Stiefsohn kifft

  • Hallo,

    ich bin noch ganz neu hier, aber ich muss das jetzt einfach mal loswerden. Ich hoffe, dass ich durch den Erfahrungsaustausch etwas für mich lerne.

    Ich schraube mal etwas die Zeit zurück.

    2007 lernte ich meinen jetzigen Mann kennen und wir haben dann eine sogenannte Patchwork Familie gegründet. Ich selbst habe 3 Kinder aus erster Ehe, mein Mann brachte einen Sohn mit in die Beziehung.

    Alles verlief normal, wie es halt auch in anderen Familien abläuft, Harmonie und Streit, eben alles was dazu gehört.

    Als wir das letzte Mal vor gut 6 Jahren umgezogen sind, waren dann nur noch mein jüngster (damals 15) und mein Stiefsohn an Bord (damals 18).

    Es war alles in Ordnung und mit 18 verließ auch mein jüngster das Haus. Nach dem Auszug viel mir dann auf, dass sich mein Stiefsohn veränderte, er nahm nicht mehr am Haushalt teil, blieb nur noch in seinem Zimmer, ging aber seiner Ausbildung nach, sodass wir da etwas beruhigt waren.

    Jedes Mal, wenn ich Hausputz gemacht habe, viel mir im OG ein eigentümlicher Geruch auf, den ich bis dato aber nicht einordnen konnte.

    Bei einem belanglosen Gespräch mit meiner Tochter erwähnte ich diese Tatsache und sie erklärte mir, daß es der typische "Gras" Geruch sei.

    Ich war schockiert,

    Als wir uns kennengelernt haben, waren mein Mann und ich uns einig, wie wir unsere Kinder erziehen und was sie dürfen und was nicht.

    Vor allem haben wir Grenzen gesetzt und Konsequenzen angedroht und dem entsprechend auch durch gezogen.

    Vor allem ich habe dafür gesorgt, dass sich alle an die Regeln halten.

    Bevor ich nun meinen Mann damit konfrontieren wollte, war es mir wichtig, dass an meinem Verdacht etwas wahres ist.

    Ich habe das Zimmer kontrolliert, was mir nicht leicht gefallen ist, da mir eine gewisse Privatsphäre wichtig erschien und fand genau das, was mir im ersten Moment den Boden unter den Füßen weg zog.

    Hasch, eine Bong und alles was man noch dazu benötigt......

    Ich muss nun ebenfalls noch einfügen, dass sowohl mein Mann als auch ich strickt gegen jede Art von Drogen sind und den Kindern damals klar gemacht haben, dass wir so etwas in unseren vier Wänden nicht dulden.

    Ich berichtete meinem Mann von meiner Entdeckung und damit begann etwas, womit ich niemals gerechnet habe.

    Er setzte sich zwar mit seinem Sohn auseinander und verbot ihm, dass Zeug im Haus zu konsumieren, aber das wars.

    Das ist jetzt knapp über zwei Jahre her.

    Es wird weiter gekifft, auch im Zimmer, die Drogen befinden sich im Haus, das Zimmer selbst ist total verdreckt, überall liegt schmutzige Wäsche, es stehen unzählige Getränkedosen mit Kippenresten überall versteckt herum.

    Sobald ich irgend etwas sage, werde ich "angemacht" ich solle mich nicht so anstellen, dass wäre eine vorüber gehende Phase.

    Egal was ich sage oder mache, oder auch nicht mache, ich werde jedesmal in frage gestellt und muss mich rechtfertigen.

    Ich kann ja verstehen, dass man seine Kinder liebt, aber das hat doch in meinen Augen nichts mehr mit Liebe zu tun.

    Ich wollte schon ausziehen, habe mich aber im Moment noch dagegen entschieden, da mein Mann und ich soviel in unser kleines Reich investiert haben und alles mit viel Liebe aufgebaut haben.


    Der junge Mann wird nun 24, hat einen Job und eine Freundin, die regelmäßig zu Besuch kommt. Auch dann findet kein normales Leben statt.

    Sie hocken den ganzen Tag im Zimmer und lassen sich nicht sehen.

    Ich weigere mich, die Wäsche zu machen und kochen müssen Sie ebenfalls selbst.

    Ich habe in den letzten Monaten versucht, alles was meinen Stiefsohn betrifft zu ignorieren, aber ich merke, dass es nur eine gewisse Zeit geholfen hat.

    Ich weiß nicht mehr weiter, ich habe Angst um meine Ehe, ich liebe meinen Mann, aber so kann ich nicht mehr weiter machen.


    Vielleicht hat jemand hier ähnliche Erfahrungen gemacht und kann mir weiterhelfen.

  • Servus Wickie,


    es sind hier 2 völlig unterschiedliche Dinge zu bewerten - zum einen deine Ehe, zum anderen der Stiefsohn.


    Wenn man eine klare Meinung in bestimmten Dingen vertritt, die auch vom Partner mitgetragen wird, dann sollte sich daran nicht unbegründet ändern.

    Natürlich ist es erst mal gut wenn ein Vater zum Sohn steht, aber das darf sich ja nicht gegen die Ehefrau wenden - schon gar nicht, wenn eine mal klare Strategie in Hinsicht Drogen aufgestellt wurde.

    Meiner Meinung macht es sich dein Mann hier einfach zu leicht, will vermutlich Stress mit dem Sohn aus dem Weg gehen oder was auch immer.

    Da dürfte nur über Gespräche was zu machen sein ...

    Was sagt denn dein Mann zur früheren Regel - keine Drogen?

    Von einer Phase kann man auch nicht mehr ausgehen, wenn das Jahre anhält ;)

    Im Alter deines Stiefsohns sollte Wäsche sowie Zimmerreinigung eh nicht mehr deine Aufgabe sein.

    Ignorieren dürfte aber gar nichts bringen, das würde nur funktionieren, wenn er nicht in eurem Haus wohnen würde.

    Wenn du aber schon an Trennung gedacht hast, dann ist das doch nicht der alleinige Grund, oder?

    Auch wenn deine leiblichen Kinder nicht mehr im Haus wohnen, was meinen die dazu?


    Zum Stiefsohn ist nur soviel zu sagen - auch wenn er arbeitet, sagt das ja nichts über eine eventuelle Suchterkrankung aus.

    Viele Anzeichen die du beschreibst, deuten jedenfalls auf einen ausgeprägten Konsum hin und scheinbar ist ihn auch eure Ehe egal.

    Letzteres dürfte ihm ja nicht verborgen geblieben sein, dass genau sein Konsum Probleme in eurer Ehe hervorruft.

    Deinen Stiefsohn wirst du nicht ändern können, gewisse Hausregeln aber schon!

    Was er als "normales" Leben empfindet, das musst ihm überlassen, wenn es auch für die Hausgemeinschaft blöd ist.


    Du solltest deinem Mann klar machen, du wirst das nicht weiter akzeptieren können, du hast es ja versucht, also entweder er schreitet mit dir zusammen ein - oder du musst eben Konsequenzen ziehen.

    Und blöd gesagt, ist es deinem Mann egal, dann solltest ernsthaft über eine Trennung nachdenken.

    Drogensucht ist für Eltern immer eine extreme Belastungssituation, aber gerade hier muss es zur Einigkeit kommen, weil in der Regel Drogen nicht einfach so aus dem Leben verschwinden.

    Auch wenn es dein Mann vielleicht im Moment nicht als großes Problem ansieht, spätestens wird der Drogenkonsum des Sohns kritisch, wenn mal paar Dinge im Leben nicht mehr ganz nach Plan laufen - z.B. Jobverlust, Beziehungsende, Führerscheinverlust oder was auch immer.

    Und mal ganz ehrlich, wenn ihm scheinbar eh vieles schon egal ist, wird sich langfristig auch bei seinem Job Stress in Verbindung Drogen ergeben.

    Fange nie an aufzuhören höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Hallo Franz,

    Danke für deine Worte.

    Eines ist sicher, mein Mann will definitiv keinen Streß und merkt leider auch nicht, dass es zu meinen Lasten geht.

    Es gab in der Vergangenheit immer wieder Gespräche und Diskussionen über das Thema und die Gesamtsituation, sie endeten bei mir in Tränen und bei ihm im Schweigen. Er geht überhaupt auf keine Gespräche in diese Richtung ein.

    Ich habe auch mit meinen Kindern gesprochen, die sich sicher sind, dass sie sich das nie hätten erlauben dürfen, zumal ich da auch rigoros reagiert hätte.

    Ich erinnere mich, dass meine Tochter sich anhören durfte, wenn sie nicht lernt, Ordnung zu halten, sollte sie doch mal über eine eigene Wohnung nachdenken.

    Ich habe sie diesbezüglich auch immer ermahnt, hätte sie aber nie wegen "normaler" Jugendlicher Unordnung aus dem Haus "gejagt".

    An Trennung habe ich nicht als solches gedacht, ich wollte vielmehr erreichen, dass mein Mann merkt, dass es so nicht weiter gehen kann, weil ich so nicht weiter zusammen leben möchte.

    Ich bin sogar schon in einen Putzstreik gegangen, aber auch das hat keinen wirklich interessiert und wenn ich etwas gekocht habe, dann kommt die frage:" und was ist mit.......?"

    Ich geh selbst 30 Std die Woche arbeiten, ich bin doch kein Hausmädchen, das dann noch allen anderen alles hinterher räumt.

    So halte ich es im Moment nach dem Motto :"entweder alle oder keiner"

  • Nun, dann schieß vor allem deinem Mann vor dem Bug - fahr in Urlaub oder geh mal paar Tage zu ner Freundin oder deinen Kids ;)

    Fange nie an aufzuhören höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Hallo Wickie,


    liest du hier noch?

    Dein Beitrag ist ja schon ein paar Tage her.


    Ich wollte trotzdem sagen: Ich kann dich sooooooooo gut verstehen!

    Hab das Kifferchaos auch jahrelang im Haus gehabt.

    Die Ignoranz deines Mannes finde ich unterirdisch.


    Wie läuft's denn aktuell?


    Viele solidarische Grüße


    Thrs

  • Hallo Thrs,

    Ich war ne Weile nicht mehr hier, die Ereignisse überschlagen sich und ich selbst wundere mich, daß ich noch Kraft habe, all das durch zu stehen.

    Leider ist hier im Haus fast alles beim alten, aber durch eine sehr schwere und auch nicht mehr heilbare Erkrankung meines Vaters habe ich meine Prioritäten erst einmal ändern müssen.

    Mein Stiefsohn wohnt immer noch im Haus, das obere Stockwerk reinige ich überhaupt nicht mehr......

    Das Zimmer wirkt wie in einer messie Vorstufe und die neuesten Funde erregen Ekel und Ungläubigkeit.

    In Ecken und Schränken befinden sich vollgepinkelte Pfandflaschen, überall jointreste.......

    Es gab zwar in der Vergangenheit klare Ansagen seines Vaters, aber die Konsequenzen bleiben wie auch vorher aus.

    Inzwischen hat er sich ein dispo einrichten lassen und das Ergebnis muss ich kaum erwähnen.......

    Regelmäßig zum ca. 20ten des Monats ist er blank.

    Da ich selbst mich erstmal um meine Eltern, den Hausverkauf und den anstehenden Umzug mit Ihnen kümmern muss und will, schalte ich im eigenen Haus auf Durchzug.......

    Ich freu mich, wenn ich arbeiten gehe und so verrückt wie es sich anhört, dort merkt man sofort, wenn ich irgendetwas habe.

    Ich habe auch aufgehört, mich um alles zu kümmern, aber selbst das hilft nicht.....

    Ich werde mich vorrangig um das Wohlbefinden meiner Eltern kümmern und darauf achten, daß es mir so gut geht wie möglich.

    Am Dienstag habe ich ein Gespräch bei der Drogenberatung hier vor Ort und dann entscheide ich mich, wie es weiter geht.