Religiöser Zwangsgedanke

  • Hallo Leute,


    ich bin neu hier im Forum.


    Vielleicht ganz kurz zu meiner Person:


    Ich bin männlich, 33 und leide seit der Kindheit an ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit Hyperaktivitätsstörung)


    Daraus resultieren auch seit frühester Kindheit Zwangsstörung und seit einigen Jahren auch Ängste.


    Seit kurzem plagt mich ein Zwangsgedanke, der mit Gott zu tun hat. Alles fing an, als ich vor ein paar Monaten eine sogenannte "Weiterbildungsmaßnahme" vom Jobcenter machen musste, dort hatten wir einen ziemlich merkwürdigen Dozenten, der anstatt Bewerbungstraining, mit uns über Gott und die Welt sprach. Er sagte uns auch schnell, dass er sehr religiös sei und empfahl uns auch die Bibel zu lesen. Er meinte auch, man könne mit Gott sprechen, ausserdem hätte er selbst schon viele Menschen durch Gebete geheilt, unter anderem auch Blinde. Seinen damaligen Job hätte er verloren, weil Gott es so wollte..usw. Könnte jetzt noch stundenlang weiterschreiben, aber das würde den Rahmen sprengen.

    Auf jeden Fall war ich im ersten Moment ziemlich erschrocken, hab das aber nach ein paar Stunden wieder verdrängt. Seit ein paar Wochen allerdings geht es mir psychisch wieder einmal nicht besonders gut, hatte ziemlich viel Stress, weswegen ich auch wieder eine Depressive Phase bekam in der ich auch wieder ziemlich viel grübelte.


    Seit ein paar Tagen plagen mich deshalb Zwangsgedanken, dass ich Gott um etwas bitte, dass ich selbst nicht möchte, z.B. Blind werden, was mir schon ein bisschen Angst macht. Ich war eigentlich nie großartig religös, bin zwar Katholisch und auch getauft, aber ich habe mich bisher eigentlich nie wirklich mit dem Thema Gott oder Religion im Allgemeinen beschäftigt, trotzdem macht mich das ganze im Moment ziemlich fertig.


    Vielleicht kennt ja der ein oder andere das Problem oder hat schon einmal ähnliches selbst mitgemacht.


    Würde mich über eure Antworten freuen!


    LG Markus

  • Servus Markus,


    ich bin sehr überrascht das so ein Dozent überhaupt so intensiv auf einen speziellen Glauben eingehen darf - ich denke das ist dem Träger sicher nicht bekannt.

    Es ist ja schön wenn der an Gott glaubt, aber bei so einer Maßnahme ne Art von Gottanpreisung anzubieten, ist völlig deplatziert!


    Ich hab nicht ganz verstanden, der Dozent meinte er hätte durch Gebete geheilt oder das besagt die Bibel?

    Vielleicht hab ich es aber auch richtig verstanden und kann es nur nicht wahrhaben - wenn die Aussage wirklich die erstere war ...

    Aber ich hoffe ich täusche mich da jetzt :wall:


    Jetzt bittest du Gott um nicht blind zu werden, richtig?

    Um ehrlich zu sein, ich denke dir hängt dieser merkwürdige Dozent noch gut im Kopf ...

    Zudem ist nun Weihnachten, seit Wochen wird man dazu überall hingewiesen ;)

    In Zusammenhang mit deiner Depriphase bringt dich das nun durcheinander, verständlich, aber es sollte dir wenigstens keine Angst bereiten.

    Ich hoffe du findest da einen Weg heraus ...


    Vermutlich hast du mit diesen Diagnosen auch Erfahrung mit Therapie, oder?

    Depressive Phasen sollten dich vielleicht dazu bewegen, wieder mal einen Therapeuten aufzusuchen.

    Damit meine ich, man sollte nicht immer warten bis gar nix mehr geht ;)


    Bei mir ist es ähnlich wie bei dir, ich bin auch katholisch und ich glaube zwar an einen Gott, aber das deckt sich nicht mit der christlichen Auslegung im Wort und Text.

    Wenn dich Glaube interessiert, dann geh dem nach, da böte sich sogar ein Gespräch mit einem Priester oder Pastor an.

    Letzteres schreibe ich, weil dir so ein "Fachmann/-frau" schnell aufzeigen könnte, Jesus hat Blinde geheilt, Dozenten bestimmt nicht :D


    Vielleicht erzählst du ja generell etwas mehr von dir ...

    Ich vermute du bist arbeitslos oder warum hast du mit der ARGE zu tun?

    Was treibst du sonst so?


    Vorweg mal gute Besserung!

    Fange nie an aufzuhören höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Hallo Franz,


    also dieser Dozent selbst meinte, er hat schon selber Blinde und auch andere Kranke durch die Kraft von Gott geheilt. Er meinte es funktioniert, weil es so in der Bibel steht.

    Naja mein Zwang beruht eher darauf Gott um Dinge zu bitten, die ich nicht möchte z.B. Blind werden, also so wie andere die z.B. den Zwang haben Angehörigen etwas schlechtes zu wünschen, obwohl sie das selber nicht möchten.


    Ich bin bereits seit über einem Jahr in Psychotherapeutischer Behandlung, nur gestaltet sich das alles ziemlich schwierig, weil es soviele "offene Baustellen" bei mir gibt, die Ängst und Zwänge sind das eine, ich leide ja wie gesagt an ADHS und das sind halt alles typische Begleitsymptome davon, hab auch schon Erfahrungen mit Psychopharmaka ebenso mit "Methylphenidat" bisher hat aber noch nichts wirklich bei mir angeschlagen.


    Ja, du hast Recht ich bin derzeit auf Arbeitssuche, das gestaltet sich halt auch mehr als schwierig in meiner Situation, da ich halt auch nicht wirklich Stressresistent bin und dann meistens unkonzentriert und schusselig werde.

  • Hallo markus1286,


    wäre dann nicht ein stationärer Aufenthalt eine gute Option zum Übergang? Gerade auch, weil viele Baustellen vorhanden sind?

    Was passiert, wenn du dem Zwang nicht nachkommst oder erst verzögert nachkommst?


    Glaubst du denn selbst an Gott? Falls ja, ist dein Gottesbild so, dass du Vertrauen haben kannst, dass deine Bitten als Symptom deiner Erkrankung erkannt werden und Gott nicht anderen oder dir etwas aufgrund dieser "Bitten" antun wird?


    Viele Grüße,

    grany

  • Hallo markus1286,


    wäre dann nicht ein stationärer Aufenthalt eine gute Option zum Übergang? Gerade auch, weil viele Baustellen vorhanden sind?

    Was passiert, wenn du dem Zwang nicht nachkommst oder erst verzögert nachkommst?

    Hallo grany,


    Ja darüber habe ich auch schon des öfteren nachgedacht, nur ist es so, dass es nicht allzu viele Kliniken gibt, die sich auf ADHS spezialisiert haben, es gibt eigentlich auch nur ein Handvoll Ärzte in ganz Deutschland, die sich wirklich gut damit auskennen, solche Kliniken haben meistens ewig lange Wartezeiten und meistens zahlt das auch die Gesetzliche Krankenkasse nicht, sprich ich müsste die Kosten selbst übernehmen. Daher kann ich leider nur die Behandlungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen, die es hier in meiner Region gibt. Naja einen Zwang zu unterdrücken, insbesondere wenn es sich nur um einen Gedanken handelt, ist eigentlich unmöglich.


    Glaubst du denn selbst an Gott? Falls ja, ist dein Gottesbild so, dass du Vertrauen haben kannst, dass deine Bitten als Symptom deiner Erkrankung erkannt werden und Gott nicht anderen oder dir etwas aufgrund dieser "Bitten" antun wird?


    Viele Grüße,

    grany

    Naja, wie gesagt ich bin Katholisch, als Kind war ich mit meiner Oma oft in der Kirche, aber später dann als meine Oma starb, hab ich mich damit nicht mehr beschäftigt. Ich habe mich dann auch nie mehr so wirklich mit dem Thema Glaube auseinandergesetzt, erst als ich vor ein paar Monaten die Begegnung mit diesem Dozenten hatte.

  • Hallo markus1286,


    ich hatte mal einen Partner mit schwerer Zwangserkrankung.

    Naja einen Zwang zu unterdrücken, insbesondere wenn es sich nur um einen Gedanken handelt, ist eigentlich unmöglich.

    Untdrücken meinte ich i.S. von zeitlich verzögern. Aber ja klar, bei Gedanken geht das wohl kaum, war da gerade geistig bei Zwangshandlungen.


    es nicht allzu viele Kliniken gibt, die sich auf ADHS spezialisiert haben,

    Och, meiner Erfahrung nach braucht es nicht unbedingt immer eine Spezialklinik. Es lohnt sich auch manchmal, einige Baustellen zu reduzieren, besonders in einer Umbruchszeit (Klinik ist auch nicht schlecht für Arbetissuche, etc.) und sich zu stabilisieren und zu schauen, was es generell für Möglichkeiten gibt, mit den eigenen Krankheiten gut zu leben. Dafür braucht es nicht unbedingt eine Spezialklinik. Meines Wissens nach ist es bei Zwängen eben auch so, dass die möglichst zeitnah behandelt werden sollte, da sonst die Gefahr besteht, dass sich eine Zwangserkrankung manifestiert, chronifiziert und weiter ausbreitet.


    Die Frage, ob du an Gott glaubst, hatte ich deswegen gestellt, weil daher dann vielleicht auch der Leidensdruck kommt, wenn du die Zwangsgedanken hast. Natürlich sind Zwangsgedanken nichts tolltes, aber es kommt auch darauf an, ob du selbst glaubst, dass diese Gedanken Folgen haben oder nicht -oder? Dass du katholisch bist, beantwortet die Frage nicht wirklich. Vielleicht hilft es dir, da erstmal Klarheit für dich langsam zu entwickeln. Oder bezog sich das

    trotzdem macht mich das ganze im Moment ziemlich fertig.

    nicht auf die Zwangsgedanken, sondern nur auf die Erfahrungen mit diesem dubiosen Dozenten?

    Wenn es sich auf die Gedanken bezieht - worin genau besteht der Leidensdruck? Klar, Zwangsgedanken an für sich, nicht gerade nett - aber hier schließt sich die Frage nach den Auswirkungen, die du dem beimisst an. Denkst du deswegen schlechter von dir?

  • Die Frage, ob du an Gott glaubst, hatte ich deswegen gestellt, weil daher dann vielleicht auch der Leidensdruck kommt, wenn du die Zwangsgedanken hast. Natürlich sind Zwangsgedanken nichts tolltes, aber es kommt auch darauf an, ob du selbst glaubst, dass diese Gedanken Folgen haben oder nicht -oder? Dass du katholisch bist, beantwortet die Frage nicht wirklich. Vielleicht hilft es dir, da erstmal Klarheit für dich langsam zu entwickeln. Oder bezog sich das

    nicht auf die Zwangsgedanken, sondern nur auf die Erfahrungen mit diesem dubiosen Dozenten?

    Wenn es sich auf die Gedanken bezieht - worin genau besteht der Leidensdruck? Klar, Zwangsgedanken an für sich, nicht gerade nett - aber hier schließt sich die Frage nach den Auswirkungen, die du dem beimisst an. Denkst du deswegen schlechter von dir?

    Diese Frage ob ich an Gott glaube oder nicht ist für mich schwierig zu beantworten, wenn du mit Glaube meinst, dass ich jedes Wochenende in die Kirche gehe und bete, dann nein. Ich glaube schon, dass etwas wie eine höhere Macht gibt, aber über alles weitere habe ich mich wie gesagt bisher noch nie so wirklich auseinandergesetzt.

    Ja, es ist vielmehr die Angst vor den Auswirkungen dieser Zwangsgedanken, mit so übersinnlichen Sachen macht man ja eigentlich keine Scherze.

    Ich war schon immer sehr ängstlich und ich nehme mir auch oft Sachen zu sehr zu Herzen und steigere mich da regelrecht ein, oft reicht es schon wenn ich dann irgendwas lese über irgendwelche schlimmen Krankheiten die andere Menschen haben, sowas kann oft schon dazu führen, dass ich depressiv werde.

    • Gäste Informationen
    Hallo Mitleser, du interessierst dich für unsere Themen und willst auch selbst schreiben, dann melde dich bitte an.
    Solltest du noch kein Forenmitglied sein, dann registriere dich bitte und du kannst das SuS-Forum uneingeschränkt sowie kostenfrei nutzen.

    Dieses Thema enthält 0 weitere Beiträge, die nur für registrierte Benutzer sichtbar sind, bitte registriere dich oder melde dich an um diese lesen zu können.