Partner trinkt exzessiv 24/7 – Bin hilflos und isoliert im Ausland

  • Hallo zusammen,

    ich schreibe euch heute, weil ich einfach nicht mehr weiterweiß. Ich bin völlig verzweifelt, traurig und fühle mich extrem hilflos. Mein Partner, ein Australier, hat wieder angefangen zu trinken und ist aktuell im Grunde 24/7 im exzessiven Rausch. Er war jetzt davor bei der Entgiftung im Krankenhaus und für zweieinhalb Monate abstinent. Es war eine wirklich wunderbare Zeit und er war ein ganz anderer Mensch. Doch von einem Tag auf den anderen hat der Alkohol wieder gesiegt.

    Das alles ist leider nicht wirklich neu für mich. Ich kenne ihn seit 3 Jahren und erlebe dieses exzessive Trinken auch schon genauso lange mit. Ich habe in dieser Zeit natürlich auch schon ganz schlimme Sachen miterlebt, vor allem was seine Gesundheit betrifft, und ich mache mir einfach schreckliche Sorgen um ihn.

    Diese Situation belastet mich emotional so unfassbar schwer, dass ich kaum noch Kraft habe. Ich liebe diesen Mann über alles, aber es kommt mir im Moment so vor, als ob von seiner Seite überhaupt keine Liebe mehr da wäre. Er vergisst einfach alles. Er ist absolut unzuverlässig und alles, was wir gemeinsam erlebt haben, scheint aus seinem Gedächtnis gelöscht zu sein.

    Er suggeriert mir auch ständig, wie unfassbar gleichgültig ich ihm bin. Das bricht mir das Herz und ich weiß einfach nicht, ob er das im Rausch wirklich so meint oder ob das nur die Sucht aus ihm spricht. Wenn ich versuche, Grenzen zu setzen, werde ich von ihm entweder ignoriert oder er lacht mich einfach nur aus oder reagiert mit aggressiver Gleichgültigkeit. Dieses Auslachen und ie Gleichgültigkeit tut unendlich weh. Noch schlimmer ist, dass er mich extrem psychisch und emotional zu catchen und zu verletzen versucht. Er manipuliert mich, wo er nur kann. Manchmal verleugnet er im Rausch unsere gesamte Beziehung oder sagt mir immer wieder, dass er die Beziehung sofort beenden könnte.

    Ich weiß überhaupt nicht mehr, was wahr ist, und alles, was ich sage oder tue, ist falsch. Ich habe ständig Angst, dass er ausrastet, weshalb ich mich fühle, als würde ich auf rohen Eiern gehen. Erschwerend kommt hinzu, dass ich mich auf Bali befinde. Durch die räumliche Distanz zu Deutschland und meinen Freunden dort und die Zeitverschiebung fühle ich mich hier extrem isoliert und allein mit dieser riesigen Last.

    Ich suche hier einfach den Austausch mit Menschen, die diese Dynamik kennen.
    Wie tief sitzt der Schmerz bei euch nach so einem plötzlichen Rückfall nach einer guten Phase oder überhaupt mit so einem Zusammenleben?
    Meinen sie diese extreme Gleichgültigkeit wirklich so oder ist das Teil der Sucht?
    Wie geht ihr damit um, wenn eure Grenzen belacht, Drohungen ausgesprochen und eure Gefühle so verletzt werden?
    Wie schafft ihr es, euch emotional abzugrenzen, wenn man den Partner über alles liebt, aber die Sucht alles zerstört?

    Ich danke euch jetzt schon für jedes liebe Wort und jeden Rat.

    Liebe Grüße,
    Takatis


  • Servus takatis

    Meinen sie diese extreme Gleichgültigkeit wirklich so oder ist das Teil der Sucht?

    Sicher ein Teil der Sucht, doch die Sucht ist ja keine eigenständige Persönlichkeit.
    Ich meine, die süchtige Person entscheidet sich bewusst für diesen Weg und dessen Begleiterscheinungen.

    Wenn ich versuche, Grenzen zu setzen, werde ich von ihm entweder ignoriert oder er lacht mich einfach nur aus oder reagiert mit aggressiver Gleichgültigkeit

    Dann wird dir wohl nur ein Schritt bleiben, zumindest für den Moment - geh deinen eigenen Weg.
    Eines sollte immer klar sein, wenn dein Partner keinen Bock auf ein suchtfreies Leben hat, dann wirst du ihn nie dazu bringen können.

    Wie schafft ihr es, euch emotional abzugrenzen, wenn man den Partner über alles liebt, aber die Sucht alles zerstört?

    Liebe ist das beste der Welt, doch einseitig bringt es nur Leid mit sich!
    Du wirst eine Entscheidung treffen müssen, entweder auf dich zu achten und deinen Weg gehen oder dich in den Strudel weiter reinziehen lassen und selbst zu Grunde zu gehen.
    Ich wünsch dir, du wählst den ersten Punkt!!

    Fange nie an aufzuhören höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Hallo Takatis,

    es tut mir Leid, dass du so eine schwere Zeit durchmachst.

    Ich finde es wirklich gut, dass du dich hier geöffnet hast und nach Gleichgesinnten suchst, um dich über deine Situation auszutauschen. Insbesondere wenn du, wie du es beschreibst, aktuell etwas abgegrenzt von deinem sozialen Umfeld bist.

    Natürlich kann dir hier niemand deine Entscheidung abnehmen, dennoch sollest du überlegen, wie du selbst auf dich achten kannst. Du scheinst sehr unter seinem Verhalten dir gegenüber zu leiden.

    Gab es auch schon einmal klare Momente, wo du klar über seine Grenzüberschreitungen sprechen konntest? Welchen Weg siehst du aktuell für dich/euch?

    Ich hoffe es finden sich noch einige, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben und dir davon berichten können.

    Viele Grüße

    Emina vom DigiStreet-Team der Drogenhilfe Schwaben

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