Brüche im Lebenslauf

  • In nächster Zeit muss ich das erste Mal einen "richtigen" Lebenslauf verfassen. Bisher hatte ich immer den Luxus, bei den ernsteren Jobs, dass sich die Arbeitgeber an mich wandten. Jetzt will ich mich selbst bewerben.


    Was macht man denn, wenn man nicht die 0815-Biographie hat? Wie verpackt man sowas in den eigenen Lebenslauf? Ich habe bspw. minderjährig die Schule abgebrochen und war eine Weile obdachlos. Zudem dann noch beurlaubt für 2 Jahre von der Ausbildung her. Und habe sonst auch immer wieder kleine Lücken und Brüche, ohne dass ich je ALG oder Sozialleistungen bezogen hätte (also das auch nicht reinschreiben kann). Auch habe ich jede Menge exotische Referenzen und Abschlüsse, die nicht dem Standard entsprechen und vielleicht erklärungsbedürftig sind, da die Wege doch sehr ungewöhnlich sind. Und ich krieg die ganzen "Übergangsjobs" die ich alle jemals hatte gar nicht mehr zusammen, so oft habe ich eine zeitlang mal hier mal da gejobbt, ohne mir ein Zeugnis o.ä. ausstellen zu lassen.


    Was macht man mit so einer Biographie im Lebenslauf, wenn man sich für eine verantwortungsvollere Stelle bewerben möchte, frage ich mich da wirklich. Und wo finde ich Unterstützung, bei diesen Schwierigkeiten? Ich dachte, ich frage hier mal nach. Weil, ich kann mir gut vorstellen, dass die beim Arbeitsamt (wo es ja Beratung für Lebenlauf gibt) da überfordert sind. Gibt es Agenturen oder sowas, die sowas erstellen? Lohnt sich das?


    Generell... immer wenn ich zu meiner Biographie/Schulzeit/Ausbildung etc gefragt werde, tue ich mich schwer, irgendwas zu erklären. Weil mein Hintergrund geht eigentlich niemand etwas an. Und es ist für mich nicht möglich, darüber zu sprechen. Aber ohne ist das schwer nachvollziehbar. Ich will mich da nicht erklären müssen, aber auch nicht, dass ein Personaler da zu viele Fragezeichen hat, um meine Bewerbung, trotz der Qualifikation, zu beachten.


    Hat jemand Tipps?

  • Hi grany,


    ich habe zwar noch nicht so viel me Bewertungen bzw Lebensläufe geschrieben bzw habe ich den Lebenslauf da immer einwenig ergänzt. Aber was ich sagen kann, es kommt immer darauf an, für was du dich bewerben möchtest. Ich denke, dass du im Lebenslauf nur die Jobs erwähnen solltest, in denen du länger tätig warst. Zeugnisse könntest du dir da auch noch im Nachhinein ausstellen lassen. Dann ist Ehrlichkeit aber auch immer wichtig. Du musst ja nicht genau im Detail erklären was war, das geht auch niemanden etwas. Du kannst versuchen das allgemein zu fassen und in dein Bewerbungsschreiben einfließen lassen...


    Was du versuchen könntest, wäre bei der Caritas, in der Onlineberatung "Übergang von Schule zum Beruf". Die Online-Beratung der Caritas

    Die Onlineberatung ist allerdings erst im Oktober wieder erreichbar..


    Wenn es dann zu einem Vorstellungsgespräch kommen würde, könntest du mit Fragen, die nicht 0815 sind, Punkten. Wie zum Beispiel: Was waren einige der Gründe, weshalb Sie andere Bewerber abgelehnt haben?


    Ich wünsche Dir viel Erfolg!!

    Wohin geht man, wenn man sich selbst nicht mehr ertragen kann?

  • dass die beim Arbeitsamt (wo es ja Beratung für Lebenlauf gibt) da überfordert sind

    Das dachte ich auch mal, aber ich bekam da echt Hilfe in Form von Gegenlesen und Vorschlägen.

    Bei mir war es so ne Tante von der Spezial-ARGE für Wiedereingliederung ...


    Grundsätzlich hatte ich viel zu viel geschrieben, so wie ich's halt mal schulisch gelernt hatte ;)

    Schullaufbahn sollte ich weglassen, nur eben die Abschlüsse nennen - ich begann mit der Grundschule :D

    Aber es kommt sicher auch drauf an für was man sich bewirbt, so wie's SecredMe schon schrieb.


    Was Lücken angeht, da sollte man sich vlt nicht zu viele Gedanken machen ... kommt einfach immer drauf an:

    Aber du hast doch sicher nicht vergessen, wie oft du bei meinem Bruder in Ägypten in der Tauchschule ausgeholfen hast.

    Wer kann da schon widerstehen, Tauchen/Kost/Unterkunft umsonst, Bestätigung kann er sicher nachliefern ;)

    Fange nie an aufzuhören höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Danke für die Tipps!

    Leider ist ein Bewerbungsschreiben nicht erforderlich, nur der tabellarische Lebenslauf und ggf. Zeugnisse/Arbeitsbewertungen. Ja, okay, das ist andererseits ein Vorteil. Da wo ich mich bewerben mag, sind die mir bereits zugewandt, deswegen kein Schreiben.

    Onlineberatung "Übergang von Schule zum Beruf".

    In dieser Übergangszeit befinde ich mich schon eine Weile nicht mehr ;) Ich hatte zumindest die letzten 8-9 Jahre die gleiche Anstellung. Davor ist Chaos.


    Aber was ich sagen kann, es kommt immer darauf an, für was du dich bewerben möchtest.

    Guter HInweis. Vergisst man schnell!


    Danke Franz für die Links!


    Aber du hast doch sicher nicht vergessen, wie oft du bei meinem Bruder in Ägypten in der Tauchschule ausgeholfen hast.

    Ach stimmt ja, hätte ich fast vergessen. Dabei habe ich doch so viele ägyptische Tauchgänge in meinem Tauchbuch;):D


    Dann schaue ich mal, doch beim Arbeitsamt, ob es da eine Möglichkeit zum Drüberschauen gäbe. Auch wenn ich da skeptisch bin (zumal ich das diesen Monat erledigen sollte), aber ein Versuch ist es dann ja doch wert!

  • Zitat von grany

    In dieser Übergangszeit befinde ich mich schon eine Weile nicht mehr

    Trotzdem sind das Experten und due haben wie da einiges an Erfahrung und können dir da Tipps geben. Da ist es auch egal, wie lange du nicht mehr zur Schule gehst... War aber nur eine Idee

    Wohin geht man, wenn man sich selbst nicht mehr ertragen kann?

  • Hallo liebe grany :gj:


    Bin mir unsicher, aber vlt hilft es oder inspiriert es dich ja..


    Einen Tipp den ich mal bekommen habe, um eine Lücke zu füllen:


    Berufliche Orientierung


    Vielleicht auch was im Bezug auf deine 'exotischen Referenzen und Abschlüsse?


    So können die Leute sich was vorstellen, was in diesem Zusammenhang erstmal positiv klingt, ansonsten können sie aber auch nachfragen, worauf man sich einstellen sollte.


    Ansonsten, je nachdem wofür ich mich bewerbe, würde ich mich evtl trauen für 1 Jahr, 'Selbstfindungsphase' einzutragen.


    Ist sicherlich nicht immer angebracht.


    Wünsche dir dahingehend alles, was gut für dich ist. Liebe Grüße :gj: pamuk.

    Statt mich
    in steter "Selbstverleugnung"
    zu überfordern
    und zu hassen
    will ich
    in meinen Grenzen leben
    und mich lassen


    B. Rulf


  • Da wo ich mich bewerben mag, sind die mir bereits zugewandt, deswegen kein Schreiben.

    Das sind doch die besten Voraussetzungen. Der Lebenslauf ist dann wahrscheinlich nur Formsache, weil die das wohl beim On-Boarding in der Akte haben müssen, um da einen Haken dran machen zu können.


    Man wird dich einstellen, weil man dich kennt, weil man deine Kompetenzen will und weil man deine relevante Berufspraxis aus den letzten Jahren kennt und schätzt. Was davor war ist mit einiger Sicherheit ziemlich irrelevant.


    Der Versuch zu tricksen wäre ein Showstopper, wenn er bemerkt wird - und die Wahrscheinlichkeit das so etwas bemerkt wird ist ziemlich hoch, vor allem dann, wenn man kein souveräner Lügner ist. Würde ich nicht machen. Es gibt heute kaum noch Menschen mit einer geradlinigen Biographie. Du bist mittlerweile quasi der Normalfall.


    Nochmal: die letzten 5 bis 10 Jahre sind wichtig. Was davor war ist nur dann von Interesse, wenn das irgendeinen unmittelbaren Bezug zu deiner neuen Tätigkeit hat.

    Dein Leben dreht sich nur im Kreis, so voll von weggeworfener Zeit,

    deine Träume schiebst du endlos vor Dir her.

    Du willst noch leben irgendwann, doch wenn nicht heute wann denn dann,

    denn irgendwann ist auch ein Traum zu lange her!


    aus: "Kein Zurück" | (c) Peter Heppner (Wolfsheim), 2003

  • Danke, das hilft mir alles sehr! Ich hasse es, mich gut "verkaufen" zu müssen. Ich weiss schon, dass ich beruflich recht gut dastehe, aber selbstbewusst ist was anderes. Es ist überhaupt nicht mein Ding, meinen Werdegang (positiv) darzustellen. Durch den Input hier, habe ich nun wenigstens eine Idee davon, wie ich das halbwegs angemessen darstellen kann, ohne zu lügen oder viel preiszugeben.


    [...] wenn man kein souveräner Lügner ist

    Lügen ist bei sowas tatsächlich überhaupt nicht mein Ding. Kann ich auch nicht mit meinen Werten vereinbaren. Ich war allerdings tatsächlich oft im Ausland. Vielleicht mache ich da was Richtung Orientierung draus.


    Nochmal: die letzten 5 bis 10 Jahre sind wichtig. Was davor war ist nur dann von Interesse, wenn das irgendeinen unmittelbaren Bezug zu deiner neuen Tätigkeit hat.

    Puh, super. Dann ist das ja halb so wild bei mir!


    Ich sollte das etwas lockerer/entspannter angehen und mich nicht vorweg durch Angst blockieren. Ohne den Druck, den das bei mir auslöst "anders" zu sein und in Erklärungsnot zu sein, ist das wahrscheinlich gar nicht so unmachbar und zügig erledigt.

  • Anlässlich der Diskussion für die Details des Arbeitsvertrags werden angesichts der Lücken in deinem Lebenslauf möglicherweise Fragen gestellt. Sei einfach ehrlich und du selbst.


    Du kannst ruhig zugeben, dass du rauhe Zeiten gehabt hast und es in früheren Jahren für dich nicht immer einfach war, dein Leben in den Griff zu bekommen. Keine Details, auch nicht auf Nachfrage. Sag, dass das alles vorbei und vergangen ist. Verweise auf deine konsistent guten und ununterbrochenen Leistungen in den vergangenen 5 bis 10 Jahren, die ja offensichtlich zeigen, dass du in deinem Fachgebiet was kannst - und weswegen die dich ja auch haben wollen.


    Wenn die nachbohren und wissen wollen, ob du im Knast warst oder sowas, könnte das vielleicht relevant sein für deine neue Position. In dem Fall biete an, dass die gerne ein polizeiliches Führungszeugnis haben können, wenn sie sich diesbezüglich Sorgen machen. Fragen nach deiner aktuellen gesundheitlichen Verfassung sind nicht erlaubt. Fragen nach gesundheitlichen Problemen in der Vergangenheit auch nicht (zumindest in Deutschland). Sollten solche Fragen gestellt werden sage, dass du solche privaten Details nur mit guten Freunden teilst. Also in fernerer Zukunft vielleicht auch mit ihm (oder ihr).

    Dein Leben dreht sich nur im Kreis, so voll von weggeworfener Zeit,

    deine Träume schiebst du endlos vor Dir her.

    Du willst noch leben irgendwann, doch wenn nicht heute wann denn dann,

    denn irgendwann ist auch ein Traum zu lange her!


    aus: "Kein Zurück" | (c) Peter Heppner (Wolfsheim), 2003

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