Magische Gedanken und Verbote und und und

  • Hallo liebes Forum,


    ich bin recht neu hier mit einem alten Problem. Zu einer generalisierten Angststörung die ich seit hundert Jahren habe, kommen magische Gedanken und Denkweisen hinzu.

    Manche sind leicht zu bändigen, ein anderer, der mit im Moment viel Kummer bereitet ist, der Gedanke, wenn ich in einer neuen Stadt die Arbeitsstelle annehme könnte meinem Kind etwas schlimmes passieren...jetzt bin ich natürlich in einer Zwickmühle, einerseits brauche ich die Stelle, weil ich sonst arbeitslos bin, andererseits werde ich mir nicht verzeihen, wenn meinem Kind etwas passiert. Ich weiß, dass man einfach machen muss, aber was wenn das wirklich eine Vorahnung ist? Und kein Zwang? Kein blöder Gedanke? Ich kann nicht mehr weiter machen, ich muss was unternehmen. Ich brauche eure Hilfe... vielen Dank, LG

  • Servus,


    bist du denn wegen deiner Angststörung (noch) in Behandlung?

    Oder meinst du damit, du müsstest was unternehmen, dass du eine Therapie angehen willst?


    Ob man einfach machen muss, kann ich nicht sagen - das wäre vermutlich zu einfach gefasst.

    Angst um Kinder hat man sowieso als Eltern, aber letztlich müssen die auch das reale Leben kennenlernen.

    Wie alt ist dein Kind?

    Fange nie an aufzuhören höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Hallo, danke für die Antwort. Ich war noch nie in einer Therapie, ich war nur einmal bei einer Psychiaterin, die mir riet "einfach machen" und es gäbe keine Garantie, dass immer alles glatt geht. Ich kann auch nicht in eine Therapie gehen, das würde meine beruflichen Chancen in den höheren Dienst zu gehen etwas schädigen,...


    Die Kleine ist 4. Jetzt ist der worst case eingetreten, ich könnte die Stelle tatsächlich haben, ich stecke ganz übel in einer Zwickmühle...


    LG

  • Aber du könntest/würdest dein Kind doch mitnehmen wenn du beruflich den Wohnort wechselst oder nicht? Wenn sie erst 4 ist kann sie ja schlecht allein am alten Wohnort bleiben?


    Und was schlechtere Chancen beruflicher seits angeht, wenn du eine Therapie beginnen willst.... Therapeuten unterliegen der Schweigepflicht wie jeder andere Arzt auch was bedeutet, das niemand ausser dir erfährt, das du in Therapeutischer Behandlung bist, genauso wenig wie wenn du zum Orthopäden oder sonst wo hin gehst :-) Davor musst du keine Angst haben, oder warum denkst du das dir eine Therapie (die ja eh erstmal lediglich mit einem Erstgespräch/Probesitzungen beginnen würde) dir berufliche Chancen nehmen würde?

    drei normale Brötchen,
    und zwei verrückte, Bitte!


    :de:

  • Wie PixelDiebin schon sagt, die Therapie dürfte beruflich keine Auswirkung haben.


    Eine Psychiaterin war nicht die richtige Wahl, da bräuchte es wirklich einen auf dem Gebiet erfahrenen Therapeuten/In ;)

    Aktuell würde sich sogar eine stationäre Reha anbieten, da kann dein Kind natürlich mit!

    Aber auch ambulant ist ne Möglichkeit, da bekommt auch gar keiner was mit.


    Mit "einfach weitermachen" ist es sicher nicht getan :(

    Auf der andren Seite kann man grade bei Angstpatienten mit Therapie echt viel erreichen.

    Wenn du was verändern willst, dann bringt warten gar nichts - vielmehr wird es eher schlechter, wenn man nichts unternimmt.

    Fange nie an aufzuhören höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • vielen dank für eure antworten...tatsächlich möchte ich verbeamtet werden und muss daher eine recht reine weste haben. eine therapie stationär kommt nich infrage. allerdings bin ich auch so shcon recht hart an der grenze. ich warte noch auf ein wunder... ;(


    achso, bzgl der sorge um das kind: es ist eine art : wenn ich das und das tue, kann das und das passieren/ wird das und das passieren... es ist immer so eine wenn dann geschichte. wenn ich auf ein konzert gehen möchte ist das genauso, wenn du dahin gehst passiert was schlimmes. ihr seht den teufelskreis?

  • Klar sieht man deinen Teufelskreis, aber Wunder geschehen leider nur im TV oder Kino ...


    Da du noch nicht verbeamtet bist, gehe ich von normaler KK aus und daher kannst doch ohne Probleme eine Therapie machen.

    Später, wenn du beihilfeberechtigt bist, ist es bisserl blöd, weil dann versicherungstechnisch alles etwas anders läuft.


    Wenn du aber aktuell eine stationäre Therapie ausschließt, was hindert dich an einer ambulanten?

    Eines sollte klipp und klar sein, das Wunder das eine Angststörung einfach verschwindet, wird vermutlich nicht eintreten :P

    Dem gegenüber, ist eben die Angsstörung eine der psychischen Erkrankungen/Störungen die relativ gut behandelbar sind - im Gegensatz eben zu anderen psychischen Erkrankungen.


    Eines haben aber die meisten Erkrankungen gleich - wenn man nichts unternimmt, manifestiert sich das Problem und wird meist immer schlimmer oder eben auch immer schwerer zu behandeln.

    Zudem wäre das noch eines zu beachten - deinem Kind vermittelst das ja als Normalität und das ist nicht unbedingt für dessen Zukunft förderlich.

    Auch wenn man oft meint Kinder bekommen "nichts/oder kaum was" mit, dem ist leider nicht so ...


    Hab mal deine beiden letzten Beiträge zusammengefügt :)

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    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Naja, es stimmt schon, dass es bei der Verbeamtung sein kann, dass man aufpassen muss mit Psychotherapie. Man wird ja z.B. auch u.U. wegen Adipositas nicht verbeamtet.


    Ist aber immer von Laufbahn und Bedingungen abhängig. Zumeist werden die letzten zwei Jahre Krankengeschichte einbezogen und der Amtsarzt entscheidet im Einzelfall - da muss man dann eh die Schweigepflicht für den Zeitraum abtreten, sonst wird man nicht verbeamtet. Danach auch noch die Probezeit. Also u.U. ist durchaus auch eine ambulante Psychotherapie ein Problem. Aber das ist nicht pauschal so!


    Allerdings kann man sich auch an einen Arzt, z.B. Psychiater, wenden, der sich mit Beamtenrecht auskennt und einem entsprechend bescheinigt, dass die psychische Krankheit und die Therapie selbiger keinen Einfluss auf die Berufsprognose hat. Gibt nicht so viele, die das drauf haben, aber es gibt sie. Man kann sich da auch beim Anwalt etc. informieren! Man kann Therapie machen und verbeamtet werden - ja. Aber man muss das clever angehen, was u.U. viel Arbeit und Zeit erfordert.


    Dennoch muss man auch überlegen - was passiert, wenn ich eine Behandlung noch vier Jahre aufschiebe? Bei Zwangsgedanken etc. - sind vier Jahre .... oje! Dann hat man vielleicht eine Verbeamtung (vielleicht!) und kann damit nichts mehr anfangen, weil das ganze Leben ruiniert ist oder man eh nicht mehr arbeitet. Bei Zwängen ist meiner Erfahrung (als Angehörige) nach entscheidet, schnell Hilfe zu suchen, da man sonst Jahre länger braucht.


    Auf jeden Fall MagicThoughts kannst du einen Termin beim Psychiater etc. vereinbaren - das ist keine Therapie. Und in eine Beratungsstelle für psychisch Kranke gehen. Vielleicht ist z.B. auch Beratung (z.B. Diakonie) als Übergang eine Option? Oder du zahlst die Therapie privat. Vielleicht findest du ja auch schnell einen Arzt, der sich mit Beamtenrecht auskennt. Und du solltest genau wissen, wie deine Verbeamtungs-opitionen real aussehen. Wenn das nur "iwann" im Raum steht z.B. - dann ab in die Klinik!


    Alles Gute :)

  • vielen dank für deine worte, ja ich laufe schon seit 10 jahren mit zwangsgedanken rum... es ist sehr anstrengend und verlangt mir tatsächlich viel ab, es wird auch mal mehr und mal weniger. die zwänge wandeln sich in komische arten um. mir ist bewusst, dass ich das irgendwie mal therapieren lassen muss, aber es ist auch unfassbar schwer, darüber zu sprechen. manchmal denke ich, dass ich endgültig verückt werde, dann gibt es tage, da geht es mir richtig gut. es ist wirklich unglaublich unangenehm und auch nicht wirklich leicht zu erzählen... alles liebe

  • Hi,


    was bräuchte es denn, dass du darüber sprechen kannst? Was könnte schlimmsten Falls passieren, was sind da konkret deine Befürchtungen?


    Glaubst du, dass du sofort alles ansprechen musst?


    Wann möchtest du das angehen?


    Dass das sehr unangenehm ist, können hier, denke ich, viele nachvollziehen. Das sind oft die Startschwierigkeiten vor einer Therapie...

    Auch den Gedanken endgültig ver-rückt zu werden ist den meisten wohl nicht fremd. Mit diesen Dingen bist du echt nicht alleine. Klar gibt es auch gute Tage. Es gibt aber auch schlechte. Der Mensch ist halt nicht so konstant, wie wir uns das vorgaukeln. Man muss auch nicht non-stopp leiden, um Hilfe in Anspruch zu nehmen (können/dürfen).


    Vielleicht magst du hier ein bisschen Vorarbeit leisten und darüber nachdenken, ... wie es wäre, prof. Hilfe in Anspruch zu nehmen und eben - was dich daran hindert.


    Viele Grüße

  • hallo, ich glaube es kostet mich wirklich irre viel überwindung das alles unter vier augen zu erzählen. online ist einfach, da sieht mich keiner. da urteilt keiner und wenn doch, dann lese ich es nicht am gesichtsausdruck ab. wie macht ihr das? wie schaltet man das ab? LG

  • Hallo MagicThoughts,


    mir hat da nur eines geholfen - mich selbst zu akzeptieren und mich nicht mehr vor und für mich zu schämen.


    Wenn ich nichts ändere, mich nicht öffne, bleibt die Realität in der ich Lebe, dieselbe.


    Ich bin, wie ich bin.

    Meine Lebenssituation, ist wie sie ist.


    Ich kann nur sagen, dass mir gerade in den Beratungsstellen und auch in der Therapie, eher das Gefühl vermittelt worden ist, dass ich nicht im Ansatz so verrückt bin, wie ich mich selbst empfunden habe.


    Ich konnte durch den Austausch viel Entschärfen, sortieren und zum Positiven wenden.


    Meine Erfahrung: es lohnt sich!


    Wünsche dir Kraft und Mut ? pamuk.

    Statt mich
    in steter "Selbstverleugnung"
    zu überfordern
    und zu hassen
    will ich
    in meinen Grenzen leben
    und mich lassen


    B. Rulf


  • vielen dank für deine worte, das kann schon sein, dass es mir schlimmer vor kommt, dennoch bin ich glaube ich einfach noch nicht so weit... als ich meinem ersten psychologen davon erzählt habe ( bei dem war ich privat und auch einmal) hat er gemeint, dass meine zwänge so komplex sind, dass er nicht weiß, ob er mich therapieren kann. danke, das war sehr hilfreich... lg

  • als ich meinem ersten psychologen davon erzählt habe ( bei dem war ich privat und auch einmal) hat er gemeint, dass meine zwänge so komplex sind, dass er nicht weiß, ob er mich therapieren kann.

    Aber das ist nun doch gewiss kein Grund die Flinte ins Korn zu werfen!


    Du leidest unter deiner Situation und du kannst sie aus eigener Kraft nicht verändern. Dass ist die Definition von Krankheit. Wer krank ist, kann sich entscheiden dauerhaft damit zu leben und zu leiden, oder sich Hilfe zu holen um ein besseres Leben ohne oder mit weniger Leiden zu führen. Es ist deine Entscheidung. Es ist natürlich auch deine Entscheidung, deine Karriere höher zu priorisieren als deine Gesundheit. Soviel ich weiß, geht das aber selten gut aus.


    Dir kann geholfen werden, das ist mal sicher. Du musst nur den richtigen Therapeuten, die richtige Therapie finden. Dass man dafür mehr als nur einen Anlauf braucht, ist leider manchmal so. Dass dein erster Versuch Hilfe zu holen gescheitert ist, heißt doch nicht, dass es keine geeignete und wirksame Hilfe geben kann oder wird!


    Gib nicht auf, suche weiter - wenn dir deine Gesundheit letztlich doch wichtiger ist als deine Karriere. Und vielleicht geht ja doch beides zusammen, versuche es doch einfach. Nimm die Stelle an und begib dich in eine Therapie; es sei denn, deine Karriere ist dir so wichtig, dass du diesbezüglich kein Risiko eingehen willst und bereit bist den Preis dafür zu zahlen.

    Dein Leben dreht sich nur im Kreis, so voll von weggeworfener Zeit,

    deine Träume schiebst du endlos vor Dir her.

    Du willst noch leben irgendwann, doch wenn nicht heute wann denn dann,

    denn irgendwann ist auch ein Traum zu lange her!


    aus: "Kein Zurück" | (c) Peter Heppner (Wolfsheim), 2003

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