Kokaientzug und Beziehung

  • Hallo ihr Lieben,


    Ich bin komplett neu hier und benötige einfach einmal Erfahrungsberichte oder Meinungen zu meiner derzeitigen Situation mit meinem Partner oder auch nicht Partner (Siebe Artikel)


    So, zu meinem Problem.

    Mein Freund und ich sind seid 14 Jahren zusammen, wir haben ein gemeinsames Kleinkind welches von beiden Seiten geliebt wird.

    Bis zum Sommer diesen Jahres war augenscheinlich alles schön in unserer Beziehung doch dann kam im August der Hammer, mein Partner meinte plötzlich er wolle ausziehen um mal auf eigenen Beinen zu stehen. Ich verstand die Welt nicht mehr und alles bleibt plötzlich um mich umzu stehen. Von diesem Tag an distanzierte er sich plötzlich immer mehr von mir, ich wusste nicht mehr was los war (er wohnte aber weiterhin in unserem Haus mit), dann plötzlich sagte er mir, dass er seid längerem ein Problem mit Kokain hat, dieses am Wochenende und auch ab und an in der Woche konsumiert und das wohl auch schon über einen längeren Zeitraum.

    Ich versuchte für ihn da zu sein, ihn bei allem so gut es ging zu unterstützen da er dieses Problem in den Griff bekommen wollte. Dann vor 2 Wochen der Rückschlag, ein Rückfall geschah am Wochenende. Er beichtete es mir, sagte plötzlich ich sei ihm egal, er liebt mich nicht mehr und wollte aus Kurzschluss alle Sachen packen und weit weg fahren. Nachdem ihm ein Kumpel ins Gewissen geredet hat kam er doch wieder zurück und suchte vernünftig mit mir das Gespräch.

    Er sagte, dass er uns unglaublich lieb hat, er aber nicht möchte, dass wir etwas von seinem Entzug mitbekommen da er auch ausrastet hat (schreit wohl rum, ist ständig zur Ablenkung unterwegs statt zuhause usw.) er wollte sich erstmal eine Ferienwohnung nehmen und unsere Beziehung pausieren da er erst mal sein Leben in den Griff bekommen müsse und man dann mit unserer Beziehung weiter sehen muss. Letzte Woche hatte er zwei mal extreme depressive Entgleisungen wo er den einen Tag 5 std mit mir telefoniert hat und nicht auflegen wollte und den anderen Tag im Bett lag, nur geweint hat und meinte, ich solle bitte nicht das Hause verlassen, er möchte nicht alleine sein. Ich war auch hier einfach nur für ihn da doch am Samstag zog er es dann tatsächlich durch und ging in die Ferienwohnung.


    Ich hänge komplett in der Schwebe, ich weiß nicht mehr weiter, habe ich ihn komplett verloren? Liebt er mich überhaupt noch?

    Wir haben täglichen Kontakt im Sinne von „guten Morgen, wie geht es dir?“ und er meldet sich auch abends, wenn er in der Ferienwohnung nach der arbeit angekommen ist. Ich weiß aber einfach nicht ob er sich nicht komplett von mir entfernt!? Ich habe Angst um ihn und ebenfalls Angst um unsere Beziehung. Heute sagte er wieder, dass er erstmal alle anderen Probleme in den Griff bekommen müsse und wir dann mit uns weiter sehen müssen und dass ich ihn nicht unter Druck setzen soll ( das will ich gar nicht aber ich leide so extrem da ich einfach nicht weiß ob es jemals wieder ein wir geben wird) :-(

    Ach so, er will unbedingt den Entzug noch mal alleine versuchen (ist laut seiner Aussage seid 2 1/2 Wochen wieder komplett davon ab) und will keine professionelle Unterstützung, außer wenn er bemerken sollte, dass er es nicht alleine hin bekommt.


    Vielleicht hat ja jemand gleiche Erfahrungen gemacht und kann mal berichten. Vielen lieben Dank.

  • Servus,


    tut mir leid, was du da erleben musst, aber so eine Geschichte hat 2 Seiten - die deine und die des süchtigen Mannes!


    Ich beginne mal mit der deines Mannes ;)

    Du hast zwar keine genauere Info gegeben, wie lange da schon geht, aber die hast du vermutlich auch gar nicht ...

    Grade bei solchen Drogen wie Koks, wo es lange dauert bis körperlich was auffällig wird, ist die Sucht wesentlich mehr im Bereich psychische Abhängigkeit.

    Warum er also Entzug machen will, auch nach fast 3 Wochen, erschließt sich mir nicht so ganz ...

    Natürlich hat es auch körperliche Erscheinungen, aber das wesentliche spielt sich im Kopf ab, im Suchtgedächnis!

    Das zeigt sich auch sehr deutlich, weil er scheinbar krass depressiv ist, wenn er weint und nicht allein sein kann.


    Den Auszug halte ich für völlig falsch, das wäre anders wenn es für dich nicht auszuhalten oder für das Kind schädlich wäre.

    Ohne Umschweife, für mich hört es sich eher so an, als wenn er meint er könne sich langsam abdosieren und konsumiert halt trotzdem weiter.

    Und um es klar zu sagen, es geht nicht um Entzug (gehört logischerweise dazu, aber ist nur ein kleiner Teil), viel mehr um die anschließende dauerhafte Entwöhnung und grade bei solchen Drogen wird es in den wenigsten Fällen ohne therapeutische Unterstützung und Aufarbeitung funktionieren.


    Was dich als Partnerin betrifft noch folgendes ...

    Du hast ein Kind, das ist das wichtigste und du musst dir selbst auch wichtiger sein als alles andere was die Sucht deines Mannes angeht.

    Ob er dich noch liebt oder ob du ihn nun verloren hast, das kann man jetzt noch nicht sagen!

    Diese Droge macht einen Menschen kalt, gefühllos, eigensinnig und absolut egoistisch.

    Daher sehe ich es nicht, als wenn du ihn unter Druck setzen würdest, das ist eine allseits bekannte Ausrede von Süchtigen!

    Was hast du denn getan?

    Du willst wissen was nun passiert, was er gegen das Problem unternimmt, wie es für dich und dein Kind weitergehen kann ...

    Das ist völlig legitim, sogar notwendig und nicht ein Druck, den der Herr nicht gerne mag :P


    Um ehrlich zu sein, ich würde empfehlen klare Ansagen auszusprechen!

    Lass dich unterstützen und geh selbst zur Suchtberatung, zur Angehörigenberatung!

    Mit Sucht sind so viele Sachen verknüpft, bei Koks vor allem auch die Finanzen, das geht ruck-zuck und die Konten sind leer!

    Eine klare Ansage ist z.B. auch, ich liebe dich, aber zum Schutz unseres Kindes kann es ein zurück nur mit erfolgreicher Therapie geben!!!!

    Was ist mit Familie, es sollte nicht alles heimlich im stillen Kämmerlein ablaufen, du brauchst Menschen die zu dir halten und sich mit dir beraten.

    Fange nie an aufzuhören höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

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