Gerate ich in die Sucht?

  • Hallo liebes Forum,


    ich leide seit über 20 Jahren an Depressionen, mal schwer, mal weniger schwer. Seit Monaten geht es

    mir wieder von Woche zu Woche schlechter. In den letzten Tagen ist es extrem schlimm.


    Ich gehe nicht mehr raus, nehme bis zu 2 mg Tavor am Tag, trinke Alkohol dazu und liege ansonsten nur im Bett. Außerdem verletze ich mich selbst (Haut abknibbeln bis es blutet). Ich meide soziale Kontakte. Habe alle Verabredungen abgesagt. Ich esse kaum noch etwas.


    Ich stehe unter einem Wahnsinns-Druck, da ich berufstätig bin und in diesem Jahr schon etwa 9 Wochen gefehlt habe und meine Vorgesetzte mir gesagt hat, dass jedes weitere Fehlen eine Kündigung zur Folge haben wird.


    Ich weiß, dass es von alleine wohl nicht besser wird, ich will aber auch meine Arbeit nicht verlieren (bin 48). Und ich glaube auch nicht daran, dass mir eine Klinik helfen kann. Habe genug Kliniken durch, um das sagen zu können. Einen Ausweg sehe ich nicht.


    So weit, dass ich mich wirklich umbringen will, bin ich noch nicht, aber ich mache mir auch so gerade mein Leben kaputt, ich ruiniere meine Gesundheit, vergraule meine sozialen Kontakte, zerstöre mein Arbeitsverhältnis und mache mich damit zum Harz-4-Empfänger, da ich nur eine Mini-Rente zu erwarten habe.


    Ich mache mir gerade alles kaputt und sehe mir dabei zu und ich bin nicht in der Lage, mich davon abzuhalten. Heute hatte ich schon 2 mg Tavor und trinke gerade das zweite Glas Wein, weil Tavor alleine nicht mehr hilft.

    :whistling::whistling:

    LG

    Undine

  • Hey undine,

    willkommen hier.

    Das klingt alles ziemlich schwer für dich.

    Was könntest du denn jetzt gerade tun, damit du einen kleinen Schritt in die für dich richtige Richtung machen kannst?

    Vielleicht könnte es die Überlegung sein was denn die für dich richtige Richtung sein könnte?

  • Hallo Nintje,


    danke für deine Antwort! Deine Anregungen klingen sehr weise und sind bestimmt nicht ganz leicht umzusetzen.


    Ich weiß nicht, in welche Richtung ich gehen will oder muss. Ich vermute nur, dass ich gerade in die falsche Richtung gehe, und zwar in die Sucht (Tavor, Alkohol). Die Depression wird sich verschlimmern (sofern das überhaupt noch geht) und ich werde es immer weniger schaffen, meinen Alltag zu bewältigen. Alles wird den Bach runtergehen, am Ende werde ich keinen Job, keine Freunde und keine Wohnung mehr haben - ganz zu schweigen von meiner Gesundheit.


    Das alles möchte ich nicht. Aber welche Richtung soll ich sonst nehmen? Was wäre die Gegenrichtung? Kein Tavor mehr, kein Alkohol, statt dessen ... ja was? Vielleicht kilometerweit laufen mit Musik im Ohr? Arbeiten gehen, wann immer ich kann? In die Klinik gehen? Nicht mehr so viel im Bett aufhalten?

    Das waren jetzt alles nur spontane Einfälle. Nichts davon kann ich mir richtig vorstellen. Selbst kleine Schritte sind gerade nicht möglich , da ich nicht weiß, wo ich hin will. Es ist so schwer gerade. Alles....;(


    Aber danke für deine Gedankenanstöße. Werde dranbleiben. Vielleicht bringen sie mich weiter


    LG

    Undine

  • am Ende werde ich keinen Job, keine Freunde und keine Wohnung mehr haben - ganz zu schweigen von meiner Gesundheit.

    Das klingt ziemlich absolut. Bis dahin sind es viele viele kleine Schrittchen, die du gehst.


    Und jeder davon kann einen kleinen Schlenker in eine andere Richtung sein. In eine Richtung, wo du Hilfe bekommst. Nicht allein alles durchkämpfen musst. Jemand zuhört, wenn du es brauchst. Fürsorglich ist, wenn du es nicht kannst.

    Kein Tavor mehr, kein Alkohol, statt dessen ... ja was? Vielleicht kilometerweit laufen mit Musik im Ohr? Arbeiten gehen, wann immer ich kann? In die Klinik gehen? Nicht mehr so viel im Bett aufhalten?

    Und diese Schritte klingen für mich ziemlich anstrengend und eher groß.


    Ich hab gedacht, dass vielleicht ein klitzekleiner Schritt sein könnte, ein schönes Vollbad oder eine heiße Dusche zu genießen.

    Oder erstmal einen duftenden Kaffee oder Tee zu trinken.

    Odee hier im Forum zu schreiben, was dir so Druck macht.

    Oder vielleicht ist so ein kleines Schrittchen auch, sich im Netz schlau zu lesen, welche Hilfe es geben könnte, die zu dir und deiner Situation passt.

    Ganz ganz kleine Schrittchen, die sich so anfühlen, als könntest du sie schaffen. Ich weiß nicht, welche das sein könnten.

    Bei mir ist gerade ein Schrittchen, einfach zu atmen. Nichts sonst. Nur atmen. Das kann ich schaffen.

  • Danke !!!


    Ja, ich will nicht mehr alles allein erkämpfen. Ich werde morgen etwas dafür tun, damit ich Hilfe bekomme.


    Und ich werde in kleinen Schritten weitergehen. Die Ideen, die du aufgeführt hast, gefallen mir sehr gut. Das sind alles Dinge, die ich mir zutraue, und die mich sicher ein kleines bisschen in eine andere, bessere Richtung bringen.

  • Hey!


    Du scheinst dir sehr klar über die Konsequenzen zu sein und wirkst eher gelähmt in deiner Handlung. Ist ja auch kein Wuder bei Depressionen. Ein Besuch bei einem Psychiater würde ich dir als erstes empfehlen. Zu dem, wer verschreibt dir denn das Tavor und wofür? Wer so lange schon Tavor nimmt, wird eine Abhängigkeit entwickelt haben. Daher würde ich es auch nicht einfach weglassen, sondern eher das Absetzen mit einem Arzt besprechen.

  • Hallo Soccerlady,


    das Tavor habe ich von meiner Psychiaterin als Bedarfsmedikament verschrieben bekommen, um Krisen abzufangen. Leider musste ich es in letzter Zeit sehr oft nehmen, seit ungefähr 3 Wochen sogar fast täglich. Und 1 mg reicht inzwischen nicht mehr aus.


    Heute werde ich mit meiner Psychiaterin über das Absetzen und über einen eventuellen Klinikaufenthalt sprechen.


    LG

    Undine

  • Hallo Nintje, hallo SoccerLady,


    danke fürs Daumendrücken. Der Termin war sehr hilfreich. Ich habe mit meiner Ärztin über alles sprechen können. Sie will mich jetzt auf Elontril, ein antriebssteigerndes Antidepressivum, umstellen. Ansonsten hat sie mir dazu geraten, das Tavor möglichst durch Atosil-Tropfen (atypisches Neuroleptikum) zu ersetzten und nur dann, wenn es gar nicht mehr geht, 1 mg Tavor zu nehmen. Einen weiteren Klinikaufenthalt hält sie nicht für sinnvoll.


    Seit Dienstag nehme ich kein Tavor mehr. Ich konnte es ohne Probleme weglassen. Mir geht es etwas besser. Heute war ich auch wieder arbeiten. Ich hoffe, es geht jetzt wieder aufwärts.


    LG

    Undine

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