am Ende.

    Zwischenzeitlich war Ich im Krankenhaus, weil Ich seit 3 Wochen eine Erkältung hatte.

    Ich ging zum Hausarzt, welcher mich direkt mit V.a. Endokarditis einwies, begründet durch plötzlich aufgetretene Herzrythmusstörungen.

    Ich habe mich jedoch, nach Sonographie und Belastungs-EKG, selbst entlassen.

    Das Langzeit-EKG durfte Ich mitnehmen und am nächsten Tag auswerten lassen.


    Zum Glück stellten die Herzrythmusstörungen sich als respiratorische Arrythmien heraus; also oft dem jugendlichen bis erwachsenem Alter entsprechende, ungefährliche HRS.


    Wie auch immer.

    Ich zahle erneut ein und versuchte, aus den letzten vielleicht 800€ zu gewinnen.

    Ich gewann. Über Wochen hinweg machte Ich zwar kurzzeitig Verlust, dennoch immer Gewinn.

    Es war beinahe nicht zu glauben. Aus den letzten 800 gewann Ich zwischenzeitlich 15000.


    Ich hörte auf, überwies meiner Mutter 10000€, damit diese sie verwalten kann.

    Begründet hauptsächlich dadurch, dass Ich Bafög beantragen muss, und man nur eine Eigensumme von 7000€ haben darf.


    Mit meinen 5000€ habe Ich jedoch wieder angefangen zu spielen...

    Ich fiel auf 0, lies mir von meinter Mutter 2000 geben und machte aus diesen bis gestern 4500.


    Vor einer halben Stunde verspielte Ich diese 4500 komplett.

    Eine Auszahlung von 1350€ erhalte Ich noch am Montag, 400€ musste Ich mir wegen am Montag fälligen Zahlungen zurückzahlen.


    Folglich bin Ich bei knapp 9700€, von meinen ehemals 15000.


    Und das ist der Grund wieso Ich mich entschied in diesem Forum zu schreiben.

    Vielleicht antwortet mir auch keiner, vielleicht denken viele hier auch Ich sei bescheuert, aber das macht nichts.


    Ich verstehe mich selbst und die Situation einfach nicht.

    Ich habe unterm Strich mehrere Tausend € Plus.

    Ich erhielt meine Zulassung für meinen Wunschstudiengang und studiere Medizin seit dem 01.10.2017


    Genau jetzt, da Ich vor einer halben Stunde so viel verloren habe, habe Ich ein unnormal starkes Bedürfnis das verlorene Geld zurückzuholen.

    Das war auch der Grund wieso Ich hauptsächlich gespielt habe. Nicht weil es "Spaß" gemacht hat, oder sonstiges.

    Meistens um Plus zu machen, oder vergangene Gewinne zurückzuholen, da es ja so oft geklappt hat.


    Umso mehr Ich schreibe, umso mehr merke Ich, wie sinnfrei meine Ansicht eigentlich ist.

    Und das ist das Problem.

    Ich habe Angst Studium und Zukunft zu gefährend.

    Ich bin auf mein Geld angewiesen und habe im Studium nicht mal mehr eine halbe Stunde Zeit zu verschwenden, gerade jetzt in den ersten Wochen nicht, welche an meiner Uni die schwersten des ganzen Physikums sind.


    Ich könnte nun noch voll mehr schreiben, will den Beitrag jedoch nicht komplett unleserlich gestalten.


    Mal schauen ob sich wer nettes meldet, mit dem man ein bisschen schreiben kann.


    Bitte keine Antworten von wegen "sei doch froh, dass du + hast und hör auf", denn das bringt mich nicht wirklich weiter.

    Ich weiß, dass Ich irgendwann wieder anfangen werde.


    Alles Liebe für euch

    Timo <3

  • Die Bank gewinnt immer 8)

    So sagt man zumindest ...


    Ob du nun froh sein sollst, weil du noch im Plus bist, das weiß ich nicht - bei den meisten wird es langfristig sicher im Minus enden.

    Doch "hör auf", das dürfte schon der richtige Tipp sein, wobei ich nicht davon ausgehe, dass du das einfach so schaffen würdest.

    Du hattest zwar auch mal längere Pausen, aber das könnte man auch mit Quartalstrinker vergleichen - wenn es denn bei dir eine Sucht ist.


    Zu beachten ist für dich, nun entscheidet sich dein Leben!

    So ein Studium und begleitend eine Spielsucht, das dürfte zum Scheitern verurteilt sein.

    Vielleicht solltest mal eine SHG von Spielsüchtigen besuchen, die dürften dir schnell klar machen, dass man auf Dauer immer daran zu Grunde geht.

    Aber es wird sich eh in den kommenden Wochen zeigen, ob du all deine Energie in das Studium investierst oder doch weiter spielst.

    Letztlich schreibst es ja selbst, du bist auf die vorhandene Kohle angewiesen und daher darfst nichts mehr verlieren - folglich nicht weiter spielen.


    Gibts denn andere Interessen oder Hobbys?

    Hier hast du ja nur vom Spielen geschrieben ...

    Fange nie an aufzuhören <-> höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Hey Franz :)


    vielen lieben Dank für die Antwort.


    Eine Selbsthilfegruppe wäre für mich ein Schritt, vor dem Ich ehrlich gesagt Angst habe.

    Ich gehe zwar selbst offen damit um und sage, dass Ich spielsüchtig bin, jedoch wird man, insofern es "Fremde" erfahren, oft sofort denunziert.

    Ich habe darüber offen mit meiner Mutter gesprochen, jedoch weiß diese nicht, dass Ich wieder angefangen habe.


    Ich habe mich gerne mit meinem besten Freund getroffen oder mit Kumpels Onlinegames gezockt.

    Beides ist nicht mehr möglich da Ich nun 5 Stunden von Zuhause weglebe und für PC-Spiele keinerlei Zeit mehr haben werde.


    Ich bin mit meiner Lebenssituation an sich zu frieden, abgesehen davon, dass Ich Angst vor erneuten Verlusten habe.

    Zudem "quält" mich der Gedanke daran, dass Ich, wenn Ich früh genug aufgehört hätte, Ich jetzt sogar noch 5-7000€ mehr hätte.

    Und genau diese Gedanke macht mich so wütend, gleichzeitig steigert er auch das Bedürfnis erneut zu spielen, um wieder zu gewinnen.


    Aber Ich weiß ganz genau, dass Ich am Ende nur verlieren würde.

    Vielleicht gewinne Ich sogar nochmal, vielleicht mache Ich auch plötzlich 30.000€ darauf.

    Aber irgendwann kommt der Tag wo Ich wieder massig verliere, und dann nach und nach alles.


    Nicht nur des Geldes wegen, sondern auch wegen meinem Studium, meiner Gesundheit und meiner Zukunft will Ich damit aufhören.

    Was vielleicht für mein Alter mit 19 Jahren unüblich ist, ist dass Ich, obwohl Ich eigentlich Agnostiker bin, in meinem Glauben wieder Halt gefunden habe. Ich bin alles andere als ein Kirchengänger oder ein stark religiöser Mensch. Dennoch hat es mir insbesondere gestern Abend sehr geholfen.


    Ich versuche einfach die nächsten Wochen mein Studium in den Mittelpunkt zu lenken.

    Die einzige Befürchtung die bleibt ist, dass Ich nach ein paar Wochen wieder anfange.

    Unter dem Motto "ach, ein paar € sind ja nur zum Spaß". Aber daraus wird, wie die Vergangenheit gezeigt hat, bei mir schnell ernst.


    Alles Liebe

    Timo :) 

  • Also ich habe seit vielen Jahren mit SHG's zu tun, aber bisher ist mir kein Fehlverhalten nach Außen bekannt.

    Sicher gibt es das, aber wie gesagt, ich kenne das nicht.


    Zudem könntest dich ja vielleicht zuerst mal allein mit einem Gruppenleiter treffen oder natürlich auch eine Beratungsstelle (gibt ja auch viele kirchliche) nutzen.

    Meiner Meinung ist es sehr wichtig, dass man eine Anlaufstelle hat und dort auch vollkommen ehrlich sein kann.

    Toll dass du mit deiner Ma drüber sprichst, aber solange du immer einen Teil verheimlichst, wird es dir auf der Seele liegen ...


    Schau dir mal das an, vlt ist das ja ne Möglichkeit ==> https://www.check-dein-spiel.de/

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    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)