Beiträge von nintje

    Morgen mittag hab ich Therapie. Ich weiß nicht, was ich sagen soll.

    Ich hab den Eindruck, dass ich immer mehr svv mache und hab Angst, dass er mich irgendwohin schickt, wenn ich zu ehrlich bin. Ich hab Angst, dass er es sehen will.

    Verdammt, wie kann ich bloß aufhören? Ich mache mir alles kaputt, was ich in den letzten Jahren aufgebaut habe. Wieso schaffe ich es nicht, es einfach zu lassen???

    Hallo novem

    meinem besten Freund, zwei Zimmer weiter gehen und ihm sagen, wie es mir gerade geht. Aber irgendwie hält mich alles in meinem Zimmer

    Es ist so unglaublich schwer, um Hilfe zu bitten.

    Wie ist es für dich, wenn du jemandem Hilfe (z. B. nur durch Zuhören) gewährst? Wie fühlst du dich dann?

    Ich hab dann oft ein gutes Gefühl, wenn ich jemand anderem helfen kann. Und weil ich dieses Gefühl mag, versuche ich es auch meinen Freunden zu gönnen, ihnen die Möglichkeit zu geben, mir zu helfen :emojiSmiley-06:


    Nur so ein Gedanke, der mir manchmal etwas hilft....

    Und kannst du darüber schreiben? Was denkst du gerade? Was fühlst du gerade? Was tut so weh, ist so unaushaltbar, dass es gerade "weg muss"? Was hat das jetzt in dieser Situation ausgelöst?

    Es ist das nicht können und nicht dürfen. Das Kind will pausenlos Zuwendung und Aufmerksamkeit, spielen, motzen, vorgelesen bekommen, essen. Die Wohnung muss gesäubert werden, das essen gekocht, das Kind bewegt, der Mann zufrieden und liebevoll betüdelt werden. Und ich muss stark sein. Wenn ich das nicht mehr kann oder möchte, mache ich mir Vorwürfe.

    Ich bin einfach nicht genug. Und ich kann es nicht mehr ausgleichen.

    Der Hass und die Wut auf mich steigert sich den Tag über und mittlerweile verstehe ich wenigstens, warum ich eine eher untypische Depression habe, die im Laufe des Tages schlimmer wird (bei meinem Mann und vielen anderen, die ich kenne, ist es morgens am Schlimmsten, bei mir abends und nachts). Der Grund ist, dass ich im Laufe des Tages immer mehr Punkte habe, die ich nicht kann, nicht geschafft habe, wo ich nicht das gebe, sage oder tue, was ich müsste, um es überhaupt wert zu sein, zu leben.

    Ich bin der Überzeugung, dass ich mir das Recht zu leben verdienen muss, das Recht zu essen, Raum in Anspruch zu nehmen, Ruhe haben zu wollen, liebevolle Zuwendung zu bekommen,...

    Und ich schaffe es nicht mehr, das zu verdienen.

    Ich lese es und weiß, dass das dumm ist. Wie könnte ich jemandem diesen Mist erklären und darauf hoffen, dass der- oder diejenige sich nicht abwendet???

    ein kleiner Spaziergang, eine kleine Runde? Einfach um im Handlung zu kommen und nicht dieses Ausharren in dem Druck zu halten. Ist sonst quasi ja auch SVV, oder? Entgegengesetzt handeln ist auch ein Skill.. aber nur wenn es bei dir auch passt! Das weisst du bestimmt

    Ja ich meine svv, sorry!

    In Handlung kommen... Nein, das mit dem entgegengesetzt handeln kenne ich noch nicht, kannst du das noch näher erklären?

    Du bist nicht alleine. Ich lese dich

    :emojiSmiley-29: Danke!

    Weiss dein Umfeld eigentlich, wie anstrenged das alles für dich ist? Du kämpfst nicht nur um Leistung für deinen Selbstwert, sondern auch, allen Rollen gerecht zu werden und darum, deine eigentliche Gefühlswelt zu verheimlichen

    Ich glaube nicht, dass jemand weiß, wie anstrengend es ist, wie auch? Ich zeige zwar recht offen, wenn es mir schlecht geht (erlaube mir, schweigsam zu sein, mich zurück zu ziehen, spreche aber selten darüber, wie ich über mich denke und was ich fühle. Ich darf mich nicht zumuten, meinem Mann nicht und den Freunden erst recht nicht.

    Gerade jetzt fällt mir absolut die Decke auf den Kopf, ich könnte schreien und denke nur daran, mehr ssv zu machen. Deshalb traue ich mich auch nicht, loszufahren (ich könnte eine kleine Radtour machen, das Wetter ist super), aber ich hab Angst, noch mehr ssv zu machen und ich hab schon letzte Nacht und heute nachmittag, als Mann und Kind unterwegs waren.

    Ich kann nicht darüber sprechen, was ich denke und tun will und fühle mich allein.

    Ich versuche stattdessen, etwas Sinnvolles zu tun, nette WhatsApps zu schreiben, mit dem Kind zu spielen oder zu basteln. Und dann geht es mir nachts noch mieser...

    Ich stimme dir voll und ganz zu, wenn du schreibst, dass es vielleicht besser ist, seinen Kindern (meinem Kind) vorzuleben, dass Schwäche sein darf, dass Dinge nicht funktionieren, dass ich gerade krank bin.

    Ich versuche diesbezüglich altersangemessen offen zu sein. Ich erkläre ihr, dass ich krank bin und wenn ich gerade sehr erschöpft bin (was oft vorkommt) bitte ich sie auch, mir eine "Alleinezeit" zu gönnen. Das halte ich für wichtig und richtig und auch wenn ich es mir übel nehme, dass ich nicht mehr kann, mache ich das dennoch und höre auf den Verstand.

    Auch nach der Therapie geht es mir oft besonders schlecht und ich versuche es ihr zu erklären und nicht zu funktionieren.

    Beides tue ich auch meinem Mann und meinen Freunden gegenüber.

    Für nicht richtig halte ich es, ihnen von SSV zu erzählen oder die Möglichkeit zu riskieren, dass sie es herausfinden.

    Das trifft es genau. Es wurde mir erst vor ein paar Tagen so richtig klar, dass der Burnout davon kommt, dass ich zutiefst davon überzeugt bin, nichts wert zu sein. Und den Unwert muss ich ausgleichen, durch Leistung, möglichst nahe an der Perfektion in jederlei Hinsicht (Mitarbeiterin, Ehefrau, Mutter, Künstlerin, Freundin,....) . Das habe ich bis zur völligen Erschöpfung getrieben, ohne dass es mir bewusst war. Ich hätte das wissen können und müssen, wusste es aber nicht bzw nur vorbewusst.

    Jetzt komme ich dadurch, dass ich nicht arbeite und auch sonst vieles nicht mehr schaffe, ständig ins Schleudern, bin ständig am Schulden aufbauen. Und so muss ich anderweitig "bezahlen", daher SSV, damit ich überhaupt sein darf.

    Mir ist klar, dass das blanker Unsinn ist, dass Menschen einen Wert an sich haben und sein dürfen und ich eben auch. Und doch fühle ich diesen Wert nicht.


    Den ersten Teil deiner Antwort verstehe ich wie den sich selbst verstärkenden Kreis bei Angststörungen, also das Verschweigen ist eine negative Verstärkung der SSV?

    Das fühlt sich für mich jedoch anders an (obwohl ich nicht ausschließen will, dass es dennoch so ist, wie du es beschreibst).

    Das SSV erfüllt den Zweck, sozusagen meinen Lebensberechtigungsschein gültig zu halten. Das Verschweigen schützt meinen (ebenfalls psychisch kranken) Mann und meine Freunde, die keinerlei Erfahrung mit psychischen Erkrankungen haben und völlig überfordert von einer solchen Situation wären.

    Daa Verschweigen ist für mich nur insofern schwierig, als dass es immer schwieriger wird, die V zu verbergen.

    Hm, ob das das ist, was du meintest?

    Hallo grany,

    vielen vielen Dank für deine Antwort! Ich habe es zwar gewusst aber erst durch deine Antwort wirklich gespürt, wie allein ich mich mit dem SSV fühle und wie gut es tut, darüber zu "reden", ohne die Basics erklären zu müssen oder sich zu rechtfertigen oder jemanden schützen zu müssen.

    Die alten Skills wie Gummischnipsen, Scharfes oder Saures essen und die alten Skillketten haben eine recht lange Zeit geholfen, etwa 3 Monate lang. Im Moment baue ich mit dem Therapeuten neue Skills und Skillketten auf, die aber noch nicht so gut klappen. Vielversprechend ist Faszienrollen (tut erst weh und dann gut) aber ich schaffe es oft nicht mehr rechtzeitig, das zu machen. Ich arbeite dran.

    Seit November geht es mir zunehmend schlecht, ich hab einen Burnout bzw eine Erschöpfungsdepression und bin seitdem krank geschrieben. Dadurch dass ich nicht arbeite, sinkt mein Selbstwert rapide und es fällt mir schwer, mir Erholung und Ruhe zu gönnen. Dadurch, dass der Burnout durch sehr viele Faktoren verursacht ist, wovon die Arbeit jedoch nur ein kleiner Teil ist, habe ich die meisten anderen Faktoren nach wie vor und Corona macht es auch nicht unbedingt besser. Ich schäme mich, dass ich so etwas überhaupt empfinde, wo andere es doch so unglaublich viel schwerer haben, todkrank sind, Angehörige verlieren oder um ihre blanke Existenz bangen.

    Das Verheimlichen empfinde ich eher als entlastend, sollten meine Familie oder Freunde davon erfahren, würde es das "Schuldenkonto" nur noch mehr erhöhen und alles schlimmer machen.

    Soweit erstmal. Danke nochmal, dass ich einfach darüber schreiben darf.

    nintje

    Hallo,

    ich bin gerade in einer Situation, in der ich nicht weiter weiß.

    Seit etwa 4 Wochen habe ich einen Rückfall ins SSv. Ich bin verheiratet, habe eine neunjährige Tochter. Ich verberge die Verletzungen sehr sorgsam, die einzige Person, die von den Verletzungen weiß, ist mein Therapeut. Mein Mann und mein Kind ahnen nichts und sollen das auch nicht.

    Die SSV helfen mir dabei, gerade einigermaßen klarzukommen. Ich versuche parallel, sie mit den in einer früheren Verhaltenstherapie erlernten Skills in den Griff zu bekommen, was in der Vergangenheit gut geholfen und mir 13 Jahre Pause verschafft hat. Ich dachte, ich hätte es endgültig überwunden.

    Aber jetzt klappen die Skills nicht mehr. Ich weiß, ich muss nur durchhalten, bis es wieder besser wird und die Therapie richtig greift. Der Therapeut ist die einzige Person, mit der ich darüber überhaupt sprechen kann und will. SSV macht so viel Negatives mit anderen Menschen, dass ich es auch mit meinem Mann oder meinen Freunden nicht besprechen will. Gerade in der aktuellen Weltsituation kann ich das niemandem zumuten, finde ich.

    Es wird gerade immer schlimmer mit den SSV und es wird zunehmend schwierig, sie verlässlich zu verstecken. Ich hab das Gefühl, auf eine Katastrophe hinzusteuern.

    Vielleicht möchte ich hier einfach noch mit jemand anderem darüber "sprechen", weil es hier Menschen gibt, die wissen, was SSV ist, es nicht automatisch mit Suizidversuchen gleichsetzen und denen ich nicht wehtun kann damit, dass ich das mache. Und weil es hier Menschen gibt, die mehr als einmal die Woche für eine Stunde erreichbar sind. Sozusagen ein leiser Ruf in die Welt, in der ich mich gerade sehr sehr allein fühle (ich finde, das klingt sehr pathetisch, es trifft aber mein Empfinden, sorry).

    nintje