Kokain Exfreund

  • Hallo,

    Wie auch viele andere hier bin ich an einem Punkt, an dem ich nicht mehr weiter weiß und vielleicht jemand Tipps hat...


    Kurzversion der Geschichte:

    Ich (w, 28) habe vor einem Jahr meinen Exfreund (28) kennengelernt, es war von beiden Seiten sofort stimmig. Wir kamen sehr schnell zusammen, liebten uns über alles, konnten über alles sprechen, wünschten uns eine gemeinsame Zukunft. Er war immer sehr offen zu mir bzgl seiner Vorgeschichte - er hat über 10 Jahre lang gekifft, das allerdings vor 4 Jahren beendet und rauchte "nur" noch normale Zigaretten.

    Nach 3-4 Monaten hatten wir beide sehr viel Stress bzgl. Arbeit/Uni, was sich bei ihm immer mehr manifestierte, bis er selbst sagte er weiß nicht mehr weiter. Er hat sich auf mein Anraten Hilfe bei einem Psychologen geholt und war dort alle 2 Wochen in Behandlung für Depressions- und Angstprobleme. Die Zeit war für uns nicht einfach, wir sahen uns wochenlang nicht, weil es für ihn zu viel war. Trotzdem habe ich gesagt ich kämpfe, da er immer sagte er liebt mich und will auch kämpfen.

    Seit Mitte diesen Jahres wurde es allerdings noch schlimmer, er wollte mich (nachdem es zwischen durch für 5 Wochen wieder normal war) zwar sehen, es kam aber immer irgendwas seinerseits dazwischen. Er zweifelte viel an sich und sagte er wisse manchmal nicht, ob er noch die Kraft für eine Beziehung hätte. Wir haben uns daraufhin wieder wochenlang nicht gesehen, da er Zeit und Ruhe für sich wollte - aber er wolle mich und das wäre seine Art uns eine Chance zu geben. Wir haben dann nach viel Hin und Her die Einigung getroffen, dass wir am Wochenende telefonieren, ansonsten wenig bis keinen Kontakt haben.

    In dieser Zeit veränderte er sich sehr, wurde sehr kalt und abweisend, wollte nichts von mir hören. Nach 4-5 Wochen diesen Verhaltens eröffnete er mir in einer "Drauf-Phase", dass er Kokain genommen hätte und das an den letzten Wochenenden mehrmals.

    Für mich brach in diesem Moment eine Welt zusammen, weil er wusste, sobald er wieder mit Drogen was anfängt, wäre ich weg. Ich war so enttäuscht und hatte gleichzeitig so eine Angst um ihn...

    Er hat das überhaupt nicht verstanden. Habe ihn um ein Gespräch gebeten, er hat abgelehnt, woraufhin ich gedroht habe seine Eltern zu informieren (die kennen die Drogen-Vorgeschichte).

    Habe mich an dem gleichen Abend noch von ihm getrennt, woraufhin von ihm keinerlei emotionale Reaktion kam. In der Folgewoche habe ich seine Eltern informiert mit der Aussage es muss sich jemand kümmern, ich könne es nicht mehr und ich habe große Angst um ihn.

    Ob das richtig war, ich weiß es nicht...

    Er weiß nun von mir, dass ich es seinen Eltern gesagt habe, woraufhin er nichts mehr mit mir zu tun haben möchte (er hat mich blockiert etc.) - ich solle ihn in Ruhe lassen und mich um mein Leben kümmern und mich in nichts einmischen, wovon ich keine Ahnung habe...

    Seine Eltern verweigern jeglichen Kontakt zu ihm, was mich erst sehr erschrockdn hat, aber so langsam versteh ich es.


    Mein Kopf weiß, dass es das Richtige war, trotzdem komme ich nicht von ihm los. Habe mir auch therapeutische Hilfe gesucht, da ich für ihn die Schuldige an allem bin, ich hätte alles zerstört, ich sei Schuld, dass seine Eltern keinen Kontakt mehr wollen und er finanzielle Probleme hat. Seine eigenen Fehler sieht er nicht...


    Würde mich über Tips und gedankliche Hilfestellungen freuen! :)


    Ps: Sorry für den langen Text...

  • Servus Eulibeuli,


    so lange ist ein Text nun auch nicht, keine Sorge, du hast alles richtig gemacht.


    Scheinbar war das hinsichtlich Drogen zwischen euch klar geklärt, daher kann man deine Reaktion natürlich nachvollziehen.

    Was Kokainkonsum auslösen kann, hast du in allen Facetten kennen gelernt.

    Solch eine Gefühlskälte und Abweisung kommt leider sehr häufig vor.

    Wenn jemand Drogenprobleme hat, helfen oft nur klare Aktionen, die man oft auch mit Drohungen untermauern muss.

    Auf der einen Seite ist es also verständlich, wenn du seine Eltern informiert hast. Auf der anderen Seite, war natürlich zu erwarten, dass er dich nun als Schuldige auserkoren hat.

    Letztenendes ist aber der Schuss leider doch etwas nach hinten abgegangen, wenn seine Eltern keinen Kontakt mit ihm haben wollen.

    Auch wenn es meiner Meinung nicht deine Schuld ist, steht er nun alleine da.


    Das wichtigste für dich ist nun, dass du dir diesen Schuh, du selbst schuldig, nicht anziehst.

    Da du hier um Hilfestellung bittest, geht es im Grunde nur um dich, die Therapie sollte dir helfen.


    Wie soll es nun mit deinem Exfreund weitergehen?

    Hast du da eine Vorstellung?


    Ich hoffe natürlich dass seine Eltern noch auf ihn zu gehen und versuchen, im doch eine gewisse Hilfeleistung geben.

    Da er ja schon in Behandlung war, sollte er natürlich umgehend mit dem Psychologen Kontakt aufnehmen und alles weitere mit dem besprechen.

    Fange nie an aufzuhören <-> höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Erstmal danke dir, Franz, für deine Antwort!

    Ich bin zurzeit einfach immer nur froh, wenn jemand meine Sicht nachvollziehen kann und ich nicht das Gefühl bekomme, man ist selbst das Problem mit seinen Gedanken (solche Momente gibt es leider trotzdem).


    Wie es mit meinem Ex-Freund weitergeht: keine Ahnung. Ich habe leider (aber irgendwie auch nicht leider) seit knapp 1.5 Monaten keinen Kontakt mehr zu ihm, er wollte das so (ich bin halt die Schuldige in seinen Augen und so will er - denke ich -mich auch spüren lassen, was er von mir hält und dass ich ihm egal bin). Ich hab mich davor oft noch erkundigt, wie es ihm geht und ob er mit seinen Eltern sprechen konnte, was er zuletzt immer verneint hat, bis er mir nicht mehr geantwortet hat.

    Ich hoffe, dass er noch zu seinem Psychologen geht, mit dem er angeblich auch über uns und die Drogengeschichte gesprochen hat - mit Sicherheit weiß ich das aber nicht.


    Ich fühle mich einfach so machtlos...

    Mein Kopf und mein medizinisches Wissen (ich studiere selbst Medizin und kenn mich daher auch etwas aus) sagen mir es war richtig und ich muss mit meiner Entscheidung leben, jedoch vermisse ich ihn auf der anderen Seite in meinem Innersten sehr und würde gerne für ihn da sein (da er ja alleine darsteht), wissen wie es ihm geht usw. Ich hätte damals alles für ihn, seine Gesundheut und unsere Beziehung getan, umso mehr tut es weh, dass er mich so sehr ablehnt jetzt.


    Ich kämpfe dementsprechend in letzter Zeit viel mit mir selbst und dem Zwiespalt, was richtig ist und was ich fühle.

    Die Therapie-Gespräche haben mir auch deutlich gemacht, dass es jetzt erstmal wichtig ist, dass es mir selbst wieder gut geht und ich mein inneres Gleichgewicht wiederfinde...


    Freue mich weiterhin über eure Meinungen und Kommentare! Es hilft mir sehr, zu hören und zu lesen was bei anderen passiert bzw. vorgefallen ist in solcher Hinsicht und wie diejenigen damit fertig werden.