5 Jahre auf und ab...Endstation Hölle

  • Hallo zusammen,


    nachdem ich nun schon einige Zeit eher still mitgelesen habe, habe ich mich heute dazu entschlossen, auch meine "Geschichte" zu erzählen.

    Ich werde versuchen es in einer leicht lesbaren Zusammenfassung zu schildern.


    Mit Anfang 13 hat mein Sohn D. angefangen Zigaretten zu rauchen. Anfangs dachten wir noch jugendliche Neugier, das gibt sich wieder.

    Leider tat es das nicht.


    Mit 14 das erste mal Berührung mit Cannabis, bis wir dahinter kamen dauerte es etwas über ein Jahr. Ab da an immer mal wieder

    gekifft.


    Um sich Zigaretten beschaffen zu können, hat D. mir mein Führerschein aus dem Portmonee entwendet um am Automaten welche zu bekommen.

    Leider merkte ich auch das nicht sofort ich musste ihn noch nie irgendwo vorzeigen und solange war er eben

    immer in meinem Portmonee, durch einen blöden Zufall kam ich dahinter.


    Dann fing es an das ständig Geld entwendet wurde hier mal 5 € da mal 10€. Doch dann waren es auf einmal 200€ , Geld das ich in meinem Nachtschrank verwahrte

    welches ich zum Geburtstag bekommen hatte von Freunden/Familie. Und dann auch bei anderen Familienmitgliedern. Wir haben dann angefangen alles weg zu

    schließen.


    Mit 15/16 fing er dann an abends immer länger einfach weg zu bleiben, das Handy war dann grundsätzlich aus, er hat den Bus verpasst etc. um Ausreden nie verlegen.
    Die Schule wurde ständig geschwänzt und irgendwann fing er dann auch an nachts auszubüchsen, fing an auf "Raves im Feld" zu gehen. Hier dann das erste mal Ecstasy.


    Dann hat er seinen Schulabschluss nicht geschafft. Hat sich mehr und mehr eingeigelt und im Zimmer vergraben. Ärzte / Therapeuten aufgesucht, erstes mal

    Diagnose Depressionen. Das artete dann (meines Erachtens durch die Kifferei) in Psychosen aus, Stimmen hören, Verfolgungswahn u. ä. Angeblich würden

    diese Symptome aber verschwinden wenn er kifft (seine Aussage) und dann kam der Tag, an dem Plötzlich zwei (zu dem Zeitpunkt ungefähr 20 jährige) vor

    meiner Tür standen und Geld eintreiben wollten bei meinem Sohn für Gras welches sie ihm "auf Pump" gegeben hatten, das brachte bei mir zum erste mal

    das Fass zum überlaufen. Dann wurde er auf frischer tat beim Kauf und Besitz von Drogen erwischt, war bei einer Taxifahrt volltrunken dabei welche sein damals "bester Freund"

    nicht vor hatte zu zahlen...Konsequenz Strafanzeige wegen Erschleichung von Leistungen...also alles in allem was er so angestellt hat waren das Gerichts und Anwaltskosten innerhalb

    von 2 Jahren im Wert von 6.000€.


    Dann ein paar Monate später das erste mal Notfallüberweisung (auf Grund von Suizidgedaken) in Kinder-und Jugendpsychiartrie auf die geschlossene für 2 Monate.
    Es lief super gut auch für uns zu Hause war es eine enorme Entlastung, es ging ihm nach zwei Wochen schon einigermaßen besser, und nach 4 hat er Zukunftspläne geschmiedet.
    ….Erstmal Aufatmen für uns...…..
    Eigentlich sollte er im Anschluss in eine Stationäre Einrichtung mit Wohngruppen für Suchtgefährdete Jugendliche, mit Option auf Berufsausbildung oder höheren Schulabschluss.
    Er hatte soweit auch schon zugesagt und sich so gut gemacht in der Klinik, dass wir alle (Familie und Freunde) dachten, er ist auf einem guten und richtigen Weg.
    Doch nach der Vorstellung und Besichtigung einer dieser Einrichtungen lehnte er diese Art Unterbringung kategorisch ab. Er fand es zu weit weg von zu Hause und ihn plagten plötzlich
    tiefe Ängste den Bezug zur Familie zu verlieren. Obwohl es höchstens für 1 1/2 Jahre sein sollte, schafften wir es nicht ihn zu überzeugen.
    Und da man nun mal niemanden aufnimmt der nicht auch aus freien Stücken hin will, wurde er dann von der Klinik wieder nach Hause entlassen.

    Darauf folgten Suchtberatung, wöchentliche Drogentests, Therapiestunden beim Psychiater, Medikamente.


    Es lief gut, er bekam eine Chance seinen Schulabschluss auf einer regulären Schule nach zu holen, obwohl er eigentlich seine Pflichtschuljahre schon absolviert hatte.

    Er hängte sich auch voll rein, einzig seine Medikamente bremsten ihn stark aus, nach Rücksprache mit seinem Doc wurde die Dosis verringert und irgendwann ausgeschlichen.
    Dann kam Corona, er schaffte zwar seinen Schulabschluss (leider nur Hauptschule) aber er ist ganz ganz haarscharf an einem qualifizierten vorbeigerutscht.

    Er hatte eine Freundin und die Beziehung tat ihm auch sehr gut, wir integrierten sie mit in unserer Familie und ihre Familie empfing auch ihn mit offenen Armen.

    Danach Umzug ins Eigenheim, alles alte hinter uns gelassen....alles auf Neuanfang...Er besuchte jetzt regelmäßig Therapiestunden bei einer neuen Ärztin …Es lief immer noch super....


    Ab und zu rauchte er mal eine Tüte Gras zur Entspannung wie er behauptete wenn die Stimmen ins einem Kopf doch mal wieder auftauchten,
    aber nicht s worüber wir uns sorgen machen müssten, und auch wirklich nur ganz selten wenn er mit seinem Kumpel hier aus dem neuen Wohnort

    mal ne runde chillte. Doch wegen seiner Freundin verzichtete er eigentlich überwiegend darauf. Wie gesagt, es lief alles super, nichts auffälliges

    bis auf das normale Teenager gehabe mit 17.


    Dann zig Bewerbungen geschrieben, Vorstellungen gehabt, Probearbeiten....NICHTS....keine Ausbildung, wieder keine Perspektive....im März ´21 18 geworden.´....

    In der Beziehung lief es nicht mehr so toll, Eltern der Freundin haben sich getrennt, sie baute ihren Frust an D. ab, projizierte das Verhalten ihres Vaters auf ihn.

    Die Stimmung zwischen ihnen wurde immer schlimmer, D. war nur noch verzweifelt und dann folgte die Trennung nach ca. 1 1/2 Jahren von seiner ersten großen Lieben.....
    dann ist er in ein tiefes Loch gefallen. Nur noch einigeln in seinen Räumlichkeiten, nachts draußen, ständig bekifft, keine Motivation zu nichts mehr.

    Trotzdem zwischendurch immer aufgerafft neuen Mut geschöpft neue Bewerbungen rausgeschickt, wieder nur Absagen.


    Dann wieder angefangen sich mit freunden zu treffen, wieder am sozialen Leben teil nehmen nach der Trennung....und dann nahm die Katastrophe so richtig ihren lauf.

    Die (nur in meinen Augen natürlich) falschen Leute kennengelernt, fast jede Nacht erst zwischen 2-4 Uhr heim gekommen, plötzlich gefallen an Alkohol entdeckt, vorzugsweise

    Whisky und dazu immer wieder das Gras. Ständig stand ein anderes Auto vor der Tür von welchem er abgeholt wurde. Es sind alles nur Kumpels, hieß es immer. Und plötzlich hatte er immer öfter die Anwandlung mal für 10 min. raus zu gehen, angeblich nur eine Rauchen. Bis mir einleuchtete er Dealt. Dann ist er an koks gekommen und hat sich so damit weggeschossen, das ihm

    selber Angst und bange wurde. Aber nicht nur das, er hat dann (bei wem auch immer) so viel Schulden gemacht, dass er sein Sparbuch in Höhe von 1500 dafür plündern musste.

    Als wir ihm dann auch noch sagten das er von uns NUR NOCH moralische Unterstützung erwarten könnte aber keine finanzielle mehr wenn er sich in sowas reinmanövriert, hat er sich freiwillig in

    eine Entzugsklinik begeben.


    Erstmal wieder aufatmen für uns...…nach der ersten Woche war er wieder so klar, dass er genau wusste was er wollte...macht im Anschluss eine Stationäre Entwöhnung für ca. 6 Monate,

    dann will er sich um einen Job kümmern bis er eine Ausbildung gefunden hat etc.....nach zwei Wochen hielt er es in der Klinik nicht mehr aus, Entlassung gegen Ärztlichen Rat. Und Stationäre Reha wollte er dann doch nicht, hat sich für den Weg der Tagesklinik entschieden. Wieder zu Hause, finge er sofort an sich um alles zu kümmern, Arzttermine, Termin bei der Beratungsstelle für junge Süchtige, Stelle für ein FSJ bis er eine Ausbildung gefunden hat, Arbeitsbeginn soll der 15.09.21 sein. Ordnung und Struktur in seinen Tagesablauf bringen.


    2 Wochen lief alles nach Plan.....dann fing der ganze Horror von vorne an. Nachts wieder wegbleiben, total zugedröhnt heim kommen. Und seit ca. 1 Woche ist er auf einem ganz unangenehmen Trip. Das kann nicht nur Gras sein was er da intus hat. Seine Aussprache hört sich an wie bei jemandem der grade einen Schlaganfall hatte und nun das sprechen wieder lernt oder wie soll ich es anders erklären, als wäre seine Zunge bleischwer, und der Mundwinkel ist dabei irgendwie verzogen(?). Die Körperhaltung ist sehr wackelig, als hätte er keinen Gleichgewichtssinn mehr. Sein verhalten mir gegenüber ist derbe respektlos , er bekommt grade nicht s mehr auf die Kette. Und gestern standen zudem noch zwielichtige Gestalten vor der Tür die mit Ihm da rumdiskutiert haben. Als ich auftauchte verschwanden sie...Erklärung von D. , ach das war nur ne Verwechslung....natürlich nicht, aber mehr war auch nicht raus zu kriegen aus ihm....wieder völlig neben sich war eine vernünftige Unterhaltung gar nicht möglich.

    Ich bin so dermaßen verzweifelt, ich weiß weder ein noch aus, egal wo ich nach Hilfe Frage, immer heißt es er muss von selbst kommen, er ist jetzt 18 ;(

    Ich wäre sogar bereit ihn an zu zeigen, aber leider habe ich in seinen Räumlichkeiten keine Substanzen gefunden. Würde ihn am liebsten auf ne geschlossene

    bringen mal so für n halbes Jahr, aber Zwangseinweisung mit 18 ist ja wohl auch ausgeschlossen.


    Und zum ersten Mal seit 5 Jahren auf und ab, und immer zu ihm halten, und immer den Karren aus dem Dreck ziehen und ihm immer wieder eine Chance geben,

    kann ich nicht mehr, ich bin am Ende meiner Weisheit angekommen, ich habe keine Kraft mehr. Und es macht sich ein Gefühl immer mehr breit....dieser Mensch der da

    vor mir steht und mich aus halboffenen verquollenen roten Augen, mit einem Blick so voller Finsternis anstarrt...ist nicht mehr mein Sohn... ;( ;( ;(


    Sorry jetzt schon wenn es sich doch schwerer liest als ich dachte.

    Und danke an alle, die es bis hier her geschafft haben dran zu bleien. :bet:


    Es hat jetzt wahnsinnig gut getan das alles mal auf zu schreiben.

  • So ein umfassender Bericht braucht auch eine entsprechende Antwort - die kann ich aber leider erst am Montag liefern.

    Derweil, gelesen und aufgenommen ...


    Ah, eine Frage, wie schaut eure Familienkonstellation aus?

  • Hallo Franz,


    Danke erstmal fürs durchlesen.


    Familien Konstellation sieht so aus, dass meine zwei Söhne nur knapp 1 1/2 Jahre auseinander, Mein Lebensgefährte und ich seit 10 Jahren zusammen leben. Vater der Jungs hatte uns für eine andere Frau verlassen vor 11 Jahren. Aber Kontakt besteht regelmäßig zwischen Vater und Kids. Es war anfangs schwierig für die zwei mit der neuen Frau in Papas leben aber mit der Zeit hatte es sich eingespielt. Es gab auch keinen "Rosenkrieg" zwischen uns, ich habe ihn seiner Wege ziehen lassen.

    Verhältnis zwischen meinem Partner und den Jungs ist auch sehr gut, sie kennen ihn von klein auf, wir waren vor der Beziehung schon ca. 10 Jahre gut befreundet.


    Auch zum Rest der Familien (vaterseite / meiner Seite und vom Partner) bestehen gute Verhältnisse und regelmäßige Kontakte.


    Alle wissen bescheid, zum Teil hat er es ihnen auch selbst "gebeichtet" und jeder unterstützt oder hat seine Unterstützung angeboten wenn er Hilfe benötigt, allerdings wie erwähnt keine finanzielle Unterstützung. Wenn er etwas benötigt bekommt er es von uns gekauft bzw. Wenn er z. B. Zum Friseur möchte dann fahre ich ihn hin und gebe ihm das Geld im Laden....


    🙈🙈 Wieder sehr ausführlich.

  • Hallo Kitty_81,

    mich würde vorweg interessieren, ob dein Sohn an einer diagnostizierten Schizophrenie erkrankt ist und ob er darauf behandelt wird?

    Das du am Ende bist, kann ich vollkommen verstehen. Das liest sich wirklich heftig.



    neuerweg1

  • Hallo neuetweg1,


    Danke fürs mitlesen 🙂


    Man hatte ihm damals eine canabinoide Schizophrenie diagnostiziert und ihn auch dahingehend behandelt mit Therapie und Medikamenten (Quentiapin) . Es lief ganz gut bis er die Medis wie beschrieben langsam hat ausschleichen lassen nach Rücksprache mit dem Arzt, weil sie ihn einfach lahmgelegt hatten. Und trotz seiner Probleme lehnt er Medikamente in dieser Richtung völlig ab 🤷‍♀️ Die Therapiestunden hat er auch weiterhin besucht. Das größte Problem ist, dass er nicht einsieht, dass nicht das kiffen gegen die stimmen in seinem Kopf helfen, sondern deren "Wahrnehmung" nur verstärken.

  • Es ist leider genauso wie du schreibst.

    Das größte Problem ist, dass er nicht einsieht, dass nicht das kiffen gegen die stimmen in seinem Kopf helfen, sondern deren "Wahrnehmung" nur verstärken.

    Und das ist leider auch sehr oft so.

    Und trotz seiner Probleme lehnt er Medikamente in dieser Richtung völlig ab

    Was ich aber komplett nicht verstehe, wie es sein kann, dass das Medikament nicht durch ein anderes ersetzt wurde?! Es gibt mehr als ein Medikament und in der Regel muss man auch erst einmal die beste Einstellung finden.


    Würdest du denn abgesehen von seiner psychiatrischen Erkrankung auch von Sucht sprechen?


    neuerweg1

  • ..... Und es gibt ein Update....


    Er hat heute seinen ersten Fsj-Tag gehabt.

    Er ist pünktlich und von alleine aufgestanden und war zur vereinbarten Uhrzeit zur Abfahrt bereit. Völlig klar und motiviert. Ich muss zugeben, dass hat mich sehr überrascht. Das komplette Gegenteil von den letzten zwei Wochen. Aber ich will nicht gleich in Euphorie verfallen, "genieße" es erstmal noch mit Vorsicht.


    Da ich zur Zeit Urlaub habe und wir erst zum 1.10. Die jahresfahrkarte ausgestellt bekommen, fahre ich ihn bis dahin zur "Arbeit".


    Ich hoffe das ihn dieser struckturierte Tagesablauf wieder in die normale Spur bringen wird. Bis dahin bin ich für jeden Tag den er in diesem FSJ ohne besondere Vorkommnisse an der Arbeitsstelle abschließt, dankbar.

  • Moin Kitty_81,

    ich habe leider keine Ahnung von psychiatrischer Erkrankung plus Sucht und habe erst recht keine Idee, was deinem Sohn evtl. helfen könnte bzw. euch.

    Vielleicht haben andere Foristen Vorschläge oder Ideen.

    Irgendwann habe ich mal das Buch von Amon Barth "Breit" gelesen. Er war süchtiger Kiffer, Hamburger und irgendwann kam auch eine Psychose an die Oberfläche. Leider weiss ich nicht mehr wie es damals ausgegangen ist. Heute ist er allerdings erfolgreich unterwegs. Kannst ja mal googeln , wenn du davon noch nicht gehört hast. Vllt hilft es dir, nicht komplett zu verzweifeln und trotz allem Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

    Alles Gute für euch!

    neuerweg1

  • Hi neuetweg1,


    Vielen Dank für den Tipp und vorallem Deine Anteilnahme, da ich generell ja viel lese werde ich das mal recherchieren. 🙂

  • Hallo Franz,


    eigentlich war alles bisher sehr positiv verlaufen, seit Dienstag früh dieser Woche ist alles wieder anders. :(


    Er ist nicht aufgestanden, also versuchte ich ihn zu wecken, musste tatsächlich bis an sein Bett und ihn wach rütteln, da er weder von seinem Wecker der unaufhörlich lief, noch vom Telefonklingeln wach wurde.

    Ich habe es mit Verständnis versucht, aber auch versucht ihn zum Aufstehen zu bewegen. Er weigerte sich, er könnte nicht

    ihm ginge es nicht gut. Habe durch gutes zureden versucht ihn aus der Reserve zu locken. Das ich nicht möchte das er die Stelle verliert weil

    er einfach nicht hingeht.


    Leider eskalierte die Situation schlussendlich, denn als ich meinen Blick hab schweifen lassen beim reden sah ich erst die Dinge die da überhaupt in seinem Chaos so verteilt auf dem Tisch und in seinem Bett in dem er schlief rumlagen. Neben einem Tütchen Gras und ca. 100 € Bargeld in kleineren Scheinen (er bekommt noch immer keine größeren Beträge von uns in Bar) und ein Rezept über Alprazolam. Zeitweise hatte er welches verschrieben bekommen vom Arzt, nur leider war dieses nicht auf seinen Namen ausgestellt sondern auf einen mir völlig unbekannten Namen von einer Ärztin die auch nicht mal eben bei uns um die Ecke ist. Als ich ihn darauf angesprochen hatte drehte er total durch, schrie rum und warf Gegenstände durch s Zimmer. Ich habe mir das Rezept dann geschnappt und gedroht es bei der Polizei zu melden. Mit seiner Aussage "...dann geh doch zu den Bullen..." habe ich das Zimmer verlassen, und bin dann auf die Arbeit gefahren.


    (Ich habe das Rezept in einen Umschlag gesteckt eine kurze Nachricht dazu verfasst, dass wenn ich nochmal ein solches Rezept finden sollte wo es nicht hin gehört, dass ich dann die ausstellende Ärztin kontaktieren würde.)


    Auf der Arbeit angekommen bekam ich dann eine Whatsapp nach der anderen von Ihm, das ich gar kein Verständnis für seine Lage (seine Depression) hätte, seine Betreuerin im FSJ hat wenigstens Verständnis und ihm zugesagt wenn die Stimmung ganz schlecht ist, das er dann zu Hause bleiben könnte, er solle nur anrufen und bescheid sagen und das Codewort Rot nennen (das haben sie wohl so vereinbart) dann weiß sie das es ihm nicht gut geht. Natürlich wusste ich davon nichts und ob es der Wahrheit entspricht weiß ich auch nicht. Er wollte dann noch wissen wo das Rezept hingekommen ist und ich sagte in die Post zu der Person die auf dem Rezept drauf steht. Seit dem ist Funkstille. Er hat mich sogar via Whatsapp blockiert. Kommt weder zum Essen runter noch sonst irgendwas. Ich weiß nicht ob er am FSJ dranbleibt oder nicht.... :21:


    Ich werde mich jetzt einfach erstmal zurückhalten. Ich muss selbst erstmal Kraft tanken....dieses ständige auf und ab macht mich völlig fertig.

  • Servus Kitty_81


    Nach deinem aktuell zweiten Absatz habe ich die weiteren Absätze schon irgendwie erwartet :13:

    Scheinbar ist er wieder voll im Geschäft, so leid mir diese Erkenntnis für dich tut.
    Mit dem Rezept steigert er aber seine Aktivitäten in krimineller Hinsicht, hatte eigentlich aus der ersten Gerichtsverhandlung Bewährung offen?
    Die Frage ist natürlich auch, nimmt er die Benzos (auch) selbst oder dienen die nur dem Handel?

    Letztlich spielt das aber keine Rolle, früher oder später (so leid es mir wiederum für dich und deine Familie tut) wird er damit sowieso erwischt.
    Das Problem ist aber, sollte er wirklich zu einer Gefängnisstrafe verurteilt werden, wird das ja in den meisten Fällen an seiner Suchterkrankungen nichts ändern.
    Natürlich hätte er dann die Möglichkeit über den Paragrafen 35 „Therapie anstatt Strafe“ in Anspruch zu nehmen, aber dafür ist natürlich auch sein echter Wille nötig.
    Eine Therapie anzutreten, anstatt im Knast sein zu müssen, wird aber ohne sein Zutun nichts bringen und vermutlich sowieso schnell wieder zurück in den Knast führen.
    Das sind mal einige Dinge die auf ihn sowie euch zukommen könnten - bringt aber jetzt nicht viel, weil es ja noch nicht eingetreten ist.

    Da du als Mama und nicht ihr als Betroffene hier schreibt, gibt es natürlich auch ganz unterschiedliche Ansätze.
    Deinem Sohn würde man natürlich immer wieder zu einer Therapie anraten, leider macht es den Anschein, dass er dazu noch nicht bereit ist.
    Letzteres trifft meist erst ein, wenn er gar keinen Ausweg mehr sieht oder es um seine Gesundheit ganz schlecht steht.

    Für dich und die Restfamilie geht der Rat natürlich in eine vollkommen andere Richtung!
    Vermutlich kennst es aber schon von der Suchtberatung, jetzt gehören klare Ansagen und klare Aktionen auf den Tisch!
    Gleich mal als Vorwarnung was nun kommt, keinen Eltern oder Familienangehörigen fallen solche Schritte leicht, aber nur unter massivsten Druck wird der eventuell umdenken.
    Weiter muss man auch ganz ehrlich sagen, bestimmte Aktionen können auch nach hinten losgehen - also zum Beispiel Selbstgefährdung oder eben U-Haft usw. …

    Um klare Zeichen zu setzen, würde ich nun drastische Regeln empfehlen.
    Diese Regeln sollten im Familienbund besprochen werden, erst mal ohne dem betroffenen Sohn, dass er definitiv von allen Seiten das Gleiche gesagt bekommt.
    Zum einen würde ich ihm den Haustürschlüssel abnehmen, eine feste Zeit einführen, wo es sich am Abend einzufinden hat.
    Ist er nicht da, bleibt die Türe bis zum nächsten Tag verschlossen!
    Nächster Punkt wäre der Konsum und Suchtmittel im Haus ...
    Sollte in der Hinsicht was bemerkt oder gefunden werden, kann er nicht mehr bei euch wohnen bleiben!
    Was den Job angeht, vorausgesetzt er hat den jetzt auch noch, muss er diesen täglich wahrnehmen.
    Kann er krankheitsbedingt nicht zur Arbeit, geht das nur über eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung.
    Bargeld gibt es in keiner Form mehr, natürlich ist das nicht einfach, aber vermutlich nötig!
    Zudem hat er sich umgehend bei einer (eventuell schon bekannten) Suchberatungsstelle einzufinden und muss deren Empfehlungen (zum Beispiel wöchentliche Besuche dort) Folge leisten.
    All diese gravierenden Aktionen können nur über einen stationären Klinikaufenthalt vermeiden, ist er dazu nicht bereit, muss nun klare Kante gezeigt werden.

    Wie auch immer eure Bedingungen ausfallen mögen, meine Ideen sind ja auch nur aus dem Stehgreif entstanden, sollten ihm in einem Gespräch mitgeteilt werden.
    Dieses Gespräch soll keine Diskussionsrunde werden, das gehört im klaren deutlich aufgezeigt, es dient ganz allein den nun geltenden Regeln und da gibt es letztlich nichts zu diskutieren.
    Ist dazu nicht bereit, würde ich es in großen Buchstaben ausdrucken und an seine Zimmertür kleben :5:

    Für dich und die Restfamilie gilt jetzt wirklich nur eins, für euch darf es keine weiteren Auswirkungen haben, seien es Unstimmigkeiten innerhalb der Familie oder gar gesundheitliche Folgen.
    Da ich selbst zwei Kinder habe, weiß ich natürlich, dass man seinen Sohn sowas nicht einfach mit lockerer Hand mitteilen kann.
    Es geht aber nicht um irgendwelche Böswilligkeit, vielmehr sollen solche Regeln für ihn helfen, dass er eventuell zum Nachdenken kommt und doch einer Behandlung zustimmt.
    Meiner Meinung geht es nämlich nicht um „keine Drogen mehr zu nehmen“, so wie ich die Situation auffasse, muss eine langfristige Therapie (in Hinsicht Suchterkrankungen und anderweitigen psychischen Erkrankungen) erfolgen.
    Schon allein eine neue aktuelle Diagnose wäre wichtig, in Kieferkreisen ist natürlich bekannt, dass manchmal sogar Cannabis bei psychischen Erkrankungen eingesetzt wird.
    Ich unterstelle ihm nicht, dass diese Stimmen nicht vorhanden wären, aber es könnte genauso gut sein, dass er nur einen Grund liefern wollte, um seinen Konsum zu rechtfertigen.
    Eines sollte ihm nämlich klar sein, so wie er Cannabis als mögliches Medikament eingesetzt hat (um eben keine Stimmen zu hören), wird er keinen Mediziner finden, der das mitträgt.
    Gerade in Verbindung mit psychischen Erkrankungen, hier zum Beispiel Depressionen oder gar Cannabis Psychose usw., ist Cannabis unangebracht.
    Wenn überhaupt Cannabis als Medikament eingesetzt wird, dann natürlich auch nicht der Stoff von der Straße, welcher in vielen Fällen ja zusätzlich kontaminiert ist.

    Ich möchte auch noch eine Frage aus deinem ersten Beitrag beantworten, damit meine ich eine Einweisung.
    Diese Möglichkeit ist natürlich immer gegeben, wenn Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegt.
    Da er schon mal in einer Klinik war oder zumindest damals Arzt-Kontakt bestand, weil er Selbstmordgedanken hatte, würde das auch jetzt bei einem volljährigen greifen.
    Vermutlich wird er das aber Eklat sein …

    Abschließend noch ein Punkt, eventuell entspricht es ja der Wahrheit und seine Betreuerin im FSJ ist eine Art Vertrauensperson.
    Ich bezweifle zwar auch seine Aussage mit dem Codewort, aber vielleicht kann man diese Betreuerin mit ins Boot holen und die als eine Art Mediator fungieren.
    Generell solltet ihr aber innerhalb der Familie wirklich umgehend Regelungen besprechen, wenn dann muss jetzt umgehend irgendwas passieren.

    Lieber würde ich natürlich einen liebevollen und netten Weg vorschlagen, doch nach deiner Schilderung wird sowas kaum was bringen.
    Als ich in seinem Alter war, hat man meiner Mutter geraten, sie solle mich auf die Straße stellen und nicht mehr in die Wohnung gelassen!
    Damals hätte ich das nie verstanden, wobei es meine Mutter nicht getan hat, aber die Aussage „Süchtige müssen erst komplett am Boden liegen“ hat in gewisser Weise schon seine Berechtigung.
    Um ehrlich zu sein, sind solche Aktionen auch schon komplett schiefgelaufen, aber jetzt gilt es erst mal die eigenen Belange und Kräfte sowie Gesundheit zu schützen!
    Nichts wird deinen Sohn zwingen können, solange er nicht selbst in irgendeiner Weise dazu bereit ist und eine gewisse Einsicht mitbringt, dass sein jetziges Leben nicht mehr so weitergehen kann.

    Ich hoffe, ihr findet einen verträglichen Weg für alle Seiten und diese schlimme Lage ändert sich für euch irgendwann :8:

  • Hallo Franz,


    erst einmal ein herzliches Dankeschön für dein Interesse und deine investierte Zeit für die Antworten.


    Es tut unglaublich gut mit neutralen Personen über diese "Hölle" sprechen zu können.

    Das gibt mir auch nochmal eine andere Sicht auf die Dinge. Lässt mich erkennen, was ich sonst übersehe, vor Allem auch

    in Bezug auf mich selbst und den Umgang mit den Problemen die mein Sohn hat und verursacht.

    Scheinbar ist er wieder voll im Geschäft, so leid mir diese Erkenntnis für dich tut.

    Auch das war natürlich mein erster Gedanke! Es muss dir auch nicht leid tun, mich macht es einfach unglaublich wütend, wie leichtfertig er mit seinem und auch gleichzeitig unserem Leben und zu Hause umgeht indem er sich in solche Machenschaften stürzt.

    Mit dem Rezept steigert er aber seine Aktivitäten in krimineller Hinsicht, hatte eigentlich aus der ersten Gerichtsverhandlung Bewährung offen?
    Die Frage ist natürlich auch, nimmt er die Benzos (auch) selbst oder dienen die nur dem Handel?

    Er war nie auf Bewährung, er ist immer mit einem blauen Auge davon gekommen und er war halt noch jung genug!

    Und Mama hatte ja einen guten Anwalt an der Hand, leider war seine Gage auch dementsprechend hoch.


    Er hat die Benzos nach dem Entzug in der Klinik verschrieben bekommen und sie auch eingenommen regelmäßig wie vom Arzt verordnet.

    Und er hat "seine" auch noch. Er nimmt sie aber nur wenn er "Panik" hat und dann nicht einschlafen kann.

    Letztlich spielt das aber keine Rolle, früher oder später (so leid es mir wiederum für dich und deine Familie tut) wird er damit sowieso erwischt.

    Ehrlich gesagt bin ich mittlerweile soweit, dass ich denke das es genau das richtig wäre, wenn er damit erwischt wird.

    Es hat in seinem Leben bisher noch keine richtigen Konsequenzen gegeben die er alleine bewältigen musste, denn Mama

    war ja immer da und hat ihn rausgeboxt.

    Da du als Mama und nicht ihr als Betroffene hier schreibt, gibt es natürlich auch ganz unterschiedliche Ansätze.
    Deinem Sohn würde man natürlich immer wieder zu einer Therapie anraten, leider macht es den Anschein, dass er dazu noch nicht bereit ist.
    Letzteres trifft meist erst ein, wenn er gar keinen Ausweg mehr sieht oder es um seine Gesundheit ganz schlecht steht.

    Und genau das ist der Punkt, er war schonmal an dem Punkt wo er mit seiner Gesundheit wegen dem Konsum gekämpft hat. Dann hat er den freiwilligen

    Entzug gemacht und es ging ihm besser. Aber er sieht einfach nicht ein, dass er sich einer langfristigen Therapie unterziehen müsste. Das er ohne professionelle Hilfe immer wieder im selben Teufelskreis landet.


    Wie auch immer eure Bedingungen ausfallen mögen, meine Ideen sind ja auch nur aus dem Stehgreif entstanden, sollten ihm in einem Gespräch mitgeteilt werden.
    Dieses Gespräch soll keine Diskussionsrunde werden, das gehört im klaren deutlich aufgezeigt, es dient ganz allein den nun geltenden Regeln und da gibt es letztlich nichts zu diskutieren.
    Ist dazu nicht bereit, würde ich es in großen Buchstaben ausdrucken und an seine Zimmertür kleben

    Das ist der Plan, leider lässt er sich aber seit gestern nicht mehr zu Hause blicken X/

    Handy ist meistens aus, oder er hat mich nicht nur via WhatsApp blockiert sondern auch meine Nr., und anrufe ohne Nr. nimmt er nicht ab.

    Er ignoriert auch von seinen (normalen) Freunden, Bruder oder anderen Family-Mitgliedern die Mails.

    Das letzte was ich ihm vermittelt habe war, dass wenn er bis Freitag (quasi heute Abend) das Chaos da oben in seinem Dachgeschoss nicht beseitigt hat, ich am Wochenende da oben wüte und dann fliegt alles raus!!! Und da kenn ich keine Gnade. (Beim Aufräumen/Putzen der Zimmer meiner zwei Söhne war ich IMMER knallhart....das war aber auch das einzige wo ich so richtig durchgegriffen hatte wenn ach nach mehrmaliger Ermahnung keine Ordnung gemacht wurde)

    Die nächsten Schritte werden sein, das ich ihm das Internet "abschneide", und die Zahlungen für sein Handy einstellen werde.

    Und sobald ich ihn zu fassen bekomme, ist sein Schlüssel auch weg!!!

    Und wenn er dann meint, dass er gar nicht mehr Heim kommen müsste, um mich zu bestrafen weil er genau weiß ich komme um vor Sorge, dann muss er es tun. Ich werde versuchen von den Sorgen Abstand zu nehmen!

    Meiner Meinung geht es nämlich nicht um „keine Drogen mehr zu nehmen“, so wie ich die Situation auffasse, muss eine langfristige Therapie (in Hinsicht Suchterkrankungen und anderweitigen psychischen Erkrankungen) erfolgen.

    Ja ABSOLUT, und ich sehe es nicht mehr ein meine Zeit damit zu vergeuden, ihn "aus dem Dreck zu ziehen", alle seien Angelegenheiten für ihn zu Managen und meine seelische Gesundheit und meine Beziehung auf s Spiel zu setzen damit es ihm besser geht, ohne das er was dafür tut, sprich sich endlich mal seiner selbst annimmt!

    vielleicht kann man diese Betreuerin mit ins Boot holen

    Ehrlich gesagt möchte ich das ganz und gar nicht. Ich habe irgendwie ein negatives Gefühl dieser Person gegenüber. Vielleicht ist es auch verletzter Stolz...das sie mehr Verständnis für seine Depression hat als ich, nach seiner Aussage.

    Aber bisher hat mich mein Gefühl nur sehr selten getäuscht wenn ich Antipathie gegen jemanden gehegt habe. Lange Rede kurzer Sinn.....NEIN die Betreuerin mit ein zu beziehen ist keine Option für mich.

    Lieber würde ich natürlich einen liebevollen und netten Weg vorschlagen, doch nach deiner Schilderung wird sowas kaum was bringen.

    Liebevoll, nett, verständnisvoll, nachgiebig, nicht konsequent genug war ich sein ganzes Leben lang bis jetzt.

    Habe mir den Rat eines Psychologen und der Erziehungsberatungsstelle und noch einigen anderen Personen zu Herzen genommen und ihn nicht fallen lassen, sondern immer mit Fürsorge, Liebe und Verständnis behandelt.

    Deshalb hält er sich auch an keine Regeln, er weiß das ich nie so konsequent bin/war ihn tatsächlich hängen zu lassen oder vor die Tür zu setzen wie ich es immer angedroht habe.

    Nichts wird deinen Sohn zwingen können, solange er nicht selbst in irgendeiner Weise dazu bereit ist und eine gewisse Einsicht mitbringt, dass sein jetziges Leben nicht mehr so weitergehen kann.

    Ja das lässt er mich immer wissen, dass ich ihn ja zu nichts (mehr) zwingen könnte, vor Allem was auch seine Volljährigkeit betrifft, fühlt er sich da sehr sicher.



    Aber ich bin jetzt an einem Punkt angelangt, an dem ich glaube, dass ich nichts weiter tun kann außer tatsächlich einmal konsequent zu sein und knallhart meine Regeln durchzusetzen.

    Und wenn er fällt, dann muss ich ihn fallen lassen und wenn er um Hilfe bittet mit Hinblick auf die Annahme professioneller Hilfe, dann werde ich ihm aufhelfen.

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