Beiträge von RunningFree

    Hallo Emilia,

    mein Mitgefühl, Sympathie, Verständnis für Dich. Fast exakt diese Phasen und Situationen habe ich auch mit einem Mann in sehr ähnlicher Lage erlebt. Erst eine lange Therapie, dann direkt Rückfall, wochenlange Koksabstürze, Verschwinden und Verstecken, seine psychische Krisen mit Selbstabwertung und Verzweiflung. Es hat mich mit in die Tiefe gezogen, auch wenn es nicht meine Krisen waren - einfach durch das ständige Grübeln darüber. Man ist da sowas von verwoben, auch wenn man nicht zusammen lebt und Finanzen noch so sehr trennt, dafür reichen doch schon das Gefühl, die gemeinsamen Pläne, die Hoffnungen. Und man muss selbst ausnüchtern, so weh es tut. Ehrliche Bestandsaufnahme und Abgrenzung ist schwer, aber auf Dauer wahrscheinlich unerlässlich, gerade wenn so eine gravierende Suchtgeschichte da ist. Es klingt, als seist Du auf dem Weg sehr weit. Ich weiß auch aus eigener Erfahrung, wie sehr man sich selbst immer wieder zur Ordnung rufen muss. Bei mir war es so, dass meine große Liebe zu ihm dabei mit der Zeit unter die Räder gekommen und so einem etwas undefinierbaren Gefühl gewichen ist. Egal ist er mir definitiv nicht, aber er muss jetzt alles größtenteils allein hinkriegen, damit leb ich eigentlich ganz gut - was mir zum Glück wieder wichtig geworden ist. Den Rest soll die Zeit bringen. Hast Du denn jemanden zum Sprechen, abseits von ihm? Das kann helfen.


    Liebe Grüße von RF

    Liebe Ninjana,


    Von meiner Seite einfach mal ganz viel Kraft und eine Portion Zuversicht für die kommende Zeit. Es kostet bestimmt viel Energie, die Trennung gerade jetzt durchzuziehen und beizubehalten, und ich wünsche Dir sehr, dass Du das gut schaffst. Und lass Dich bitte nicht verrückt machen - Dein Kind hat Dich, und das ist das Wichtigste! Es ist nicht hilfreich, jetzt herumzuunken, welche Schäden da vielleicht entstanden sein könnten. Oder sich das Hirn zu martern, warum das Kind mit diesem Mann entstanden ist. Du hast ihn geliebt und ihm vertraut und gehofft, dass er es irgendwann packt. Ich kann das so gut nachvollziehen. Aber auch, dass irgendwann die Grenze überschritten ist.


    Bitte schau vor allem nach vorne und gut auf Dich und dass Du Unterstützung bekommst. Hast Du Freunde und Familie, die Dich jetzt begleiten können? Vielleicht findest Du ja in der Nähe eine Selbsthilfegruppe für Angehörige, wenn das wieder in Dein Leben passt - mir hat das sehr geholfen, wieder zu mir zu finden.


    Liebe Grüße,

    RF

    Hi Sunny789,


    Du machst viel von diesem Freund von ihm abhängig - aber es geht um Dich und ihn und ob Du damit klarkommst, dass er süchtig ist. In Deinem Eingangstext hattest Du entsprechende Schwierigkeiten beschrieben, von wöchentlichen Abstürzen bis zur mangelnden Einsicht. Ich weiß, wie sehr man sich da verstricken kann. Siehst Du aktuell denn ernsthafte Bemühungen bei ihm, vom Koks loszukommen? Entgiftung/Reha/Psychotherapie oder ähnliches? Was meinst Du denn mit dieser Nummer, bei der er angerufen hat?


    LG, RF

    Hallo michael39,


    möchte mal fragen, wie es Euch mit dem Brief ergangen ist, falls Du ihn Deiner Frau bereits gegeben hast? Hast mein Mitgefühl und meine Solidarität, auch wenn ich in einer etwas anderen Situation bin. Dieses Abstrampeln und alles versuchen und immer wieder aufstehen und nochmal Brücke bauen und erneut damit auflaufen zehrt einfach so sehr.


    Du schreibst, Du redest mit der Psychiaterin nicht mehr über die Sucht Deiner Frau, weil es Dir peinlich ist und Du es empfindest, als ob Du sie verrätst - vielleicht würdest Du Dich in einer Selbsthilfegruppe mit dem Thema besser aufgehoben fühlen? Mir hat das gut getan, gerade weil dort auf Augenhöhe gesprochen wird. Mein Freund ist seit langen Jahren kokain- bzw. crack-abhängig und auch mir hat das neben sehr viel Kummer auch immer wieder Scham und Selbstzweifel beschert und das Gefühl, ich hintergehe ihn, wenn ich das wo auch immer anspreche.


    Möchte Dir auch sagen, dass ich klasse finde, wie Du Deinen Weg gefunden hast - was sicher oft sehr steinig war - und wie sehr Du nach einem Weg auch für Euch suchst. Du klingt sehr klar und gar nicht von oben herab. Umso mehr würde ich Dir wünschen, dass Deine Frau erkennt, dass Du eigentlich etwas positives für Euch als Familie möchtest, dass Deine Sorgen begründet sind und es eine Überlegung wert ist, Hilfsangebote anzunehmen. Ich hoffe, es ist okay für Dich, das anzusprechen, aber Du schreibst von Verachtung in Ihrem Verhalten, von wiederkehrenden Schuldzuweisungen an Dich für alle Konflikte, und dass Du sie verlierst, wenn Du mit jemandem das offene Gespräch suchst, das klingt nach viel Druck. Daher mal abseits der Sucht die hoffentlich nicht zu persönliche Frage: denkst Du, da sind von Euch beiden noch genügend positive Gefühle füreinander, um die Partnerschaft aufrecht zu erhalten? Falls ja, käme vielleicht zunächst einmal eine Beziehungspause oder Trennung auf Zeit in Frage, um als Signal an sie zu untermauern, dass Du es ernst meinst? Alles nur mal so Gedanken...


    Ich wünsche Dir einfach, dass sich etwas bewegt,


    liebe Grüße, RunningFree

    Hallo,


    das Hin- und Hergerissensein kenne ich nur zu gut und dass man den Menschen nicht aufgeben möchte. Aber ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass man gegen Kokainabhängigkeit als Familie mit so Mitteln wie Tür abschließen, Handy abgeben, "bewachen" und keinen Zugriff zu Geld gewähren ankommt. Ewig werden die Eltern nicht die private Entzugsklinik für ihn spielen können. Vor allem aber kommt es auf ihn an und ob er die Droge wirklich aufgeben will. Gibt's da nicht vielleicht sowas wie eine unabhängige Stelle auch im Falle von Soldaten, wo man sich mal neutral und anonym beraten lassen kann was auf ihn zukäme, wenn er sich vielleicht doch offenbart?


    Bei meinem Freund sind nach einem Rückfall nach Langzeittherapie vor einem Jahr alle neuen Anläufe nur halbherzig verlaufen. Ich versuche deshalb, so gut es geht auf mich zu schauen, damit geht es mir einigermaßen okay. Bin unabhängig mit eigener Wohnung und Job und wir haben keine gemeinsamen Kinder. Die Hoffnung, dass er irgendwann dauerhaft aufhört, hab ich so gut wie aufgegeben. Wenn Geld da ist, wirft er schnell alles über Bord. Die Beziehung läuft auf kleinster Sparflamme. Ganz getrennt habe ich mich aber nicht, auch wenn Viele dazu geraten haben. Ich mag ihn einfach, und wir kennen uns seit über 30 Jahren.


    Übrigens wohne ich auch in so einem Neubaugebiet mit scheinbar heilen Familien drumrum. Das ist doch auch viel Fassade. Würde versuchen, das auszublenden. Vor allem geht es jetzt drum, dass es Dir und den Kindern besser geht. Hattest Du schon mal telefonischen Kontakt zu Drogenberatung? Die machen auch Angehörigenberatung. Und die Selbsthilfegruppe, die ich kontaktiert hatte, trifft sich derzeit per Videochat - vielleicht gibt's sowas auch bei Dir, das spart Wege - nur als Tipp.


    LG, RF

    Hallo Angehoerige,


    denke, Du hast richtig gehandelt, erstmal eine räumliche Distanz zu schaffen. Den Kindern kannst Du das vielleicht erstmal mit einem Streit begründen, den Du Ihnen erst später genauer erläutern kannst. Grundsätzlich kann man das Thema aber schon auch einigermaßen kindgerecht versuchen zu vermitteln. Im Netz oder bei Angehörigenberatung findest Du dazu bestimmt Hinweise. Wie hier schon in anderen Fällen beschrieben, Kinder kriegen eh meist mehr von sowas mit, als man denkt.


    Sonst wäre mein Rat ehrlich gesagt, die Hoffnungen erstmal nicht allzu hoch zu hängen, dass er das anpackt und ihn vielleicht auch nicht schnell wieder mit offenen Armen aufzunehmen, falls er sagt, dass er nix mehr konsumiert. So schwer das auch ist. Ich hab den Fehler immer wieder gemacht und bin immer wieder vor die Wand gelaufen damit und alles ist im Sand verlaufen. Letztlich kannst Du das natürlich nur selbst für Dich entscheiden. Du sagst aber ja, es geht Dir viel besser, seit er weg ist. Das ist eigentlich ziemlich deutlich. Seine Eltern können da nix machen. Er muss für sich entscheiden, ob er was ändern will und es angehen. Freunde sind da auch nicht immer die verständnisvollen Berater, ging mir auch so. Die regen sich schnell auf und raten reflexartig zur Trennung, bedenken aber nicht, wieviel da vielleicht mit dranhängt. Falls bei Dir greifbar wäre vielleicht eine Angehörigenberatung oder Selbsthilfegruppe hilfreich. Könntest Du mit den Kindern in dem Haus bleiben?


    Liebe Grüße, RF

    Liebe Ninjana,


    letztlich kann man nur für sich selbst entscheiden, was man schafft, mitzutragen. Vielleicht doch gar nicht so verkehrt, auch mal verschiedene Szenarien durchzuspielen. Ich kenne auch sehr gut, dass man sich nicht in Richtung Trennung raten lassen möchte. Da fühlt man sich noch kleiner, hilfloser und in die Ecke gedrängt. Dir geht's vermutlich wie mir lange, man hängt halt sehr an der Hoffnung, dass dieser Mensch, den man so mag, es schafft - manchmal mehr, als gut für einen selbst ist. Aber die eigene Hoffnung ist halt in dem Fall nicht ausschlaggebend.


    Aus meiner eigenen Erfahrung würde ich sagen: Stress dürfte Dir mit ihm schon ins Haus stehen, wenn Ihr zusammen lebt und ein Baby da ist. Ich glaube Dir sofort, dass er ein feiner Mensch ist und Ihr Euch liebt. Aber er wird mit sich zu tun haben, mit seiner eigenen Problematik, die viel nach sich zieht - ggfs Rückfälle, Konflikte mit Dir, finanzielle Probleme. Wovon lebt er, wie läuft die Beschaffung, falls er rückfällig wird? Das wäre wichtig, mitzubedenken, damit Du nicht mit in den Strudel gerätst. Bist Du finanziell unabhängig und hast eine eigene Wohnung für Dich und das Kind, wenn es hart auf hart kommt?


    Mein Freund ist nach jahrelangem H-konsum mit anschließender Substitution in jungen Jahren seit mittlerweile über 20 Jahren mit K unterwegs. Für mich gibt es da kein "nur" - es ist für mich als Außenstehende die noch schlimmere Droge, weil er häufig Stimmungsschwankungen hat, unruhig ist, schnell aufgebracht, manchmal unterschwellig aggressiv. Und er wird es nach meiner Überzeugung nicht schaffen, das Zeug ohne mindestens nochmalige stationäre Therapie und Umfeldwechsel loszulassen. Und ob dann, weiß ich auch nicht. Er hat in der Hinsicht schon viel zugesagt und nichts gehalten. Ich versuche, das nicht mehr zu meiner Sache zu machen. UKs einfordern - darauf würde ich mich ehrlich gesagt nicht einlassen. Bist ja nicht seine Therapeutin oder die Drogenpolizei. Es ist sein Ding, und er muss da einen Weg rausfinden, in erster Linie für sich. Außerdem kann man diese Tests auch fälschen.


    Es kann bei Euch viel besser laufen, und das wünsche ich Dir sehr, aber dass eine ambulante Therapie einmal pro Woche ausreicht, ist nach meiner persönlichen Erfahrung nicht sehr wahrscheinlich. Was spricht denn gegen stationär für eine Zeit, wenn er es wirklich schaffen will?


    LG,

    RF

    Hallo Ninjana,


    Was Franz schreibt, passt auch auf meinen Freund. Nach dem Rückfall gab's zuerst einen wochenlangen Totalabsturz und seither stetiges Auf und Ab. Er dreht es sich immer so hin, dass es Gründe gibt, warum er gerade jetzt nicht raus kann aus seinem Umfeld, in die Entgiftung, Therapie, in betreutes Wohnen oder sonst was. Wir sind schon noch irgendwie zusammen, aber auf Sparflamme. Ich hab mich zurückgezogen und kümmere mich mehr um mich, seither geht's mir etwas besser. Hätte mich längst konsequent trennen sollen, ich weiß, denn wenn überhaupt, wird sich nur dann nochmal was bewegen. Aber ich bezweifle auch das....

    Ja, bleib unbedingt dabei, gerade in der jetzigen Lage und egal wie er das findet. Dass das alles schon jetzt nicht einfach ist, glaube ich Dir sofort. Klingt vielleicht hart, aber ich würde erstmal nix von ihm erwarten und versuchen, aus Selbstschutz zumindest innerlich auf Abstand zu gehen. Vielleicht kannst Du für Dich über Beratung hinaus neue Kontakte zu Leuten knüpfen, mit denen Du offen reden kannst. Hättest Du denn Selbsthilfegruppe in der Nähe? Findet natürlich momentan auch nicht oder nur eingeschränkt statt...

    Hallo,


    vermutlich hast Du einfach gehofft, dass es dieses Mal gut geht mit ihm und Ihr glücklich werdet - ist doch erstmal menschlich. Wenn man jemanden mag, ist der Verstand nicht immer so mit am Start, wie es eigentlich gut wäre.


    Wichtig wäre jetzt, für Dich selbst zu sorgen, Schritt für Schritt. Und vielleicht erstmal nicht in ganz großen Zeiträumen denken, also "Ich muss mein Kind alleine groß ziehen"... vielleicht bewegt sich ja was bei ihm, wenn er Vater wird - evtl auch noch nicht sofort, aber vielleicht ja mit der Zeit. Aber versuche bitte, Dir keine Vorwürfe zu machen, das bringt doch nix.


    Wohnt Ihr eigentlich zusammen? Und wie steht er denn zu der Schwangerschaft? Die Leute... Lass sie einfach reden. Was einzig zählt ist, dass es Dir besser geht. Du sagtest es ja weiter oben - Krone richten und weiter geht's



    LG

    Hi Ninjana,


    schwierige Lage, aber finde gut, dass Du den Mut nicht verlierst und Dir überlegst, wie es für Dich weitergehen kann. Dass Geld an einen Suchtkranken Mist ist, weiß man ja selbst, trotzdem muss man das Ganze erstmal realisieren. Ich kann Dich da gut verstehen, weil es mir über einen ähnlich langen Zeitraum genauso ging. Todsünde seh ich nach wie vor nicht darin, eher Naivität oder vielleicht, dass ich mich hab allzu bereitwillig blenden lassen. Mir wurden auch immer wieder neue Gründe aufgetischt, warum angeblich dringend Geld benötigt wurde, von Essen bis zur Stromrechnung. Wenn dann noch Gefühle im Spiel sind, denkt man halt, man "hilft" und schaltet die Zweifel leider aus. Du hast ja jetzt alles klar auf dem Schirm, richtig so.


    Wie geht es Dir denn mit der Vorstellung, Dich von diesem Mann zu trennen? Und was würdest Du als ernsthafte Hilfe ansehen, die er sich sucht? Er hat ja schon Therapien hinter sich, sagst Du - auch schon längere cleane Phasen?


    Mein Freund hatte das auch alles durch, was Du von Deinem beschreibst, sich dann vor ca. zwei Jahren wieder zu stationärer Therapie durchgerungen, die auch durchgezogen und ist noch am Entlasstag rückfällig geworden. Soll natürlich nicht heißen, dass es immer so läuft, aber ich denke schon, dass Dein Freund - auch wenn alles gut liefe - Zeit bräuchte, um sich zu stabilisieren - Zeit, die Du mit Schwangerschaft und bald neu geborenem Kind ja eigentlich eher nicht hast... Deshalb such Dir auf jeden Fall alle Beratung und Unterstützung, die Du bekommen kannst. Wie ist es mit Freunden, Du sagst, Du kannst mit niemandem reden? Hast Du evtl die Möglichkeit, in eine Angehörigen-Selbsthilfegruppe zu gehen? Das fand ich wirklich hilfreich.


    Liebe Grüße und ne große Portion Kraft schick ich Dir,


    RF

    Er muss selbst für sich entscheiden, ob er dort hingeht. Lass ihn das organisieren, sonst hat es nach meiner Erfahrung wenig Sinn und Du reibst Dich nur auf und erlebst dann tiefe Enttäuschung, dass er nicht dort hin ist. Was genau sind denn die Lügen, die Du ihm vorwirfst? In dem Moment, als er sagte, dass er auf die Station will, hat er es ja vermutlich auch so gemeint. Aber so ne Motivation über Tage aufrecht zu erhalten muss nicht klappen...

    Verstehe Dich gut. Scheinbar sind das ja vorübergehende Phasen bei ihm? Vielleicht könnt Ihr ja nach dem aktuellen Konsum nochmal offen sprechen. Versuche, das Lügen nicht persönlich zu nehmen. Das geht nicht gegen Dich, er ist suchtkrank und bräuchte therapeutische Hilfe. Das Problem mit der fehlenden Zeit für die SHG kenne ich - aber Du musst Dir ja nicht gleich einen wöchentlichen Termin vornehmen. Es kann schon gut tun, erstmal telefonischen Kontakt aufzunehmen und zu wissen, dass Du gelegentlich dort ein offenes Ohr findest. Gut, dass Du Dir Rat bei der Suchtberatung holst, die sind auch kompetent. Wünsche Dir, dass Du gute Ansprechpartner dort findest und Dir das weiter hilft.


    Liebe Grüße, RF

    Hallo Igraine,

    Respekt für Deine Entscheidung. Wünsche Dir den Mut und die Kraft, dabei zu bleiben. Im Stich gelassen muss er sich nicht fühlen - Du hast ihm ja klargemacht, dass er sich melden kann, wenn er sich Hilfe gesucht hat, das ist doch gut so. Du kannst das nicht leisten und seine Mutter auch nicht. Der Schmerz wird mit der Zeit weniger, auch wenn man sich das erstmal nicht vorstellen kann. Bin selbst leider immer wieder zu wenig konsequent, aber weiß, dass alle Halbherzigkeit und jedes Hintertürchen, das man offen lässt, nix bringt und einen nur in diesem Dilemma festhält. Wie Franz schon schrieb: wenn ihm was an Euch liegt, wird er es sich überlegen. Mein Rat wäre, Dich dann nur von Taten überzeugen zu lassen, nicht von wolkigen Plänen, aufzuhören. Hast Du für Dich mal über Selbsthilfegruppe für Angehörige nachgedacht? Das kann ganz hilfreich sein.


    Liebe Grüße,

    RF

    Hallo Anni,


    finde gut, was Du für Dich erreicht hast. Du hast Dir professionelle Hilfe gesucht und er wird ausziehen. Und Du hast ihm klargemacht, dass es so für Dich nicht weitergeht.


    Ist bestimmt nicht leicht, mit seinen Ausfällen und tagelangem Verschwinden zurechtzukommen. Auch wenn Du, wie Du schreibst, härter geworden bist - ohne Sorgen geht das bestimmt nicht ab. Letztlich hat nur er es in der Hand, sich erneut Hilfe zu suchen. Wie geht es denn Eurem Sohn mit der Situation?


    Liebe Grüße RF

    Naja, alleine im Keller oder der abgedunkelten Wohnung zu konsumieren spricht doch eigentlich vor allem dafür, dass er ziemlich drinhängt, nicht will, dass andere was mitbekommen und dass er Kontakte zu seinem Umfeld gerade kaum noch hinbekommt. Kenne ich von meinem Freund, der auch von paranoiden und depressiven Phasen während/nach Konsum erzählt hat. Mit Party machen hat das eh nix mehr zu tun. AdHS war da auch während Therapie im Gespräch, wurde aber ziemlich bald ad acta gelegt. So eine Diagnose bringt ehrlich gesagt auch nicht viel weiter.


    Dein Bruder hat auch noch den Druck mit Frau und Kindern, denen er sich so bestimmt nicht zeigen will. Da schottet er sich halt ab, so lange er was hat, wo ist ihm vermutlich egal, Hauptsache mehr oder weniger versteckt. Kenne das so gut, ist traurig. Wie lief denn der Auszug, hat Deine Schwägerin das hinbekommen, Besorgtsis ?

    Hab jetzt einige Gespräche für mich geführt und sehe manches klarer. Was bleibt ist die Angst, dass er hinter verschlossenen Türen kollabiert oder sich was antut. Das nimmt einem kein Gespräch, da steckt man als einzig nahestehender Mensch in nem riesen Dilemma. Klar ist letztlich alles seine Entscheidung - das kapiert auch mein Verstand. Aber damit zurechtkommen ist eine andere Hausnummer. Hab ihn auch zwischendurch kurz gesehen, weil ich ihm seine Sachen gebracht hab. Nach fast zwei Wochen mit Konsum und Rumlungern in der verbarrikadierten Wohnung. Er sah schlimm aus und stand ziemlich neben sich. Alles noch seine Entscheidung? Oder doch Fall für den Notarzt? Ich weiß es nicht...

    Danke, Franz, für Deine klaren und ehrlichen Worte. Ich habe gestern kurz mit seinem Bezugstherapeuten telefoniert, der mir geraten hat, ihm zu eine Frist zu setzen und dann den Notarzt zu verständigen, wenn er gar kein Lebenszeichen von sich gibt. Es könne ja auch sein, dass ihm was passiert ist oder er suizidal ist. Darauf hat er dann mit einer knappen Nachricht reagiert - kurz nach Ablauf der Frist. Es tue ihm leid, ich solle mir keine Sorgen machen, sein Kopf... Ich bin auch sicher, dass es ihm Scheiße geht, genau so wie Du es beschrieben hast - er hat mir oft genug von seinem Selbsthass erzählt. Aber hilft ja nix.


    Ich habe ihm jetzt dringlich gebeten, sich Hilfe bei Drogenberatung, Klinik oder Telefonseelsorge zu suchen und nicht damit zu warten. Hab ihm heute auch noch die Durchwahl des Therapeuten gegeben - alles schriftlich, mit mir reden will er ja nicht, und vielleicht ist es gerade auch besser so. Damit lasse ich es jetzt bewenden. Die Sachen stelle ich ihm morgen vor die Tür.


    Mich gegen ihn abschotten muss ich im Moment nicht - er vergräbt sich ja eh. Wie das in einigen Tagen aussieht, werde ich dann sehen. Klar ist, dass es für mich kein Zurück in die "alte" Beziehung gibt. Das ist echt kein Leben.

    Hallo,


    gestern früh habe ich meinen Freund nach fast zehn Monaten Entgiftung, Langzeittherapie und Adaption aus der Klinik abgeholt. Er hat die Zeit "unfallfrei" überstanden und nach meinem Eindruck viel für sich mitgenommen. Unser Umgang miteinander war in der Zeit offen und ehrlich wie nie. Wir haben endlich Probleme angesprochen, zusammen Lösungen gesucht, statt sie zu verdrängen. Wir haben Paar-Gespräche wahrgenommen. Ein neues Kennenlernen - ich dachte, das haben wir geschafft.


    Wir sind guter Dinge dort gestartet gestern morgen. Das Abschlussgespräch mit der Therapeutin, an dem wir gemeinsam teilnehmen wollten, fiel leider flach, weil sie sich krank gemeldet hatte. Macht nix, sagte er, er werde es telefonisch nachholen.


    Auf der Heimfahrt haben wir die Zeit mit allen Höhen und Tiefen Revue passieren lassen und darüber gesprochen, wie es weitergeht. Er hat Termine bei ambulantem Therapeuten ausgemacht und sich um Nachsorge bei Drogenberatung gekümmert. Ich hab ihn bestärkt wo ich nur konnte. Gestern und all die Monate davor.


    Ich habe ihn dann bei ihm daheim abgesetzt, weil er kurzfristig was fürs Jobcenter erledigen wollte. Nachmittags wollte er bei bestem Wetter eine Fahrradtour zu mir machen. Wir haben vormittags nochmal kurz telefoniert und er schrieb mir später noch zwei liebevolle Nachrichten. Nachmittags kam er nicht und war auch nicht telefonisch erreichbar. Bin spät abends mit mulmigem Gefühl zu ihm. Er ging nicht an die Tür, der Schlüssel steckte von innen, die Klingel war abgestellt. Alles wie früher. Und so ist es bis jetzt.


    Er hat bis zum Tag seiner Entgiftung gekokst und ich befürchte, er hat gestern nahtlos weitergemacht. Willkommen in der Wirklichkeit. Ein Happy End ist nicht in Sicht.


    Vermutlich gibt es nicht viel dazu zu sagen, aber ich bin trotzdem für jedes aufbauende Wort dankbar. Und ich hab es trotzdem aufschreiben wollen, um mit diesem eisigen, leeren Gefühl fertig zu werden. Mein ganzes Auto ist noch voll mit seinen Sachen, die ich ihm abends eigentlich bringen wollte.


    Sein Therapeut sagte mal zu mir, wenn er rückfällig wird, entscheidet er sich für die Droge und gegen die Beziehung. So hart und so einfach ist es.


    Macht's gut und passt auf Euch auf,

    RF