Bericht aus dem Narrenturm

  • dass ich mich relativ plötzlich so viel besser fühle

    Das kann schon vorkommen. Auch wenn vielleicht nicht alle Gründe dafür offen auf dem Silbertablett liegen, du hast Ideen, woran es liegen könnte. Und damit eine Grundlage, auf der und von der aus du weiterarbeiten, dich vorantasten kannst.


    dass ich mich frage, ob ich noch hier sein darf.

    Darfst du. Nicht zuletzt ist das hier ein guter Grund dafür:

    Mir ist es etwas unheimlich

    Das ist nachvollziehbar. Es ist gewissermaßen neu und Neues hat die Angewohnheit, unheimlich zu sein. Aber du hast gerade die Möglichkeit, dieses Neue in einer Umgebung, einem Rahmen zu beschnuppern und zu erkunden, der dir wichtigen Schutz bieten kann, eine Art Bruchtal auf dem Weg nach Mordor ist... und Gleiches gilt auch für den Punkt "Therapiestation".

    Mag er auch alles besitzen, den Himmel besitzt Minos nicht. (Ovid, Met. 8,187)

  • Erneut ein Tag mit viel Schlaf, angemessenem Essen und (bisher) ohbe svv. Und ich glaube, dass auch heute kein weiteres svv kommt.

    Der Drache ist still, ruhig, sagt gerade fast gar nichts mehr.

    Und ich fühle mich zwiegespalten.

    Einerseits bin ich froh, dass es mir offensichtlich besser geht.

    Gleichzeitig habe ich Stimmungsschwankungen, von eher neutral oder gut auf ganz plötzlich schwarz, müde...

    Das erleichtert mich irgendwie. Der wichtigste Grund, mich hier einzuliefern, waren die Suizidgedanken. Die sind noch nicht ganz weg aber deutlich abgeklungen. Der zweite Grund, das außer Kontrolle geratene svv ist ebenfalls abgeklungen. Und ich kämpfe jetzt damit, hier sein zu dürfen. Deshalb brauche ich vielleicht die schwarzen Gedanken...? Dass ich hier sein darf. Hilfe bekomme.

    Und wenn ich nach Hause ginge, käme dann alles zurück?

    Ich glaube, ich muss schlafen. Obwohl ich wirklich genug geschlafen habe, könnte ich den ganzen Tag schlafen...

    Bin durcheinander.

    Nicht schlimm. Nur aus dem Chaos kann Ordnung entstehen...

    Jetzt mache ich erstmal nix und dann sehe ich weiter...

    Morgen ist Therapiestunde.

  • Es ist gewissermaßen neu und Neues hat die Angewohnheit, unheimlich zu sein.

    Es ist eigentlich nicht neu. Der letzte Schub ist 13 Jahre her.

    Ich hab gerade folgende Gedanken:

    Der Drache ist auf einmal leise. Sagt nur manchmal so etwas wie: "das bist du nicht wert." Das gebieterische "du musst alles mit Schmerz bezahlen" ist weg.

    Dafür ist das schlechte Gewissen, hier zu sein, einen Platz jemandem wegzunehmen, deutlich größer. Und das Gefühl "es geht mir doch gut. Ich kann wieder nach Hause, arbeiten, Geld verdienen,...." ist stark.

    Ist es vielleicht möglich, dass der Drache (wieder) seine Gestalt gewandelt hat (hach, das klingt so phantasymäßig)?

    Der Therapeut draußen meinte, dass ich nur deshalb die 13 Jahre funktioniert hätte, weil ich ich so stark sei. Das interpretiere ich so, dass der Drache mich angetriebenen hat, dass er dafür gesorgt hat, dass ich funktioniere, auf andere Weise bezahle. Dass er heimlich aus dem Verborgenen heraus alles kontrolliert hat, dafür gesorgt hat, dass ich mich so verhalte, wie es ihn füttert. So hab ich es ja auch immer geschrieben.

    Dann wäre das "du musst alles mit Schmerz bezahlen" wieder zurück verwandelt in "du musst alles mit funktionieren, kümmern, perfekt sein bezahlen" .

    Und das würde mein Unbehagen erklären. Denn dann wäre das svv und die Suizidgedanken nicht weg, nur wieder verborgen unter Kompensationen, die ich nur machen kann, weil ich wieder funktioniere und weil ich nicht so viel um die Ohren hab. Hier hab ich ja praktisch nichts um die Ohren...

    Würde ich also jetzt nach Hause gehen, wieder arbeiten, freiberuflich nebenbei tätig sein, mich um die Familie kümmern, um meine Mutter, meine Knie usw. wäre es nur eine Frage der Zeit, bis ich wieder nicht mehr kann, die Kompensationen wegfallen und ich wieder an derselben Stelle stehe, wie nich vor ein paar Tagen ...


    Es gibt noch einen weiteren großen Anteil in mir, der gerade sehr mutlos ist. Der sagt : "wozu Therapie machen, einen Platz wegnehmen auf der Therapiestation, wenn es sowieso wiederkommt? Wenn die Depression, das svv früher oder später sowieso wieder alles zerstört, was du dir aufgebaut hast?" Wozu der Weg nach Mordor, der weh tut, wenn es nichts hilft?

    Denn meine Depressionen sind offenbar eine chronische Krankheit. Ich kämpfe immer noch damit, dass ich so fest davon überzeugt war, dass ich sie überwunden hab und mich so gründlich geirrt habe...


    Ach menno.

  • Wieder kein svv.

    Ich hab mit der Therapeutin über die "Anfälle" gesprochen. Und über meinen Verdacht, dass ich sie inszeniere (es waren aber nur 2).

    Ihre These: früher musste etwas wirklich schlimm sein, bevor ich die Zuwendung bekam, die ich gebraucht habe.

    Ob das mit dem svv genau so ist?

    Es hat seinen Zweck erfüllt. Ich bekomme jetzt Zuwendung und Hilfe. Ich glaube aber, dass es vor allem um meine eigene Wahrnehmung geht. Also mir selbst zu "beweisen", dass ich krank bin, Zuwendung und Fürsorge brauche. Und ich sehe ein, dass ich krank bin, dass ich vielleicht doch keine Dramaqueen sein könnte. Also brauche ich das svv nicht mehr


    Heute hab ich ein Gespräch, um herauszufinden, ob ich auf eine Therapiestation kommen kann /darf. Mal sehen....

  • Ich werde auf eine Therapiestation wechseln, sobald ein n Platz frei wird.

    Der Arzt, der das Gespräch geführt hat, war ziemlich.... Keine Ahnung, wie ich das ausdrücken soll... Das Gespräch war wie eine Prüfung. Aber ich hab bestanden.

    Noch bin ich nicht ganz sicher, ob ich die richtige Entscheidung getroffen habe, ich kann ja auch ambulant weiter machen.

    Mal sehen....

  • drück dir die Daumen das es dir etwas bringt dich weiter bringt und du die Therapie zulassen kannst. Viel Erfolg es war sicher die richtige Entscheidung

    Und jeden morgen steh ich auf,
    versteck die Narben unter Kleidern,
    setze meine Maske auf
    und schmink die Tränen aus den Augen.

  • Ich sehe es wie Fenella, ich denke der geschützte Rahmen ist wichtig und richtig für dich. Du hast dort die Möglichkeit, dich auf die Therapie zu konzentrieren, ohne die Ablenkung, die Belastung des Alltag. Geh weiter, Schritt um Schritt!

    Ich bin froh, dass es dir besser geht (zumindest liest du dich so).

    Schicke dir liebe Gedanken. :63:

  • Danke Fenella und Valeria77 für eure lieben Wünsche!



    Seit gestern Abend wird der Drache wieder lauter. Fordert wieder svv, weniger essen, frieren, weniger Schlaf.

    Ich hab das nicht verstanden.

    Aber heute hab ich folgendes gedacht und in der Therapie auch besprochen:


    Vor ein paar Tagen hatte ich mit der Therapeutin überlegt, warum es unbedingt eine Wunde braucht. Die These war, dass sie ein sichtbares Zeichen ist, dass es mir wirklich schlecht geht. Da ich die Wunde aber niemandem (freiwillig) zeige, ist sie wohl für einen Teil in mir selbst bestimmt.


    Jetzt habe ich ein sehr schlechtes Gewissen, weil es mir besser geht und ich denke wieder verstärkt daran, dass ich doch eigentlich arbeiten muss, nach Hause sollte, meim Alltagsleben wieder aufnehmen kann. Dass es mir eigentlich gar nicht (mehr) so schlecht geht, ich mich jetzt wirklich zusammenreißen kann und dass ich den Platz auf der Therapiestation jemandem wegnehme, der es viel viel nötiger hat als ich.


    Und jetzt brüllt der Drache wieder. Weil er vielleicht dafür kämpft, dass ich meine psychische Verfassung ernst nehme. Das passt zur Interpretation von dir, grany.

    Wenn ich mich wieder schlimmer verletzen würde, dann wäre ich "objektiv sichtbar" krank. Auch sichtbar für mich selbst. Und ich müsste es erst nehmen. Könnte nicht mehr sagen, dass es mir eigentlich gut geht...


    Also will er vielleicht wirklich etwas gutes tun. Und die einzige Möglichkeit, mir das klar zu machen, ist, Wunden, objektive Schmerzen, etwas Sichtbares zu erzeugen.


    Ob ich mir selbst, dem Drachen glauben kann, dass ich "ausreichend" krank bin, "ausreichend" leide, ohne dass ich mich wieder verletzen muss? Das frage ich mich gerade.

  • Ich kämpfe. Gegen den Drachen. Aber anders als bisher.

    Ich sage ihm immer wieder: du brauchst nicht brüllen. Ich hab dich gehört. Ich gehe auf die Therapiestation. Ich versuche, das ernst zu nehmen. Mich ernst zu nehmen. Bitte brüll nicht mehr.

    Bisher kein svv aber die ganze Zeit die Forderung danach.

    Es geht mir nicht gut.

    Ich möchte mich so gern zurückziehen.

    Schlafen, verkriechen, nicht denken, reden, reagieren, Blickkontakt haben. Ich bräuchte es gerade sehr, glaube ich.

    Ins Zimmer geht nicht, da wird erst noch geputzt, da wird man rausgeworfen. Zudem hab ich Gruppentherapie in einer dreiviertel Stunde. Kein Ort, wo ich mich verstecken kann.

  • Zitat

    Ich kämpfe. Gegen den Drachen. Aber anders als bisher.

    Ich sage ihm immer wieder: du brauchst nicht brüllen. Ich hab dich gehört. Ich gehe auf die Therapiestation. Ich versuche, das ernst zu nehmen. Mich ernst zu nehmen.

    das liest sich gut für mich. Sicher sehr anstrengend, weil neuer, anderer weg, aber ich denke es könnte ein guter sein.

    Liebe Grüße für dich. Gönn dir nach der Gruppenthera wenn es geht doch eine Weile „allein Zeit“. das braucht es ja tatsächlich manchmal einfach um Dinge zu verarbeiten, sacken zu lassen, hinzufühlen.


    Viele Grüsse

  • Kein svv auch heute.

    Die Stimmung ist nicht so gut. Aber ich habe mit dem Drachen gesprochen, nicht gekämpft. Ihn nicht als Feind gesehen.

    Ich glaub, das war gut, auch wenn er immer noch brüllt.

    Gute Nacht

  • Ich bin enttäuscht von mir.

    Hab heute wieder svv gemacht. Nach 8 Tagen ohne.

    Ich hatte keinen äußeren Anlass. Kein Streit, Stress, Wut. Heftig gekämpft hab ich seit vorgestern. Hab gestern einem Mitpatienten alle Zigaretten gegeben, die ich noch hatte. Hab mich heute vor den Glaskasten gesetzt, einfach um Schutz zu haben. Gemalt, Musik gehört. Steine im Schuh hab ich sowieso immer.

    Es hat heute nicht gereicht.

    Ich versuche, dem Drachen entgegen zu kommen, auch jetzt noch.

    Es anders zu machen als bisher. Ihm immer wieder zu sagen: ja, es ist schlimm genug. Ich mache die Therapie. Ich nehme es ernst.

    Das sage ich und ich verhalte mich auch möglichst so. Versuche, erstmal so zu tun.. Fake it 'till you make it.

    Fühlen tue ich anders. Hab ein elend schlechtes Gewissen, hier zu sein, zu bleiben.

  • Heute in der Tribunalvisite hab ich es nicht geschafft, zu sagen, wie es mir geht.

    Das Tavor wird jetzt abgesetzt. Sachliche Themen kann ich prima ansprechen, aber die simple Frage, wie es mir geht, bringt mich ins Schleudern.

    Heute nachmittag ist Therapie. Ich muss sagen, dass ich wieder angefangen hab. Ich hab Angst davor,... Oder eher ich schäme mich.

    Aber es hilft nichts. Auch wenn ich es nur dort sagen kann, dort muß ich es sagen.

    :krank1:

  • Ich habs geschafft. Gegen die Scham.

    Ein Teil von mir ist gerade froh, dass ich nicht in. Den Glaskasten zum Verbinden musste. Vielleicht hat sie es vergessen.

    Ein anderer Teil sagt, dass ich auch da durch muss. Diese Scham ebenso überwinden muss.

    Vielleicht nachher. Jetzt sammle ich erstmal meine Gedanken aus der Therapie zusammen.

    Es war schwer.

    Ich glaube, weil die Therapeutin psychoanalytisch arbeitet, kommt sie immer wieder auf die Eltern zurück. Ich weiß nicht so recht, ob das stimmig ist oder nicht. Abwarten und weiter reden...

    Ich bin total erledigt, müde, mag nix machen, nicht lesen oder reden oder schlafen oder Gitarre spielen...

    Einfach nur an die Wand starren...

    Ob der Drache heute mit sich reden lässt. Ich versuche, ihn zu verstehen, ihn nicht mehr abzulehnen.

  • Als ich zurück kam vom Besuch meiner Familie wurde ich in den Glaskasten gerufen. Ich müsse eine Verhaltensanalyse ausfüllen.

    Das Instrument selbst ist eine gute Idee. Mich ärgert, dass es jemand angewiesen hat, der sich mir weder vorgestellt (neue Stationsärztin) noch irgendwann einmal das Wort an mich gerichtet hat. Ihr gegenüber soll ich sehr offen über das svv schreiben.

    Ich hab beschlossen, die Verhaltensanalyse der Therapeutin zu geben. Morgen werde ich das im Glaskasten sagen und auch, dass ich die Stationsärztin einfach zu wenig kenne.


    In der Verhaltensanalyse werden Fragen gestellt, die das "Problemverhalten" (genau so, mit Anführungszeichen steht es auch in der Analyse) genauer beleuchten und die Selbstreflexion anregen sollen.

    Dabei ist mir eine aus meiner Sicht wichtige Sache aufgefallen: Ich habe mich ja eine Zeitlang (ich schätze etwa 2h) vor den Glaskasten gesetzt, um das svv zu verhindern. Nicht, weil ich reden wollte, sondern weil ich ein Gefühl von Schutz empfand. Das Gefühl hat mich beim Schreiben an die Bullyingzeit erinnert und wie ich oft, sehr oft, vor dem Lehrerzimmer saß, weil die Mitschüler mir da nichts getan haben.

    Vielleicht ist das wichtig..

    Aber jetzt schlafe ich erstmal.

  • Allein sein ist gerade keine gute Idee. Also verabrede ich mich zum Gitarre spielen und quatschen...

    Warum brüllt er immer noch?

    Ich hab es doch verstanden. Ich bleibe, mache Therapie und kümmere mich immer besser und verlässlicher um mich...

    Gestern hatte ich eine längere Unterhaltung mit einer sehr netten Nachtschwester. Sie fragte mich, wie das Wochenende gewesen sei, da sie in der Übergabe vom svv gehört hatte.

    Die Unterhaltung war gut. Gleichzeitig ist das genau die Aufmerksamkeit, die ich nicht haben möchte... Die, vor der ich Angst habe.

    Wenn ich svv mache, um mir selbst zu erlauben, hier bleiben zu dürfen, ist das nicht manipulieren??? Ist das nicht Dramaqueen??? Denn das ist es, was ich mir sehr übel nehme...

  • Warum brüllt er immer noch?

    Ich denke, das ist gewissermaßen "natürlich"... wenn man auf das Drache/Kind-Gleichnis zurückgreift: Auch Kinder, gerade kleine, weinen oft noch länger "nach", selbst wenn sie schon längst bei Mama/Papa/sonstwem auf dem Arm sind, getröstet, bespielt, gefüttert werden... das ist ihr Weg herauszufinden, ob das Kümmern des großen Menschen ernstgemeint ist, ob er da ist für das Kind und sein Überleben sichert oder ob er einfach nur endlich das nervtötende Geschrei loswerden will...


    Ich kann mir vorstellen, dass dein Drache gerade ähnlich handelt, dass er sich nicht sicher ist, ob du dich um dich kümmerst, ob du das auch länger durchziehst. Du hast ihn lange missachtet, er muss jetzt erstmal lernen (und du ihm zeigen), dass er dir vertrauen kann, dass es dir um dein Überleben geht und nicht nur darum, ihn (=dich) stummzuschalten... Ich könnte mir vorstellen, dass er im Verlauf der Therapie nach und nach leiser werden wird (vielleicht auch früher, das bleibt wohl abzuwarten)...


    Ich halte das nicht für Dramaqueen, sondern für den Versuch, benötigte Hilfe zu finden...

    Mag er auch alles besitzen, den Himmel besitzt Minos nicht. (Ovid, Met. 8,187)

  • Ich halte das nicht für Dramaqueen, sondern für den Versuch, benötigte Hilfe zu finden...

    Ich weiß, dass es den Drachen in Wirklichkeit nicht gibt. Er ist ein bewusster Teil von mir.

    Wenn ich svv mache, bin ich nicht besonders angespannt, eher ruhig, überlegt.

    Also ist es mir bewusst, dass ich mich verletze.

    Wenn ich also sowohl bewusst weiß, was ich will/sollte (hier bleiben, Hilfe annehmen) als auch weiß, was ich tue (svv), wie kann es dann NICHT manipulativ sein? Wie kann es NICHT reinsteigern, Dramaqueen sein? Wie kann es NICHT ein absurdes Theater sein?

    :wall:               :gz::bi:

  • Vielleicht kannst du es als Lernprozess (der es ist) ansehen... Es ist verhältnismäßig leicht etwas zu lernen, aber schwer, etwas zu verlernen, selbst oder gerade bei Konditionierung... das betrifft sowohl den Drachen, als auch das SvV... da die erste Konditionierung (die damals vor Jahren bei dir war) meiner Vermutung nach eher "unbewusst" war ("es hilft, also mache ich weiter" -> Gewöhnungseffekt) und die entgegengesetzte Konditionierung über das Bewusstsein läuft, also über einen ganz anderen Kanal, ist das nochmal schwerer...


    Dass du weißt, was du tust, stelle ich nicht in Abrede... aber... vielleicht mal ein Vergleich... es ist Mode, dass Kinder in der Schule Rechtschreibung erst spät lernen und bis dahin schreiben dürfen, wie sie wollen, ohne jeglichen Hinweis... Mittlerweile ist bekannt, dass sie an der weiterführenden Schule größere Defizite haben und sich noch lange schwerer tun als Kinder, die von Anfang an korrigiert wurden.


    Auch diese erstgenannten Kinder haben bewusst geschrieben, überlegen oft intensiv, wie die Lautung eines Wortes verschriftlicht werden kann, verfestigen ihre Variante quasi bis ins Körpergedächtnis (das am schwersten zu ändern ist)... und das müssen sie auf einmal verlernen...


    Im Training bei uns sehe ich in jeder Altersstufe zwischen 7 und 90 sehr ähnliche Ergebnisse...


    Der (Ver)Lernprozess, den du gerade durchläufst, ist nicht großartig anders...

    Mag er auch alles besitzen, den Himmel besitzt Minos nicht. (Ovid, Met. 8,187)

    • Neu
    • Gäste Informationen
    Hallo Mitleser, du interessierst dich für unsere Themen und willst auch selbst schreiben, dann melde dich bitte an.
    Solltest du noch kein Forenmitglied sein, dann registriere dich bitte und du kannst das SuS-Forum uneingeschränkt sowie kostenfrei nutzen.

    Dieses Thema enthält 0 weitere Beiträge, die nur für registrierte Benutzer sichtbar sind, bitte registriere dich oder melde dich an um diese lesen zu können.