Angst vor/mit Leuten zu reden

  • Hey,

    ich habe ein mehr oder weniger großes Problem. Ich weiß nicht, ob das 'nur' extreme Schüchternheit ist, aber ich habe Angst und Probleme mit und vor Leuten zu reden. Diese Angst bricht in mir eigentlich nur aus, wenn ich die Person nicht so gut kenne, oder sie nicht oft sehe.

    Es behindert und beschränkt meinen Alltag, so, dass es für mich kaum auszuhalten ist.

    Es fängt schon morgens an, wenn ich mir eine Busfahrkarte kaufen muss, und endet abends, wenn ich telefoniere oder mir etwas zu Essen bestelle.

    Es sind diese alltäglichen Dinge, die ich kaum überwältigen kann. Grade in meinen Noten macht sich sowas sichtbar, wobei ich generell nicht die beste in der Schule bin. Jedoch macht es das nicht besser.


    Wisst ihr was man da machen kann?

    Habt ihr vielleicht selbst solche Probleme?

  • Hast du ne Ahnung woher deine Ängste kommen, also vlt durch einen bestimmten Vorfall?


    Da es doch recht weitreichende Auswirkungen hast, sogar bei deinen Noten, solltest dir mal überlegen ob eine therapeutische Abklärung in Frage kommen könnte.


    LG Franz

    Fange nie an aufzuhören <-> höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Nein, leider nicht. Früher habe ich mir leider angewöhnt lieber garnichts zu sagen, als etwas falsches zu sagen. Vielleicht hängt das damit irgendwie zusammen.


    Ich habe bereits mit einem Sozialarbeiter welcher in unserer Schule tätig ist gesprochen. Freitag habe ich dann den dritten Termin, und er meinte auch, dass tatsächlich sehr viele das gleiche Problem hätten. Jedoch habe ich immer noch Zweifel, ob das überhaupt klappen wird.

  • Das kann mehrere Ursachen haben.


    Was meinst du, wenn du sagst, du findest es besser, gar nichts zu sagen, als etwas Falsches zu sagen?


    Was ist den in der Vergangenheit passiert wenn man etwas "Falsches" gesagt hat, da wo du lebst?


    Wurde man ausgelacht?

    Wurde man niedergeredet?

    Sollte man zum Schweigen gebracht werden?

    Wurde man als dummer Trottel hingestellt?
    Wollten andere lieber selber reden, statt zuhören?


    (Wer bestimmt oder weiß eigentlich, was falsch und was richtig ist?)


    Außerdem ist dein Ziel beim Reden wichtig. Warum wolltest du über etwas reden.


    Warum hast du dich dann zurückgezogen.


    Es ist wichtig das zu überdenken und neu zu bewerten.


    Ich denke ein Hauptgrund, zur Schüchternheit bei Fremden ist die Unsicherheit, mit wem man es zu tun hat, und welche Übergriffe eventtuell von ihm ausgehen (plötzliche Aggression, Auslachen, Vertrauensunwürdigkeit usw.).


    Menschenkenntnis ist wichtig, kriegt man mit den Jahren mehr, und auch Wahrnehmung, Interpretation, Missverständnisse, Ungewissheit, Fehldeutungen spielen Rollen.


    Generell würde ich Schüchternen Leuten nur empfehlen, das sprachliche Ausdrucksvermögen zu stärken. Also viel lesen, vielleicht Schreiben. Viel mit Leuten Sachthemen erörtern.


    Außerdem ganz wichtig: Schlagfertigkeit. Manchmal fühlt man sich übertölpelt und erstarrt. Dann fallen einem hinterher, Stunden später erst, die Sachen ein, die man wirklich meinte, oder die Antworten, die angemessen gewesen wären.


    Das ist OK. Dieses Nachdenken ist wichtig. Wenn man viel nachdenkt und für sich selber Zusammenhänge oder Entgegnungen klärt oder durchspielt, dann wird man mit der Zeit schlagfertiger. Die Antworten fallen einem schneller ein. Vieleicht schon kurz nach der Situation. Mit noch mehr Erfahrung wird man irgendwann dann schlagfertig, und kann sich im Gespräch noch behaupten. Letztendlich kommt es irgendwann wie aus der Pistole geschossen und trifft den Nagel auf den Kopf.


    Aber das dauert Jahre. Und geht halt nicht indem man nur komplett ausweicht. Man muss schon auch üben. Aber es soll auch Spaß machen, Reden und Austausch sollte eigentlich Spaß machen gut tun und interessant und bereichernd sein. Das gilt übrigens auch für kontroversen Austausch. Es müssen nicht immer alle dieselbe Meinung haben oder dieselben Erfahrungen gemacht haben, Kontroverse und gegensätzliche Ansichten sind vollkommen gewöhnlich.


    Reden ist vielfältig. Sachen beschreiben, erörtern, diskutieren, Kontroversen haben, etwas durchdringen, etwas ausdiskutieren, überzeugen, umstimmen, zustimmen, oder auch unlösbare Gegensätze so stehen zu lassen. Sprachliche Kompetenz kommt aber nicht von selber, sondern wenn man sich viel auseinandersetzt.


    Weiß nicht ob das "weiterhilft" oder eher an genau deinem Thema vorbeigeht.

    Ich bin kein Fachmann. Alle meine Aussagen sind nur meine laienhafte Einschätzungen, die auf eigenen unzulänglichen Überlegungen oder subjektiven Erfahrungen beruhen.

  • Erstmal Danke für Deine ausgührliche Antwort.

    Ich habe vergessen, zu erläutern, dass ich mit 'früher' meine Grundschulzeit meinte. Da hat sich das alles denke ich ausgeprägt. Antworten, von denen ich dachte, dass sie richtig wären waren falsch.

    Natürlich macht jeder Fehler, jedoch hatte ich schon immer Angst diese in der Öffentlichkeit zu machen, grade weil es mir unangenehm war.

    Ich weiß nicht ob nur unsere Klassen so sind, aber bei uns wird man dann schnell mal ausgelacht, dumm dargestellt und noch Wochen lang damit aufgezogen.

    Da ich aber ein Mensch bin, der nicht grade weniv Fehler macht, wurde bei mir sowas immer häufiger. Jedoch habe ich mich nicht daran gewöhnt, sondern Angst davor gekriegt.

    Ich habe schon immer relativ viel gelesen, aber schreiben war noch nie meins, da ich meiner Meinung nach zu unkreativ dafür bin.

    Bei der Schlagfertigkeit hapert's noch. Manchmal bin ich relativ schlagfertig, aber das hält sich dann meistens auch in Grenzen.

    Ich rede generell nicht so gerne, aber ich denke beim Diskutieren kann ich mich ab und zu ganz gut behaupten.

  • Lehrer wollen auch manchmal Antworten in ihrer eigenen Denkweise kriegen. Ein nicht flexibler Lehrer denkt sich nicht in dich ein, sondern fordert von dir Anpassung an sein (evtl. starres) Denken ein.


    Ich kann mich erinnern, es kam eine Frage in der Schule, die ich beantwortete. Doch verneinte der Lehrer. Was ich gesagt hatte, war "falsch". Obwohl es zu 100 % objektiv zutreffend war, und für jedermann in der Literatur nachlesbar ist.


    Das war sehr frustrierend, zumal ich gerade in einer sehr labilen Situation war. Man wird konditioniert auf's Wissen ansammeln, Anerkennung der Erwachsenen suchen, indem man mitmacht, und dann, wenn man sich beliest, wird man abgekanzelt. Evtl. noch als Bedrohung und Quertreiber und Besserwisser angesehen. Ein guter Lehrer hätte, da die Antwort zudem plausibel war, gesagt: "das wäre mir neu", oder "falls ja, dann weißt du in dem Punkt mehr als ich".


    Zu dem öffentlich Fehler machen: Ein Schüler darf das. Jeder darf das. Wenn du natürlich ein perfektes Bild abstrahlen willst. Als Schutz, Status, was auch immer, dann hast du eventuell einen (zu) hohen Anspruch. Schule sollte eigentlich spielerisch sein. Wenn jeder die Zähne nicht mehr auseinanderkriegt, aus Angst, dann stimmt was nicht.


    Man spricht auch von Fehlerkultur. Fehler kann man machen, identifizieren, korrigieren (Lernen).


    Wenn du sagst dass du viele Fehler machst interpretiere ich das eher positiv, du bist aktiv, versuchst, und läufst dabei oft auf. Das nennt man Lernen. Eigentlich soll dafür Raum sein gerade in aber nicht nur in der Schule. Vielleicht gibt es auch bessere Schulen oder Klassen als deine. Aber bestimmt auch schlechtere.


    In der Schule lernt man scheinbar eher vorsichtshalber die Luft anhalten, Fehler sind ein Tabu, sonst wird man gemobbt.


    Wo ist da das Spielerische? Das ist ja schon so bierernst wie bei den Erwachsenen.


    Naja, aber da "sollen" die Jugendlichen ja auch hin gebracht werden. Sich in die vorherrschenden Gepflogenheiten einzufügen. Mobbing, Konkurrenz, wegducken.


    Traurig. Das sind aber denke ich, verbreitete Stimmungen und Probleme im Zusammenleben.


    Wenn du denkst dass du zum Schreiben zu unkreativ wärst: man muss ja keine Prosa schreiben, man kann ja auch Sachtexte schreiben, beschreibend oder erörternd. Aber mir ging es dabei nur um die Reflexion von Sachverhalten und das Ausdrucksvermögen beim Beschreiben solcher. Das scheint nicht dein Problem zu sein, eher Schattenseiten im menschlichen "Miteinander".


    Ansonsten sind alle Menschen sozial unsicher. Manche viel, manche wenig. Im Idealfall findet man gute Strategien, sich zu behaupten, einzubringen und zu integrieren. Wenn man die nicht findet, können so Ängstlichkeiten auch bleiben oder wiederkommen. Ich kenne das selber zur Genüge. Normalerweise dürfte sich viel davon auswachsen, im Maße wie man reifer wird. Außerdem kann man sich teilweise seine vertrauten Kontakte aussuchen, und das ist gut so. Vielleicht können auch andere Ansätze helfen. Sportlicher Erfolg alleine oder in der Gruppe. Kampfsport. Aber das ist spekulativ. Jeder ist etwas anders.

    Ich bin kein Fachmann. Alle meine Aussagen sind nur meine laienhafte Einschätzungen, die auf eigenen unzulänglichen Überlegungen oder subjektiven Erfahrungen beruhen.