Abhängigkeitssyndrom

  • Das Abhängigkeitssyndrom (umgangssprachlich: Abhängigkeit, Sucht, Drogenmissbrauch) wird als eine Gruppe von verhaltensbezogenen, kognitiven und körperlichen Phänomenen definiert, die sich nach wiederholter Einnahme von psychotropen Substanzen entwickeln. Charakteristisch ist ein starkes, oft unüberwindbares Verlangen, sich die Substanz zuzuführen. Weitere Kennzeichen sind eine fortwährende oder periodische Einnahme der Substanz, Schwierigkeiten, den Konsum zu kontrollieren und eine fortschreitende Vernachlässigung anderer Verpflichtungen oder Aktivitäten. Es kommt dabei zu einer Toleranzerhöhung und manchmal zu einem körperlichen Entzugssyndrom. Nachdem alle Substanzen in einem „sozialen Raum“ eingenommen werden, ist „Abhängigkeit“ als das Ergebnis komplexer Wechselwirkungen von seelischen, sozialen und körperlichen Prozessen zu verstehen.

    Das Abhängigkeitssyndrom (umgangssprachlich: Abhängigkeit, Sucht,
    Drogenmissbrauch) wird als eine Gruppe von verhaltensbezogenen,
    kognitiven und körperlichen Phänomenen definiert, die sich nach
    wiederholter Einnahme von psychotropen Substanzen entwickeln.
    Charakteristisch ist ein starkes, oft unüberwindbares Verlangen, sich
    die Substanz zuzuführen. Weitere Kennzeichen sind eine fortwährende oder
    periodische Einnahme der Substanz, Schwierigkeiten, den Konsum zu
    kontrollieren und eine fortschreitende Vernachlässigung anderer
    Verpflichtungen oder Aktivitäten. Es kommt dabei zu einer
    Toleranzerhöhung und manchmal zu einem körperlichen Entzugssyndrom.
    Nachdem alle Substanzen in einem „sozialen Raum“ eingenommen werden, ist
    Abhängigkeit“ als das Ergebnis komplexer Wechselwirkungen von
    seelischen, sozialen und körperlichen Prozessen zu verstehen.




    Diagnose / Medizinische Definition




    Zur Diagnose des Abhängigkeitssyndroms müssen nach der ICD-10 mindestens
    drei der folgenden Kriterien während des letzten Jahres gemeinsam
    erfüllt gewesen sein:


    • Starkes, oft unüberwindbares Verlangen, die Substanz einzunehmen
    • Schwierigkeiten, die Einnahme zu kontrollieren (was den Beginn, die Beendigung und die Menge des Konsums betrifft)
    • körperliche Entzugssymptome
    • Benötigen immer größerer Mengen, damit die gewünschte Wirkung eintritt
    • fortschreitende Vernachlässigung anderer Verpflichtungen,
      Aktivitäten, Vergnügen oder Interessen (das Verlangen nach der Droge
      wird zum Lebensmittelpunkt)
    • fortdauernder Gebrauch der Substanz(en) wider besseres Wissen und trotz eintretender schädlicher Folgen.


    Die Klassifikation im ICD-10 ist in die verschiedenen Substanzen unterteilt (siehe Kasten).




    Im offiziellen Sprachgebrauch der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
    existierte von 1957 bis 1963 der Begriff Sucht. Danach wurde er zunächst
    durch Missbrauch und Abhängigkeit ersetzt. Schließlich wurde nach 1969
    das Missbrauchskonzept zugunsten vier definierter Klassen des Gebrauchs
    verworfen:


    • Unerlaubter Gebrauch ist von der Gesellschaft nicht tolerierter Gebrauch.
    • Gefährlicher Gebrauch ist Gebrauch mit wahrscheinlich schädlichen Folgen für den Konsumenten.
    • Dysfunktionaler Gebrauch liegt vor, wenn psychischen oder sozialen Anforderungen nicht mehr entsprochen werden kann.
    • Schädlicher Gebrauch hat bereits schädliche Folgen (Zellschäden, psychische Störung) hervorgerufen.


    Häufigkeit




    Zur Häufigkeit der einzelnen Abhängigkeitserkrankungen siehe jeweilige Hauptartikel.




    Ein Problem in der Erfassung der Prävalenzzahlen ist die Vielzahl an
    Substanzen mit einem Abhängigkeitspotenzial. So besitzen von den etwa
    10.000 am häufigsten verschreibungspflichtig verordneten Arzneimitteln
    allein 4 bis 5 % das Potential für einen problematischen Gebrauch und
    eine Abhängigkeitsentwicklung. Damit wird aber auch verständlich,
    weshalb trotz der klar abgegrenzten WHO-Definitionen von Gebrauch und
    Abhängigkeit sowie der klaren ICD-10-Kriterien schnell auf ein
    schwammiges Missbrauchs-, Abhängigkeits- oder Sucht-konzept
    zurückgegriffen wird. Die negative Konnotation verschleiert die Sicht
    auf strukturelle Schwächen des Gesundheitssystems und ermöglicht es um
    so schneller, eine Komplizenschaft von verordnenden Ärzten und
    (schwierigen) Patienten anzusprechen.




    Medikamente, die von einem Arzt verschrieben wurden, können
    vorschriftsmäßig eingenommen, aufgrund von generellen Bedenken,
    Nebenwirkungen, Nachlässigkeit oder einer „schnellen Heilung“ zuhause
    entsorgt, nicht bis zum Packungsende bzw. nur fallweise eingenommen oder
    an Familienangehörige und „gute Bekannte“ weitergegeben werden.
    Umgekehrt kann ein Patient mehrere Ärzte aufsuchen, um in einem
    gegebenen Zeitraum das Medikament mehrfach verordnet zu bekommen, oder
    sich zusätzlich am Schwarzmarkt damit zu versorgen. Drittens können sich
    Konsumenten dem Gesundheitssystem und dessen Behandlungsangeboten
    gänzlich entziehen und sich alleine auf dem Schwarzmarkt versorgen; oder
    es kann ihnen aus unterschiedlichen Gründen von den entsprechenden
    Institutionen eine Behandlung verweigert werden. Letztlich ist die
    ärztliche Verordnungspraxis zwar in der Krankengeschichte des Patienten
    festgehalten, jedoch gibt diese keinen Aufschluss über das tatsächliche
    Einnahmeverhalten.




    Laut Drogen- und Suchtbericht 2008 sind in Deutschland schätzungsweise
    1,5 Millionen Menschen „medikamentenabhängig“, andere Studien sprechen
    von 1,9 Millionen Menschen. Ungefähr ebenso viele können als mittel- bis
    hochgradig gefährdet eingestuft werden, eine „Medikamentenabhängigkeit
    zu entwickeln. In etwa 80 % der Fälle handelt es sich dabei um eine
    Abhängigkeit von Benzodiazepinen.






    Überblick über die psychotropen Substanzen



    Multipler Substanzgebrauch ist laut ICD-10 eine Form des Drogenkonsums,
    bei welcher zwei oder drei psychotrope Substanzen zu sich genommen
    werden und keine Substanz für sich allein den Konsum dominiert bzw. nur
    eine oder keine der Substanzen bekannt ist




    Theorien zur Entstehung des Abhängigkeitssyndroms




    Seit den 80er Jahren betrachtet man Abhängigkeit als multifaktoriellen
    Prozess, bei dem biologische, psychische, soziale und gesellschaftliche
    Faktoren zusammenwirken. Eine Abhängigkeitserkrankung entwickelt sich in
    einem multikausalen und interaktiven Prozess.




    Neurobiologische Wirkmechanismen




    Alan Leshner zog 1997 als Direktor des amerikanischen National Institute
    of Drug Abuse (Nida) eine Bilanz der jahrzehntelang betriebenen
    neurowissenschaftlichen Forschungstätigkeit: Abhängigkeit ist eine
    Hirnkrankheit.




    In Tierversuchen wurde festgestellt, dass unser Verhalten durch ein
    hochkomplexes Belohnungssystem gesteuert wird. Dieses beruht auf dem
    Botenstoff Dopamin, der auch bei Stimulationen wie Sex,
    Nahrungsaufnahme, romantischer Liebe oder bei Erfolgserlebnissen aller
    Art eine wichtige Rolle spielt. Es entwickelt sich ein
    Wiederholungseffekt, das Individuum verspürt die Lust auf mehr
    (unwiderstehliches Verlangen, engl. craving).




    Das cAMP-System (cAMP = zyklisches Adenosinmonophosphat) ist
    verantwortlich für die Toleranzbildung von psychoaktiven Stoffen
    (Kokain, Alkohol, Nikotin usw.) Doch spielt es ebenfalls für die
    Entzugssymptomatik eine wichtige Rolle. Außerdem kann ein Protein
    (DFosB) die Verbindungswege neuronaler Impulse verändern.




    Auf den Oberflächen und im Innern der Nervenzellen hinterlassen
    psychoaktive Substanzen Veränderungen, die sich einerseits auf die
    Wahrnehmung des nächsten Konsums, wie aber auch auf das Empfinden des
    Nichtkonsums auswirken. Zudem werden mit der Zeit auch neue
    Zellverbindungen (Verknüpfungen der Axonen) gebildet, während andere
    verkümmern. Das heißt, unser Gehirn passt sich dem Konsumverhalten
    biologisch an. Veranschaulichen lässt sich dieser Vorgang mit dem Lauf
    eines wilden Flusses. Es bilden sich je nach Wasserstärke und chemischer
    Zusammensetzung verschiedene Formen in der Landschaft und im Gestein.




    Dazu gehört auch, dass die Zahl der Rezeptoren, die auf die jeweilige
    Droge reagieren, im Laufe der Zeit zunimmt. (So wurde anhand von
    Obduktionen festgestellt, dass Raucher doppelt so viele Nikotinische
    Acetylcholinrezeptoren haben wie Nichtraucher.) Daraus erklärt sich,
    dass Abhängige immer höhere Dosen ihrer Droge benötigen, bis die
    gewünschte Wirkung eintritt. Bleibt die Droge aus, wirkt sich das
    negativ auf die Stimulation des Belohnungssystems auf: es kann u. a. zu
    schlechter Laune, Gereiztheit und Depressionen kommen, bis die Zahl der
    Rezeptoren wieder auf das normale Maß zurückgegangen ist.




    In der Modellvorstellung von Nora Volkow werden vier zerebrale
    Schaltkreise betrachtet: das mesolimbische Belohnungssystem, die in der
    orbitofrontalen Hirnrinde vorhandenen Strukturen von Antrieb und
    Motivation, die für das Lernen und das Gedächtnis relevanten Strukturen
    wie Amygdala, Caudatum, Putamen und Hippocampus sowie die präfrontalen
    Strukturen, die an Entscheidungsfindung und Verhaltenskontrolle
    beteiligt sind. Nach den Erkenntnissen des National Institute of Drug
    Abuse, dem Nora Volkow heute vorsteht, ist Abhängigkeit eine Folge von
    wiederholt gestörten Regulationsvorgängen im Belohnungssystem mit
    Auswirkungen auf Motivation, Gedächtnis und Impulskontrolle.




    Das Entstehen einer Abhängigkeit ist neurobiologisch eine Art
    Negativvariante des Lernvorgangs. Das zeitliche Geschehen findet in
    umgekehrter Reihenfolge statt. Pathologisch sind dabei die exzessive
    Ingangsetzung von zerebralen (an sich nicht krankhaften) Prozessen durch
    abhängigkeitserzeugende Stoffe (aber auch durch krankhaftes Spielen).





    Psychologische Wirkmechanismen




    Hinter einer Abhängigkeit steht psychologisch immer eine
    stellvertretende Suche nach Beziehung, Liebe, Glück, Kontakt, Lust,
    Zufriedenheit etc., die natürlich auf diesem Weg erfolglos bleibt. Im
    Wesentlichen handelt es sich um eine Ersatzhandlung, bei der die
    geistige und emotionale Energie auf die Auseinandersetzung mit dem
    Suchtmittel gerichtet ist. So wird oft die Notwendigkeit menschlicher
    Kontakte und auch die Anforderungen des Alltags missachtet. Dabei ist es
    egal, ob die Abhängigkeit stofflich (Alkohol, Nikotin, Essen, etc.)
    oder nichtstofflich (Arbeit, Glücksspiel, Chatten, etc.), oder
    austauschbar ist. Das ist auch unabhängig davon, ob eine körperliche
    Abhängigkeit besteht oder nicht. Körperliche Abhängigkeit (z. B. bei
    Alkohol, Heroin oder Nikotin) erschwert eine Therapie zusätzlich.






    Umweltfaktoren




    Wichtig sind aber nicht nur die biologischen Umstände, sondern ebenso
    die psychosozialen Lebensbedingungen. („Einer, der trinkt und mindestens
    einer, der es zulässt“). Nicht selten unterstützen Angehörige (Eltern
    oder Lebenspartner) potentiell abhängigkeitskranke Menschen in der
    Bewältigung ihrer Lebensaufgaben. Allerdings ohne dem an Abhängigkeit 
    Erkrankten zu helfen, denn dadurch wird die Krankheit letztlich
    verstärkt. (Bei der Alkoholkrankheit nennt man diese Angehörigen z. T.
    Co-Alkoholiker – siehe auch Weblink für Angehörigengruppen am Ende der
    Seite und zur Differenzierung den Artikel Co-Abhängigkeit).




    Sicher ist, dass unter Stress schon kleine Mengen an psychoaktiven Stoffen zu einer Sensibilisierung führen können.




    Die Stigmatisierung und Diskriminierung des Abhängigkeitsverhaltens ist durch effiziente Vorbeugung und Behandlung zu ersetzen.




    Genetische Disposition und Persönlichkeitsstruktur




    Genetische Disposition




    Auf die Frage, wer gefährdet ist, abhängig zu werden, lässt sich jedoch
    auch aus detaillierten Kenntnissen über die relevanten Vorgänge im
    Gehirn keine Antwort geben. Die Praxis zeigt, dass beim Menschen
    individuelle Unterschiede in der Reaktion auf bestimmte Stoffe vorhanden
    sind. Mit Versuchen am Medikament Ritalin wurden diese Unterschiede
    damit erklärt, dass in den einzelnen Gehirnen eine unterschiedliche
    Anzahl an Dopamin-D2-Rezeptoren vorhanden sind. Ist diese Anzahl bei
    einer Testperson gering, empfindet sie die Wirkung der Substanz als
    angenehm. Die erwähnten Unterschiede in den neurobiologischen
    Voraussetzungen könnten genetisch bedingt sein.






    Willensschwäche als Auslöser?




    Die WHO fordert, dass man den an einem Abhängigkeitssyndrom erkrankten
    Menschen weder eine Willens- noch eine Charakterschwäche unterstellt.
    Abhängigkeit ist eine Krankheit, die jeden treffen kann,- eine oftmals
    chronische Krankheit, die aus dem Zusammenspiel biologischer und
    Umweltfaktoren verstanden werden kann. Sie erscheint meistens
    gleichzeitig und verknüpft mit anderen somatischen oder psychischen
    Störungen.





    Folgen des Abhängigkeitssyndroms




    Die Folgen des Abhängigkeitssyndroms hängen wesentlich von der
    psychotropen Substanz ab, zu der die Abhängigkeit besteht. Zusätzlich
    besteht ein unterschiedliches Abhängigkeitspotenzial. Siehe daher auch
    die Hauptartikel zu den einzelnen Substanzen.






    Begleiterkrankungen




    Neben dem Abhängigkeitssyndrom gibt es eine Reihe von körperlichen und psychischen Begleitkrankheiten.





    Psychische Begleiterkrankungen




    Häufige psychische Begleitkrankheiten sind Angststörungen, Depression,
    Anpassungsstörungen sowie Persönlichkeitsstörungen und Psychosen.
    Möglicherweise werden Menschen, die psychische Störungen aufweisen, eher
    abhängig. Die Befriedigung der Abhängigkeit nimmt im Leben der
    Betroffenen einen immer größeren Raum ein. Die Aufmerksamkeit der
    Konsumierenden wird von der Motivation zum Substanzkonsum zunehmend auf
    Konsum und Beschaffung der psychoaktiven Substanz und das anschließende
    Verweilen im Rauschzustand verlagert. Daraufhin werden andere
    Aktivitäten, Interessen und Verpflichtungen vernachlässigt. Die
    Persönlichkeit, oder die Persönlichkeitsentwicklung, kann erheblich
    beeinträchtigt werden.






    Therapie




    Die klassische Therapie bei einem Abhängigkeitssyndrom hat den
    dauerhaften Verzicht (Abstinenz) auf die abhängigkeitserzeugende
    Substanz zum Ziel und gliedert sich in der Regel in folgende Punkte:




    körperlicher Entzug der abhängig machenden Substanz ("Entgiftung")


    psychotherapeutische Behandlung (nebst Kurzinterventionen v. a. auch
    Langzeitentwöhnung) in einer Fachklinik (Psychosomatische Klinik), wobei
    diese ihr Augenmerk auf eventuelle Defizite in der
    Persönlichkeitsentwicklung der Patienten legen und sich stark an
    individuellen Ressourcen orientieren.


    Mitarbeit in Selbsthilfegruppe, zum Beispiel Anonyme Alkoholiker.




    Neuere Ansätze, vor allem in der Therapie von Alkoholkranken, streben
    das ehrgeizige Ziel des Wiedererlangens der Fähigkeit zum kontrollierten
    Konsum an.




    In der Behandlung Opiatabhängiger kann die (manchmal dauerhafte)
    Verabreichung eines Substitutionsmittels im Rahmen einer
    Substitutionstherapie zu einer deutlichen Schadensbegrenzung (engl.:
    harm reduction) führen, sodass hier die Forderung nach Abstinenz als
    alleiniges Behandlungsziel aufgegeben wurde bzw. jeweils im Einzelfall
    (und eventuell immer wieder neu) entschieden werden muss. Die
    Wirksamkeit einer Dauersubstituton ist überzeugend belegt und wird auch
    vom Gesetzgeber anerkannt. Es werden auch Medikamente entwickelt, die
    nicht als Substitution zu betrachten sind, sondern die
    Abhängigkeitssymptome gezielt bekämpfen sollen z.B. Clofenciclan.




    Die Behandlung von Abhängigkeiten hat sich zu einem Spezialgebiet der
    Medizin entwickelt, das heute zunehmend auch auf Erkenntnissen der
    Neurobiologie aufbaut und ein ganzes Spektrum an therapeutischen
    Verfahren anbieten kann. Die Pädagogik ist dann gefordert, wenn es um
    den Umgang mit drogenabhängigen Jugendlichen oder um Jugendliche geht,
    welche einen problematischen Umgang mit Suchtstoffen aufweisen. Genauso
    dann, wenn es um das weite Feld der Abhängigkeitsprävention geht.






    Prävention




    Neuere Ansätze zur Prävention schädlichen Substanzkonsums setzen heute
    nicht mehr auf Abschreckung (d.h. das Verschweigen der angenehmen
    Wirkungen einer Substanz unter Betonung ihrer organismusschädigenden
    Eigenschaften). Abschreckung wurde von den Zielgruppen (i.d.R.
    Jugendliche/junge Erwachsene) nicht ernst genommen und hat vermutlich
    eher noch zum Konsum angeregt (Reiz des Verbotenen). Man setzt heute
    vielmehr auf Aufklärung; und zwar sowohl, was die (von den
    Konsumierenden) beabsichtigten Wirkungen anbelangt, als auch die
    unerwünschten Nebenerscheinungen des Konsums wie spezifische
    Schädigungen des Organismus (z.B. auch durch Streckmittel) und
    Abhängigkeit. Diese Erziehung zu mündigen Individuen impliziert eine
    Alternative zur auf Repression ausgerichteten Drogenpolitik, in der
    Konsum als nicht tolerabel hingestellt wird.




    Wichtig für die potentiell Konsumierenden (aber auch für die Rolle der
    Aufklärenden) ist somit das Wissen um die Vor- und Nachteile der
    Substanzen und deren Konsum sowie die damit eingehende Ermächtigung zu
    einem eigenen Meinungsbild, das sie somit mit einer stabilen Basis
    rüstet, auf der Entscheidungen getroffen werden können. Prävention
    sollte auch so weit gehen, dass nicht davon ausgegangen wird, dass kein
    Konsum stattfindet. Es sollte dann z.B. bei Ecstasy-Konsum darauf
    hingewiesen werden, diesen erstens nicht mit anderen Substanzen zu
    mischen, und zweitens ausreichend auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu
    achten, um gefährliche Kreislaufkollapse durch Dehydrierung zu
    vermeiden. Vielerorts wird auch die Entwicklungsaufgabe des
    "Verantwortungsvollen Umgangs mit psychoaktiven Substanzen" diskutiert;
    der junge Mensch soll also lernen, mit der Tatsache des bestehenden
    Angebots legaler und illegaler Substanzen zurechtzukommen.




    Zur Prävention gehören ebenfalls die Stärkung der Persönlichkeit und das
    Aufzeigen von Alternativen zum Substanzkonsum. Diese Alternativen
    müssen für die potentiellen Konsumierenden erlebbar sein,-
    beispielsweise die Erfahrung, dass man sich nach ein zwei Stunden
    "Auspowern" in einer interessanten Sportart mindestens ebenso "relaxed"
    fühlt wie durch den Konsum von Cannabis - und man hat dazu noch etwas
    für die persönliche Fitness getan. Oder dass man durch bestimmte das
    Selbstwertgefühl steigernde mentale Techniken ebenso viel Mut
    entwickelt, das "Objekt der Begierde" auf der Party anzusprechen wie
    durch den Konsum von Alkohol.




    Die Stärkung der Persönlichkeit aber auch substanzspezifische Aufklärung
    sollte ferner - wie auch sexuelle Aufklärung - bereits so früh wie
    möglich (d.h. bereits im Kindesalter) beginnen, denn der erste Kontakt
    mit Drogen (und Sexualität) findet heute oft zeitgleich mit der
    Adoleszenz statt.






    Abgrenzung zu nicht-stofflicher Abhängigkeit 




    In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der
    Abhängigkeitsbegriff auf andere zwanghafte Ersatzhandlungen erweitert
    und so eine Unterscheidung zwischen stofflicher und nicht-stofflicher
    Abhängigkeit geschaffen. Patienten können dabei ihrem zwanghaften
    Verhalten ähnlich ausgeliefert sein wie Substanzabhängige. Diese
    Verhaltenssüchte werden – in immer neuen Varianten – nach der jeweiligen
    Handlung benannt: Spielsucht, Sexsucht, Arbeitssucht, Kaufsucht,
    Esssucht, Internetsucht, Sportsucht, etc. Auch die umgangssprachlichen
    Bezeichnungen einiger Essstörungen enthalten den Wortbestandteil
    Sucht“, wie etwa Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa) oder Magersucht 
    (Anorexia nervosa). Damit werden allerdings auch wieder nur, wie im
    Mittelalter, geradezu volksetymologisch augenscheinliche, für vom Laien
    als typisch und krankhaft erachtete Kennzeichen zum Anlass für
    Wortzusammensetzungen mit -sucht genommen




    Den sogenannten stoffgebundenen Abhängigkeiten kommt dabei eine
    repräsentative Bedeutung zu. Sie veranschaulichen in drastischer, aber
    zugleich auch einschränkender Weise eine Erscheinung, der man auf fast
    allen Gebieten des menschlichen Erlebens und Verhaltens begegnen kann.
    Ob Arbeiten, Sammeln, Kaufen, Spielen, Essen oder Sexualität – fast jede
    Form menschlichen Interesses kann zu Verhaltensweisen führen, denen
    Krankheitswert zukommt (=nicht-stoffgebundene Abhängigkeit).




    Diese umgangssprachlich als „Süchte“ bezeichneten Syndrome
    („Spielsucht“, „Ess-Brech-Sucht“, „Mondsucht“) werden nicht als
    Abhängigkeitssyndrom bezeichnet. Man spricht von
    Verhaltensabhängigkeiten; übermäßig ausgeprägte
    Persönlichkeitseigenschaften wie Machtstreben oder Bindungsbedürfnis
    werden als Bestandteil von Persönlichkeitsstörungen angesehen.






    Abhängigkeitssyndrom als gesellschaftliche Fiktion?




    Es wird behauptet, dass die Abhängigkeit nur ein gesellschaftliches,
    nicht etwa ein medizinisches Phänomen sei. Abhängig sei, wer von der
    Gesellschaft für abhängig erklärt werde.




    Dies mag für eine bloße Abhängigkeit teils zutreffen; beim
    Abhängigkeitssyndrom finden sich hingegen medizinische und
    psychologische Symptome und Erscheinungen, die es rechtfertigen, das
    Abhängigkeitssyndrom als Krankheit zu qualifizieren.


    Abhängigkeitssyndrom und (stoffliche) Abhängigkeit von nicht-psychotropen Substanzen [Bearbeiten]




    Dem Abhängigkeitssyndrom werden nur Abhängigkeiten von bestimmten
    Substanzen zugerechnet; Koffein wird beispielsweise, obwohl seine
    regelmäßige Einnahme durchaus psychotrope Folgen zeigt und bei
    Unterlassen der Einnahme Entzugserscheinungen auftreten, nicht zu diesen
    Substanzen gezählt.






    Sonstiges




    Dem Verlangen nach der psychotropen Substanz werden nach Verständnis der
    Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Kräfte des Verstandes
    untergeordnet. Es beeinträchtigt die freie Entfaltung der Persönlichkeit
    und kann die sozialen Bindungen und die sozialen Chancen eines
    Individuums beeinträchtigen oder zerstören. Abhängigkeit wird von der
    WHO als Krankheit eingestuft und nicht als Willens- oder
    Charakterschwäche.




    Auch körpereigene biochemische Botenstoffe (Neurotransmitter), die
    beispielsweise bei sportlicher, stoffwechselbedingter oder sexueller
    Betätigung ausgeschüttet werden, können zu einer Abhängigkeit führen.
    Wie bei jeder anderen körperlichen Abhängigkeit treten beim Absetzen
    echte Entzugserscheinungen auf, da die Substanz Teil des Stoffwechsels
    geworden ist. Auch eine Verlagerung auf andere (körperfremde) Substanzen
    durch das Individuum ist dabei nicht auszuschließen.




    Der Begriff der Abhängigkeit taucht auch in anderen gesellschaftlichen
    Kontexten auf als der Medizin; dies hat Auswirkungen auf die Definition.
    Zum Beispiel:


    • Wenn Konsum von psychoaktiven Substanzen zu einer
      Überschreitung von Gesetzen führt, wird Abhängigkeit oder Substanzkonsum
      strafrechtlich definiert. Fragestellungen dieser Art berühren dann in
      der Regel die Arbeitsgebiete der Toxikologie im Bereich der
      Rechtsmedizin.
    • Wenn man die Überzeugung hat, dass die Ursache von
      Abhängigkeit persönliche Defizite sind, wird Abhängigkeit psychologisch
      erklärt.




    Zitat

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