Cannabis kann ein ganzes Leben sein

  • Hallo zusammen,


    heute möchte ich die Zeit nutzen um mich genauer vorzustellen. Damit ihr ein wenig mehr über mich wisst und auch erfahrt was aktuell mein größter Wunsch ist. Ich bin männlich, 30 Jahre und abhängig. Mein größter Wunsch ist irgendwann wieder ein normales Leben zu führen, nachdem ich realisiert habe wie sehr der Cannabis mich und meinen Geist zerstört hat. Jetzt ist die Abhängigkeit mein größter Feind. Irgendwo möchte ich sagen, dass mir die Sucht alles genommen hat indem ich bekifft nie wirklich sehen konnte was die Realität ist. Wenn man einsteigt, dann ist alles schön. Gerade zu Beginn hätte ich nie gedacht, dass ich mal in so einem Forum über meinen Zustand schreibe. Aber das zeigt finde ich auch, wie naiv ich damals war, total unerwachsen und bereit einen Teil meines Lebens der Sucht zu überlassen. Egal was ich durchlebte, egal welche Probleme es waren, es war immer der Cannabis der mir geholfen hat wenn es darum geht die Gefühle nur ansehen zu müssen. Jemand der nicht konsumiert kann es sich nicht wirklich vorstellen, aber irgendwann werden aus Problemen die normalerweise Gefühle haben, abgestumpfte Objekte die um einen herum existieren. Sei es deine eigene Gesundheit, oder die Frau die dich verlässt - Bekifft sieht man es, es passiert, aber die Tiefe fehlt und die Gefühle sind weg. Man lebt im kompletten Nebel nur vor sich hin und lässt alles geschehen...


    Den Absprung von Cannabis habe ich bis heute nicht komplett geschafft. Mein Plan sieht vor, dass ich den kompletten Ausstieg zum Wochenende hin anfange. Dagegen steht die Meinung der Leute die mich auf meinem Weg begleiten. Eine stationäre Entgiftung sei meine einzige Chance, da bei Umsetzung des Entzugs auf eigener Faust damit zu rechnen wäre, dass alles zusammenbricht. Durch meine Kindheit leide ich unter PTBS mit starker emotionaler Taubheit. Wenn ich kiffe verschwindet die Leere, dann sehe ich Probleme nur noch als Bild ohne Gefühl. Genau das hält mich irgendwo am leben, so läse ich die Probleme und muss die Gefühle nicht verarbeiten. Leider alles nur für den Moment. Die Sucht sorgt dafür, dass ich mich damit schwer tue es nicht zu tun. Ich weiß es ist falsch. Oft denke ich mit starken Schuldgefühlen, dass ich doch alles weiß und deshalb nicht süchtig sein kann - das ganze Zeug muss sofort weg. Aber auf der anderen Seite sehe ich wieder alles, wie schon gesagt, als Bild und ohne Gefühl mit dem Cannabis. Ist der Cannabis weg wird die Seele leiden. Alles nur wegen der Sucht... Und vielleicht hätte ich meine Probleme schön längst gelöst.. Professionell, und ohne Drogen.


    Mein Traum ist irgendwann aufzuwachen und zu realisieren, dass wir wirklich nicht mehr brauchen als uns selbst.

  • Den Absprung von Cannabis habe ich bis heute nicht komplett geschafft. Mein Plan sieht vor, dass ich den kompletten Ausstieg zum Wochenende hin anfange. Dagegen steht die Meinung der Leute die mich auf meinem Weg begleiten. Eine stationäre Entgiftung sei meine einzige Chance, da bei Umsetzung des Entzugs auf eigener Faust damit zu rechnen wäre, dass alles zusammenbricht. Durch meine Kindheit leide ich unter PTBS mit starker emotionaler Taubheit. Wenn ich kiffe verschwindet die Leere, dann sehe ich Probleme nur noch als Bild ohne Gefühl. Genau das hält mich irgendwo am leben, so läse ich die Probleme und muss die Gefühle nicht verarbeiten. Leider alles nur für den Moment. Die Sucht sorgt dafür, dass ich mich damit schwer tue es nicht zu tun. Ich weiß es ist falsch. Oft denke ich mit starken Schuldgefühlen, dass ich doch alles weiß und deshalb nicht süchtig sein kann - das ganze Zeug muss sofort weg. Aber auf der anderen Seite sehe ich wieder alles, wie schon gesagt, als Bild und ohne Gefühl mit dem Cannabis. Ist der Cannabis weg wird die Seele leiden. Alles nur wegen der Sucht... Und vielleicht hätte ich meine Probleme schön längst gelöst.. Professionell, und ohne Drogen.

    Hi,


    normalerweise rate ich schon eher dazu, den Entzug erstmal selbst in die Hand zu nehmen & zu schauen, ob man es alleine schafft!

    Bei dir kann man herauslesen, dass du dich jetzt bis zu diesem Punkt vorgearbeitet hast und ich denken, gerade in Bezug auf das, was du schilderst (PTBS) wäre es vielleicht

    doch ganz gut, das Ganze begleitet anzugehen!

    Man MUSS es sich ja nicht unnötig schwer machen.

    Mein Traum ist irgendwann aufzuwachen und zu realisieren, dass wir wirklich nicht mehr brauchen als uns selbst.

    Den TRaum träume ich für jeden Einzelnen auf dieser Welt :saint:Würde uns allen gut tun!


    Ich drück dir jedenfalls die Daumen und hoffe, du schreibst hier weiter, wie es so läuft?!


    LG.Klaus

    never give up hope - better give up dope. :ab: übrigens: es gibt ein leben NACH den drogen!

  • normalerweise rate ich schon eher dazu, den Entzug erstmal selbst in die Hand zu nehmen & zu schauen, ob man es alleine schafft!

    Bei dir kann man herauslesen, dass du dich jetzt bis zu diesem Punkt vorgearbeitet hast und ich denken, gerade in Bezug auf das, was du schilderst (PTBS) wäre es vielleicht

    doch ganz gut, das Ganze begleitet anzugehen!

    Meine Betreuerin rät mir auch dazu, das Alles unter Aufsicht durchzuführen. Aktuell bin ich an dem Punkt wo ich ohne Konsum auskomme, aber stark sehe wie die PTBS wirkt wenn ich mich mit meiner Person identifiziere. Ich weiß auch nicht, ob es die emotionale Taubheit ist, aber nüchtern kann ich die ganzen Gefühle die da sind betrachten als wären es Luftschlösser. Auch ist da ein tiefes Wissen, so meine ich jedenfalls, wie das Universum funktioniert und was passiert wenn ich aufhöre. Es könnte klappen, aber es gibt ein Problem. Ich denke wenn ich diese Person die ich glaube zu sein aufgebe/ mich von allem abspalte und einfach nur Bewusstsein bin, alle anderen denken werden ich sei verrückt. Deshalb trenne ich mich nicht und versuche bewusst diese Person zu sein. Die Alternative wäre alles zuzulassen, das was ich aktuell dazu tue (also den Konsum) zu unterlassen. Auch unterstützt mich die Erkenntnis, dass das Denken mir immer geschadet hat/ limitiert hat. Nur was soll man machen... Einerseits zieht mich die unendliche Liebe zu dem was ich eigentlich bin, dem Universum - aber andererseits überkommt mich die Angst nicht "alles" bzw. "vollkommen" zu sein. Deshalb lasse ich nicht los. Moment um Moment... Bis ich eines morgens aufwachen werde und realisiere, dass ich keine Zwänge, Pflichten zum Überleben habe.


    Noch befinde ich mich im "Dazutun", sodass es heute Morgen bewusst möglich gewesen ist, ohne Konsum in den Tag zu starten. Bis jetzt halte ich durch und beobachte alle Luftschlösser, aber es tut weh wenn das Denken einkehrt. Wisst ihr was dabei immer wieder auffällig ist? Dieses Adrenalin das beim Craving aufkommt, dieser eine extrem starke Stich der einen im Magenbereich erwischt und alles vergessen lässt - das läuft ständig gleich ab. Erst wollte ich es wieder nur beobachten, aber dann sah ich bei weiteren Malen, dass es wieder das gleiche ist. Nun konzentriere ich mich auf das Echo, auf die Intensität die abnimmt und akzeptiere beim Ausatmen mein Leben. Wisst ihr, dass könnte ich euch jetzt unter Tränen voller Verzweiflung sagen. In der Akzeptanz sehe ich unfassbaren Frieden der immer näher kommt. Das alles passierte während ich einen beschissenen Tee trank... Seit bestimmt mehr als 10 Jahren habe ich keinen Tee probiert. Die Wärme hilft auch ungemein gegen die Kälteempfindungen durch den THC-Abbau. Auch bei dem Wetter und wenn man sich im Magenbereich unwohl fühlt, sollte jeder das ausprobieren. Musste erkennen, dass solche Kleinigkeiten doch unglaublich viel ausmachen können.


    Und so "halte" ich durch, auch wenn es immer schwerer wird zu schreiben wenn der Körper die Reinigung durchläuft. Ab dem Wochenende werde ich den Weg ohne Konsum probieren. Meine Partnerin und auch Begleiterin auf dem ganzen Weg, würde mich sofort darauf ansprechen, wenn sie meint ich sollte über Konsum nachdenken bzw. in eine Klinik gehen. Mich reizt an allem die Frage, ob ich wirklich leben könnte, wenn ich alles weiter beobachte. Hier ist es außerdem so still und friedlich. Ich muss niemand sein, war auch niemand. Daraus kann doch alles entstehen, oder bin ich wirklich verrückt?


    Aus tiefstem Herzen, vielen lieben Dank für die Zeit beim Lesen und den Gesprächen die wir haben werden.


    <3

  • Heute Abend möchte ich mich auf morgen vorbereiten, den Tag an dem ich schlafen gehen werde und als jemand erwache, der über das Wochenende clean bleibt. Schaue ich in die Vergangenheit, so fühlt es sich neu an - dabei konnte ich es ohne Probleme ohne Droge, ich meine kurz nach dem der Körper zudem ich kam, anfing zu existieren. Damit sehe ich auch, dass die Abhängigkeit zu Substanzen,... Alkohol, Nikotin, Cannabis, ... und andere Situationen im Leben, unweigerlich zu Krankheit führen. Alles zeigt, dass man durch eine Sucht den Zugriff darauf verliert, was es heißt menschlich zu sein. Ich konnte einmal bloß atmen und glücklich sein. Ich erinnere mich an eine frühe Kindheit, in der ich ohne Sorge mit einem Jahr völlig unschuldig existierte. Warum habe ich das was ich bin so verändert, bloß weil die Angst mir mehr hilft beim Überleben? Ich sehe, dass sich wenn ich nicht konsumiere, eine Klarheit und Stille vor mir ausbreitet. Ich werde am Wochenende jeden Augenblick genießen und an das glauben, was ich nie für möglich gehalten habe. Mir stellt sich die Frage was passiert, wenn ich aufhöre das zu sein was mir das Denken vorgibt. Ich möchte aus dem Kreislaus raus. Egal ob ich im Bett liegen werde und alleine bin. Nur alleine kann ich zum Leben erwachen und durch diese sich mir zeigende Dunkelheit gehen. Mir werden all meine Sorgen und Ängste begegnen, ich bin bereit und darauf vorbereitet. Und wenn ich die ganze Zeit weinen werde... Der Körper wird rein sein. Und wenn ich meine größten Ängste bekämpfe, werde ich an alle denken die das gleiche durchmachen. Wir sind alles nur Menschen und als solcher möchte ich leben. Am Sonntag werde ich wahrscheinlich eine Antwort haben und entscheiden ob der Konsum mir weiterhin gut tut. Mir hat heute wieder eine Situation gezeigt, dass es so einfach ist nicht zu konsumieren. Mir geht es besser ohne Konsum, nur wie passt das gerade zu allem?


    Ich werde bald wieder schreiben.

    Alles liebe von ganzem Herzen <3

  • Hallo suchenachzen,

    Es könnte klappen, aber es gibt ein Problem. Ich denke wenn ich diese Person die ich glaube zu sein aufgebe/ mich von allem abspalte und einfach nur Bewusstsein bin, alle anderen denken werden ich sei verrückt. Deshalb trenne ich mich nicht und versuche bewusst diese Person zu sein. Die Alternative wäre alles zuzulassen, das was ich aktuell dazu tue (also den Konsum) zu unterlassen

    hier komme ich nicht ganz mit. Wieso ist die Aufgabe deines Egos/Anhaftung an Identität (wenn ich das so richtig verstanden habe?) mit dem Konsum/Nichtkonsum gekoppelt? Soweit ich dein Glaubenssystem nachvollziehen kann, liegt doch in dieser Argumentation des entweder A mit B -oder C ein dualistisches Denken vor? Aber was hat denn Kiffen, die Angst vor dem, was andere Denken und das Ego aufgeben kausal miteinander zu tun? Und wieso musst du genau entgegengesetzt zu deinem Ziel handeln, wenn du kiffst, also bewusst diese Person sein - wieso geht nicht etwas dazwischen? Das wiederum widerspricht doch deinem Ziel der Nichtanhaftung? Korrigiere mich?


    Bei mir kommt, wenn ich dich lese, eine große Bedürftigkeit nach Reinheit und sowas wie kindliche Naivität an. Ich frage mich, ob das vielleicht mit deiner PTBS gekoppelt ist?


    Weisst du woher deine Angst kommt, für verrückt erklärt zu werden? Viele Buddhisten und Hinduisten "geben auch ihr Ego auf" und versuchen nicht anzuhaften und werden nicht für verrückt erklärt. Wer sind denn die anderen, die dieses Urteil fällen konkret? Wer fällt dir da ein?


    Wieso ist es eigentlich zwingend nötig, dass du dich sofort deinen größten Ängsten stellst, wenn du mit Konsum aufhörst? Wäre nicht erst ein gemäßigterer Weg, z.B. einfach mal eine Weile den ersten Schritt zu gehen, naheliegender? Weil das klingt danach, als würdest du eine Herausforderung wählen, die viel zu schwer ist, für den Ausgangspunkt. Wieso keine Zwischenschritte? Ja, bei mir kam an, dass du wissen willst, wie Konsum dich und deine Selbstfindung (oder -Lösung, in dem Fall) beeinträchtigt und auch deine Heilung - aber ist das echt dein Weg und nicht keine Überforderung, die wieder zu Konsum oder einigen Tagen gefühltem Weiterkommen und dann wieder zu Konsum führt? Das ist doch Teil des Kreises, solche rießen Dinge zu versuchen?

  • Ich kürze es ab - wie überall im Leben: Denken hilft nur bedingt.


    Was gerade zählt ist nicht über Fragen nachzudenken, sondern zu genießen.
    Seit gestern gehe ich meinen Weg - Und dieses Abenteuer ist wunderschön.


    Genau wie es wunderschön ist erkannt zu haben, dass selbst diese Zeit jetzt in der man dazu lernt, auch irgendwann wieder aufhören wird, genau wie alles andere auch. Am wichtigsten ist dabei wahrscheinlich, dass man seine nüchtern gemachte Erfahrung im Leben immer mit anderen teilen kann.


    Seit gestern geht mir auch eine Sache nicht mehr aus dem Kopf: Wie will man überhaupt mit anderen zusammenleben, wenn man durch Konsum woanders ist/ alles anders wahrnimmt und erfährt?

  • Samstag:

    Die Zeit vergeht und der Nachmittag ist fast erreicht. Ohne Konsum sind die Symptome der PTBS spürbar. Ich bemerke stark, dass meine Gefühlswelt entweder ins extrem gute, oder ins extrem schlechte umschlägt. Eine Welt dazwischen scheint nicht greifbar, aber was soll man jetzt machen, außer weiter am Ball zu bleiben. Ich hatte mich ja entschieden - mein Ziel ist bald erreicht und wer weiß wie es mir morgen geht oder nachdem ich schlafen war. Träume hatte ich die Nacht keine. Rechne auch nicht damit, dass es so schnell losgeht und ich Nachts mit Panikattacke aufwache. Bis Morgen abend wird es wohl kein Problem sein. Und dann wird wieder weiter entschieden. Bin mal im Bett!


    Sonntag Abend:

    Mir gehts hervorragend, aber ich habe auch wieder konsumiert. Ich habe mit 0,1g dosiert, aber es reicht jetzt schon mit einem halben Joint. So werde ich nachher auch schlafen gehen, denn ich kann froh sein bis hierhin gekommen zu sein. Die Einträge hier haben meine anfängliche Euphorie gut gezeigt. Auch eine gewisse Naivität lese ich beim Reflektieren heraus. Es ist nun mal doch alles nicht so einfach und nächste Woche geht es weiter. Ich werde jetzt darauf achten, wann und wie viel ich konsumiere. Ein Konsumtagebuch wird bestimmt dabei helfen alles ein wenig geregelter zu haben. Weiß aus Vergangenheit, dass ich es hinbekomme. Mal schauen wie oft ich es jetzt noch brauche und ob es einfacherer wird die Phasen der Abstinenz zu verlängern.


    Gute Nacht!

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