Meine Eltern sind schon sehr alt und mein Vater schreit meine Mutter ständig an

  • Hallo zusammen,
    meine Eltern sind schon sehr alt (beide 70 und älter) und mein Vater ist schon immer ein Choleriker und schreit schon immer wegen jeder Kleinigkeit rum.
    In meiner Kindheit war das schon recht schlimm und hat deutlich Spuren an uns Kindern getragen.
    Aber hier soll es gerade nicht um uns Kinder gehen.
    Ich lebe nahe genug bei meinen Eltern, das ich derjenige bin, der zumindest etwa jeden Monat hier einmal zu besuch kommt.
    Dabei erlebe ich, wie mein Vater jetzt alles - wenn inzwischen nicht noch etwas schlimmer - an meiner Mutter auslässt.
    Ich wache morgens vom Geschrei meines Vaters auf und danach vergeht keine dreiviertel Stunde, ohne das das nächste Geschrei anfängt.
    Meine Mutter war dem gegenüber schon immer extrem passiv.
    Ich habe mit ihr darüber gesprochen - mit meinem Vater auch (der ist hier komplett uneinsichtig - sagt es ist alles die Schuld meiner Mutter, weil sie alles falsch macht - sobald er auch nur das Gefühl hat, er wird in die Ecke gedrängt - fängt er an zu schreien und wird komplett unzugänglich).
    Meine Mutter wird sich nicht trennen - das hat sie schon ihr ganzes Leben nicht übers Herz gebracht - und jetzt im alter sehe ich da noch weniger Chancen.
    Allerdings erscheint sie mir immer mehr in Depression zu versinken - sie wirkt unglücklich, jammert über das Verhalten meines Vaters (leider ohne jegliche Konsequenzen), geht früh schlafen - das ist scheinbar ihre einzige Möglichkeit, sich ihm zu entziehen.
    Früher hat sie sich meistens draußen aufgehalten - im Garten oder auf Spaziergängen, ab und zu in Vereinen - nun kommt er überall mit hin - selbst zu ihren Vereinsveranstaltungen fährt er sie hin - da er sie ja nicht mehr fahren lassen könnte - schiebt das auf ihre Gesundheit.
    Ich habe das Gefühl, das die Situation deutlich an ihrer Gesundheit nagt.
    Die Frage ist nun - was kann ich tun? An wen kann man sich wenden.
    Ich kann nicht häufiger da sein, reden hilft nicht - mit keinem von beiden, drohen oder schützen hilft nur - wenn überhaupt - für die kurze Zeit, die ich da bin...
    Gibt es irgendwelche Stellen, bei denen man Unterstützung für meine Mutter holen kann - oder ist alles was man tun kann - stützen und zuschauen...
    Danke euch schon mal im voraus für eure Antworten.
    Viele Grüsse

  • Was mir da auf die Schnelle einfallen würde - geh mit ihr zum Arzt und der soll eine Reha anstoßen.

    Da es gesundheitlich eh Probleme gibt, sollte das ja nicht das Ding sein.


    So wäre deine Ma mal 3-5 Wochen raus aus der Nummer und kann sich ganz allein auf sich konzentrieren.


    Natürlich gäbe es auch Beratungsstellen, doch ob deine Mutter Interesse hat, bezweifle ich eher. Es ist schon auch ein Schritt, wenn man lange zusammen ist :)

    Fange nie an aufzuhören <-> höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Das ist tatsächlich eine Idee - da werde ich mal reinschauen.
    Ist natürlich keine wirkliche Dauerlösung - aber das gibt es wahrscheinlich wirklich nicht.
    Und nein - leider hast du recht - meine Mutter ist da gänzlich passiv und da wir sie schon in jüngeren Jahren nicht freiwillig zu einer Beratung oder ähnlichen überreden konnten, wird das jetzt im Alter erst recht nichts mehr werden.
    Danke Frantz.

  • Letztendlich schaust du von außen auf die Beziehung und interpretierst.


    Deine eigenen Erfahrungen mit deinem Vater könnten sogar dazu geeignet sein, dass du einen Stellvertreterkonflikt aufmachst. Das könnte so in die Richtung gehen, dass du unter dem Vorwand deine Mutter zu schützen, mit dem Vater selber abrechnest.


    Immerhin schreibst du auch, dass du drohst, und das begrenzte Zeit hilft, und dass dein Vater sich deiner Einschätzung nach in die Ecke gedrängt fühlt.


    Und in der Tat hast du deinem Vater Vorwürfe zu machen, dass ihr Kinder unter bestimmten Verhaltensweisen von ihm leiden musstet, und da ist vorhersehbar eine Spannung zwischen dir und deinem Vater. Vielleicht könnt ihr unter euch ja was klären/bereinigen? Auch wenn das wohl manchmal schwierig ist, oder auch kaum/nicht geht.


    Möglicherweise erhöht deine Anwesenheit im Haus auch eine Spannung, indem die beiden aus ihrem Alltagstrott raus kommen. Vielleicht (das wäre interessant zu wissen) kommen die beiden sonst auch mit weniger Streit aus.


    In erster Linie ist deine Mutter doch eine erwachsene Frau, und muss selber ihre Frau stehen. Und nicht etwa nur hinter dem Rücken über den Vater klagen, aber ihm nie direkt die Stirn bieten (These). Wer weiß, vielleicht hat sie andere "Waffen", die sie auch einsetzt in den Konflikten?


    In deiner Schilderung scheint es eine klare Rollenaufteilung zu geben:

    Vater = (böser) Täter

    Mutter = (liebes) Opfer


    Ob das hier so ist, die Frage gehört in den Raum gestellt. Mindestens ist es die Verantwortung deiner Mutter, auch Grenzen aufzuzeigen. Und man weiß auch zu wenig über die Kommunikation/Streitkultur/Beziehung zwischen den beiden.


    Sieht die Mutter sich denn selber als reines unschuldiges Opfer? Will sie Schutz? Warum ist sie denn so passiv? Da kommt es ihr alleine zu, Stellung zu beziehen, finde ich.


    Trotzdem, wenn zuviel Streit ist, dann finde ich auch eine Kur, Trennung für ein paar Wochen gut. Dann kann jeder mal in seinem Saft schmoren, und über sich selber nachdenken, und vielleicht zu neuen Erkenntnissen über sich und die Beziehung kommen?


    Zeichnen sich möglicherweise Alterserscheinungen ab? Das könnte auch Aggressionen verschärfen, und wäre sicher ziemlich übel, im Falle z.B. von Demenz, was ich nicht hoffen will.

    Ich bin kein Fachmann. Alle meine Aussagen sind nur meine laienhafte Einschätzungen, die auf eigenen unzulänglichen Überlegungen oder subjektiven Erfahrungen beruhen.