Heute ist ein seltsamer Tag.
Ich bin ziemlich angespannt, zittrig, aber es geht mir nicht schlecht.
Heute morgen hab ich ziemlich viel svv gemacht, seitdem ist der svv Druck endlich mal deutlich weniger.
Auch Medis hab ich genommen. Die wirken nicht so schnell, aber vielleicht ist es nur das Gefühl, es geschafft zu haben, sie zu nehmen. Oder das Zittrige ist eine Nebenwirkung, ich glaube, das stand im Beipackzettel.
Ich hab sogar etwas gegessen, zwar ziemlich wenig und recht spät, aber es ist besser als sonst in den letzten Tagen.
Morgen ist reguläre Therapie. Also nicht ganz regulär, eigentlich hätte ich heute gehabt. Aber er war heute noch im Urlaub. Und er hat gesagt, dass er mich in dieser Woche sehen will, bevor er in den Urlaub fuhr.
Ob er es wohl bereut? Ich denke immer wieder über das Telefonat gestern nach. Was ich gesagt hab, was er gesagt hat. Ich hab ein ganz... schlechtes Gefühl. Ich kann es nicht genau benennen.
Mal sehen, ob ich dem auf die Spur komme.
Ich glaub, es war für ihn ebenfalls anstrengend, das Gespräch. Was ja eigentlich völlig okay wäre. Wie ihr hier schon geschrieben habt, es ist sein Beruf. Trotzdem hab ich das Gefühl, dass ich ihn.... benutzt habe? Erpresst habe?
Ich glaube, er hat sich Sorgen gemacht. Um mich. 

Er hat irgendwann gegen Ende des Gespräches gesagt, dass ich meinem Mann wichtig sei, meinem Kind und ihm auch.
Und ich hab neben Ablehnung und Panik auch..... etwas anderes gefühlt.
Ich hab Angst, dass ich davon mehr haben will..... Von diesem Gefühl. Ich möchte wegrennen vor diesem Gefühl, es abschneiden, wegbrennen. Denn sonst endet das in einer Katastrophe. Es kann nicht sein, was nicht sein darf....
Ich hab es schon immer gehasst, wenn sich jemand Sorgen um mich macht. Ich bin immer vor diesem Gefühl weggerannt.
Der Impuls, zu schweigen, nicht mehr zu zeigen, wie es mir geht, ist gerade übermächtig. Nichts mehr zu sagen in der Therapie. Gegenüber der Umwelt. Alles zurück zu drehen, zu sagen, "Hey, alles ein Irrtum, ich bin gar nicht krank, ich hab nichts", fröhlich zu sein, alles für mich zu behalten. Diese Gefühle zu begraben, so tief es nur geht. Sie zu vergessen. Einfach mein Leben wieder aufnehmen. Und die Schwärze in mir zu verbergen, allein damit zu bleiben und allein damit umzugehen. Alle Hilfe von mir zu weisen, weg zu schubsen.
Ich spüre, wohin das führen würde.
Die Frage ist doch, warum ich mich um Hilfe bemühe, mich um Therapie gekümmert habe, hier schreibe, mit S. gesprochen habe und mit C. Und dann kneifen will, alles wieder zurück drehen möchte.
Gestern sagte der Thera, dass das svv nach seiner Einschätzung dann so eskaliert ist, als wir den Grund gefunden hatten. Diesen nichtigen kleinen Grund. Der so... banal ist, dass ich kotzen könnte. Ich kann nicht glauben, dass es so trivial ist. Nichts, wo jemand von außen sagen würde: "Ach, das ist dir passiert? Jetzt verstehe ich gut, warum du so leidest". Sondern eher etwas, wo die meisten (auch gesunden) Menschen sagen: "Ach, das ist dir passiert? Mir auch. Und noch schlimmer als dir (natürlich nicht so plump, ich höre, was sie erlebt haben und denke, dass es schlimmer war als bei mir) ".
Die Reaktionen, die ich unwillkürlich zeige, wenn es zu diesem Thema kommt, sprechen eine andere Sprache. Es scheint tatsächlich der Grund zu sein. Zumindest ein großer Teil. Und einer, den ich in der Vergangenheit nicht bearbeitet habe, es gab andere Themen, Eltern vor allem, die aber alles in allem sehr gute Eltern waren.
Ich hab vor ein paar Jahren ein Buch gelesen, das zufällig ziemlich genau beschreibt, was mir damals geschehen ist. Ich hab es geklaut (es war ein Bibliotheksbuch) bzw. gesagt, dass ich es verloren hätte und ein anderes Ersatzbuch gekauft.
Ich werde es heute noch einmal lesen. Dann sehe ich ja, was passiert.
triggern wir uns selbst, nin? hm? war der tag etwa zu gut?