Extreme Geräuschüberempfindlichkeit

  • Hallo ihr lieben, ich wollte einmal nachhören, ob jemand von euch dasselbe Problem hat oder schon mal erlebt hat.


    Ich leider unter einer fast unerträglichen Geräuscheüberempfindlichkeit, vor allem beim Hören von Schritten, egal ob laut oder leise oder ob mit oder ohne Stöckelschuhen (bei Stöckelschuhen ist es halt etwas schlimmer als bei flachen Schuhen). Ich werde innerlich sehr aggressiv und bin sehr reizbar und würde mich am liebsten sofort verkrümeln. Ganz schlimm finde ich auch, wenn jemand ständig in schnellem Tempo den Flur rauf und runter läuft (vor allem im Büro). Und lautes Lachen etc. kann ich auch kaum ertragen. Ich bekomme sofort Beklemmungen und könnte sofort losheulen, das belastet mich wirklich sehr. Auch wenn ich zu Hause bin und mein Mann läuft in der Wohnung hin und her oder wenn ich mich schlafen lege und er läuft noch rum, könnte ich die Krise bekommen. Ich bekomme richtig schlimme Panikattacken. Das ist für mich eine enorme Belastung, dass ich diese Geräusche aus meinem Umfeld nicht ausblenden kann... Dann ist es auch so, dass ich mich ständig und überall beobachtet fühle, wie z.B. beim Essen oder bei der Arbeit... ich weiß, dass ich nicht so interessant bin, dass mich ständig jemand beobachtet, aber dieses Gefühl macht mich fertig. Wenn es an der Tür klingelt... sofort Herzrasen bis zum Abwinken. Ich halte das nicht aus... -(


    Das kostet einfach so viel Energie und ich weiß nicht, wie ich da was gegen tun kann? Kennt ihr das auch und was macht ihr in solchen Situationen?

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  • Hey Paindrop,


    also kennen tue ich das nicht persönlich. Allerdings kenne ich es als Teil von diversen psychischen Störungen. Frage mich gerade aber in welche Richtung das bei dir geht. Bezieht sich das auf alle Alltagsgeräusche oder nur auf die in deinem Post näher spezifizierten? War das schon immer so oder hat sich das erst entwickelt?
    Von der PTBS her kenne ich es z.B. als Traumareaktion oder als Zeichen von Überreiztheit, bei Tourette oder Asperger kommt das auch teilweise vor. Als neurologischens Phänomen ist es mir auch schon mal über den Weg gelaufen. Und das Beobachtungsgefühl verbinde ich z.B. mit dem Spotlighteffect. Kann, muss aber nicht sein.
    Hilfe wirst du denke ich erst finden, wenn du das näher zuordnen kannst, da das schon ein weites Symptomatikfeld ist und auf der anderen Seite deine Reaktionen sehr spezifisch sind. Hast du rein körperliche Ursachen schon ausgeschlossen?
    Also, deine Frage kann ich dir nicht beantworten, aber klugscheißen, dass ich denke, dass es dir (noch) nichts bringt, wenn ein Erfahrungsaustausch stattfindet. Der Gang zum Arzt, Neurologen und/oder Therapeuten erscheint mir da notwendig, da man wissen muss, womit man es zu tun hat und sich das mit hoher Wahrscheinlichkeit feststellen lässt.
    Hoffe meine Antwort war jetzt nicht allzu unnütz, ist ja nicht das, nach dem du gefragt hattest :)

  • Hallo Grany,


    danke für deine Antwort :-) ich habe eine PTBS diagnostiziert bekommen und chronische Depressionen. Ich nehme auch Antidepressiva (Citalopram und Doxepin). Die Überempfindlichkeit bezieht sich vor allem auf ständiges räuspern" mit dem Stuhl rücken (das hat meine Mutter damals immer gemacht, bevor sie in mein Zimmer kam, um mich fertig zu machen). Es geht um viele alltägliche Geräusche. Schritte finde ich ganz besonders schlimm und das Läuten einer Klingel oder Telefonklingel und öffnen und Schließen von Türen und Anklopfen an der Tür (bekomme sofort Panik und Herzrasen). Lautes Lachen und singen nerven mich extrem und dann bin ich dermaßen gereizt und bin dann auch nicht in der Lage, mich nett mit jemanden zu unterhalten... Ich mache innerlich dann total dicht. Und ich könnte dann auch weinen, aber das mache ich meistens nach Feierabend, wenn ich das solange aushalte. Ich bin irgendwie mit der Außenwelt total überfordert. Ich kann manchmal auch nicht zu einem bestimmten Discounter reingehen, wenn z.B. jemand mit Zeitschriften vor dem Geschäft steht, um diese zu verkaufen. Ich bin schon bevor ich da bin, total genervt und ich weiß nicht warum eigentlich...


    Ich fühle mich manchmal wie Jack Nicholson in dem Film "The Shining" :-( nur mit dem Unterschied, dass ich nicht in einem zugeschneiten Hotel festsitze *lach*

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  • Hey Paindrop,


    hm, das klingt für mich doch nach Triggern auf die du mit alten/übergeneralisierenden Emotionen reagierst. Wie gut kennst du dich mit deiner PTBS aus? Hast du das (falls du eine machst) mal in der Thera angesprochen? Schon mal DBT gemacht?


    Falls das in Richtung Trigger geht, dann hilft dir vielleicht mehr innerer Ruhe, Stabililtät, Reorientierung ins Jetzt und ein besseres Sicherheitsgefühl im Alltag. Was denkst du?

  • Hey grany,


    ich war ca. fünf Jahre in Therapie. Nach ca. 3 Jahren wurde mir eine PTBS diagnostiziert, (vorher war die Tendenz zu einer Borderline-Persönlichkeitsstörung stärker) Es ist auch nicht so leicht, beide Krankheiten streng auseinanderzuhalten, da doch viele Symptome ähnlich ausgeprägt sind. Ich habe mich viel mit dem Thema beschäftigt, mein Problem ist einfach, dass ich nicht abschalten kann. Wenn ich viel Stress habe, wünsche ich mir etwas Ruhe. Sobald ich Ruhe habe, kommen die Flashbacks und alle Bilder prasseln auf mich ein. Mein Therapeut ist damals in Rente gegangen, ohne mir Bescheid zu sagen. Ich habe ihn angerufen und wollte einen neuen Termin vereinbaren, da sagte er mir, nein, wir könnten keinen neuen Termin vereinbaren, da er nicht mehr praktiziert. Seit ca. 3 1/2Jahren bin ich nicht mehr in Therapie. Meine Medis bekomme ich von meinem Hausarzt verschrieben, ich habe von meinem Therapeuten eine Bescheinigung bekommen, dass ich die Medis brauche.



    Ich war ja bevor er in Rente gegangen ist, ca. 2 1/2 Jahre krankgeschrieben regelmäßig in Therapie, beinahe hätte er mich in Frührente geschickt. Ich habe für mich aber dann damals entschieden, dass ich wieder arbeiten möchte, da ich sonst nur so vor mich hin vegetieren würde. Habe zwei Jobs. Hauptberuflich arbeite ich im Büro und zusätzlich bin ich noch im sozialen Bereich tätig. Durch den Stress merke ich halt, dass ich sehr gereizt bin und extrem geräuschempfindlich bin. Wenn ich Urlaub habe, habe ich das Problem zwar auch, aber es ist nicht so extrem. Dieses extreme hin und her zwischen unerträglicher Leere und übermäßiger Geräuscheüberempfindlichkeit macht mich fertig. Ich habe bisher noch keinen neuen Therapeuten gesucht. Ich rede mir selbst ein, dass ich dafür keine Zeit habe, weil ich beruflich viel unterwegs bin. Ich bin wirklich viel unterwegs und komme abends erst spät nach Hause. Ich kann mich irgendwie nicht überwinden...

  • Hey paindrop,


    man muss halt schon was verändern, damit sich was verändert ( darauf höre ich selbst selten ;) ). Du hast dir dein Eingangsanliegen ja quasi mit deinem letzten Posting beantwortet :)
    Wenn sich in dir was einem Therapieneuanfang widersetzt, dann könntest du doch auch erstmal andere Wege wählen. Vielleicht in Form von ein Tag die Woche früher Schluss und ins Yoga - oder was auch immer dir da gut tut. Musst ja nicht komplett in Ruhe sein und die Flashbacks auslösen lassen. Sonst hängst du vermutlich ewig in dem Kreis fest, dass du einerseits zu viel arbeitest, um Ruhe zu vermeiden damit du funktionsfähig bleibst und dich das andererseits ja auch krank zu machen scheint und dir zusetzt. Da gibt es sicher noch einen Mittelweg, denke ich.


    Man kann auch Therapie machen mit wenig Zeit. Es muss ja nicht die klassische wöchentliche Therapiesitzung sein. Manche Thera bieten auch WE-Termine an. Es kann auch nur einmal im Monat sein oder eben nur eine kurzzeitige Beratung zur Stabilisation. Aber wie gesagt, es muss ja auch nicht gleich Therapie/Traumaaufarbeitung sein - ist meine persönliche Meinung.
    Das sich selbst an Therapie hindern (falls es denn so wäre!) könnte auch Form von SVV oder eine Schutzfunktion haben, die dich vielleicht vor Enttäuschung oder Destabilisierung schützt. Vielleicht brauchst du das einfach noch? Andererseits, bis du eine Thera anfangen könntest, gehen ja auch einige Monate ins Land, so das du eh noch Zeit hättest, theoretisch.