Ethanol

  • Bekannt ist Ethanol vor allem als Trinkalkohol, der als Anteil in Genussmitteln (z. B. Wein, Bier, Likör) klassifiziert wird. Er ist allerdings zugleich ein Rauschmittel, dessen Konsum in den meisten Staaten erlaubt ist. Laut der Weltgesundheitsorganisation sterben jedes Jahr 2,5 Millionen Menschen an den Folgen des Alkoholkonsums.

    Bekannt ist Ethanol vor allem als Trinkalkohol, der als Anteil in
    Genussmitteln (z. B. Wein, Bier, Likör) klassifiziert wird. Er ist
    allerdings zugleich ein Rauschmittel, dessen Konsum in den meisten
    Staaten erlaubt ist. Laut der Weltgesundheitsorganisation sterben jedes
    Jahr 2,5 Millionen Menschen an den Folgen des Alkoholkonsums.




    Ethanol ist ein wichtiges organisches Lösungsmittel, eine
    Grundchemikalie in der Industrie und ein Desinfektionsmittel. Eine der
    technischen Hauptverwendungen von Ethanol ist die Nutzung als
    Biokraftstoff, als so genanntes Bioethanol; beispielsweise enthält
    Ethanol-Kraftstoff E85 85 Vol.-% Ethanol.




    Systematik




    Ethanol, auch Äthanol, ist eine farblose, leicht entzündliche
    Flüssigkeit mit brennendem Geschmack und charakteristischem, würzigem
    Geruch, die im allgemeinen Sprachgebrauch nur mit Alkohol, dem Namen
    seiner chemischen Substanzklasse, bezeichnet wird. Ältere Bezeichnungen
    sind Weingeist und Spiritus (lat. für Luft, Atem, Lebenshauch, Geist).
    In der Laborsprache wird Ethanol oft mit EtOH abgekürzt und in der
    Alltagsmedizin mündlich mit C2 bezeichnet (Verkürzung der Summenformel
    C2H6O bzw. der Halbstrukturformel C2H5OH). Eine wässrige Lösung mit 70
    Vol% Ethanol wird in der Pharmazie Spiritus dilutus genannt.


    Ethanol (C2H5OH) gehört zu den n-Alkanolen. Es leitet sich von dem Alkan
    (gesättigten Kohlenwasserstoff) Ethan (C2H6) ab, in dem formal ein
    Wasserstoffatom durch die funktionelle Hydroxygruppe (–OH) ersetzt
    wurde. Zur Benennung wird dem Namen Ethan das Suffix -ol angehängt.




    Alkohol“ ist das umgangssprachliche Wort für „Ethanol“; die
    Fachbezeichnung „Alkohole“ hingegen steht für eine Gruppe
    organisch-chemischer Verbindungen, die neben dem Kohlenwasserstoffgerüst
    als zusätzliche Funktionelle Gruppe mindestens eine Hydroxygruppe
    besitzen, wobei sich an dem Kohlenstoffatom mit der Hydroxygruppe kein
    höherwertiger Substituent befindet.





    Wortherkunft Alkohol




    Im Arabischen stand ‏الكحل‎ / al-kuḥl ursprünglich für sehr feines
    Antimonpulver, das als Augenschminke benutzt wurde. Im übertragenen Sinn
    war Alkohol die „geistige Essenz“, die für die „irdene Essenz“ als
    Lösungsmittel diente. (Im heutigen Arabisch bedeutet ‏الكحول‎ / al-kuḥūl
    jedoch, wie in den europäischen Sprachen, nur die Substanz Alkohol).
    Nach Europa gelangte dieser Begriff während der langen arabischen
    Herrschaft in Spanien. Auch in der spanischen Sprache bedeutete alcohol
    ursprünglich feines, trockenes Pulver, was, als Bezeichnung für
    verschiedene Produkte von Sublimation und Destillation, in die
    Alchemistensprache Eingang fand. Erst Paracelsus benutzte alcool vini
    oder alcohol vini im heutigen, engeren Sinn für „Weingeist“, „Essenz des
    Weines“. Zuvor war für diesen Stoff der Name aqua ardens („brennendes
    Wasser“) oder aqua vitae („Lebenswasser“) gebräuchlich gewesen.






    Kulturgeschichte des Alkohols




    Ethanol entsteht auf natürlichem Wege bei der Vergärung zuckerhaltiger
    Früchte. Auf diese Weise wurden wohl unabhängig voneinander, schon in
    einem frühen Stadium der Geschichte, Menschen auf diese Substanz
    aufmerksam. Laut Josef H. Reichholf (200smokin.gif
    geht der Ackerbau – und damit die Sesshaftwerdung – sogar in erster
    Linie aufs Bierbrauen zurück, da Met, ein „Honigwein“, nie ausreichend
    zur Verfügung stehen konnte. So finden sich in ägyptischen Schriftrollen
    der III. Dynastie sowie auf alt-mesopotamischen Keilschrifttafeln
    Hinweise auf die Herstellung alkoholischer Getränke. Auch in der Bibel
    wird der Alkohol erwähnt, etwa in Gen 9,18–29 LUT.




    Biere, später auch Weine wurden mit Hilfe von Wildhefen erzeugt. Meist
    hatten solche Alltagsgetränke einen deutlich geringeren Alkoholgehalt
    als heute, da die Wildhefen ab einer bestimmten Alkoholkonzentration die
    Umwandlung von Zucker in Alkohol einstellen, weil sie sich ansonsten
    selbst vergiften würden. Durch jahrhundertelange Züchtung tolerieren
    heutige Kulturhefen (Saccharomyces cerevisiae) höhere Ethanolgehalte.




    Auch in diesen alten Zeiten wurde Alkohol bereits aufgrund seiner
    berauschenden Wirkung getrunken. So heißt es in einem ägyptischen Text
    über das Verhalten junger Männer:




    „Du verlässt die Bücher und gehst von Schenke zu Schenke; der
    Biergenuss allabendlich, der Biergeruch verscheucht die Menschen von
    dir.“




    In der Antike wurde der Wein schließlich ein wesentlicher Bestandteil
    römischer und griechischer Kultur. Beide Kulturen bedachten ihn mit
    einer eigenen Gottheit: Bacchus bzw. Dionysos. Ebenso sahen die Germanen
    den Met, der ebenfalls zu den frühesten alkoholischen Getränken gehört,
    als Geschenk der Götter an.




    Vermutlich wurde im Gebiet der heutigen Türkei um etwa 1000 n. Chr. die
    Destillation von Wein zur Herstellung hochprozentiger Branntweine
    entwickelt. So war es möglich, den Spiritus vini (Geist des Weines) aus
    Wein herzustellen. In Ostasien wurden schon früh Weine aus Litschi und
    Pflaumen hergestellt sowie der Sake, ein warm genossener Reiswein,
    dessen Herstellungsprozess dem des Bieres ähnelt.




    Während des Dreißigjährigen Krieges stieg in Mitteleuropa der Bedarf an
    berauschenden Getränken (Verarmung, Zerrüttung), während das Angebot
    stagnierte (Ernteausfälle, Rückgang des Weinbaus, Unsicherheit des
    Transportes). Mit Branntwein konnte dem am leichtesten begegnet werden.
    Der Handel, z.T. auch die Produktion der Spirituosen lagen damals in
    Osteuropa oft in den Händen von Juden, während ihnen dies in Westeuropa
    teilweise verboten war.




    Mitte des 18. Jahrhunderts vergrößerte sich mit der Neuen Welt die
    landwirtschaftlich nutzbare Fläche des Königreichs England um ein
    Vielfaches. Dies führte in der Folge zu sinkenden Getreidepreisen und
    einer damit verbundenen Verarmung der Unterschicht. Die Überproduktion
    an Getreide wurde zum Teil zur Herstellung von Gin genutzt, der in den
    Armenvierteln des Mutterlandes dankbare Abnehmer fand. Zeitweise kostete
    eine Kalorie Gin weniger als eine Kalorie Brot. In der Folge
    entwickelte sich die Gin-Krise, welche die damalige Regierung erst durch
    eine Reihe von Gesetzen (hohe Steuern auf Gin, Erschwerung des Handels,
    Ausgabe von Lizenzen für Händler, etc.) beenden konnte. Erst aus dieser
    Zeit finden sich die ersten Schriften, die sich mit Alkoholabhängigkeit
    und deren Folgeerkrankungen beschäftigen. Ebenso wurde vor diesem
    Hintergrund Alkohol zum ersten Mal als Ursache für gesellschaftliche
    Probleme und Fehlentwicklungen verstanden.




    Während sich der Alkoholkonsum Mitte des 19. Jahrhunderts wieder
    verringerte, begann mit der Industrialisierung wiederum eine Zeit, in
    der sehr billiger Alkohol auf breite verarmte Bevölkerungsschichten
    traf. Die industrielle Produktion und die, vor allem nach dem Zweiten
    Weltkrieg einsetzende, massive Vermarktung der alkoholischen Getränke
    führten zu einem großen Überangebot in der 1. und 2. Welt. So wurden die
    Frauen und seit kurzem die Jugendlichen zu Zielgruppen der Nachfrage-
    und Absatzförderung. Inzwischen zählt man die alkoholbedingten Schäden
    zu den Zivilisationskrankheiten.






    Vorkommen in Lebensmitteln und Getränken




    Ethanol ist ein in reifen Früchten und Säften natürlich vorkommendes
    Produkt der alkoholischen Gärung. Wegen seiner stimulierenden und
    stimmungsaufhellenden Wirkung werden alkoholische Getränke gern und
    häufig konsumiert. Alkohol als Rauschmittel ist die am weitesten
    verbreitete Droge weltweit; regelmäßiger Konsum kann zu Alkoholismus
    führen.






    Volumenanteile




    Ethanolgehalte (Angabe in Volumenprozent):




    • Brot: bis 0,3 % Vol.
    • Apfelsaft: bis 0,4 % Vol.
    • alkoholfreies Bier: bis 0,5 % Vol.
    • Sauerkraut: 0,5 % Vol.
    • Traubensaft: bis 0,6 % Vol.
    • reife Banane: bis 1 % Vol. (durchschnittlich 3 ml)
    • reifer Kefir: bis ca. 1 % Vol.
    • Bier
    • *Leichtbiere: 1–3,5 % Vol.
    • *Vollbiere: ca. 3–5 %, meist um 5 % Vol.
    • *Starkbiere: 6–12 % Vol.
    • Weine: 7–14 %, Vol. meist um 12 % Vol. und mehr bei Rotweinen
    • *Met: ca. 5–16 % Vol.
    • *Apfelwein: ca. 5,5–7 % Vol.
    • Liköre: ca. 15–75 % Vol., meist unter 30 % Vol.
    • Spirituosen: ca. 30–80 % Vol., meist ca. 40 % Vol.


    Kennzeichnung




    In Zutatenlisten in der Europäischen Union muss Alkohol nicht eigens
    genannt sein. Wenn dort bei Marmelade oder Pralinen zum Beispiel
    „Armagnac“ oder „Knickebein“ steht, liegt es in der Verantwortung des
    Verbrauchers, zu wissen oder zu erkunden, dass das Produkt für Kinder
    oder trockene Alkoholiker ungeeignet sein kann. Es gibt kein
    einheitliches Symbol zur Kennzeichnung alkoholhaltiger Lebens- und
    Genussmittel.






    Herstellung




    Zum ersten Mal ist die Gewinnung von reinem Alkohol dem persischen Arzt,
    Naturwissenschaftler, Philosophen und Schriftsteller Abu Bakr Mohammad
    Ibn Zakariya al-Razi († 925) durch die Destillation aus Wein gelungen.
    Alkohol wird seit jeher fast ausschließlich aus Zucker- oder
    Stärke-haltigen Feldfrüchten oder traditionell aus Produkten des
    Gartenbaus (Wein, Obst) gewonnen.




    Heute wird Ethanol hauptsächlich durch Gärung aus Biomasse gewonnen. Im
    Kontext der Erzeugung von Biokraftstoff spricht man dabei auch von
    Bioethanol. Agraralkohol ist Ethanol aus Agrarrohstoffen, das in
    weltweit, in Deutschland unter staatlicher Aufsicht in
    landwirtschaftlichen Brennereien erzeugt wird.




    Die Synthese von Alkohol ist auch aus Mineralöl möglich, aber selbst in
    der Periode niedriger Rohölpreise (1900–1973) wurde Alkohol vorzugsweise
    aus nachwachsenden Rohstoffen erzeugt. Daher ist die Bezeichnung
    Bioalkohol lediglich ein Marketingaspekt, der für die weltweite
    Produktion unter den aktuellen Preisbedingungen (2010) belanglos bleibt.




    Ethanol kann auch durch chemische Synthese aus Wasser und Ethen unter
    Zugabe von Katalysatoren wie Schwefelsäure oder auf Silika aufgebrachte
    Phosphorsäure bei bis zu 300 °C und 70 bar Druck hergestellt werden.




    Industriell wird synthetisches Ethanol mittels Phosphorsäurekatalyse
    hergestellt. Mittels der Radiokohlenstoffdatierung lässt sich
    synthetisches Ethanol aus fossilen Rohstoffen von Bio-Ethanol aus
    nachwachsenden Rohstoffen unterscheiden. Dieser Umstand lässt sich zum
    Nachweis des Panschen von Wein oder Spirituosen nutzen, wenn mit
    industriellem Ethanol anstelle von Bio-Ethanol gepanscht wird.






    Produktionsmengen




    Weltweit werden etwa 330 Millionen hl (33 Mrd. l) Ethanol hergestellt,
    wovon mit 42 Mio. hl etwa 13 % auf die europäischen Länder fallen.
    Größte europäische Erzeuger sind Russland und Frankreich. Deutschland
    erzeugt jährlich fast 4 Mio. hl zu gleichen Teilen als Getränkealkohol
    und als Alkohol für chemisch-technische Zwecke, was einer
    Eigenbedarfsdeckung von etwa 62 % entspricht. Neben der Produktion von
    Neutralalkohol für Getränke, Lebensmittel und technische Zwecke fallen
    weltweit etwa 65 % auf die Herstellung von Kraftstoffethanol.




    Weltweit erzeugten die USA und Brasilien 2005 zusammen über 90 % der
    Jahresproduktion von 365,67 Mio. hl (36,567 Mrd. l). In den USA wird der
    Aufbau neuer Produktionsanlagen für Ethanol derzeit besonders forciert,
    vor allem durch das Gesetz „Energy Policy Act“ (EPACT) von 2005, das
    den Ausbau von erneuerbaren flüssigen Energieträgern fördern soll. In
    Brasilien werden gegenwärtig ca. 21 Mrd. Liter – nach 17,3 Mrd. l 2006
    und 18,3 Mrd. l 2007– Ethanol hergestellt. Im Jahre 2010 soll die
    Produktionsmenge bei ca. 30 Mrd. Liter liegen. In Brasilien wird Ethanol
    zu einem günstigen Preis von 16 ct/l aus Zuckerrohr hergestellt; in den
    USA müssen für Maisethanol 26 ct/l, in der EU für Ethanol auf
    Zuckerrübenbasis 45 ct/l aufgewendet werden.






    Herstellung durch Gärung und Synthese



    Ethanol entsteht unter anderem bei der Vergärung von zucker- oder
    stärkehaltigen Materialien durch Hefe oder Bakterien. Daher wird dieser
    Prozess kontrolliert mit einer Reihe von Nahrungsmitteln durchgeführt,
    wodurch zum Beispiel Wein (aus Weintrauben) oder Bier (aus Malz und
    Hopfen) entstehen. Bei einer Ethanolkonzentration nahe 15 Prozent
    beginnen Hefezellen und Bakterien abzusterben, weswegen durch Gärung
    keine höhere Konzentration erreicht werden kann.




    Durch Destillation kann das Ethanol konzentriert werden. Auf diese Art
    gewonnene Getränke bezeichnet man als Spirituosen (z. B. Whisky, Cognac,
    Schnaps, Wodka oder Rum). Sie enthalten noch Aromen der verdampften
    Ausgangslösung, die zumeist ein Wein war. Liköre sind Spirituosen, die
    mit zuckerhaltigen, aromatischen Flüssigkeiten gemischt werden und daher
    eine niedrigere Ethanolkonzentration besitzen. Branntwein darf nur
    beschränkt privat hergestellt werden (max. 0,5 l Maische), es sei denn
    der Branntwein wird versteuert. Durch intensivere Destillation kann man
    nahezu wasserfreies Ethanol für technische Anwendungen gewinnen
    (Azeotrop).






    Destillation




    Ethanol ist in jedem beliebigen Verhältnis mit Wasser mischbar. In der
    chemischen Synthese kann die Anwesenheit von Feuchtigkeit jedoch
    gravierende Nachteile haben. Großtechnisch erfolgt daher die Herstellung
    reinen Ethanols durch azeotrope Rektifikation. Die Anlage besteht
    hauptsächlich aus zwei Rektifikationskolonnen. In der Haupttrennsäule
    erfolgt die normale Rektifikation des Ethanol-Wasser-Gemischs bis in die
    Nähe des azeotropen Punkts. Das Sumpfprodukt ist Wasser.




    Dem Kopfprodukt (95,6 % Ethanol und 4,4 % Wasser) wird der Hilfsstoff
    Cyclohexan beigemischt. Dieses Dreistoffgemisch gelangt in die
    Hilfsstoff-Trennsäule. Dort erfolgt eine Auftrennung in den im Sumpf
    anfallenden reinen Alkohol sowie in ein Cyclohexan-Wasser-Gemisch als
    Kopfprodukt. Cyclohexan und Wasser sind im flüssigen Zustand nicht
    mischbar und trennen sich nach der Kondensation in einem Abscheider
    (Dekanter). Der Hilfsstoff Cyclohexan wird am Einlauf der
    Hilfsstoff-Trennsäule wieder dem zuströmenden, azeotropen
    Ethanol-Wasser-Gemisch beigefügt. Er läuft im Kreislauf im oberen
    Bereich der Hilfsstoff-Trennsäule und wird deshalb auch als
    „kopflaufender Hilfsstoff“ bezeichnet.




    Bei Temperaturen um −20 °C (Gefrierschrank) verdunstet Ethanol (96 %)
    kaum noch und zeigt eher zähflüssige Eigenschaften. Bei −70 °C wird es
    noch




    Verwendung außerhalb der Genuss- und Nahrungsmittelindustrie



    Die Hauptmenge des produzierten Ethanols wird in Form von alkoholischen
    Getränken für Genusszwecke verbraucht. Es dient weiterhin als
    Lösungsmittel sowohl für Konsumprodukte unter anderem im Haushalt
    (Parfüm, Deodorant), als auch für medizinische Anwendungen
    (Lösungsmittel für Medikamente, Desinfektionsmittel) sowie in der
    Industrie selbst ebenfalls als Lösungsmittel und allgemein als
    Brennstoff. Für technische Anwendungen wie Kraftstoff, Lösungsmittel
    oder Brennspiritus werden Ethanol Vergällungsmittel beigemischt, wodurch
    diese ungenießbar werden und in Deutschland nicht mehr der
    Branntweinsteuer unterliegen.





    Haushalts- und Konsumprodukte




    Ethanol findet u. a. als hervorragendes Lösungsmittel überall im Haushalt Verwendung, so als


    • Träger für Geruchsstoffe (Parfüm, Deodorant, Duftspray)
    • Reinigungsmittel (z.B. Glas, Chrom, Kunststoff, Scheibenwaschanlage, Fleckenentferner)
    • Frostschutzmittel
    • Lebensmittelzusatz (Portweinen und anderen Südweinen wird
      Ethanol zugegeben (Aufspritung), um zum gewünschten Zeitpunkt den
      Fermentationsprozess zu beenden; auch kann Ethanol zur Haltbarmachung
      anderer Lebensmittel zugesetzt werden)
    • Brennstoff (Campingkocher)




    Medizin




    • Die Wirksamkeit als Desinfektionsmittel oder
      Antiseptikum (etwa zur Händedesinfektion) hängt von der Konzentration
      des Ethanol-Wasser-Gemisches ab. Bei einem optimalen Alkoholgehalt
      zwischen 50 und 80 % wird die Bakterienhülle zerstört und Ethanol wirkt
      damit tödlich. Alle Bakterien einschließlich der Tuberkelbakterien
      werden innerhalb einer Minute durch Denaturierung der Bakterienzellwand
      abgetötet (Bakterizidie). Daneben wirken Ethanol-Wasser-Mischungen auch
      durch ihren hohen Osmotischen Druck; 70-prozentiges Ethanol weist den
      höchsten osmotischen Druck von 250·106 Pascal der Mischungen mit Wasser
      auf. Eingeschränkt wirksam ist er gegen Viren, nicht wirksam gegen
      Bakterien-Endosporen. Bei offenen Wunden sollte das Gemisch nicht
      eingesetzt werden (Brennen). Lösungen mit über 80 % Alkoholgehalt zeigen
      eine noch stärkere Wirkung, aber werden aufgrund der mangelnden
      Hautverträglichkeit nicht regelmäßig eingesetzt. Wasserfreies Ethanol
      härtet die Bakterienhülle, die Bakterien bleiben dadurch am Leben. Das
      Trinken von Ethanol oder alkoholischen Getränken wirkt nicht
      antiseptisch. Getränke mit einem Ethanolgehalt von weniger als 20 %
      töten praktisch keine Keime ab. Durch Kombination mit Alkalien (etwa 1
      %) oder Peroxycarbonsäuren (0,2 bis 0,5 %) wird die Wirksamkeit – auch
      gegen Viren und Sporen – stark verbessert.
    • 95-prozentiges Ethanol kann zur Verödung „heißer“
      Schilddrüsenknoten und anderer umschriebener Tumore benutzt werden; das
      Verfahren wird als Perkutane Ethanol-Injektionstherapie bezeichnet.
    • Flüssige Medikamente können Ethanol als Lösungsmittel oder
      Lösungsvermittler enthalten, wenn der Arzneistoff bzw. die die
      Arzneistoffe in Wasser schlecht oder unlöslich sind. Ethanol selbst ist
      mit Wasser beliebig mischbar. Es hat eine wichtige Funktion in der
      Konservierung und Stabilisierung flüssiger pflanzlicher Medikamente
      (Phytotherapeutika). Die Medikamente sind entsprechend der
      Arzneimittel-Warnhinweisverordnung (AMWarnV) zu kennzeichnen.
    • Durch Einreiben der Haut mit hochprozentiger Ethanollösung (beispielsweise Franzbranntwein) wird die Durchblutung gefördert.
    • Volksmedizinisch werden verdünnte ethanolische Lösungen zur
      Behandlung von Insektenstichen verwendet. Ein alkoholgetränktes Tuch
      wird dazu einige Zeit auf den frischen Stich gelegt. Die
      Schmerzlinderung geschieht aufgrund der kühlenden Wirkung der
      Ethanollösung; der Juckreiz wird unterdrückt. Eine chemische Veränderung
      oder Inaktivierung von Giften bewirkt Ethanol jedoch nicht.
    • Bei einer Vergiftung mit Methanol wird als erste Maßnahme
      Ethanol intravenös gegeben, was die Umwandlung von Methanol über das
      Enzym Alkoholdehydrogenase in das giftige Methanal hemmt. Ethanol bindet
      etwa 25-mal stärker an Alkoholdehydrogenase als Methanol.
    • Bei einer schweren Alkoholsucht kann ein Alkoholprädelir
      mit Ethanol unterbrochen werden, um eine akute Zweiterkrankung ohne die
      sonst auftretenden Symptome behandeln zu können.



    Ethanol als Kraftstoff




    Ethanol findet als Ethanol-Kraftstoff in Form des biogenen Bioethanol
    Verwendung als Kraftstoff für Otto-Motoren, wobei vor allem Mischungen
    mit Benzin vorliegen. Dafür kann sowohl fossiles als auch aus
    regenerativer Biomasse hergestelltes Bioethanol verwendet werden, da es
    chemisch gesehen keinen Unterschied zwischen beiden Arten gibt. Aufgrund
    der Verfügbarkeit, der Herstellungskosten und politischer
    Fördermaßnahmen wird heute vor allem Bioethanol verwendet, das auf der
    Basis von fermentierbarem Zucker (Zuckerrohr und Zuckerrübe) und Stärke
    (vor allem Mais- und Weizenstärke) erzeugt wird. Die zukünftig mögliche
    Nutzung von Cellulose-Ethanol aus Holz diskutiert.




    Ethanol wird vor allem als Beimischung zu herkömmlichem Kraftstoff
    genutzt, beispielsweise in einer Konzentration von 5 % Ethanol (E5 als
    Beimischung in gewöhnlichem Fahrzeugbenzin) oder 85 % Ethanol (als E85
    für dafür geeignete Fahrzeuge). Im Zusammenhang mit dem Kyoto-Protokoll
    wird heute häufig über die Herstellung und den Einsatz biogener
    Treibstoffe (Biokraftstoffe) und die Reduzierung von
    Kohlenstoffdioxid-Emissionen pro gefahrenem Kilometer debattiert.




    Ethanol wurde nach einer Entwicklung von Wernher von Braun zudem bis in
    die 1950er-Jahre als Treibstoff für die Raketen der Typen A1, A2, A3,
    A4, A4b und A5 verwendet. Im Unterschied zu Benzin kann durch Verdünnen
    mit Wasser für Testzwecke leicht der Heizwert heruntergesetzt werden, um
    bei Probeläufen von Triebwerken Explosionen zu verhindern, zum anderen
    war Ethanol während des Zweiten Weltkriegs leicht aus
    landwirtschaftlichen Produkten gewinnbar, im Gegensatz zum knappen
    Benzin.




    Weitere Nutzung von Ethanol




    Ethanol ist ein wichtiges Lösungsmittel und Zwischenprodukt in der Chemischen Industrie.





    Besteuerung und Vergällung




    Grundsätzlich unterliegt Ethanol in Deutschland der Branntweinsteuer.
    Diese beträgt derzeit 13,03 €/Liter reinem Alkohol und wird in
    Deutschland von der Zollverwaltung beim Inverkehrbringer
    (Spirituosenhersteller, berechtigter Empfänger, Branntweinlagerinhaber)
    zum Zeitpunkt des Lagerabganges erhoben. Ein Versand unter
    Steueraussetzung ist per BVD oder EVD möglich – beispielsweise zwischen
    Hersteller und Großhändler mit offenem Branntweinlager sowie bei
    Exportgeschäften.




    Die Verwendung von Ethanol ist für technische Zwecke (Druckerei,
    Lackherstellung, Reinigungsmittelproduktion, Kosmetik und ähnliche) und
    als Brennspiritus steuerfrei möglich. Um zu verhindern, dass dieses
    Ethanol ohne Entrichtung der Steuer als Genussmittel getrunken oder
    solchen beigefügt wird, wird unversteuerter Alkohol unter Zollaufsicht
    vergällt. Vergällung bedeutet, dass Ethanol mit anderen Chemikalien, wie
    beispielsweise MEK (Methylethylketon = 2-Butanon, mit zwei weiteren
    branntweinsteuerrechtlich vorgeschriebenen Markierungskomponenten),
    Petrolether, Cyclohexan, Diethylphthalat oder ähnlichem versetzt wird,
    um es für den menschlichen Genuss unbrauchbar zu machen.




    Bei dem in Form von Brennspiritus als Brennstoff verwendeten Ethanol,
    beispielsweise für Rechauds sowie Camping- und Expeditionskocher, wird
    dem Ethanol zusätzlich zum MEK noch das extrem bittere Denatoniumbenzoat
    (1 Gramm/100 Liter) beigemischt. Die früher übliche Verwendung von
    Pyridin als Vergällungsmittel für Brennspiritus ist
    branntweinsteuerrechtlich zwar immer noch erlaubt, dieses wird aber
    wegen seiner gesundheitlichen Bedenklichkeit seit ca. 1993 von deutschen
    Herstellern nicht mehr eingesetzt. Im Gegensatz zu Pyridin, das einen
    Siedepunkt von 115 °C aufweist, ist Denatoniumbenzoat ein Feststoff, der
    erst bei 163 bis 170 °C schmilzt. Es verdampft daher bei der Verwendung
    von Brennspiritus nicht, sondern reichert sich in den Dochten von
    Spiritusgeräten an, was zum Beispiel bei Spiritusglühlichtern und
    Spiritus-Vergaserkochern zu Betriebsstörungen führt.




    Zu beobachten ist zudem, dass einige Spiritusabfüller, vermutlich aus
    Kostengründen, dem Ethanol diverse Fremdstoffe, Regenerate etc.
    beimischen. Abfüller, die in ihrem Produkt nur Ethanol verwenden, werden
    dies zumeist durch die Kennzeichnung „UN 1170“ auf der Flasche deutlich
    machen.




    Die Vergällungsmittel haben meist ähnliche Siedepunkte wie Ethanol, so
    dass sie sich durch Destillieren nur schwierig entfernen lassen. Die
    Vergällungsmittel Diethylphthalat (Verwendung auch als Weichmacher) und
    MEK stellen ein Problem bei der Verwendung als Reinigungsmittel dar:
    Farben und Lacke, die an sich resistent gegen Ethanol sind, können
    erweichen oder angegriffen werden.




    Brennspiritus ist nicht zu verwechseln mit sogenanntem Trockenspiritus,
    leicht entzündlichen weißen Würfeln, die meistens aus Urotropin
    (Hexamethylentetramin) oder dem Tetramer des Alkanals Ethanal,
    Metaldehyd, bestehen. Ein bekanntes Produkt ist der Trockenbrennstoff
    Esbit.





    Physikalische und chemische Eigenschaften




    Herausragendes Merkmal des Ethanols ist seine Hydroxygruppe. Da ein
    Sauerstoffatom Elektronen stärker anzieht als Wasserstoff und
    Kohlenstoff, resultiert eine asymmetrische Verteilung der
    Elektronendichte entlang dieser Bindung: Es bildet sich ein molekularer
    Dipol. Dieser verleiht Ethanol seine typischen Eigenschaften. Zum einen
    ziehen sich die Dipole auf molekularer Ebene gegenseitig an, so dass
    eine vergleichsweise hohe Siedetemperatur von 78 °C resultiert (Sp,
    Ethan = −88,6 °C), zum anderen ist Ethanol mit Flüssigkeiten mischbar,
    die ähnliche Dipoleigenschaften aufweisen (z. B. Wasser und Methanol),
    man spricht von Hydrophilie. Gleichzeitig besitzt das Molekül einen
    organischen Rest, der ihm eine begrenzte Mischbarkeit mit rein
    lipophilen Substanzen verleiht. Aus diesem Grund ist Ethanol in der
    Chemie ein wichtiges Lösungsmittel, so werden viele Pflanzenauszüge oder
    andere Medikamente als alkoholische Lösungen, sogenannte „Tinkturen“,
    angeboten.





    Aufnahme und Abbau




    Ethanol wird im gesamten Verdauungstrakt aufgenommen. Dies beginnt in
    geringem Umfang bereits in der Mundschleimhaut. Das dort resorbierte
    Ethanol geht direkt in das Blut über und wird damit über den gesamten
    Körper einschließlich des Gehirns verteilt. Etwa 20 % werden im Magen
    resorbiert; der Rest im Dünndarm. Der in Magen und Darm aufgenommene
    Alkohol gelangt zunächst mit dem Blut in die Leber, wo er teilweise
    abgebaut wird. Die Ethanolaufnahme wird durch Faktoren, welche die
    Durchblutung steigern, erhöht, beispielsweise Wärme (Irish Coffee,
    Grog), Zucker (Likör) und Kohlenstoffdioxid (Sekt). Dagegen verlangsamt
    Fett die Aufnahme. Dies führt aber nicht zu einer niedrigeren Resorption
    des Alkohols insgesamt, sondern nur zu einer zeitlichen Streckung.




    Etwa 2–10 Prozent des aufgenommenen Ethanols werden unverändert über
    Urin, Schweiß und Atemluft wieder abgegeben. Ein Teilabbau findet schon
    im Magen statt; eine dort gefundene sigma-Alkoholdehydrogenase zeigt
    eine etwa um den Faktor 200 höhere Aktivität als die in der Leber
    lokalisierten Isoenzyme. Der Anteil am gesamten Ethanolabbau beträgt
    aber lediglich ungefähr 5 %.




    In der Leber wird der Hauptteil des Alkohols – wie andere wasserlösliche
    Gifte – durch die Enzyme Alkoholdehydrogenase (ADH) und Katalase sowie
    das MEOS-System zu Ethanal (Acetaldehyd, H3C-CHO) abgebaut, um weiter
    durch Acetaldehyddehydrogenase zu Essigsäure oxidiert zu werden. Die
    Essigsäure wird über den Citratzyklus und die Atmungskette in allen
    Zellen des Körpers unter Energiegewinnung zu CO2 veratmet. Die Leber
    kann bei erheblich gesteigertem, regelmäßigem Konsum ihre Abbauaktivität
    in geringem Maße anpassen. Das Zwischenprodukt Ethanal ist auch für die
    so genannten „Kater“-Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen
    mitverantwortlich. Der Abbau des Ethanals wird durch Zucker gehemmt,
    daher ist der Kater bei süßen alkoholischen Getränken, insbesondere
    Likör, Bowlen und manchen Sektsorten besonders intensiv.




    Die Abbaurate durch die Alkoholdehydrogenase ist innerhalb gewisser
    Grenzen konstant. Sie beträgt bei Männern etwa 0,1 g pro Stunde und kg
    Körpergewicht, bei Frauen 0,085 g/h und kg/KG.[38][39] Die exakt
    gemessenen Abbauraten für Männer lagen dabei zwischen 0,088 und 0,146
    g/h und kg Körpergewicht. Eine 0,5-l-Flasche Bier mit 16 g Ethanol wird
    danach in ein bis zwei Stunden abgebaut. Bei Männern findet sich eine
    leicht erhöhte Aktivität der gastrischen Alkoholdehydrogenase im Magen,
    mit der Folge einer geringfügigen Beschleunigung des Alkoholabbaus.
    Hochdosierte Aufnahme von Fructose kann bei manchen Menschen durch
    Unterstützung des Katalase-Ethanolabbaus zu einer schnelleren
    Metabolisierung führen. Bei höherer Alkoholkonzentration – ab etwa 50 g
    Ethanolaufnahme pro Tag– oder bei chronischen Trinkern wird der Alkohol
    zusätzlich über das mikrosomale Ethanol oxidierende System (MEOS)
    abgebaut. Dabei wird Ethanol in den Mikrosomen der Leberzellen durch
    Cytochrom P450 (CYP2E1) unter Sauerstoffverbrauch ebenfalls zu Ethanal
    oxidiert. Dieser Effekt, gepaart mit einer Desensibilisierung des
    vegetativen Nervensystems, führt zu einer höheren Alkoholresistenz bei
    „trainierten Trinkern“ und „Spiegeltrinkern“. Diese Desensibilisierung
    durch Gewöhnung kann so weit gehen, dass Trinker mit zwei und mehr
    Promille keinerlei Verhaltensauffälligkeiten zeigen.




    Andere Alkohole aus unsauber destillierten Spirituosen, die so genannten
    Fuselöle, werden ebenfalls durch die Alkoholdehydrogenase bzw.
    Acetaldehyddehydrogenase abgebaut. Dieser Abbau tritt damit zum Abbau
    des Ethanols in Konkurrenz, welcher deshalb langsamer abgebaut wird.






    Populationsgenetische Aspekte des Ethanolabbaus




    Es gilt als gesichert, dass die ursprünglich aus Ostasien stammenden
    Einwohner Amerikas („Indianer“ und Inuit) auf Alkohol erheblich
    empfindlicher reagieren als Europäer. Dies wurde beim Vordringen der
    Europäer auf dem amerikanischen Kontinent gezielt ausgenutzt, indem
    Schnaps als „Feuerwasser“ an einheimische Stämme (die den Schnaps selbst
    als „Geheimniswasser“ bezeichneten) verteilt wurde – viele Verträge
    über Gebietsabtretungen oder Gänge in die Reservate kamen durch das
    Trunkenmachen von Stammesführern zustande. Auch Ostasiaten zeigen –
    jedoch weniger durchgängig als die amerikanischen Ureinwohner – eine
    geringere Alkoholverträglichkeit als Europäer. Unter Schwarzafrikanern
    ist die Verträglichkeit sehr unterschiedlich.




    Die Ursache dafür liegt in den genetisch determinierten Abbausystemen
    von Ethanol und Ethanal; der Abbau geschieht im menschlichen Körper
    vorwiegend durch die Alkoholdehydrogenasen ADH-1, ADH-2 und ADH-3 sowie
    die Aldehyddehydrogenasen ALDH-1 und ALDH-2. Ist die Funktion eines oder
    mehrerer dieser Enzyme eingeschränkt oder fehlt völlig, so ist der
    Ethanolabbau im Körper nur vermindert möglich. Tritt das Defektallel
    ALDH-2x2 homozygot (reinerbig) auf, wird eine inaktive Form der
    Aldehyddehydrogenase 2 hergestellt. Träger dieses Defekts reagieren auf
    Ethanol mit starker Gesichtsrötung und Übelkeit, sowie deutlicher
    Alkoholaversion. Reinerbige Träger kommen in Europa nahezu nicht vor,
    während in China 16 % und Japan 22 % der Bevölkerung betroffen sind. Bei
    Menschen mit diesem Gendefekt entwickelt sich so gut wie nie eine
    Alkoholabhängigkeit, Mischerbigkeit (Heterozygotie) des Gens bewirkt
    eine vollständige Funktion des ALDH-2-Enzyms und damit eine normale
    Abbaurate. Die geringere Abbaurate führt aufgrund einer höheren
    Konzentration an giftigem Ethanal (Acetaldehyd) zum so genannten Kater
    mit dem Hauptsymptom Übelkeit.




    Ebenfalls nur in asiatischen Populationen treten Defekte bei den Genen
    zur Kodierung der Alkoholdehydrogenasen-1, -2 und -3 auf, die einen
    verzögerten Ethanolabbau bewirken. In diesem Fall gibt es bei
    Reinerbigkeit jedoch keine direkten ausgeprägten negativen Symptome und
    auch keine Alkoholaversion. Auch diese Homozygoten kommen in Europa
    praktisch nicht vor.





    Blut- und Atemalkohol




    Ein objektives Maß für die alkoholische Beeinflussung stellt die
    Alkoholkonzentration im venösen Blutkreislauf und in der Atemluft dar,
    wobei nur begrenzte Aussagen über die physiologische Beeinträchtigung
    möglich sind, da diese stark von individuellen Einflüssen, insbesondere
    der Alkoholgewöhnung, abhängen.




    Die Höhe der Blutalkoholkonzentration (BAK) bzw. der
    Atemalkoholkonzentration (AAK) ist mit einer statistischen
    Wahrscheinlichkeit mit dem Risiko von Ausfallerscheinungen oder Unfällen
    gegenüber dem nüchternen Zustand verbunden, welche die Grundlage der
    gesetzlichen Promillegrenzen darstellen.






    Unmittelbare physiologische Wirkung




    Alkohol bewirkt situativ eine Betäubung, eine Stimulation oder auch einen Stimmungswandel.




    Er führt auch zu einer Erweiterung insbesondere der peripheren
    Blutgefäße. Daraus ergibt sich ein Wärmegefühl beim Konsum
    alkoholhaltiger Getränke. Dabei wird die natürliche Regulierung des
    Wärmehaushalts bei niedrigen Temperaturen außer Kraft gesetzt. Zugleich
    wirkt Alkohol betäubend, so dass bedrohliche Kälte nicht mehr
    wahrgenommen wird. Daher können Erfrierungen bis hin zum Kältetod die
    Folge winterlichen Alkoholkonsums sein.




    Problematisch ist auch die Kombination von Alkohol mit Medikamenten und
    anderen Drogen. Hier gibt es vielfältige Wechselwirkungen, die zu einer
    vorzeitigen und intensiveren Beeinträchtigung als bei reinem
    Alkoholkonsum führen können. Das beim Alkoholabbau gebildete Cytochrom
    P450 2E1 kann die Wirksamkeit von Medikamenten durch deren Abbau
    beeinträchtigen. Viele der „Drogentoten“ (insbesondere der Heroinopfer)
    starben an einem Mischkonsum mit Alkohol.





    Wirkungen auf Nervensystem und Gehirn




    Die akuten Wirkungen des Ethanols beruhen auf einer Schädigung von allen
    Körper- und vorwiegend Nervenzellen sowie auf einen Einfluss auf den
    Hirnstoffwechsel. Die Beeinflussung beruht mit hoher Wahrscheinlichkeit
    auf der Einlagerung von Ethanol in Membranproteine, wodurch deren
    Funktion gestört wird. Besonders empfindlich für Ethanol sind
    verschiedene Ionenkanäle. Es stimuliert dabei die GABA-Rezeptoren in
    Gehirn und Nervensystem und hemmt die NMDA-Rezeptoren. Dies führt
    generell zu einer Hemmung der Reizübertragung im zentralen Nervensystem,
    aber gleichzeitig zu Sensitivitätssteigerung und nachfolgend
    dosisabhängig zur Enthemmung, Beeinflussung des Gleichgewichtssinns und
    Sehvermögens (verengtes Blickfeld, Tunnelblick), der Muskelkontrolle und
    bis zu aggressivem Verhalten. Größere Mengen wirken akut betäubend und
    können zu Erinnerungslücken führen. Weiterhin kann Ethanol den
    programmierten Zelltod von Gehirnzellen über eine komplexe Wirkungskette
    triggern. Dies beginnt bei der Wirkung auf GABA- und NMDA-Rezeptoren,
    welche über eine Auflösung der Mitochondrien-Membran die Freisetzung von
    Cytochrom c und die Aktivierung verschiedener Caspasen verursachen
    kann. Diese Peptidasen bewirken dann unter Anderem die Zerstörung des
    Zellkerns bzw. der DNA und damit den Tod der Zelle.




    Abhängig von der aufgenommenen Menge und damit der Konzentration im Blut
    bewirkt Ethanol auch eine Erhöhung der Durchlässigkeit der
    Blut-Hirn-Schranke. Bei chronischem Alkoholkonsum ist eine Schädigung
    der Blut-Hirn-Schranke nachgewiesen, was als wesentlicher Faktor für die
    Entstehung verschiedener neurodegenerativer Erkrankungen gilt Dies ist
    durch neuropathologische Untersuchungen von Alkoholabhängigen und auch
    durch Tierversuche belegt.




    In einer Studie mit etwa 2800 Personen, die jeweils mindestens 55 Jahre
    alt waren, wurden zunächst zwischen 1987 und 1989 die Daten der Personen
    erfasst. Von 1993 bis 1995 wurden dann bei noch rund 1900 der
    Versuchspersonen über eine Kernspintomographie die Schädigungen des
    Gehirns ermittelt. Bei der Datenaufnahme waren die Probanden je nach
    Alkoholkonsum in fünf verschiedene Gruppen eingeteilt worden. Dabei
    zeigte sich, dass auch bei geringer Alkoholaufnahme das Hirngewebe in
    geringem Maße schrumpfte. Dagegen war kein Zusammenhang zwischen der
    Menge des konsumierten Alkohols und der Anzahl von Hirn- oder
    Herzinfarkten nachweisbar. Das Herzinfarktrisiko sank sogar bei mäßigem
    Alkoholgenuss.




    Starker Alkoholkonsum führt zu einem als Trunkenheit bezeichneten
    Zustand. Dieser ist einerseits durch körperliche Veränderungen wie etwa
    psychisch durch erhöhte Emotionalität, andererseits durch eine
    veränderte Bewusstseinswahrnehmung und verringerte geistige
    Leistungsfähigkeit gekennzeichnet. Dabei zeigen neue Studien, dass es
    dabei zu einer Verringerung der Aktivität der Gehirnregion kommt, die
    für das Erkennen von Gefahren benötigt wird. Meistens führt erheblicher
    Alkoholkonsum zu Übelkeit und Erbrechen. Dabei wird allerdings nur der
    Teil des Alkohols ausgeschieden, der noch nicht in die Blutbahn gelangt
    ist.




    In noch größeren Mengen setzt eine akute Alkoholvergiftung ein, die bis
    zum Koma oder dem direkten Tod führen kann. Besonders gefährlich ist der
    schnelle Konsum von hochprozentigen Spirituosen, da die
    Übelkeitsschwelle langsamer eintritt als ein lebensbedrohlicher Anstieg
    des Blutalkoholspiegels. Beim schnellen Trinken einer ganzen Flasche
    Schnaps, diese enthält 150–200 ml Ethanol, kann durch Lähmung des
    Hirnstammzentrums ein tödlicher Kollaps eintreten. Ferner kann eine
    zusätzliche Vergiftung drohen, wenn das Genussmittel mit größeren Mengen
    an Nebenprodukten verunreinigt ist wie Fuselalkoholen oder Methanol,
    die bei der Spirituosen zugrundeliegenden Destillation angereichert
    werden können.






    Mangelsymptome durch Ethanol




    Regelmäßiger Alkoholkonsum kann zu Mangelerscheinungen verschiedener
    Vitamine, Körperelektrolyte und Spurenelemente führen. So waren bei
    Patienten mit alkoholischer Lebererkrankung die fettlöslichen Vitamine
    Retinol (Vitamin A), Cholecalciferol (Vitamin D) und Tocopherol (Vitamin
    E) in Leber, Blut und gesamtem Organismus deutlich reduziert.Retinol
    wird dabei in Anwesenheit von Ethanol verstärkt metabolisiert, wobei
    teils Karzinogene entstehen. Der Vitamin-D-Mangel zeigt sich in
    verstärktem Auftreten von Frakturen und Osteoporose bei Alkoholkranken.
    Bei den E-Vitaminen, die aus verschiedenen Isomeren des Tocopherols
    bestehen, induziert Ethanol eine Verschiebung des Anteils vom α- zum
    sehr viel schwächer wirksamen γ-Isomer und damit Mangelsymptome. Auch
    alle wasserlöslichen Vitamine treten bei Alkoholismus vermindert auf,
    wobei vorwiegend Thiamin (Vitamin B1), Pyridoxin (Vitamin B6) und
    Folsäure betroffen sind. Alkoholaufnahme vermindert die Resorption von
    Vitamin B1 im Dünndarm und stört auch die Aktivierung des Thiamins durch
    Hemmung seiner Phosphorylierung. Dies kann – insbesondere bei
    gleichzeitiger Aufnahme von Diuretika – zu einem Herzversagen führen.
    Ethanol blockiert die Bildung von Pyridoxal-5-Phosphat aus Vitamin B6,
    das im Organismus auch durch das aus Alkohol entstehende Ethanal
    zerstört wird. Folsäure wird ebenfalls vermindert resorbiert; ein Mangel
    bewirkt wiederum eine niedrigere Aufnahme von Thiamin im Darm. Der
    Folsäuremangel führt zu den stärksten akuten Symptomen bei
    Alkoholkranken wie Blutbildungsstörungen (makrozytäre Anämie),
    neurologischen Störungen (Vergesslichkeit und Schlafstörungen) sowie
    Fötusmissbildungen bei Schwangeren. Starker Alkoholkonsum kann ebenfalls
    einen Mangel wichtiger Elektrolyte und Spurenelemente, vorwiegend von
    Zink, Magnesium und Selen verursachen. Zinkmangel bedingt dabei eine
    Verstärkung der Giftigkeit des Ethanols, da das Enzym
    Alkoholdehydrogenase, welches Ethanol im Körper abbaut, abhängig von
    Zink ist.





    Alkohol in der Schwangerschaft




    Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft kann zum
    sogenannten fetalen Alkoholsyndrom (FAS) führen. Dieses ist häufig durch
    eine Beeinträchtigung der geistigen Entwicklung des Kindes sowie
    körperliche Fehlbildungen (z. B. Herzfehler) gekennzeichnet. Jedes Jahr
    werden 10.000 alkoholgeschädigte Kinder in Deutschland geboren, davon
    4.000 Kinder mit dem Vollbild des fetalen Alkoholsyndroms. Schädigungen
    bei Kindern alkoholabhängiger Mütter gehören damit zu den häufigsten der
    pränatal bedingten Gesundheitsschäden und sind häufiger als das
    Down-Syndrom. Generell ist in der Schwangerschaft jeglicher
    Alkoholkonsum zu vermeiden. Schon kleine Mengen können für das Kind
    fatale Folgen haben. Einer Studie der Berliner Charité zufolge
    konsumieren 58 Prozent aller Schwangeren gelegentlich alkoholische
    Getränke. Alkoholkonsum in der Schwangerschaft ist in Deutschland
    derzeit nicht strafbar (vgl. Kindesmisshandlung).






    Todesursache Alkoholmissbrauch




    Alkohol kann eine sehr starke und körperliche und/oder psychische
    Abhängigkeit erzeugen, die körperliche Abhängigkeit ist verbunden mit
    heftigen Entzugserscheinungen. Bis zu 2 Millionen Menschen sind allein
    in Deutschland alkoholkrank, ca. 10 Millionen von Abhängigkeit bedroht.




    In Deutschland starben im Jahr 2002 nach Angaben des Statistischen
    Bundesamts circa 40.000 Menschen durch Alkoholmissbrauch, was wiederum
    etwa zwei Prozent aller Sterbefälle entsprach, wobei Männer dreimal so
    häufig betroffen waren wie Frauen.




    Eine internationale Studie der WHO aus dem Jahr 2011 weist für 2004
    sogar ein weltweite Sterbequote durch Alkoholmissbrauch von 3,1 % aus
    (6,6 % bei Männern und 1,1 % bei Frauen).




    Das Sterberisiko steigt innerhalb von 20 Jahren um 56 %, wenn man sich
    wenig bewegt, um 52 % durch Rauchen, um 31 % durch schlechte Ernährung
    und um 26 % durch viel Alkohol.




    Die häufigste alkoholbedingte Todesursache war die alkoholische
    Leberzirrhose mit 9.550 Toten. Eine Krankheit, mit einer Mortalität
    (Todesrate) von über 50 Prozent, die insbesondere in Verbindung mit
    Alkohol und fettem Essen ausgelöst wird, ist die Pankreatitis
    (Bauchspeicheldrüsenentzündung).




    Die damalige Drogenbeauftragte der Bundesregierung und Staatssekretärin
    im Bundesgesundheitsministerium, Marion Caspers-Merk, sprach für 2003
    von 40.000 Todesfällen als Folge des Alkoholkonsums in Deutschland,
    wobei, im Vergleich, 1.477 Personen durch illegale Drogen verstorben
    sind und 110.000 als Folge des Tabakrauchens.




    Hilfe bieten Ärzte oder Selbsthilfegruppen wie die Anonymen Alkoholiker
    oder die Guttempler, ebenso Suchtberatungsstellen sowie verschiedene
    andere Selbsthilfegruppen.






    Krebsrisiko




    Übermäßiger Konsum von Alkohol kann neben teils unheilbaren
    Erkrankungen wie Leberzirrhose und Nervenerkrankungen auch viele
    Krebsarten (wie Magenkrebs und Speiseröhrenkrebs) erzeugen.




    Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC, „International
    Agency for Research on Cancer“) hat im Februar 2007 durch eine
    internationale Arbeitsgruppe eine Neubewertung der Folgen des Konsums
    alkoholischer Getränke vorgenommen und aus folgenden Gründen pauschal
    „Ethanol in alkoholischen Getränken“ als karzinogen für den Menschen
    (Gruppe 1) eingestuft: Das Vorkommen von malignen Tumoren von Mundhöhle,
    Rachenhöhle, Kehlkopf, Speiseröhre, Leber, weiblicher Brust und
    Colorectum steht in kausalem Zusammenhang mit dem Konsum alkoholischer
    Getränke, wie zahlreiche Studien zeigen. Gegenüber der früheren
    Bewertung im Jahre 1988 sah es die IARC-Arbeitsgruppe als gesichert an,
    dass Ethanol und nicht andere Bestandteile oder Kontaminanten für die
    Karzinogenität von alkoholischen Getränken verantwortlich ist. Das
    Krebsrisiko steigt generell mit der aufgenommenen Alkoholmenge. Ein
    Zusammenhang mit der Art des aufgenommenen Alkohols (Bier, Wein oder
    Spirituosen) konnte nicht hergestellt werden.




    Der World Cancer Research Fund und das American Institute for Cancer
    Research empfehlen, den täglichen Alkoholkonsum bei Frauen auf ein, bei
    Männern auf zwei Getränke zu begrenzen (10–15 g Ethanol pro Getränk; 10 g
    sind etwa enthalten in 30 ml Schnaps, 330 ml Bier, oder 100 ml Wein).
    Die Bezugsgröße ist der Tag, da gelegentlicher Konsum (beispielsweise
    sieben Getränke am Wochenende und keines wochentags)
    gesundheitsschädlicher ist als ein gleichmäßiger verteilter Konsum
    derselben Menge (beispielsweise ein Getränk jeden Tag).




    Die karzinogene Wirkung entsteht durch das Ethanal, zu dem Ethanol in
    der Leber abgebaut wird. Das Ethanal wird durch Polyamine zu
    Crotonaldehyd umgewandelt, welches wiederum die DNA zerstört.





    Abhängigkeit




    Verschiedene physiologische Auswirkungen des Ethanols – wie
    stimmungsaufhellende, stimulierende und angstlösende Effekte – können
    eine Abhängigkeit oder Alkoholsucht erzeugen. Diese Effekte beruhen
    vorwiegend auf der erhöhten Produktion von Dopamin und Endorphinen. Aber
    auch die starken Entzugssymptome begünstigen eine einmal vorhandene
    Abhängigkeit.





    Mögliche positive gesundheitliche Wirkungen



    Es ist unumstritten, dass die Wirkung alkoholischer Getränke eindeutig
    negativ ist, wenn sie in größeren Mengen und regelmäßig konsumiert
    werden. Beim Konsum geringerer Mengen Alkohol hingegen ist umstritten,
    ob die Wirkung eher positiv oder eher negativ ist. Viele vordergründig
    positive Wirkungen werden durch andere aufgehoben, etwa die stark
    erhöhte Krebsgefahr beim regelmäßigen Konsum selbst geringer Mengen, die
    durch wissenschaftliche Studien bestätigt wurden, etwa eine britische
    Studie aus dem Jahr 2006. Mediziner warnen davor, einzelne Wirkungen aus
    dem Gesamtzusammenhang zu reißen. Die meisten positiven Wirkungen gehen
    nicht vom Alkohol selbst aus, sondern von anderen Pflanzenstoffen, die
    in Getränken wie Rotwein enthalten sind.




    Aus einer Anzahl epidemiologischer Untersuchungen geht hervor, dass ein
    ausgesprochen mäßiger Konsum bestimmter alkoholhaltiger Getränke –
    insbesondere Rotwein – etwa ein bis zwei Gläser pro Tag über längere
    Zeiträume vor koronarer Herzerkrankung schützen soll. Außerdem wurde bei
    einem Alkohol-Konsum von 20–40 g bei Männern bzw. 10–20 g bei Frauen
    pro Tag eine höhere Lebenserwartung festgestellt. Dies entspricht etwa ¼
    Liter Rotwein oder ½ Liter Bier. Die höhere Lebenserwartung ist
    allerdings nur ein statistischer Effekt, da unter den Antialkoholikern
    auch Personen sind, die gerade wegen einer Krankheit und damit
    verbundener niedriger Lebenserwartung keinen Alkohol trinken.




    Viele Studien wurden von der Alcohol Task Force der Stiftung
    International Life Sciences Institute finanziert, deren Mitglieder die
    Konzerne Moët & Chandon, Allied Domecq, Brasseries Kronenbourg,
    Heineken und Diageo sind. In Deutschland wurden viele Studien von der
    Deutschen Weinakademie (DWA) in Auftrag gegeben, die von den
    Weinerzeugern finanziert wird. Alleine für die Pressearbeit im Inland
    wurden 160.000 Euro ausgegeben. Die französische Sopexa gab 800.000 Euro
    für deutsche Medien aus.




    Eine neue Metaanalyse von 54 internationalen Studien, die sich mit
    Alkohol und Herzschutz befassten – die älteste war von 1974, die jüngste
    von 2004 – wirft prinzipielle Zweifel an den immer wieder postulierten
    positiven gesundheitlichen Wirkungen von moderatem Alkoholkonsum
    auf.[88] Die Quintessenz dieser nun in Frage gestellten Untersuchungen
    lautet, dass mäßiger Alkoholkonsum langfristig die Rate von
    Herzinfarkten und Schlaganfällen senke. Trägt man die Sterblichkeit
    (Y-Achse) gegen den Alkoholkonsum (X-Achse) graphisch auf, ergibt sich
    gemäß der Interpretation dieser Studienergebnisse eine J-Kurve (so
    genannt, weil sie einem liegenden „J“ ähnelt), nach der die
    kardiovaskuläre und allgemeine Sterblichkeit bei einem leichten
    Alkoholkonsum am niedrigsten sei, dann aber rasch und sprunghaft
    ansteige. Menschen, die wenig Alkohol trinken, lebten demnach länger als
    abstinente Personen oder Vieltrinker.




    Die 2006 veröffentlichte Metaanalyse kommt dagegen zu dem Schluss, dass
    47 der 54 untersuchten Studien einen gravierenden Fehler aufweisen,
    infolgedessen die genannten Schlussfolgerungen an Glaubwürdigkeit
    verlören. So wurden in den meisten Studien ehemalige Alkoholkonsumenten –
    mit all ihren durch den bisherigen Alkoholkonsum kumulierten
    gesundheitlichen Problemen – der Gruppe der Abstinenzler zugerechnet.
    Diese „späten“ Abstinenzler, die das Trinken erst im fortgeschrittenen
    Alter aufgrund von – teils durch Alkoholkonsum verursachten –
    chronischen Krankheiten aufgegeben haben bzw. aufgeben mussten, werden
    mit den „echten“ Abstinenzlern, also denjenigen Personen, die schon
    viele Jahre lang Alkohol meiden oder nie welchen getrunken haben, in
    eine Gruppe zusammengefasst. Dieses Vorgehen setzt jedoch den
    durchschnittlichen Gesundheitszustand der Personen der Gruppe der
    „Abstinenzler“ generell herab – gemäß den Autoren der Metastudie ein
    erheblicher methodischer Fehler. Hierdurch entsteht der – falsche –
    Eindruck, in der Gruppe der (echten) Anti-Alkoholiker gäbe es eine
    höhere Zahl von Todesfällen als bei den moderaten Trinkern, so dass
    letztere wiederum als besonders gesund und langlebig erscheinen.
    Berücksichtigt man jedoch den „Abstinenzler-Fehler“, verringern sich die
    postulierten positiven Effekte von moderatem Alkoholgenuss bzw. sind
    diese gar nicht mehr vorhanden. Graphisch betrachtet ergibt sich bei
    zunehmendem Alkoholkonsum demnach gar keine (ausgeprägte) J-Kurve,
    sondern vielmehr ein stetiges Ansteigen der durch Alkohol verursachten
    Todes- und Krankheitsfälle.




    Kaye Fillmore von der University of California in San Francisco, eine
    Autorin der Metaanalyse, weist darüber hinaus darauf hin, dass bei der
    Bewertung der gesundheitlichen Wirkung von moderatem Alkoholgenuss
    häufig der typische Fehler gemacht würde, Ursache und Wirkung zu
    verwechseln: „Wir wissen, dass ältere Menschen, die mäßig Alkohol
    trinken, gesünder sind als gleichaltrige Nichttrinker“, so Fillmore.
    „Das Trinken ist eine Folge ihres guten Allgemeinbefindens, nicht aber
    dessen Ursache. Viele Menschen meiden Alkohol im Alter aufgrund
    gesundheitlicher Probleme.“ Demzufolge sind diese Personen also nicht
    krank, weil sie nicht (moderat) trinken, sondern sie trinken nicht, weil
    sie krank sind.




    Die Autoren der Metastudie kommen zu dem Schluss, dass die schützende,
    lebensverlängernde Wirkung von Alkohol aufgrund des beschriebenen
    „Abstinenzler-Fehlers“ in der Vergangenheit deutlich überbewertet wurde,
    wollen allerdings positive gesundheitliche Effekte von moderatem
    Trinken nicht prinzipiell ausschließen – für eine fundierte Aussage
    hierzu mangle es schlicht an fehlerfreien Studien.




    Metastudien, also die zusammenfassende Analyse verschiedener Studien mit
    statistischen Mitteln, sind nach Ansicht ihrer Kritiker ein gewagtes
    Unterfangen, da dieser Ansatz eine Reihe methodischer Probleme mit sich
    bringen kann; zweifelsfreie Schlussfolgerungen seien bei dieser Art der
    Analyse daher nicht zwangsläufig möglich. So lobte der Gerontologe John
    B. Standridge zwar die Arbeit der Forscher um Kaye Fillmore, zweifelt
    selbst aber weiterhin nicht daran, dass ein moderater Alkoholkonsum der
    Gesundheit zuträglich sei. Ursächlich für die möglichen positiven
    Wirkungen sei nicht der Alkohol selbst, sondern Begleitstoffe (sekundäre
    Pflanzenstoffe von roten Trauben und Inhaltsstoffe der Bierhefe), die
    im Wein und Bier zu finden seien und durch den Alkohol, der ein gutes
    Lösungsmittel ist, verfügbar gemacht würden (Lösungsmitteltheorie).
    Daher besäßen Schnäpse und die meisten Liköre auch keine vergleichbaren
    Wirkungen.




    In anderen Kulturen sind jedoch andere alkoholische Getränke statistisch
    gesehen vorteilhafter, und es wurde kein signifikanter Unterschied
    zwischen einzelnen Getränkearten (Bier, Wein und Spirituosen) gefunden,
    so dass dies für die soziale Komponente als einzigen positiven Faktor
    spricht. Eine Studie an 38.000 Mitarbeitern des amerikanischen
    Gesundheitssystems zeigte, dass der Konsum von Bier und anderen
    Spirituosen – nicht aber von Wein – das Infarktrisiko senkte. Eine
    Studie aus Schanghai wiederum beschrieb für Reisweintrinker eine
    geringere koronare Mortalität.






    Gesetzliche Beschränkungen




    Die Einschränkung der Verfügbarkeit ist eine der wenigen wirksamen
    Maßnahmen, die ein Staat besitzt, um den Alkohol-Gesamtkonsum und damit
    die alkoholbedingten Schäden zu vermindern: zum Beispiel Einschränkung
    der Laden- und Ausschank-Öffnungszeiten, der Anzahl der Betriebe, die
    Alkohol verkaufen dürfen; die Erteilung von Bewilligungen für
    Alkoholverkauf an Bedingungen knüpfen (Lizenz, Gebühren, Wirteprüfung,
    etc.); gesetzliches Mindestalter; Erhöhung der Alkoholsteuer.




    In einigen, vorzugsweise islamischen Ländern, ist Alkohol gesetzlich
    verboten. Getränke wie Absinth sind oder waren bis vor kurzer Zeit wegen
    ihres (angeblich) erhöhten Gefahrenpotentials auch in vielen
    europäischen Ländern verboten.




    Während der amerikanischen Prohibitionszeit (1919–1932) war der Verkauf
    von Alkohol in den USA gesetzlich verboten. Dies führte zur massenhaften
    Entstehung von illegalen Kneipen (Speakeasies) und zum Aufblühen der
    organisierten Kriminalität. In den USA gibt es nach wie vor Gemeinden
    mit einem Verbot des Verkaufs, der Bewerbung und des öffentlichen
    Konsums von Alkohol (Gemeindeautonomie), zum Beispiel auch in Lynchburg
    in Tennessee, der Heimat des Whiskey Jack Daniel’s.




    In Deutschland besteht ein Branntweinmonopol. Das deutsche
    Gaststättengesetz schreibt im § 6 vor, dass als preiswertestes Getränk –
    auf Grundlage des hochgerechneten Preises für einen Liter – ein
    nichtalkoholisches angeboten werden muss.





    Jugendschutz




    In Österreich sowie in Deutschland dürfen nach dem Jugendschutzgesetz
    alkoholische Getränke nicht an Personen unter 16 Jahren und Getränke,
    die Branntwein in mehr als nur geringfügigen Mengen enthalten, erst nach
    Vollendung des 18. Lebensjahres abgegeben werden (§ 9 Absatz 1 JuSchG).
    In Deutschland ist das öffentliche Konsumieren von
    nicht-branntweinhaltigen alkoholischen Getränken in Begleitung von
    Erziehungsberechtigten ab 14 Jahren gestattet, es gibt sonst keine
    Beschränkung.




    In der Schweiz sind mangels eines eigentlichen Jugendschutzgesetzes die
    entsprechenden Regelungen in der eidgenössischen Lebensmittelverordnung
    oder in kantonalen Gewerbegesetzen enthalten. Die Altersgrenzen sind mit
    denen in Deutschland identisch.




    In Österreich ist der Jugendschutz Ländersache und auch relativ komplex,
    da die Altersgrenze für Jugendliche sowie die Prozentgrenze zwischen
    hochprozentigen, gebrannten Alkoholika und niedrigprozentigen
    Alkoholischen Getränken auch vom Bundesland abhängt oder teils gar nicht
    fest definiert ist.






    Verkehr




    Da Alkohol die Fahrtüchtigkeit einschränkt, ist im Straßenverkehr das
    Fahren unter Alkoholeinfluss in den meisten Ländern der Welt unter
    Strafe gestellt. In Deutschland gelten 1,1 ‰ als absolute Grenze der
    Fahruntüchtigkeit. Eine relative Fahruntüchtigkeit kann bereits ab 0,3 ‰
    vorliegen, wenn Ausfallerscheinungen erkennbar sind oder ein
    Verkehrsunfall passiert ist. Ab 0,5 ‰ (bzw. 0,25 mg/l bei
    Atemalkoholproben) begeht der Fahrer eine Ordnungswidrigkeit, die mit
    Geldbuße und Fahrverbot geahndet wird. In Deutschland gilt bei
    Fahranfängern seit dem 1. August 2007 die 0,0-‰-Grenze. In Österreich
    dürfen Probeführerscheinbesitzer maximal 0,1 ‰ Alkohol im Blut haben.




    Für Fahrräder gilt in Deutschland ein Grenzwert von 1,6 ‰
    Blutalkoholkonzentration nach §13c der Fahrerlaubnisverordnung. Bei
    Überschreitung des Grenzwertes ist ein medizinisch-psychologisches
    Gutachten zu erbringen, welches belegt, dass keine Einschränkung zur
    Fahrtüchtigkeit auf Kraftfahrzeugen besteht.




    Im Schiffsverkehr gilt im Gültigkeitsbereich der
    Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung für den Führer eines Fahrzeuges und
    Personal mit Tätigkeit im Brücken-, Deck- oder Maschinendienst ein
    BAK-Grenzwert von 0,5 ‰. (SeeSchStrO §3(4))




    Im Luftverkehr gibt es in Deutschland zumindest nach der
    Luftverkehrs-Ordnung keine geschriebene BAK-Grenze. In §1, Absatz 3 der
    Luftverkehrs-Ordnung heißt es „Wer infolge des Genusses alkoholischer
    Getränke oder anderer berauschender Mittel oder infolge geistiger oder
    körperlicher Mängel in der Wahrnehmung der Aufgaben als Führer eines
    Luftfahrzeugs oder sonst als Mitglied der Besatzung behindert ist, darf
    kein Luftfahrzeug führen und nicht als anderes Besatzungsmitglied tätig
    sein.“ (Luftverkehrs-Ordnung §1). Im gewerblichen Luftverkehrs sind
    jedoch zusätzlich die Regeln nach JAR-OPS 1.085(d) einzuhalten. Danach
    ist es nicht gestattet

    • innerhalb von acht Stunden vor
      der festgelegten Meldezeit zu einem Flugdienst oder vor dem Beginn einer
      Bereitschaftszeit Alkohol zu sich zu nehmen
    • eine Flugdienstzeit mit einem Blutalkoholspiegel von mehr als 0,2 ‰ anzutreten
    • während einer Flugdienst- oder Bereitschaftszeit Alkohol zu sich zu nehmen


    Auch in vielen Luftsportvereinen ist unter Anderem aus Haftungsgründen
    das Fliegen unter Alkoholeinfluss durch interne Regelungen untersagt.








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