Ich will (nicht?) leben...

  • Der See ist gerade verdammt verlockend... ja, es ist wahrscheinlich wieder nur eine Momentaufnahme, geht vorbei, grundlos, wird sich schon alles richten usw usw.... und nein, ich werde es, warum auch immer, nicht tun, ist ohnehin zu viel los...


    der Gedanke ist trotzdem da... an den See, den Abgrund, die Klinge... einfach abkürzen, alles beenden... es wäre so verdammt verlockend gerade...:emojiSmiley-55::emojiSmiley-55::emojiSmiley-55:

    Mag er auch alles besitzen, den Himmel besitzt Minos nicht. (Ovid, Met. 8,187)

  • Hmmm... es wird ein bisschen komplizierter nachzuvollziehen, glaube ich...


    Das Problem sind weniger sich langsam anschleichende Suizidgedanken, die bekomme ich mit und kann (erst recht, nachdem ich die mittlerweile in sicherem Rahmen äußern darf) Maßnahmen ergreifen...


    Letzte Woche hat eher klar gemacht, dass das größere Problem die impulshaft auftretenden Gedanken sind, die halt dann entsprechende Impulshandlungen zur Folge haben...

    Vorrangiges Problem: Ich bin dann nicht mehr handlungsfähig, kann bzw. "will" also keine Gegenmaßnahmen ergreifen... da schaltet sich jegliches rationale Denken ab, ich meide sämtliche Dinge und Personen, von denen ich weiß, dass die zu 100% schaffen, mich "aufzuwecken" (also auch Krisendienste o.ä. fallen weg)...


    Bei klarem Verstand macht mir das schon irgendwie Angst... was, wenn so eine Situation mal nicht schiefgeht? Wenn die Angst vor mir selber mal zu spät oder gar nicht einsetzt oder dann keiner erreichbar ist? Oder kein zufälliger Kontakt zustande kommt, ich irgendeine Dummheit mit schneller Wirkung begehe?


    Ein vorsorglicher stationärer Aufenthalt ist Schwachsinn, dann müsste man mich für den Rest meines Lebens wegsperren und 24/7 beobachten (auch im Bad etc.)... eben weil es keine Vorwarnung gibt und das ganze absolut akut passiert i.d.R. nach spontanen äußeren Auslösern und auch, wenn's mir bis zum Auslöser eigentlich ganz gut gegangen ist...


    Ich müsste mich theoretisch selber austricksen/hintergehen, ohne mir bewusst zu sein, dass ich das tue, um noch irgendein Notfallsignal aussenden zu können... ich hab nur absolut keine Ahnung wie/was... meine Überlegung wäre eine Art "harmloses" "Codewort" oder so an irgendwen Eingeweihtes, nur müsste ich das auch irgendwie an mir selbst vorbeischmuggeln...


    Fällt euch irgendwas ein, was ich in so einer Situation evtl. noch in der Lage sein könnte zu tun, dass nicht vom Suizidhirn als potentielle Gegenmaßnahme erkannt wird? Ich bin etwas ratlos...hab aber wenig Lust, dass mein situatives Vorhaben mal bis zum Ende gelingt :ab:


    Vielleicht beispielhaft Situation Donnerstag:


    Ich hab die Mail vom Amt gelesen, erster Gedanke war "Noch nen Winter auf der Straße überlebst du nicht, dann kannst du's auch gleich beenden"... ich hab irgendwie gesehen, was ich mache, auch, dass ich das Falsche mache und eigentlich der logische Weg wäre, mit den Streetworkern eine Lösung für das Problem "Wohnung" zu finden, vllt auch meine "ich beschleunige das Nichtüberleben"- Gedanken da zu äußern... den Anti-Suizid-Vertrag hatte ich in dem Moment überhaupt nicht aufm Schirm... aber das war alles irgendwie sehr passiv...


    Aktiv war da "Sorg dafür, dass deine Schwester Wege hat, nicht dran zu zerbrechen. Sag den Termin für die Hilfeplan-Auswertung ab, den braucht du jetzt ja nicht mehr." und eben das Wo und Wie mit entsprechender Folgehandlung...


    Rettung war letzten Endes das mehrfach nachhakende Warum auf die Terminabsage kombiniert mit "gibt's was, wo wir aktuell was für dich tun können"... das hat dann die Angst vorm Sterben ausgelöst, die mir auch die anderen Male den A*** gerettet hat, weil die dafür sorgt, dass ich in dem Moment nicht mit dieser Angst alleine sein will...


    Und eben dieser passive Teil kommt am aktiven nicht vorbei, weil der aktive Teil in dem Moment quasi der "bewusste" Teil ist...

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    2 Mal editiert, zuletzt von SineVerbis () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von SineVerbis mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Genau das, was du beschreibst, kenne ich auch sehr sehr gut. Diese beiden Formen der Suizidalität. Der einen kann man langfristig entgegenwirken, bei der anderen ist das ungleich schwieriger, finde ich.

    Ich merke meist die impulsive Suizidalität wie eine Welle auf mich zurollen. Und dann sag ich Bescheid (ich bin ja grad im Krankenhaus, also nicht schwierig). Hier kann ich im Kontakt mit der Pflege abwägen, wieviel Schutz erforderlich ist.

    Für draußen habe ich bisher nur die Lösung gefunden, dass ich auch da die Welle anrollen merke, versuche, mich abzulenken, bis sie vorbei ist. Zum anderen habe ich Erfahrungen darin, was die Welle auslösen kann, wann ich damit rechnen kann. Und da versuche ich, dann Schutz zu bekommen. Ich rede schon vorsorglich mit jemandem... Und oft halte ich die Welle aus, indem ich hier oder ins Bullet Journal schreibe. Bis die Welle soweit abgeklungen ist, dass ich wieder klarer denken kann.

    Vielleicht habe ich nach der Entlassung eine Erfahrung, die für dich hilfreicher ist als das, was ich jetzt schreibe... :21:

  • Danke für die Antwort. :) Die Sache bei mir ist halt, auch eine Welle, die anrollt und daran bemerkbar ist, gibt es nicht. Ablenken, melden, ähnliches, was ich auch oft mache, ist da nicht mehr möglich... das ist eher wie bei meiner kürzlich durchgebrannten Glühbirne... Lichtschalter noch nicht ganz auf "An", Knall, dunkel, Sicherung raus, ohne dass vorher absehbar war (Flackern oder so), dass das passiert... und die Auslöser... naja, alle verschieden, aber alle nicht vorhersehbar und absolut spontan, da müsste, wie gesagt, 24/7 wer an mich gekettet sein, um da gegenzuwirken...

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  • So hab ich es zunächst auxh empfunden. Mittlerweile weiß ich um manche Auslöser.

    Und ich verstehe besser, warum meine Reaktion auf diese Dinge Suizidgedanken sind. Das hilft mir manchmal ein wenig dabei, sie.... durchzustehen, ohne etwas zu machen.

  • Ich kenne da mehrere Vorgehensweisen.

    Zum Einen natürlich medikamentös: Bedarfsmedis oder aber generell Medis, die die Impulskontrolle unterstützten.

    Zum Anderen: erkennen, dass Suizid nach solchen Triggern, ein automatisches Gedanken- und Impulsmuster ist. Der Knopf ist gedrückt, ja, aber man kann lernen den Knopfwiderstand zu erhöhen und irgendwann auch, dass, wenn der Kopf gedrückt ist, die automatische Reaktion abläuft... und man sie nicht mehr als Gefahr oder Leid empfindet.
    In meinen Diagnosen steht auch was von chronisch suizidal. Wenn ich merke, dass mich was in die Ecke drängt und ich mit Suizidimpulsen automatisch reagiere, begrüße ich sie inzwischen wie einen alten Freund und wink mal rüber, grins mir aber auch eins ab darüber, dass ich so reagiere. Das läuft dann ab á la "nice try"... Suizidgedanken,... kreativ seid ihr ja. Laut brüllen, mega Dynamik, von anderen Menschen abschneiden.. dann glaube ich mir selbst nichts, weder Gedanken, noch Gefühlen,... verbinde mich erstmal wieder mit mir (Handlungsmacht, Handlungsoptionen, was ist Jetzt real da) und dann mit meiner Umwelt. Vor vielen Jahren ging das alles nicht. Da bin ich jedem Impuls gefolgt und hab ständig Mist gebaut, von bis, quasi allen Mist durch. Mein Extherapeut hat nicht geglaubt, dass ich noch lange lebe und deswegen die Therapie beendet. Mittlerweile habe ich eine Impulskontrolle die auf maximalen Level läuft. Suizidialität ist ein Teil von mir, aber mehr wie ein allergischer Anfall, denn ein Überfall, der jederzeit schief gehen kann. Dauert halt paar Jahre. Geht aber durchaus.


    Verantwortung abgeben ist gut, aber langfristig ist es halt die Überlegung, dass das ein sekundärer Krankheitsgewinn sein kann. Etwas einzufordern / zu zeigen, was man sonst nicht kann bzw. sich nicht erlauben kann. Und Suizidalität setzt halt auch ganz schnell Schachmatt, kann auch Vermeidung sein (oder Schutz vor Überforderung), weil das immer Vorrang hat - da gilt es dann sich andere Schutz oder Vermeidungsstrategien beizubringen. Aber beim Thema Suizidalität ist halt immer auf Nr. sicher zu gehen. Nur wenn das eben über Jahre so läuft... kann man da mal vorsichtig in nem sicheren Rahmen drüberschauen.

  • nintje Das Verstehen des Warums ist schon auch vorhanden bei mir...


    grany Medikamentös...naja... ist halt einfach weniger meins, zumal es in dem Fall wohl auch quasi Dauermedikation sein müsste (und 4 solcher Impulse in 7 Jahren ist mir für so einen Schritt zu selten...),weil ich ein Bedarfsmdikament in so einem Fall momentan genauso wenig nehmen würde wie jede andere Möglichkeit gegenzuhandeln, weil es in dem Moment vom aktiven Teil einfach als grundfalsch interpretiert wird...


    Es ist bei mir tatsächlich eine Reaktion auf eine Art Überforderung mit Situationen, die gewissermaßen existenzbedrohend sind und wo i.d.R. schon vorher diverse Versuche, das zu regeln und die Existenz zu bewahren, gescheitert sind... quasi ein "Warum langsam verrecken, wenns auch schneller geht?"... jeder Gegenhandlungsversuch wird in der Impulsdenkweise quasi lediglich wie irgendeine lebensverlängernde Maschine bei einem aussichtslosen Fall angesehen, nicht gewollt und als falsche Handlung eingestuft...

    Der passive Teil sieht's, erkennt's, weiß, was das "Richtige" wäre... liegt aber leider im Dornröschenschlaf bzw. wird vom aktiven Teil in diesen versetzt, sobald er irgendwas in die Richtung versucht...

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  • Der passive Teil sieht's, erkennt's, weiß, was das "Richtige" wäre... liegt aber leider im Dornröschenschlaf bzw. wird vom aktiven Teil in diesen versetzt, sobald er irgendwas in die Richtung versucht..

    Ja und da kann man ganz gut trainieren, achtsam damit umzugehen, z.B. wie der passive Teil passiv wird und wann und wieso in Dornröschenschlaf ist und wann der aktive Teil immer lauter wird. Auch wenn es oft wie Knopfdruck wirkt, passiert da ganz viel vorher und man kann lernen, das achtsam an sich wahrzunehmen.

  • Hmmm... bei dieser Frauenhilfe, zu der ich gehe... soll einer der Hauptpunkte so Erdungs- und Achtsamkeitsübungen sein...bzw. ein Effizientermachen der Sachen, die ich schon mache und vllt n bisschen Neues, falls die da n paar mehr Wege kennen... eigentlich, um mit den Dissoziationen und Flashbacks und so besser klarzukommen... ist das dann so ähnlich?

    Direkt an den Impulssituationen üben ist halt verdammt schwer, weil die ziemlich selten sind...

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  • ja, das ist so ähnlich, bzw. die Kompetenzen sind gleich. Und wenn du eh Dissoziationen hast, ist es auch nicht unwahrscheinlich, dass das mit Impulsen in irgendeiner Weise zusammenhängt.


    Direkt an der Impulssituation zu üben ist auch kaum möglich, denn dann ist es ja schon zu spät. Es geht darum Vorstufen kennen zu lernen anhand kleinerer Auslöser, wo Vorstufen der Impulsabfolge da sind, die momentan wahrscheinlich noch gar nicht von dir bemerkt werden können. D.h. da laufen Automatismen, für die man erst sensibel werden muss. Das geht über Achtsamkeit und indem die eigenen Abläufe in ihren kleinen Minischritten besser kennenlernt und nicht nur die "Haudraufmomente", die sich nicht mehr ignorieren lassen. Am Anfang glaubt man das gar nicht, aber nach und nach entdeckt man da eine ganze Welt, wenn man sich darauf einlassen kann. Meine Erfahrung ;)

  • Benni, Paula und ich haben das gestern mal in Ruhe besprochen... einerseits einen Stufenplan aufgestellt, wann die wie handeln können (/müssen), wenn sie mitbekommen, dass was nicht stimmt, andererseits, wie ich das vielleicht noch mitteilen kann, wenn ein "Mich-Mitteilen" eigentlich bereits blockiert ist... langfristig sind sie auch der Meinung, dass da wohl am ehesten über Achtsamkeit u.ä. was geht... zusätzlich such ich noch nach einem Codewort, das sich auch jetzt schon durchschmuggeln lässt... obwohl die offenbar verdammt feine Antennen haben...schon die ganz erste Nachfrage war deshalb, weil irgendwas an meiner Terminabsage-Nachricht offenbar nicht so normal/harmlos war, wie ich dachte...


    Jetzt brauchts nur noch nen Plan, wenn keiner, mit dem man im Vorneherein irgendwelche Codes ausmachen kann, verfügbar ist... neben der Hoffnung, dass das ohnehin so schnell oder am besten gar nicht wieder notwendig ist...

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