Bupropion

  • Bupropion (bis 2000 lautete der INN Amfebutamon) ist ein Arzneistoff,der zur Behandlung von Depressionen und zur Raucherentwöhnung eingesetzt wird.Der Wirkstoff gehört zur Gruppe der Amphetamine und ist chemisch eng mit Amfepramonund Cathinon verwandt.

    Bupropion wird vorrangig als selektiver Wiederaufnahmehemmer von Dopamin undNoradrenalin (NDRI) eingestuft. Die klinische Relevanz seiner dopaminergenWirkung wird jedoch zunehmend angezweifelt.

    1 Anwendungsgebiete

    1-1 Depression

    Bupropionist seit 2007 in Deutschland unter dem Handelsnamen „Elontril“ zur Behandlungvon Depression zugelassen. In den USA wird Bupropion seit etwa 20 Jahren alsAntidepressivum eingesetzt. In mehreren Studien konnte gezeigt werden, dass dieWirksamkeit von Bupropion mit der Wirksamkeit der Antidepressiva aus der Klasseder sogenannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) vergleichbarist. Während Bupropion bei ängstlicher Depression schlechter wirksam ist als SSRI,gibt es Hinweise darauf, dass es bei gesteigerter körperlicher und psychischerErmüdbarkeit (Fatigue), die mit einem depressiven Syndrom einhergehen kann,besser wirksam ist. Bezogen auf Response und Remission wirkt es im Vergleichschlechter als Venlafaxin. Die unter der Behandlung mit vielen SSRI häufigauftretende sexuelle Dysfunktion kommt unter Bupropion seltener vor.

    Bupropionwirkt in der Zweitlinientherapie nach Therapieversagen von Citalopram ähnlichgut wie Buspiron, Venlafaxin und Sertralin und führt bei etwa einem Viertel derPatienten zu einer Remission.

    In einerVeröffentlichung im New England Journal of Medicine wurde darauf hingewiesen,dass die US-Zulassung der SR-Retardformulierung von Bupropion (Wellbutrin SR)als Antidepressivum sich auf drei Wirksamkeitsstudien stützte, von denen dieUS-amerikanische Zulassungsbehörde für Arzneimittel (FDA) zwei als negativbeurteilte.

    1-2 Kombinationstherapie

    DieKombination von Bupropion mit anderen Antidepressiva (außer Citalopram undDesipramin), Benzodiazepinen (außer Diazepam) und Neuroleptika wurde nichtsystematisch untersucht. Lediglich im Rahmen von Untersuchungen zur Wirkung vonBupropion auf von SSRI ausgelöste sexuelle Dysfunktionen wurden Kombinationenvon Bupropion mit verschiedenen SSRI durchgeführt.

    In Kombinationmit anderen Antidepressiva soll Bupropion einige Nebenwirkungen dieser Stoffeausgleichen. Unerwünschter Müdigkeit, die durch sedierende Antidepressiva (z.B. Mianserin und Mirtazapin) entsteht, kann gegebenenfalls durch diestimulierende Wirkung von Bupropion entgegengewirkt werden. Zur Besserung vonMüdigkeitserscheinungen wird Bupropion am Beginn, das ermüdende Antidepressivumam Ende des Tages genommen. Schlaffördernde oder sexuell dämpfendeAntidepressiva wiederum können den durch Bupropion ausgelösten Schlafstörungenoder dem Priapismus entgegenwirken. Das Beheben von Nebenwirkungen andererAntidepressiva ist keine zugelassene Indikation von Bupropion.

    Die Idee,eine sexuelle Dysfunktion aufgrund der Einnahme anderer Antidepressiva durchzusätzliche Gabe von Bupropion zu bessern, ist umstritten. Es wurde jedoch ineinigen klinischen Studien eine deutliche Verbesserung von durch SSRIhervorgerufenen sexuellen Dysfunktion beobachtet.

    1-3 Raucherentwöhnung

    Die Substanzist zur Raucherentwöhnung zugelassen und in Deutschland unter dem Namen Zybanerhältlich. In einer Metaanalyse von 31 Studien zeigte sich, dass unter derBehandlung mit Bupropion der Anteil von Patienten, die nach der Behandlungmindestens sechs Monate lang nicht rauchten, mit 19 % fast doppelt so hoch war,wie der von 10,3 % unter einer Placebo-Behandlung. Bupropion ist im direktenVergleich ebenso wirksam wie Nikotinpflaster. Nikotinpflaster zusätzlich zuBupropion verbesserten die Abstinenzrate nicht. Es gibt Hinweise darauf, dassBupropion dem Vareniclin unterlegen ist. Die Therapie ist nur bei Trägern einerbestimmten, bei europäischstämmigen Menschen allerdings weit verbreiteten,Genvariante im Cytochrom P450-System erfolgversprechend: Ungefähr 45 % allerMenschen europäischer Herkunft haben den Genotyp CYP2B6*6. 33 % der Trägerdieser Genvariante konnten durch Bupropion mit dem Rauchen aufhören (bei denProbanden, die ein Placebo erhielten, waren es nur 14 %). Die Träger eineranderen Genvariante (Genotyp CYP2B6*1) hatten jedoch keinen Nutzen durch Bupropion.

    1-4 Weitere Indikationen

    Bupropionkann gegen ADHS verwendet werden, wobei die Substanz dafür keine Zulassungbesitzt und an Patienten unter 18 Jahren nicht auf Wirksamkeit und Sicherheitgeprüft wurde. Bupropion kann zu Verminderung des Appetites und zuGewichtsverlust führen, ist aber zu diesem Zweck nicht zugelassen. In einerherstellerfinanzierten 48-wöchigen Studie verloren die mit Bupropionbehandelten Patienten etwas mehr Gewicht (bis 5,1 %) als diejenigen, die einScheinmedikament (Placebo) einnahmen. Das entspräche etwa der Wirkung andererSchlankmacher. Ob das Körpergewicht nach Absetzen – wie von ähnlichenSubstanzen wie Sibutramin bekannt – wieder ansteigt (Jojo-Effekt), ist bislangnicht geklärt. Ein Kombinationspräparat aus Bupropion und Naltrexon hat sich inklinischen Studien als eine wirksame Methode zur Gewichtsabnahme fürAdipositas-Patienten erwiesen.

    2 Wechselwirkungen

    Nicht gleichzeitig verwendet werden dürfen MAO-Hemmer, da diese auch aufkatecholaminerge Stoffwechselwege wirken. Bei Alkoholkonsum unter derBehandlung gibt es Hinweise auf seltene neuropsychiatrische Nebenwirkungen. DasRisiko für Krampfanfälle steigt bei gleichzeitiger Gabe mit Medikamenten, diedie Krampfschwelle senken, wie bestimmte Antipsychotika, Antidepressiva,Antimalariamittel, Tramadol, Theophyllin, systemische Steroide, Chinolon-Antibiotikaund sedierende Antihistaminika.

    2-1 Wirkung von Bupropion auf andere Medikamente

    Bupropion und seine Stoffwechselprodukte hemmen den CYP450-2D6-Stoffwechselwegund führen darüber zu einem Anstieg des Blutspiegels aller Trizyklika außer Doxepin(sehr stark: Desipramin, Nortriptylin, stark: Clomipramin) und vieler SSRI, desSchmerzmittels Tramadol, von Antipsychotika wie Risperidon und Thioridazin,Betablockern wie Metoprolol, Klasse-1C-Antiarrhythmika wie Propafenon und Flecainid.Auch der Citalopram-Spiegel steigt trotz anderem Stoffwechselweg beigleichzeitiger Einnahme. Die sedierende Wirkung von Diazepam wird vermindert.Bei gleichzeitiger Gabe mit Nikotinpflastern kann es zu Blutdruckanstieg kommen.

    2-2 Wirkung anderer Medikamente auf Bupropion

    Bupropion selber wird über das Cytochrom P450-2B6 zu seinem aktiven MetabolitenHydroxybupropion verstoffwechselt. Medikamente, die diesen Stoffwechselwegbeeinflussen (wie Cyclophosphamid, Isofosfamid, Orphenadrin, Ticlopidin,Clopidogrel), verschieben das Verhältnis von Bupropion zu Hydroxybupropion mitungeklärter Auswirkung. Bei gemeinsamer Anwendung mit anderen Medikamenten wie Carbamazepin,Phenytoin und Valproinsäure, die bekanntermaßen stark in Stoffwechselwegeeingreifen, wird zur Vorsicht geraten. Bupropion sollte nur mit Vorsichtzusammen mit Levodopa und Amantadin angewendet werden, da vermehrtNebenwirkungen auftreten.

    3 Nebenwirkungen

    Bupropion unterscheidet sich in seinem Nebenwirkungsprofil sehr von dengewöhnlich verwendeten Antidepressiva, weil als Nebenwirkungen vor allem dietypischen Nebenwirkungen von Psychostimulanzien vorkommen. HäufigsteNebenwirkungen sind Mundtrockenheit und Schlaflosigkeit, wobei letztere durchVermeidung der Medikamenteneinnahme zur Schlafenszeit vermindert werden kann.Weitere Nebenwirkungen können u. a. sein: Kopfschmerzen, Benommenheit,Appetitlosigkeit, Gelenk- und Muskelschmerzen, Zittern, Angst,Konzentrationsstörungen, Verwirrtheit. Außerdem kann Bupropion (denmedizinischen Notfall) Priapismus auslösen oder einen Anstieg von Blutdruck undHerzfrequenz bewirken.

    Bupropion kann sowohl Krampfanfälle bei Menschen auslösen, die keinediesbezügliche Vorgeschichte aufweisen, als auch die Krampfschwelle vonMenschen mit Epilepsie senken. Insgesamt sind Krampfanfälle jedoch auch beidiesem Medikament eine seltene und dosisabhängige Nebenwirkung. Die Häufigkeitwird mit 0,1 % im Dosisbereich bis 450 mg angegeben. Erst bei Dosenab 600 mg/Tag steigt das statistische Risiko für Krampfanfälle plötzlichrasch an.

    Bei längerer oder häufiger Anwendung kann ein Suchtverhalten nichtausgeschlossen werden. In einer Studie der Innsbrucker Universitätsklinik wurdeherausgefunden, dass etwa sechs Prozent aller Probanden ein „high“-Gefühl durchBupropion bekommen haben. Koffein in einer Menge, die zwei Tassen starkemKaffee entspricht, produzierte bei der getesteten Rauchergruppe jedoch deutlichstärkere „angenehme Effekte“ und „high-Gefühle“ als 150 mg retardiertesBupropion.

    Besondere Vorsicht ist geboten bei zu Psychosen neigenden Patienten, dennBupropion kann in seltenen Fällen eine psychotische Phase auslösen. Dies giltauch bei manisch-depressiven Menschen, denn dieser Wirkstoff kann eine sog.Sekundär-Manie auslösen. Auch bei Menschen mit Anorexia nervosa (Magersucht)muss Vorsicht geboten sein, denn Bupropion kann durch die gelegentlichvorkommende Nebenwirkung der Gewichtsabnahme die Magersucht verschlimmern.

    Im Gegensatz zu vielen anderen Antidepressiva – insbesondere SSRI –wirkt sich Bupropion viel weniger bis gar nicht einschränkend auf die sexuelleFunktion aus. Dies zeigte sich in Vergleichsstudien vor allem bei Männern, daFrauen weit weniger zu durch Antidepressiva ausgelösten sexuellen Dysfunktionenneigen. Namentlich in Studien bezüglich Venlafaxin, Paroxetin, Sertralin, Escitalopramund Fluoxetin wurde festgestellt, dass Bupropion im Gegensatz zu denVergleichsarzneien weitgehend frei von Nebenwirkungen auf die sexuelle Funktionist.

    4 Schwangerschaftund Stillzeit

    Die Sicherheit von Bupropion während der Schwangerschaft beim Menschen istnicht nachgewiesen. Das potenzielle Risiko für den Menschen ist unbekannt.Bupropion sollte deswegen in der Schwangerschaft nur dann eingenommen werden,wenn es unbedingt erforderlich ist. Bupropion und seine Metaboliten treten indie Muttermilch über. Mütter sollten bei Einnahme von Bupropion nicht stillen.

    5 Handelsnamen

    Monopräparate

    Elontril (D,A), Wellbutrin (A, CH, L), Zyban (D, A, CH), Forfivo XL (USA, 450 mg) undGenerika



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