Ich bin 57 und komme nicht vom Koks los

  • Hallo, ich habe mich gerade hier angemeldet, weil ich echt nicht mehr weiter weiß.

    Seit über 2 Jahren konsumiere ich täglich Koks.

    Wie bei jedem anderen ging es schleichend los.

    Ich habe zusammen mit meinem Partner und einem Kumpel nur am Wochenende Weißes gezogen.

    Obwohl ich genau wusste, dass es besonders mir sehr gefährlich werden kann, habe ich dieses Risiko ignoriert.

    Ich sollte es deswegen besser wissen, weil ich bereits eine Drogenkariere absolviert habe.

    Ich war in meinen 20-ern abhängig von Opiaten und es dauerte sehr lange, bis ich den Absprung geschafft habe. Aber das ist lange her und ich musste damals auch in einer Entgiftung entziehen und dann eine Therapie machen.


    Und nun habe ich in meinem Alter leider mit dem Kokain angefangen.

    Mein Umfeld hat keine Ahnung aber ich merke, wie ich mich psychisch verändere.

    Ich bin oft gereizt und auch deprimiert.

    Ich habe versucht aufzuhören aber immer wieder gab es einen vermeintlichen Grund, doch wieder was zu holen.

    Ich habe auch versucht zu reduzieren, was auch nicht geklappt hat.

    Eine Therapie kann ich nicht machen, ohne dass meine Familie es mitbekommen würde und das möchte ich ihnen ersparen.

    Ich schäme mich auch, in meinem Alter nochmal abhängig geworden zu sein und dann auch noch vom Koks.

    Vielleicht gibts hier ja jemanden, dem es ähnlich geht und mir einen Rat geben kann.

    Danke schon mal fürs Lesen.

  • Hallo Gina,

    erstmal herzlich Willkommen hier! Ich hoffe, es gibt viele unterstützende Reaktionen auf deinen Post!

    Und ich denke, den ersten Schritt hast du schon gemacht: du hast erkannt, dass du ein Problem hast. Das ist glaub ich ziemlich wichtig und auch schwierig und hart, sich das einzugestehen. Das ist doch super! :thumbsup:

    Als ich deinen Post las, dachte ich als erstes, dass du ja eine Therapie auch aus anderen Gründen machen könntest, das müsste ja nichts mit Drogen zu tun haben. So könntest du die Therapie deiner Familie "verkaufen".

    Die Frage ist aber doch, ob es eine gute Idee ist, das Problem vor deiner Familie zu verstecken. Willst du das wirklich? Und denkst / glaubst du, dass du das schaffen kannst, ohne dass irgendjemand von deiner Familie das mitbekommt?

    Ich finde, Familie ist ja auch Halt und Unterstützung in einer solchen Zeit, oder? Ubd wie sicher bist du dir, dass sie nicht schon längst etwas mitbekommen hat?

    Das ging mir alles im Kopf herum, als ich das las... Vielleicht sind ja hilfreiche Fragen für dich dabei, wenn nicht, einfach ignorieren.

    Ich drücke dir ganz fest die Däumchen, dass du einen guten Weg für dich findest und hier viele Tipps und Unterstützung bekommst!

  • Servus Ginaxyz,

    den ersten Schritt hast du bereits gemacht, du suchst nach Unterstützung und Informationen!
    Da du mit Suchterkrankung ja schon mal in Berührung gekommen bist, dürfte dir auch klar sein wie schwerwiegend dein Problem aktuell ist.
    Auch wenn der frühere Absprung bestimmt auch unschöne Momente hatte, hast du doch die Erfahrung gemacht, was therapeutische Unterstützung bewirken kann.

    Um ehrlich zu sein, sehe ich auch gar keinen anderen Weg, als erneut eine Therapie zu machen.
    Wie meine Vorschreiberin glaube ich, es ist immer besser wenn man offen mit seiner Sucht umgeht.
    Manchmal aber sind auch ein paar kleine Tricks erlaubt, dass man eben den Grund der Therapie verschleiert.
    Trotzdem muss man immer damit rechnen, dass meist solche „Notlügen“ irgendwann doch herauskommen.
    Sucht ist eine Krankheit, keine Charakterschwäche o. ä. und wenn auch die Familie im ersten Moment geschockt sein dürfte, ist Ehrlichkeit für dich selbst sehr wichtig.

    Wegen deinem Alter solltest du dir am wenigsten Sorgen machen, Rückfälle oder Suchterkrankung überhaupt ist absolut altersunabhängig.
    Die wenigsten würden glauben, wie viele ältere Menschen süchtig sind, damit meine ich noch wesentlich ältere Leute - zum Beispiel auch in Altersheimen ist Suchterkrankung ein großes Problem!

    Da Selbstversuche mit dem aufhören nicht geklappt haben, rate ich dringend den Besuch bei einer Suchberatungsstelle.
    Das ist ja nicht gleich der Beginn einer Therapie, aber alleine wirst du es höchstwahrscheinlich nicht schaffen und daher ist passende Hilfe meiner Meinung unumgänglich.
    Zudem hasste er vermutlich auch erkannt, wie der Unterschied zwischen deiner früheren Sucht und dem jetzigen Kokainkonsum ist.
    Da fällt zum Beispiel schon der klassische Entzug weg, also die massiven körperlichen Beschwerden wenn man Opiate absetzt, das ist ja in der Regel bei Kokain so nicht gegeben.
    Auf der anderen Seite halte ich Kokain für eine der schwersten Entwöhnungen, weil sie nicht der Großteil auf der psychischen Ebene abspielt.
    Natürlich bedeutet das nicht, dass man bei Kokain nicht auch körperliche Symptome beim Entzug bekommen kann, aber es ist schon ein gravierender Unterschied.

    Wenn man mehrere Jahre so eine Droge konsumiert, muss man sich dieses Problem wirklich eingestehen und therapeutische Hilfe zulassen.

    Gerne kannst du mir auch deine Postleitzahl per Konversation (private Nachricht) mitteilen, dann könnte ich dir ein paar passende Beratungsstellen zukommen lassen.

    Den Anfang hast du gemacht, ganz ehrlich jetzt wären drastische Schritte nötig, aber du solltest eines für dich verbuchen - schon einmal hast du eine Suchterkrankung überwunden und daher meiner Meinung sehr sehr gute Karten für einen neuen Start.

    Fange nie an aufzuhören höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

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