Beiträge von grany

    Was ist eigentlich mit Fachabi? Weiss ja nicht, in welchem Bundesland du bist, aber das müsstest du doch schon in der Tasche haben?


    Du hast mehr als eine Option. Auch mehr Optionen als Jugendamt oder Abi dieses Jahr. z.B. kannst du dich auch von der Schule beurlauben lassen und erstmal stationär in eine Klinik gehen, zumal, wenn dir Abi zusätzlich Druck macht. Überlegenswert ist dann auch betreutes Wohnen in einer psychosozialen Wohngruppe für Erwachsene. Oder ein normales WG-Zimmer / ein möbiliertes Zimmer und ein Nebenjob, Kindergeld evt. Bafög oder Wohngeld, ggf Minijob etc. Vielleicht auch in einer anderen Stadt.

    Oder du nimmst dein Fachabi, jobbst und machst auf anderem Wege noch dein Abi oder eine Ausbildung und hast so auch die allgemein Hochschulreife.


    Was ich sagen will: viele Wege führen nach Rom. Deine Möglichkeiten hören nicht auf, wenn du das Abi verhaust oder es dir so viel Druck macht, weil du insgesamt einfach zu viel zu ertragen hast zur Zeit. Wenn die Abi-Belastungen das i-Tüpfelchen sind und du dir deswegen z.B. Narben zufügst - bringts ja auch nix. Am Ende wirst du dann wegen den Narben nicht eingestellt oder sowas doofes.


    Du hast genug Druck. Das mit dem Abi muss nicht noch mehr Druck machen. Versuche es, wenn du magst, gib dein Bestmögliches ohne dir körperlich zu schaden - mehr kann man doch echt nicht verlangen, oder?


    Stichwort Notfallkoffer: was machst du denn in Hochanspannungssituationen? Was sind da deine Skills? Kannst du dich da von deinen Emotionen distanzieren? Das ist sicherlich was für die Thera am Anfang, aber wenn du magst, kannst du auch hier mal ein paar Worte dazu schreiben. Bestimmt haben hier einige auch Erfahrungen mit DBT und die Skills daraus.

    • lacht sich gerade kaputt
    • kann den Fernsehr des Mitbewohners per Handy bedienen
    • ärgert gerade den Mitbewohner, der das noch nicht gecheckt hat und nebenan jetzt Marie Kondo schauen muss :]
    • hat viel vor sich :7: kommt aber gut voran
    • grüßt in die Runde

    Ich gebs auf, es ist hoffnungslos..

    Ist ein bisschen schwierig darauf zu reagieren. Weil wenn ich das lese, frage ich mich natürlich was jetzt im Moment los ist. Bin mir aber nicht sicher, ob du möchtest dass man nachfrägt oder eben nicht. Bei mir kommt viel Leid und Dynamik an. Auf mehr kann ich nicht reagieren, denn ich weiss ja nicht mehr ;)


    Allerdings wünsche ich dir, dass du etwas Druckentlastung und Dynamik rausnehmen kannst, wenn solche Gefühls-spitzen kommen. Hast du eigentlich einen Notfallkoffer und wurde mit dir schon durchgegangen, wie man sich von solchen dysfunktionalen Gedanken / Emotionen distanziert?

    Hallo pink,


    wie geht es dir denn jetzt nach dem Rückfall? Hattest du das Probetraining schon?


    Ich weiss, ich darf nicht erwarten dass es was vergleichbares gibt, wie dieser Benzoabschuss......aber iwie verlangt mein Hirn immer wieder danach, so sehr ist es verknüpft. Maaaan warum kann man dass im Gehirn nicht einfach umpolen durch iwas....

    Man kann das Gehirn umpolen. Aber eben nicht "einfach" ;) Wenn die Verknüpfung eben immer wieder verwendet wird, wird sie eben auch gestärkt und für das Hirn ist deutlich einfacher, diesen Weg zu nehmen. Aber je mehr andere/neue Verknüpfungen da sind und diese genutzt werden, desto leichter wird es mit der Zeit. Da wird ja häufig auch die Autobahnmetapher verwendet. Ist halt einfacher ohne Tempolimit für das Hirn die Autobahn runterzurasen, als sich im Urwald einen neuen Trampelpfad zu trampeln und den dann das nächste mal wiederzufinden. Aber je häufiger der Trampelpfad genutzt wird, desto mehr wird der langsam zur neuen Autobahn und die alte verrottet langsam.


    Du hattest gefragt, wie andere "runterkommen" - von was genau runterkommen? Von einem Anspannungszustand? Da wird man die Erdkugel nicht neu erfinden. Für mich sind das Yoga, Sport oder Meditation, aber da gibts sicher für jeden was anderes. Braucht ja auch nicht jeder Anspannungszustand das gleiche "runterkommen". Von welchen Situationen/Sachen musst du denn runterkommen? Und für was musst du dich denn "belohnen"?


    Was machen die Therapiepläne? Was sind da die Bedenken?

    • hofft, dass Franzs Katze bald wieder topfit ist
    • freut sich heute sehr über persönliche Therapiefortschritte
    • wünscht dissolution ein gutes Ankommen, trotz allem

    Hallo pink,


    definitiv hat der allepaarWochenKonsum was mit Belohnung zu tun, Belohnung dafür dass ich funktioniert habe, alle Aufgaben, Erwartungen die ich an mich Stelle oder andere haben, erfüllt habe...trotz vieler Gebrechen, trotz Unlust, usw..

    nuja, so lange das so ist... ist Veränderung wahrscheinlich schwer. Wenn Konsum im Körper/Verhalten als Belohung gespeichert ist, wird sich kaum was verändern. Manche belohnen sich mit Essen, manche Drogen,... aber wenn man das mal hinterfrägt kommt man schnell drauf: Psychologisch gesehen ist es ja keine "Belohnung". Es ist die Belohnung fürs Ignorieren der eigenen Emotionen und Bedürfnissen zwecks Funktionieren. Und wie kann man dieses Ignorieren über die Zeit aushalten? Indem man die Bedürfnisse und Emotionen unterdrückt. Das geht z.B. mittels Konsum. Dann kann man Funktionieren. Konsum ist also nicht die Belohnung fürs Funktionieren, sondern wurde über die Zeit die Voraussetzung dafür. Das ist ein Kreislauf, der auf diese Art grundlegende Veränderungen hemmt. Wie soll so jemals erlernt werden, die eigenen Ziele (im Sinne von Funktionieren) umzusetzen, ohne sich selbst zu schädigen?


    Weil was wird wohl passieren, wenn man langfristig Bedürfnisse und Emotionen unterdrückt. Und der Körper das als Belohnung abgespeichert hat. Schon allein biochemisch hat das ziemlich schädliche Folgen. Von Somatisierung etc. ganz zu schweigen. Natürliche Gefühle und Bedürfnisse werden pathologisiert und können nicht richtig verarbeitet werden. Der innere Druck nimmt zu und die Emotionen stehen nicht mehr in Relation zum ursprünglichen Ereignise etc - es kann sein, dass sie grundsätzlich nur noch schwer zugelassen werden können, weil sie zu intensiv oder unangenehm werden. Es gilt also erstmal umzudenken, von "Belohnung" weg. - Weder für den Körper noch für die Psyche ist das Belohung - aber dennoch wird es so interpretiert, weil es Erleichterung verschafft. Und das Funktionieren als eigenes Ziel ist halt eben auch zu hinterfragen. Echter Selbstwert kann ja nur dann vorhanden sein, wenn die eigenen Emotionen und Bedürfnisse auch adäquat verarbeitet und beachtet werden. Wenn das nicht funktioniert, stopfen eben andere Strategien das Loch. z.B. das Helfen anderer - dafür muss man aber wieder funktionieren und dafür muss man die eigenen Bedürfnisse unterdrücken... zweiter Kreislauf ;)


    So, jetzt höre ich aber auf zu quasseln. Was ich eigentlich sagen will: Therapie ist da hilfreich. Man kann noch so reflexiv unterwegs sein. Bei Emotionen und Bedürfnissen hilft auch die kognitive Selbstreflexion nicht wirklich richtig weiter, hier hilft fühlen. Und das wird durch Grübeln etc. ebenfalls nicht gefördert.

    Zumindest meine Erfahrung.

    Ich glaube das auf jeden Fall. Wieso auch nicht? Ich bin noch minderjährig spontan von Zuhause abgehauen. Es war sicherlich so überhaupt nicht leicht, weil ich mir alles selbst erarbeiten musste, aber ich würde es immer wieder tun.

    Du hast ja sogar Helfer und die Möglichkeit das in einem "geführten" Rahmen (z.B. Wohngruppe) anzugehen.

    Die Anforderungen an dich verändern sich dann auch komplett, du wirst viel freier, weil der ganze Familienmist deutlich abgeschwächt ist und du kannst die neuen (zuerst überfordernden) Dinge nach und nach alle bewältigen. Letzteres musst du ja sowieso bald lernen, wenn du eine Ausbildung oder ein Studium beginnen möchtest. Zumindest entspricht das meinen Erfahrungen. Natürlich löst sich nicht alles in Luft auf, ganz und gar nicht. Aber zur Ruhe kommen und selbstbestimmt, sicher, leben macht ganz andere Sachen möglich. z.B. auch einen guten Therapieerfolg, die Schwierigkeiten die dann noch über sind, in den Griff zu bekommen.


    Zumindest darüber informieren / Hilfe suchen schadet doch nicht?

    Hallo Anna-Amanda,


    Was kann ich nur noch tun?

    Was hast du denn schon getan?


    Du stellst das ja mit dem SVV in Zusammenhang. Denkst du es hat die gleiche Funktion? In welcher Situation kratzt du den Pickel denn auf - z.B. immer zur gleichen Tageszeit oder wenn du Stress hast o.ä.? Ist es mehr ein Ritual oder gibt es tägliche Auslöser? Was bringt dir dieses Verhalten (was hält es aufrecht)?


    Hat sich das mal ein Arzt angesehen?


    Du beschreibst indirekt, dass du dich dafür schämst. Liegt das daran, dass das ein großes Areal betrifft, also optisch in irgendeiner Form tatsächlich großflächig sichtbar ist oder ist es mehr so, dass du das "zum schämen" aufgrund des Ekels empfindest? Vielleicht hilft hier neben dem Beenden des Verhaltens nach und nach Exposition, z.B. wenn du dein Foto von der Stelle machen kannst und dich mit deinem Ekel darüber auseinandersetzt, während du dich sonst entspannt fühlst. O.Ä.

    Das klingt dramatisch. Ist etwas Unübliches vorgefallen - oder war das das "i-Tüpfelchen"? Ich hoffe, du bist erstmal gut woanders untergekommen? Und kannst da die Nacht in Ruhe verbringen!

    Hallo xblondiex,


    schön, dass du deinen Weg hierher gefunden hast, herzlich Willkommen. Ich habe dich gelesen. Und finde deine Reaktion gar nicht ungewöhnlich. Gerade, wenn man eine Vergewaltigung erlebt hat, ist es wichtig, dass man selbst entscheidet und die Kontrolle hat. Genau das wurde einem ja genommen. Manchmal ist es auch null sinnvoll gerade z.B. zu männlichen Schulsozialarbeiter oder Psychologen geschickt zu werden, sondern, wie du es auch beschreibst, eher schädlich. Ich finde nicht, dass du dich da gegen Hilfe verstellst. Ich denke eher, du reagierst gesund.


    Dass du keine gute Erfahrung mit einem Psychologen gemacht hast ist schade. Allerdings sind nicht alle gleich und z.B. eine gute Traumatherapie, ggf. bei einer Frau kann komplett anders verlaufen. Auch nicht jede Behandlungsmethode ist gleich. Irgendwas in dir will ja schon iwie Hilfe, aber Druck von außen - nicht hilfreich, deinen Worten nach zu urteilen.


    Natürlich kann man die Besorgnis deines Umfelds verstehen. Vielleicht wäre ein guter Weg, dem Druck und deinen eigenen Bedürfnissen zu begegenen, indem du Grenzen aufzeigst. Du hast jedes Recht zu sagen, dass das nicht hilfreich für dich ist. Gleichzeitig ist für dich selbst vielleicht eine Beratungsstelle, wie etwa Wildwasser, die richtige Adresse. Dann kannst du deiner Lehrerin sagen, dass du in Beratung bist und sie der Rest quasi nicht kümmern braucht. Für dich ist es vielleicht einfach eine Druckentlasung, wobei du komplett selbst entscheiden, was du möchtest und was dir hilft und ob du einmal, keinmal hingehst oder gar nicht sagst oder eben verstehen lernst, warum du gerade so agierst.


    Viele Grüße,

    grany

    Stark, dass du das gemacht hast! Sobald das angelaufen ist, nimmst du es bestimmt auch als Entlastung und nicht, so der derzeitige Eindruck, als zusätzliche Belastung wahr. Lasten hast du ja genug, ein paar mehr Schultern ist da sicherlich ratsam.

    Lernpsychologisch gesehen funktioniert es übrigens eh nicht, solche Sachen "vor sich her zu schieben", das belegt nur dein Arbeitsgedächtnis und hindert dich am Lernen. Von dem her, ist die Mail doppelt gut! Top!

    • fragt sich, ob Franz eine Gehirnerschütterung hat(te) oder das von der Nase kam
    • ist zu müde zum Schlafen
    • fragt sich, ob es das wert war
    • mag sowas nicht mehr
    • drückt Franz die Daumen für Vermeidung von Fliesenkontakt und Rückerstattung
    • kriecht auf dem Zahnfleisch
    • zieht das jetzt stur durch :az:
    • gehen die Worte aus
    • wünscht allen, die´s brauchen, gutes Durchhaltevermögen
    • ist mal ne Weile offline
    • hat im RL zu viel zu tun
    • muss sich schwer zusammenreißen
    • fängt gleich an
    • winkt in die Runde

    Hallo Annie90,


    hm, ja, für mich nicht schockierend, weil das ist ja auch nicht vom Himmel gefallen, sondern war nicht ganz unwahrscheinlich. Aber ich verstehe deinen Schock und kann mir gut vorstellen, dass das erstmal komplett überfordert. Gut, dass du gleich den Arzttermin ausgemacht hast. Falls sich das bestätigt und du möchtest die Schwangerschaft fortführen - wirst du auch hier definitiv deine Essstörung ansprechen müssen! Allerdings kannst du das natürlich auch erstmal mit der Bera besprechen/vorüben, muss ja nicht sofort sein, allerdings zeitnah.


    Noch besser womöglich, wenn du auch gleich nach Therapeuten suchst und da ggf. auch was ausmachst. Das kann nämlich auch eine Weile dauern, bis man einen Platz bekommt oder jemanden findet, der zu einem passt. Schade, dass es da erst solchen Druck braucht und du das nicht gänzlich um deinetwillen machst. Schön, aber dass du direkt Verantwortung übernimmst und überhaupt etwas verändern möchtest - das macht auch selbst dann nicht jeder! Aber vielleicht ist das eben die Weiche in deinem Leben, die es dir ermöglicht, aktiv die Dinge anzugehen, auch für dich.


    Du hast ja erstmal dann noch den zweiten Bera-Termin und kannst das sicherlich auch dort ansprechen. Die Frage ist ja auch, wie es jetzt mit deinem Mann weitergeht, ob du ihm das sagst, wie wo was...


    Und sollte sich die Schwangerschaft bestätigen, solltest du dich auch beraten lassen und reflektieren, was du eigentlich möchtest.


    Es steht ja auch die provokante Frage dann im Raum: ob du dir für deinen Kind einen Vater wünschst, der zu so etwas fähig ist. Z.B. bei einem Mädchen - welche Dynamik vermittelt das einem Kind, wenn es unter diesen Umständen gezeugt wurde? Die Dynamik ist ja nicht einfach "weg", weil es jetzt geklappt hat. Was für ein Frauenbild wird so einem Kind dann vermittelt - v.a. wenn du selbst das deckelst würdest und "heile Familie" spielst. Sowas wirkt sich definitiv auf ein Kind aus. Aber das sind Fragen für die Therapie. Dennoch: hier ist eben ggf. jetzt auch die Verantwortung für das ungeborene Kind zu übernehmen, selbst wenn du das für dich verdrängen möchtest oder es nicht aushälst, da hinzuschauen. Dann gilt es, Kompetenzen zu erwerben (zB. über die Therapie) die dich dazu befähigen, das anzuschauen, um eben eine gesunde und psychisch sichere Entwicklung für das Kind zu ermöglichen. Heisst ja nicht, dass du deinen Mann verlassen musst oder so, sondern erstmal, dass du unabhängig von deinen Ängsten die Verantwortung für dein Leben übernimmst und falls du dich dafür entscheidest - für dein Kind. Zumindest meiner Meinung nach.


    Vielleicht ist auch ein Postfach hier etwas für dich ;).

    Ich wünsche dir ganz viel Kraft und hoffe, du findest den Mut, die Dinge nach und nach zu sortieren und eins nach dem anderen anzugehen ohne dass du alleine vor dem Berg stehst.

    Hallo Annie90,


    stark dass du da warst!


    Schade, dass du dich so schlecht jetzt fühlst. Das selbstzufügen resultiert ja aber gerade aus solchen Gefühlen! Und hat somit einen Zweck, hilft dir also auch bei iwas, d.h. so "böse" ist das auch wieder nicht. Wenn du kannst, distanziere dich etwas von den aktuellen Gefühlen. Du hast ja gerade eben etwas dagegen unternommen, dass du dich weiter schädigst. Das Gefühl ist also nicht ganz so realistisch, dass du dich dafür "hasst (?)", ausgerechnet in dem Moment, wo du etwas Zustand für den du dich "hasst" geändert hast. Wichtig wäre, zu versuchen, nicht nach dem Gefühl zu handeln.


    Wenn du diesen Weg weiter verfolgen möchtest, dann ist auch nicht jedes Bera-Gespräch so schlimm und stressig. Der hilfreiche Aspekt /Routine / Sicherheit im Gespräch gewinnt dann mehr Bedeutung.


    Du brauchst wahrscheinlich ein paar Tage, damit sich das setzen kann? Dannach kannst du ja mal schreiben, ob du den zweiten Termin wahrnehmen möchtest und ob sich etwas zu deiner Bereitschaft zur Therapie verändert hat.


    Jetzt wünsche ich dir aber erstmal gutes Verankern im Hier und Jetzt.

    Hallo Anni90,


    vielleicht hilft es dir, auch zu wissen, dass bei Essstörungen die Schuld- und Schamgefühle zum Krankheitsbild dazugehören. Sieh es mal so: wenn du dich ständig schuldig fühlst und schämst und deine Handlungen von diesen Emotionen leiten lässt, sprich dich nicht zur Beratungsstelle traust, dir die Schuld gibst etc. -> was passiert dann? Handelst du nach diesen Emotionen (die aus deiner Krankheit entspringen), verstärkst du deine Krankheit, weil du nichts verändern kannst, keine Hilfe in Anspruch nimmst, nicht darüber sprichst,... -> optimale Voraussetzungen für erneutes ungesundes Essverhalten. Das hattest du so schon. Daher ein paar Impulse: darfst du dir nicht helfen lassen, wenn du "schuld" hast? Was passiert wenn du den Satz bejahst mit dir, wie entwickelst du dich dann?


    Vielleicht gelingt es dir, diese Schuld und Schamgefühle wahrzunehmen, aber dir zu sagen, dass du auch noch mehr bist als das. Und es nicht darum geht, wer oder was schuld ist. Du hast ein Problem. Du brauchst Hilfe. Wie das Problem zustande kam wird gar nicht bewertet oder steht jetzt nicht auf dem Arbeitsplan. Die Schuld- und Schamgefühle sind ein anderes Thema, jetzt ist der Istzustand, nicht der wie-ist-das-passiert-Zustand-> was passiert wenn du so denkst? Ich denke, du bleibst handlungsfähig und kannst daran arbeiten. Bei dem anderen Ansatz wirst du leider eher nichts verändern, außer dich "zusammenzureißen, Kontrollversuche und dann wieder daran zu scheitern,etc.etc." Wenn jemand z.B. Alkohol trinkt, werden die eigentlichen Gefühle verstärkt, Dinge, die unalkoholisiert eine gemäßigte Gefühlsregung auslösen, sind jetzt ein Orkan und haben nur noch wenig Bezug zur ursprünglichen Auslösesituation. Ähnlich ist es bei Essstörungen. Die Schuld- und Schamgefühle sind manchmal wie ein Orkan. Aber man kann es sich auch als Welle vorstellen, je länger du nicht danach handelst, desto mehr nimmt sie ab. Natürlich gibt es Rückfälle, aber es wird langfristig besser. Wenn du das Gefühl aber ständig fütterst, wird es auch immer mehr Raum einnehmen, obwohl es jetzt gar nicht dran ist und dann der Raum für das eigentlich - die aktuelle Problemsituation - gar nicht mehr gesehen werden kann.


    Was zwischen dir und deinem Mann ist, muss jetzt auch hier nicht beurteilt werden. Es kann sein, dass du da einfach momentan deine Wahrnehmung benötigst, da es tatsächlich eine Schutzfunktion hat. Erst in einer stabilien therapeutischen Bindung, wo Sicherheit herrscht, sollte man an sowas feilen, mit einer Vertrauensperson. Allerdings gibt es auch Anteile in dir, die zumindest eine Teil-problematik da jetzt aktuell sehen, wie es scheint. Es ist auch wichtig, die Wahrnehmung so stehen zu lassen. Es kann für dich mehrere Wahrheiten gleichzeitig geben. Solange du für deine äußere und innere Sicherheit etwas tust, ist das für den Moment manchmal nötig, bis du es verändern kannst/willst.


    Solche Impulse und Strategien lernt man übrigens in einer Therapie ;) Wirklich, ich würde es mir für dich wünschen. Du kannst jederzeit aus dem Bera-Gespräch gehen. Nur weil du dahingehst, passiert wie gesagt gar nichts. Keine Veränderung. Du hast komplett die Kontrolle und du musst gar nichts machen. Bloss weil du dahingehst, heisst das nicht, dass du dann weitere Sachen machen musst. Schau es dir einfach an. Der erste Schritt ist getan, du hast hier geschrieben, du hast dir einen Helfer (dein Freund) organisiert und einen Beratermin vereinbart. Wenn du dich wirklich verändern willst, schaffst du es auch, über die Hürde der Schuld-/Scham zum Gespräch zu springen. Das wäre schon ein Schritt der Veränderung, weil du entgegen dem Muster handelst. Schon allein dafür lohnt sich das Gespräch. Aber es ist deine Entscheidung. Und das kann dir niemand abnehmen. Denn du musst auch bereit für Veränderung sein, sonst wird schnell alles wieder zurück auf Anfang gehen. Zumindest meiner Erfahrung nach.

    Hallo Anni90,


    ein großer Schritt in Richtung gesundes Leben! Wirklich mutig, aber auch der einzige Weg, wenn du die Richtung verändern willst. Klar, dass es erstmal schlimm erscheint, das gewohnte zu verlassen und etwas zu verändern, das kostet auch sicherlich innere Sicherheit. Aber es muss schließlich anders werden, um anders zu sein. Und wenn du es selbst in die Hand nimmst, hast du wieder mehr Kontrolle in deinem Leben, auch wenn es sich vielleicht erstmal nach dem Gegenteil anfühlt.


    Es hat ja auch einen Grund, warum du die Sachen die du schreibst hier schreibst. Ein Teil von dir scheint ja schon bereits zu ahnen, wo was los ist. Ich will dich nicht schocken, aber ich mache auch so Sachen der Verharmlosung nicht mit. Ich habe jetzt lange drüber nachgedacht, aber Transparenz wärt am längsten. Und ich denke du hättest sowas nicht geschrieben, wenn du es nicht eigentlich wissen würdest:


    Zitat

    Weiter geschehen Dinge in meiner Ehe, die ich manchmal nicht richtig einordnen kann..

    Auch dann, wenn ich damit nicht einverstanden bin...oder dann, wenn ich bereits schlafe.

    Ich formuliere es mal um: Dein Ehemann schläft also mit dir, auch wenn du dagegen bist oder nicht zustimmen kannst, weil du schläfst? Das ist in Deutschland eine Vergewaltigung: 177.html . Und daran ändert auch eine Ehe oder ein Kinderwunsch nichts. Kein Wunsch rechtfertigt das. Du liebst ihn? Liebt er auch dich? Überleg mal, wie du reagieren würdest, wenn dir deine beste Freundin das von ihrem Mann erzählt.

    Ist okay, wenn du das erstmal auf sich beruhen lassen willst. Aber bitte fang auch an bei der Beratungsstelle, wenn du Vertrauen fasst darüber zu sprechen. Bloss weil du darüber sprichst, mit welchen Worten auch immer, heisst das nicht, dass sich irgendetwas verändert! Auch hier nicht. Du verlierst nicht deine Familie oder deinen Mann, weil du mit jemand fremden darüber sprichst. Du hast die Kontrolle darüber, was passiert, wenn du redest, heisst das nicht, dass etwas anderes passiert - darüber kannst du dann gesondert entscheiden. Also hab keine Angst, da mal mit jemanden gemeinsam hinzuschauen. Erstmal ändert sich im Außen gar nichts, wenn du nicht willst.

    Hallo SecretMe,


    was sind die Vorteile davon, es deiner Bera nicht zu erzählen? Vermeidest du damit unangenehme Gefühle (beim Erzählen?)

    (Und die Vermeidung davon ist eigentlich kein Vorteil)

    Oder ist es eher so, dass du die Reaktion deiner Bera nicht magst? Was passiert negatives (mit dir), wenn du es erzählst?


    und was sind die Vorteile, es der Bera zu erzählen?


    Und wieso verwendest du mehr Energie darauf, das zu entscheiden, als zum Tun? Bzw. über die Entscheidung, dass du dich entscheiden musst zu sinnieren / das zu terminieren. Wieso nicht sofort entscheiden und mehr Energie ins Tun /bzw. Akzeptieren des Nichttuns geben und das darüber Grübeln lassen. Das wäre deutlich zeit- und energiesparsamer, oder?


    Nur meine Gedanken dazu ;)