Ich weiß nicht mehr weiter....

  • Liebe Leser,


    ich verstehe momentan die Welt nicht mehr.


    Erstmal zur Vorgeschichte:


    Mein noch Lebensgefährte (27) und ich (32) sind jetzt seit 3 Jahren und 9Monaten zusammen.

    Als ich ihn im November 2014 kennen gelernt habe, wusste ich zunächst nichts von seiner Lebensgeschichte und dass er ein Problem mit Alkohol und Cannabis hatte. Kurze Zeit darauf kam er mit der Sprache raus und kiffte und trank regelmäßig. Ich bemerkte schnell, dass dieses Verhalten u.a.eine familiäre Ursache hatte. Immer wieder sagte er mir, dass er das alles nicht will und weiß, dass er es ändern muss, um das Leben zu führen, was er sich vorstellt. Ich hielt zu ihm, er zog bei mir ein. Ab da hatte er Phasen, in denen er stabil bzw.abstinent war und Phasen, in denen ihm seine Psyche so zu schaffen machte, dass er wieder zurück fiel. Immer wieder fing ich ihn auf und es trug auch Früchte. Er holte einen höheren Schulabschluss nach und stabilisierte sich körperlich und psychisch. Er versprach immer wieder komplett aufhören zu wollen, was ihm Ende 2016 mit dem Alkohol komplett und mit dem Cannabiskonsum für drei Monate gelang.

    2017 kiffte er “nur “ noch Phasenweise und ging auch arbeiten. Hinzukommend machte er eine Psychotherapie und ging dieses Jahr zur Drogenberatung. Dieses Jahr hat er von Januar bis Ende April nicht gekifft, fing dann jedoch wieder für 1 1/2 Monate an.

    Da er nach einer Konsumphase immer behauptete, dass er die Beziehung nicht mehr will, kurze Zeit darauf aber meinte, dass ich immer recht gehabt hätte, dass er mit dem Kiffen aufhören muss und ihm es Leid täte, was ich mit ihm durchgemacht habe, vertraute ich ihm und wir führten die Beziehung weiter. Es war auch sein Wunsch.

    Nun dieses Jahr im Juni, als er das letzte mal über die 1 1/2 Monate kiffte, zog ich einen Schlussstrich und sagte ihm, dass ich mich jetzt endgültig trennen würde.

    Er war verzweifelt und sagte mir wieder, was er denn noch tun sollte, er hätte schon viel versucht und gemacht.

    Ich riet ihm zu einem Psychiater ins Krankenhaus zu gehen und sich beraten zu lassen. Das taten wir auch.

    Dieser hörte sich seine Geschichte an und verschrieb ihm daraufhin Venlafaxin, was ihm u.a.seine sozialen Ängste nehmen sollte. Er fing es an zu nehmen und es kam die schönste Zeit in der ganzen Beziehung. Ich hatte einen aufgeschlossenen, gut gelaunten, liebevollen Menschen an meiner Seite.

    Doch Mitte Juli bemerkte ich, dass er sich über Tilidin im Internet informierte. Ich bekam Angst. Er erklärte mir, dass es Euphorie etc. bewirken würde. Ich informierte mich eigenständig und bekam heraus, dass es stark abhängig macht.

    Ich sagte ihm, dass er doch sein Medikament hätte und nicht noch zusätzlich etwas bräuchte, trotzdem musste ich leider, kurze Zeit darauf, erfahren, dass er sich nachts auf den Weg in das Büro des Pflegedienstes machte, in dem ich arbeite. Er ging mit meinem Schlüssel hinein und entwendete nicht nur Tilidin Tabletten sondern auch Diazepam Tropfen. Ich war sauer und schockiert.

    Vor allem nahm er es heimlich hinter meinem Rücken, war nicht ehrlich zu mir, dass er ins Büro gegangen war(setzte so meine Stelle auf's Spiel) und lügte mich so wieder an. Nachdem ich ihn zur Rede gestellt hatte, entschuldigte er sich und meinte, dass ich recht hätte und es ein Unding wäre, was er getan hat.

    Er nahm weiter das Venlafaxin und ich versteckte den Büroschlüssel.

    Nach kurzer Zeit musste ich nur leider feststellen, dass er es wieder getan hatte, als ich leider im müden Kopf, den Schlüssel vergessen hatte, wegzulegen.

    Ich verlor kein Wort darüber, vllt auch weil ich wusste, dass keine Tabletten im Büro mehr vorhanden waren, aber ich auch keine Lust/Kraft mehr hatte mich aufzuregen. Während dieser Zeit hatte er zwei weitere Gesprächstermine mit dem Psychiater, in denen er sich erst Promethazin und anschließend Melperon verschrieben ließ. Auch das nahm/nimmt er nach Bedarf. Das ist jetzt zwei Wochen her. Gleichzeitig, plante er jedoch unsere Zukunft, wir suchten uns unsere erste Gemeinsame Wohnung, er sagte mir, dass er sich ein Baby mit mir wünsche und war total lieb. Ich dachte, dies würde das Venlafaxin machen. Ich dachte, endlich seien seine Selbstzweifel etc weg.

    Letzte Woche Samstag waren wir auf der Hochzeit meines Vaters, da war noch alles in Ordnung. Zwei Tage später bekamen wir einen “kleinen“ Streit, seitdem hat er die komplette Beziehung für tot erklärt, will sich trennen und seine eigene Wohnung haben. =OIch verstehe die Welt nicht mehr... ich bin völlig verzweifelt. Gespräche mit ihm bringen nichts. Er blockiert völlig. In der letzten Woche hat er dazu noch zweimal gekifft.


    Was ist los? Kann es sein, dass Tilidin bzw.dieser ganze Medikamenten Cocktail seine vorherige Wahrnehmung stört-Realitätsverlust etc?


    Wahrscheinlich werden sich viele denken, dass ich nicht zurechnungsfähig bin, dass ich das mitmache, aber ihr müsstet die komplette Beziehung/Geschichte kennen. So extrem wie es sich auch anhören mag, wir haben immer wieder in diesen vier Jahren über drei-vier Monate uns weder gestritten noch ansonsten irgendwelche Probleme gehabt. Er war dann ganz normal.


    Ich liebe ihn, er passt in seinen abstinenten Phasen einfach komplett zu mir, dann habe ich an ihm nichts auszusetzen. Wir haben Spaß, unternehmen etwas, kochen zusammen, gehen einkaufen...egal was.


    Ich will ihn verstehen und wissen, wie ich damit umgehen soll.


    Vielleicht habt ihr einfach ein paar Vorschläge.


    Liebe Grüße Herzerg

  • Servus Herzerg,


    ich weiß ehrlich nicht genau ob das gut ist, scheinbar weißt du mehr über ihn, als er über sich selbst.

    Er hat 2 mal gekifft, geht einkaufen, er informiert sich im Netz über Tilidin ...

    Ganz ehrlich, mir würde das Angst machen, schaut fast so aus, als dass er extrem überprüft würde.

    Bedenklich finde ich auch, wie du manches beschreibst - er nimmt Medikament001 und schon ist er mein Wunschpartner. Ich hoffe du sagst das nicht so, hier schreiben ist ja was anderes.


    Natürlich verstehe ich was du grundsätzlich für bedenken hast, aber letztlich kann nur er das Problem lösen.

    Auch Medikamente werden das nicht lösen, er muss verstehen was er tut und was er besser lassen sollte.

    Er muss sich Hilfe suchen, nicht du für ihn!!


    Zudem würde ich mal die großen Gedanken über Zukunft zurückstellen, in der jetzigen Situation ist weder gemeinsame Zukunft und schon gar nicht Kind angesagt.


    Ich bin auch etwas verwundert was da alles für Medikamente eingesetzt werden - letztlich haben alle ein ähnliches Ziel, ob es da wirklich 3 braucht?

    Natürlich kenn ich nicht die Einzelheiten, aber grundsätzlich sollte ja so wenig wie möglich an Medikamenten eingenommen werden.

    Wenn er aber das Ganze mit Tilidin und Diazepam "durcheinanderbringt", dann wundert es auch nicht, wenn alles nur noch ein großer WirrWarr ist.


    Vermutlich ist da wirklich mehr im Busch, wenn er die Beziehung beenden möchte.

    All die Aktionen, also Suchtstoffe klauen und auch noch auf so eine derbe Art, zeigen schon einen enormen Suchtgrad.

    Süchtige erzählen oft genau was der Partner/Familie hören will, kommen Schwierigkeiten, ist "abhauen" der einfachste Weg.


    Ob man einen Suchtkranken verstehen kann, das weiß ich nicht, Verständnis für seine Aktionen kann man vielleicht haben.

    Hier aber ist auch zu beachten, dass man nicht in eine Co-Abhängigkeit gerät!

    Manchmal ist es besser jeder kümmert sich erstmal um seine Sachen und dann schaut man wie und ob es weitergehen kann.


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    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)