Immer wieder Rückfälle mit Exzessspitzen und Polytoxie

  • Hallo zusammen,

    Ich habe gestern Nacht wieder einmal einen Punkt erreicht, an dem ich gemerkt habe, dass ich unbedingt etwas ändern muss. Endlich bin Ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich diesmal eine Strategie brauche. Aus diesem Grund habe ich mich hier angemeldet und hoffe von euch ein paar Impressionen und Tipps zu bekommen.


    Mein erster Kontakt mit Drogen war im zarten Alter von 15 mit halluzinogenen Pilzen. Schon meine erste Erfahrung war eine absolute Grenzerfahrung. Eine durch Entheogene induzierte Nahtoderfahrung ist nichts, mit dem ein Kind umgehen lernen sollte müssen. Obwohl die Erfahrung wirklich extrem schlimm war und mein armer Vater mich eingenässt und nicht ansprechbar in meinem Kinderzimmer vorgefunden hat, leben Drogen und ich seit dem in einer art Stockholmsyndrom-Symbiose. Ich nehme Substanzen oft nur ein paar mal, dann suche ich mir etwas härteres, um es noch weiter zu treiben. Dabei ist für mich das Anfertigen von Lösungen, mit Substanzen die im μg Bereich wirksam sind, fast ein genauso großer Kick, wie der Rausch selbst. Mit Spaß hat es nichts zu tun, es ist lebensmüdes Verhalten und Selbstzerstörung. Desto potentiell tödlicher das ganze ist, um so besser ist das ganze in solchen Momenten. Oft konsumiere ich bis ich erbreche oder das Bewusstsein verliere.
    Der Selbsthass, die Angst und das Gefühl überlebt zu haben, den Wert des Lebens endlich erkannt zu haben und Sicherheit gewonnen zu haben, endlich nie wieder Drogen nehmen zu wollen, ist für mich zu einer instrumentalisierten Katharsis geworden.


    Auch wenn ich, abgesehen von einer 2 Jährigen Phase mit täglichem, absurdem Benzodiazepinkonsums, nie wirklich täglich konsumiere, zerstören die Drogen mich doch immer mehr und ich habe große Angst, meiner Familie das Leben zu zerstören, nur weil ich an einem Abend wieder einmal die Kontrolle verloren habe und an einer Überdosis sterbe.

    Es fällt mir oft nicht schwer für 2-3 Wochen keine Drogen zu nehmen, aber dann gibt es immer wieder Vorfälle, in denen ich mich mit Designerdrogen und absolut lebensbedrohlichem Mischkonsum, bis an die Grenzen des Ertragbaren und Überlebbaren bringe. Nicht nur der Rausch ist vom ersten Moment an eine Qual, auch die Tage danach zerstören mich immer mehr und ich habe oft das Gefühl den Verstand zu verlieren.


    Ich habe mein Abitur als Jahrgangsbester abgeschlossen, studiere Medizin an einer Universität mit einem sehr guten Ruf, habe kein Umfeld aus dem ich entrinnen müsste. Hier in dieser Stadt weiß niemand das ich ein Drogenproblem habe, mit Ausnahme meines kleinen Bruders, den ich aber auch nicht belasten will. Generell bin ich sehr alleine, habe niemandem, dem ich mich anvertrauen kann. Es ist wie ein Doppelleben. Unter Medizinstudenten ist für jemanden wie mich kein Platz, ich bin ein Junkie aus gutem Elternhaus, der sich zwischen biederen Leistungsmenschen versteckt und versucht nicht erkannt zu werden. Ein Grund warum ich es nicht schaffe, mir ein soziales Netz mit Kommilitonen aufzubauen, ist, dass ich mich für das Schäme was ich bin.


    Das das studium phasenweise nicht läuft, weil man sich O-AMKD, Furanyl-Fentanyl, 3-HO-PCP und andere extrem potente, unerforschte Designerdrogen, im Mischkonsum, ohne Waage, reinhaut, ist selbsterklärend. Die kognitiven Einbußen für die folgenden Tage nach einem solchen Exzess sind enorm. Teilweise liege ich die folgenden 32Stunden, wie heute, nur versteckt in meinem Zimmer. Lausche an der Tür, um den richtigen Moment zu erhaschen, unbemerkt bis aufs Klo zu kommen.


    Ich saß in der Vergangenheit schon 2x in der Psychiatrie und ich habe große Angst, dass ich mich in den Selbstmord treibe wenn es so weitergeht. Hinter mir liegen Jahre, in denen ich an jedem Wochenende unmengen an mdma und speed konsumiert habe, die Depressionen hätten mich buchstäblich fast umgebracht. Ich möchte mein Leben dem Leben widmen und nicht an ihm zugrunde gehen, schaffe es aber nicht, mir selbst zu helfen.


    Habt ihr Tipps wie ich vorgehen kann? Ich war an diesem Punkt schon viele, viele male, an denen ich alle Drogen entsorgt habe. Das ganze hält dann auch meist für 2-3Wochen ohne Probleme und auf einmal finde ich mich wieder konsumierend vor.


    Was würdet ihr mir Raten, womit habt ihre gute Erfahrungen gemacht? Gibt es online irgendwelche Programme, gute Bücher und wie sehen eure Erfahrungen mit Selbsthilfegruppen aus?


    Danke für eure Antworten

  • Servus Löffel,


    du beschreibst eine sehr gefährliche Art einer Suchterkrankung, ja, ich halte es für eine Sucht.

    Es kommt ja nicht drauf an, ob man täglich konsumiert, mal ne Pause machen kann oder keinen klassischen Entzug hat ...

    Ähnlich ist es mit Depressionen, die kommen ja nicht und gehen einfach wieder - aber der Profi kann Depris natürlich Jahre überdecken oder eben sich selbst was vormachen.

    Du hast jetzt nicht angegeben wie weit du mit deinem Studium bereits bist, aber letztlich ist dir das ja alles so bekannt ;)


    Wie aber läuft es nun, der Jahrgangsbeste bist vermutlich so nicht mehr oder?

    Warum hast du eigentlich gerade dieses Studium gewählt?

    Um ehrlich zu sein, du bist nicht der erste (angehende) Mediziner, der süchtig ist, ich denke sogar aus dem Bereich Gesundheit ist das gar nicht so selten :(


    Das die ganze Aktion nicht ewig weitergehen wird, dass ist dir ja klar, richtig?

    Abgesehen von deinen Psychiatrieerfahrungen, welche ja auch nicht unbedingt in irgendwelchen Papieren für deine Zukunft auftauchen sollten, wird dir irgendwann ein Fehler unterlaufen!

    Ich weiß nicht in welche Richtung deine Tätigkeit später man genauer gehen soll, aber eigentlich egal, es muss sich was ändern ...


    Nach deinen Beschreibungen glaube ich kaum, dass dir Bücher helfen können, zur Info ja, aber ich glaub die brauchst du nicht.

    Selbsthilfegruppen sind natürlich eine gute Möglichkeit, machen aber meiner meinung nur Sinn wenn man wirklich ehrlich zu sich selbst ist!

    Letzteres, weil man sonst sehr schnell glaubt, eine SHG bringt eh nix ...

    So wie du berichtest, sehe ich keine Alternative zu einer Therapie, bei einem Suchtexperten!!

    Danach würde dann zur weiteren Unterstützung vlt eine SHG Sinn machen.


    Raten würde ich, geh zur Suchtberatung und lass dir mal von einem unabhängigen Profi sagen, was bei dir wirklich abgeht.

    Klar könnte dich dein Bruder unterstützen, aber der Profi operiert ja auch nicht seinen Bruder in der Regel :P


    Sucht entsteht ja nicht nur in schlimmen Familien, es unterscheidet sich oft in der Art der Konsumstoffe, aber nimmt vor guten Elternhäusern nicht Abstand.

    Vermutlich ist es deinen Eltern ja eh klar, wenn es schon einige Aktionen gab, kannst dich denen nicht öffnen?


    In gewisser Weise kenne ich dein Problem, ich konnte auch nicht mehr dosieren (H) und kippe mehrmals die Woche weg und landete im KH.

    Ich bekam also auch Angst vor mir selbst, aber gibt es eh nur entweder ganz oder gar nicht!

    Damit meine ich, lieber mal eine Semesterpause oder4 Semesterferien für ne stationäre Therapie ansetzen, als vlt nicht mehr aufzuwachen!

    Fange nie an aufzuhören höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Hey Franz, danke für deine ausführliche Antwort!


    Natürlich weiß ich, dass ich ein Suchtproblem habe und das es so nicht weitergeht. Deswegen habe ich mich hier angemeldet. Ich brauche konkrete Tipps, um die "Gunst der Stunde" zu nutzen und mir diesmal wirklich längerfristig vor Augen zu führen, dass ich ein Problem habe.


    Ich dachte ich hätte das ganze überwunden, aber wenn ich auf die letzten 4Jahre zurückblicke, dann habe ich mir ganz schön was vorgemacht. Es ist überhaupt nicht mein Ziel Jahrgangsbester zu sein, dass ist in so einem Studiengang auch unmöglich als Normalsterblicher.

    Mein einziges Bestreben ist das Erreichen eines Lebens, dass sich für mich erfüllend und beglückend anfühlt. Es ist nur so extrem schwer sich das vorzustellen, weil ich noch nie lange ohne Drogen über die Runden gekommen bin und mich leider auch völlig über das "der kaputte Typ" Image definiere.


    Kannst du mir vielleicht ein bisschen was über Selbsthilfegruppen erzählen, falls du damit Erfahrungen gesammelt hast?

    Das Problem ist eben auch, dass man sich immer wieder darauf zurückbesinnen muss, dass man ein Suchtproblem hat. Leider ist diese Besinnung fast schon paradox, wenn man sie dem "sich Bedeckthalten" als Junkie gegenüberstellt. Ich brauche einfach Gleichgesinnte, denen ich mich als das Offenbaren kann, was ich bin. Das man sich gegenseitig motiviert.


    Was hat dir nach deiner eigenen Suchtproblematik am meisten geholfen, gerade in den Anfängen?

  • Kannst du mir vielleicht ein bisschen was über Selbsthilfegruppen erzählen, falls du damit Erfahrungen gesammelt hast?

    Das kann ich nicht als Betroffener, aber ich hätte mir vlt einiges ersparen können, wenn ich mich da versucht hätte.

    Als Betroffener würde ich es aber mit Gruppensitzungen auf Therapie vergleichen wollen - wenn da auch Therapeuten dabei waren (was nicht jede SHG bietet oder wünscht).

    Wenn dann könnte ich nur als Leiter von SHGs berichten ...

    Aber ich konnte immer mehr mit Leuten/Helfern anfangen, die eigene Erfahrungen mit der Thematik hatten und das berichten ja sehr viele Hilfesuchende.


    Man muss aber auch sagen, SHG ist nicht für jeden und jede Gruppe ist halt auch etwas anders.

    Wenn eine Gruppe z.B. Konfrontationsdebatten pflegt, dann kann es auch mal ganz schön geballt auf einen einprasseln und das ist nicht schön.

    Aber ich denke, wer es nicht probiert, der kann auch nicht sagen ob es was bringt oder eben nicht.


    Was hat dir nach deiner eigenen Suchtproblematik am meisten geholfen, gerade in den Anfängen?

    Wohnortveränderung, das war bei mir der ausschlaggebende Punkt!

    Das nicht aus Gründen des Versteckens oder Davonlaufens, es war vielmehr der neue Lebensabschnitt, frei gewählt.

    Man muss da aber auch ganz ehrlich sein, nur weil vlt die Quellen weiter weg sind, bleibt man nicht clean - das hab ich bei späteren (über 12 Jahre später) Umfallern schnell erfahren.

    In dem Moment wo die Entscheidung gefallen ist, jetzt-heute-morgen werde ich (bewusst) rückfällig und will was haben, da würde nur ne einsame Insel im Niergendwo helfen - kurzfristig ;)


    Was hindert dich, mit deinem Bruder zu reden, mit deiner Familie?

    Meiner Meinung ist die Öffnung ein erster wichtiger Schritt, das untermauert die Einsicht.

    Klar bringt das auch Druck mit sich, grade wenn man dann doch mal umfällt, aber keiner muss so eine schwere Zeit allein durchschreiten!

    Ohne Frage, man muss sich austauschen, es tut gut wenn man auch mal ein ehrliches Lob bekommt, wenn man sich ganz einfach nicht alleine fühlt - auch wenn man letztlich selbst clean werden und vor allem bleiben muss.


    Willst mal mehr über deine Aufenthalte in der Klapse erzählen?

    Warum glaubst du, geht es überhaupt bei dir so ab, also das ist ja eine - ich sag mal - Art Suchtgestaltung mit Selbstverletzung ...

    Zudem frage ich mich, dir ist doch klar, wenn dein Problem mal in Form von "Vorbestrafung" aufkommen würde, dann wäre unter Umständen dein Studium für die Katz, oder?


    Und was macht ein Leben erfüllend und beglückend?

    Es ist nicht ganz einfach das für sich zu finden, gerade wenn man andauernd mit solchen Grenzerfahrungen lebt - das normale scheint dann vlt doch als zu langweilig ...


    gerade in den Anfängen?

    Genau was du grade machst, sich um Infos bemühen und schauen, wie die Möglichkeiten sein könnten :)

    Da solltest dran bleiben :top:

    Fange nie an aufzuhören höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Wohnortveränderung, das war bei mir der ausschlaggebende Punkt!

    Das nicht aus Gründen des Versteckens oder Davonlaufens, es war vielmehr der neue Lebensabschnitt, frei gewählt.

    Man muss da aber auch ganz ehrlich sein, nur weil vlt die Quellen weiter weg sind, bleibt man nicht clean

    Umziehen muss ich nicht, dass bin ich erst letzten Oktober. Ich habe nach meinem letzten Psychiatrieaufenthalt 3Jahre mein Abi nachgemacht und erst im letzten Oktober mit dem Studium angefangen. Wie gesagt, ich kenne niemanden, der in meinem Maße oder die Drogen, die ich konsumiere, konsumiert. Aus dem Freundeskreis aus dem ich stamme wird zwar immer noch viel Speed und MDMA konsumiert, aber mit den Leuten habe ich schon lange nichts mehr zu tun. Hier bei mir in der Stadt kenne ich wirklich niemanden der Konsumiert und auch meine Drogen kann man nicht auf der Straße kaufen. Ich hab ein fable für extrem ausgefallene Designerdrogen die man nur aus dem Ausland beziehen kann. Das ist in Hinblick auf meine Zulassung natürlich ein extremes Risiko, dass ist mir klar, aber offensichtlich, im Hinblick auf die Konsumgewichtung, egal.

    Was hindert dich, mit deinem Bruder zu reden, mit deiner Familie?Meiner Meinung ist die Öffnung ein erster wichtiger Schritt, das untermauert die Einsicht.Klar bringt das auch Druck mit sich, grade wenn man dann doch mal umfällt, aber keiner muss so eine schwere Zeit allein durchschreiten!

    Ohne Frage, man muss sich austauschen, es tut gut wenn man auch mal ein ehrliches Lob bekommt, wenn man sich ganz einfach nicht alleine fühlt - auch wenn man letztlich selbst clean werden und vor allem bleiben muss.

    Mein Bruder ist erst 20 Jahre jung und noch wirklich sehr kindlich. Wir haben beide ADHS, seine Impulskontrolle ist genau wie meine ziemlich gestört und er macht viel unüberlegten Blödsinn. Ich war ihm nie ein gutes Vorbild und möchte nicht, dass er auf dumme Ideen kommt. Natürlich könnte man argumentieren, dass ihn ein offenes Gespräch abschrecken könnte und von Drogen die Finger lässt, aber mich hat sowas auch nie abgeschreckt. Im Gegenteil. Das erste Mal Heroin habe ich direkt mit Koks kombiniert. Habe knapp 72std durchkonsumiert, während ich eigentlich hätte auf Klassenfahrt sein müssen und meine Ex auf einer Tagung war. Sobald ich kurz vorm wegtreten war wieder eine Nase Koks, dann wieder ein Blech und wieder von vorne.

    Irgendwie geht es glaube ich darum, mein Selbstbild zu zerstören. Es ist einfacher dem kaputten Typen zu entsprechen, zumindest war das gerade als Jugendlicher ein wichtiges Konstrukt für mich. Meine Eltern sind beide Lehrer, meine Großväter Schulleiter bzw. Professor und ich bin mehrmals wegen schlechten Leistungen von der Schule geflogen. Davon abgesehen wurde ich streng christlich erzogen, habe also jedes Ideal meiner Eltern mit Füßen getreten. Meine Mutter hat mich jahrelang geschlagen für jeden Misserfolg in der Schule und die waren enorm mit 2 Schulwechseln.

    Gleichzeitig musste ich mir von Lehrern sowie Schülern immer wieder anhören, dass ich als Sohn von 2 Lehrern doch nicht so dumm und faul sein könnte.

    Mir wurde dieser Selbsthass so indoktriniert, dass ich mir diesen zueigen gemacht habe und mich durch Bestrafung und "Misshandlung" selbst antreibe. Ich bin auch ziemlich sicher das ich Borderline habe, wenn auch nicht in vollen Zügen.

    Das Problem ist nur, dass sich die Umstände seit mehreren Jahren verändert haben, aber ich nicht aus diesem Verhaltensmusster ausbrechen kann.


    Ich komme seit Jahren gut mit meinen Eltern klar, die machen wirklich alles für mich und haben ein unglaublich schlechtes Gewissen. Auch wenn meine Mutter mich nicht richtig behandelt hat, sie leidet darunter fast genau so wie ich und treibt wirklich rührende und fast schon unangenehme Schadensbegrenzung und hat viel Verständnis für mich. Davon abgesehen sind meine "Leistungen" hervorragend, ich bin nicht mehr der faule Typ der nichts auf die Kette bekommt, aber ich fühle mich so. Daran können auch 100 Urkunden und Stipendien nichts ändern.


    Aber ich will hier gar nicht in Selbstmitleid zerfallen, ich habe in den letzten Jahren unglaubliche Veränderungen durchgemacht, auf die ich echt Stolz bin, dass bestätigen mir die diversesten Leute von allen Seiten. Klar ist das gerade ein Rückschlag, aber ich war in meinem Leben schon in sehr viel schlimmeren Situationen.

    Willst mal mehr über deine Aufenthalte in der Klapse erzählen?

    Warum glaubst du, geht es überhaupt bei dir so ab, also das ist ja eine - ich sag mal - Art Suchtgestaltung mit Selbstverletzung ...

    Zudem frage ich mich, dir ist doch klar, wenn dein Problem mal in Form von "Vorbestrafung" aufkommen würde, dann wäre unter Umständen dein Studium für die Katz, oder?

    Das erste mal war ich in der Psychiatrie mit 19 Jahren, habe zu der Zeit völlig alleine in einer neuen Stadt gelebt, war absolut unglücklich in meiner Studienwahl. Bin in eine Stadt gezogen, nur um in der nähe meiner damaligen Freundin zu wohnen, ohne groß darüber nachzudenken. Nach wenigen Wochen haben wir uns dann getrennt und das hat mich, in Verbindung mit 3 Jahre langem extremen MDMA Konsum, völlig aus der Bahn geworfen. Mit MDMA hat dieser ganze Kontrollverlust bei mir angefangen. Habe teilweise unter der Woche alleine Konsumiert und die nächsten Tage blau gemacht, weil ich so zerstört war. Hab mal in wenigen Stunden 12 Dinger geschmissen, da wäre ich fast zum ersten mal Draufgegangen.

    Auf jeden Fall wollte ich mich umbringen, war wirklich ziemlich knapp, hab viele Wochen dagegen angekämpft und mich dann Gott sei Dank bei Nacht und Nebel einweisen lassen. Offen geredet habe ich mit niemandem, die Ärzte waren unglaublich unfähig und das Therapieangebot war wirklich ein schlechter Scherz. Bin als Benzoabhängiger aus der Klinik entlassen worden, nachdem ich 3 Monate mit Tavor gefüttert wurde.

    Als ich rauskam habe ich mit Benzos weitergemacht, was meinen Drogenkonsum völlig hat ausrasten lassen. Zu der Zeit wurde es selbst meinem damaligen Druffifreundeskreis zu viel, ich war auf einem absoluten Selbstzerstörungsfilm und habe oft bis zur absoluten Besinnungslosigkeit konsumiert.

    2015 war ich dann wirklich völlig am Ende. Hatte durch den vollkommen bizarren Benzokonsum, wobei ich auch fast täglich GHB und Ketamin konsumiert habe, eine extreme Agoraphobie. Hatte Zuckungen, meine Hände waren so am zittern das ich kaum mit einem Löffel essen konnte und ich konnte keinem Menschen mehr in die Augen gucken. Bin nur noch in die WG-Küche wenn alle geschlafen haben und habe ansonsten gehungert.


    Der darauffolgende Psychiatrieaufenthalt hat mein Leben auf jeden Fall geändert, der war wirklich toll. Hatte einen super Therapeuten und ein absolut funktionsfähiges Therapieprogramm, dass mir sehr geholfen hat. Dazu muss man auch sagen, dass ich so einfach nicht mehr weiterleben konnte, ich hätte das ganze kein halbes Jahr mehr länger geschafft, ohne mich wirklich umzubringen. Wäre es durch meine eigene Hand gewesen oder indirekt durch ausgearteten Mischkonsum.

    Hinzukommt, dass ich mich in den ersten Wochen versucht habe umzubringen, was meine Geschwister und meine Eltern ziemlich hart getroffen hatte, ich wollte einfach nicht mehr der Grund sein für so viel Leid und habe ab da alles getan, um aus meinen Depressionen herauszukommen.


    Aus der Klinik rausgekommen bin ich dann Cannabispatient geworden und habe jegliche Psychopharmaka abgesetzt, die ich nahm seit ich 17 war. Hab ein tolles Mädel kennengelernt die mich absolut aufgebaut hat und mich für das was ich war geliebt und verstanden hat. Obwohl wir beide durchaus immer mal wieder Konsumiert haben und ich immer wieder mal wirklich harte, gefährliche Kontrollverluste hatte, habe ich im großen und ganzen sehr viel weniger und vor allem nicht mehr ganz so Gefährlich konsumiert.

    Wir waren bis zum letzten Oktrober fast 5Jahre zusammen, wollten eigentlich zusammen nach Köln ziehen, hatten sogar schon den Mietvertrag unterschrieben, aber dann wurde ich im letzten Moment, trotz 1,0er Schnitt, in einer anderen Stadt an meiner 2.Wahl-Uni angenommen. Das hat mich absolut aus der Bahn geworfen, auch wenn ich es anfänglich durch mein Workaholicdasein habe zu verdecken versuchen. Hat mich meines Antriebs und Sinnes neraubt. Mich von ihr zu trennen war mit Abstand das grausamste was ich mir jemals angetan habe.

  • Und was macht ein Leben erfüllend und beglückend?

    Es ist nicht ganz einfach das für sich zu finden, gerade wenn man andauernd mit solchen Grenzerfahrungen lebt - das normale scheint dann vlt doch als zu langweilig ...

    Ich bin zwar durchaus ein Grübler und Zweifler, aber ich bin auch oft sehr unbeschwert und verliere mich in der Schönheit der Kleinigkeiten, auch wenn ich oft genauso an Kleinigkeiten zu zerbrechen drohe. Das Gärtnern macht mir riesig Spaß, beim Malen kann ich mich auch völlig verlieren und ich gehe Klettern, jongliere und Meditiere viel.

    Davon abgesehen gibt es eine große Thematik, die mich besonders fesselt und das sin Psychedelika. Ich finde es gibt nichts interessanteres, ich habe so ziemlich jedes halbwegs bekannte Buch zu dem Thema gelesen. Von Leary, Alpert und Huxley, über Shulgin, Metzner, Hoffmann, Rätsch bis hin zu Huxley.

    Mir ist die Crux und der Widerspruch, gerade in Hinblick auf die Natur dieses Textes, absolut bewusst. Aber das ist ein Thema für das ich brenne, auch abseits vom Konsum. Aber genau da kommen wir zu den von dir angesprochenen Grenzerfahrungen.

    Es ist extrem schwer das ganze irgendwie zu integrieren, da ich viele male einfach viel zu weit rausgeschwommen bin. Ich hatte wer weiß wie viele, durch Drogen induzierte, Nahtod- und außerkörperliche Erfahrungen, dass ich schon lange niemanden mehr habe, der versteht was ich erlebt habe oder dem ich mich mitteilen könnte. Es gibt praktisch niemanden und das aus gutem Grund, der sich ständig, wieder und wieder solchen Grenzerfahrungen hingeben will. Oft fühle ich mich wie ein Alien mit dem was ich erlebt habe, vollkommen alleine und isoliert. Manchmal frage ich mich, ob dieses Gefühl nicht indirekt von mir heraufbeschworen wurde, um mich in meiner Außenseiterrolle zu manifestieren.

    Auf der anderen Seite habe ich durch meine Abkehr vom Glauben, die mir auch einen ziemlichen Knacks beschert hat, auch ein großes, spirituelles Loch in mir, was durch solche Erfahrungen kurzzeitig gestillt werden kann.


    So viel zu der Frage, warum ich denke, dass ich tue was ich mache.

    Dafür das es mir phasenweise so schlecht ging, bin ich sehr positiv eingestellt und ich bin wirklich Tag für Tag am kämpfen. Der Tonus und die allgemeine Konnotierung dieser Darlegung wirkt durch die Darstellung vergangener Eskapaden und Leidenswege sehr verzerrt und entspricht nicht meiner aktuellen Situation. Meine, noch nicht allzu lang verstrichene, Vergangenheit, mit dem Selbstmordversuch und den Psychiatrieaufenthalten, geistert mir einfach oft noch viel im Kopf rum, dass ist hart zu verarbeiten.

    Wie gesagt, diese Ausrutscher, ohne diese damit herunterspielen zu wollen, passieren auch nur alle 4-5Wochen in diesem Maße. Die meiste Zeit über komme ich relativ gut klar und will unbedingt von den Drogen wegkommen, mein Studium schaffen und meine Erfahrungen mit Leid einsetzen, um es anderen nach Möglichkeit zu nehmen.

    Das treibt mich an.



    Ich habe mich übrigens sowohl bei der Drogenberatung, als auch bei einer Selbsthilfegruppe gemeldet und habe morgen 2 Telefonate für ein Erstgespräch.


    lg Loeffel

  • Hallo Loeffel,


    Deinen Beitrag habe ich komplett gelesen und auch viel von Deinem Dialog mit Franz. Ich habe den Eindruck, Du hast eine lange und intensive Suchtlaufbahn hinter Dir. Dem Ratschlag mit der Drogenberatung kann ich mich nur anschließen. Was ich gemacht habe war eine sogenannte suchtbegleitende Beratung, also ich hatte regelmäßig Gespräche mit einem Berater. Außerdem empfehle ich Dir, Deinen Beitrag bei so vielen Foren, wie möglich rein zu stellen, so bekommst Du am meisten mögliche Antworten und Ratschläge. Recherchiere doch mal im Internet, was es noch für andere Foren gibt zu Deiner Problematik. Es gibt z.B. so ein Psychologieforum, da könntest Du Deinen Beitrag auch reinstellen.

    Wenn ich das richtig sehe konsumierst Du momentan nicht täglich. Wenn Du eine Auszeit brauchst kannst Du eine Entgiftung machen, aber ich denke, das ist in Deinem Fall nicht das Richtige. Wenn Du wirklich aufhören willst ist eine Therapie wohl wirklich die beste Wahl. Es ist eben die Frage, wie Du das mit Deinem Studium vereinbaren kannst. Du musst für Dich heraus finden, wie Du das verwirklichen kannst. Wahrscheinlich haben die von der Drogenberatung Dir da schon was zu gesagt. Also ich denke, wenn Du das Medizinstudium durchziehen willst, ist eine Therapie zwingend erforderlich, bevor Du in den Beruf einsteigst.


    Alles Gute:


    ChrisB

  • Ich habe mich übrigens sowohl bei der Drogenberatung, als auch bei einer Selbsthilfegruppe gemeldet und habe morgen 2 Telefonate für ein Erstgespräch.

    Wie ist das ausgegangen?

    Fange nie an aufzuhören höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

    • Gäste Informationen
    Hallo Mitleser, du interessierst dich für unsere Themen und willst auch selbst schreiben, dann melde dich bitte an.
    Solltest du noch kein Forenmitglied sein, dann registriere dich bitte und du kannst das SuS-Forum uneingeschränkt sowie kostenfrei nutzen.

    Dieses Thema enthält 0 weitere Beiträge, die nur für registrierte Benutzer sichtbar sind, bitte registriere dich oder melde dich an um diese lesen zu können.