Sexsucht des Mannes - bin ich coabhängig?

  • Hallo zusammen, ich bin gerade in einer sehr traurigen und verwirrenden Situation und würde mich über Antworten freuen. Ich bin Ende 30, lebe seit ca 5 Jahren in einer Patchworkfamilie (gemeinsam 3 Kinder im GrundSchulalter) unsere Beziehung läuft eigentlich sehr gut, allerdings sind mir von Anfang an einige etwas seltsame Züge bei meinem Partner aufgefallen, er ist sozial sehr ungeschickt, recht aufbrausend mit den Kindern, manchmal mir gegenüber sehr klammerig und auch eifersüchtig. (Es wurde schon die Vermutung geäussert, er hätte Asperger) aber er kann auch sehr liebevoll sein und er gibt mir eine Geborgenheit, die ich sehr genossen habe.

    Vor ca 2 Jahren habe ich bemerkt, dass er sehr viel Frauen auf Pornoseiten kontaktiert hat. Ich habe ihn darauf angesprochen, er hat mir Stein und Bein geschworen, dass das alles war, er niemals fremdgehen könnte, dass er sowas gar nicht verstehen könnte und er eben nur diese Fantasien hätte mir 3 Frauen und zuschauen etc. Im Sommer ein halbes Jahr später hatten wir dann Chlamydien. Er hat es auf ein einmaliges Fremdgehen in seiner alten Beziehung geschoben. Ich habe es wieder geglaubt, bzw nicht auf mein Bauchgefühl gehört. Dann ein halbes Jahr später habe ich in sein nicht gesperrte Handy geschaut, gesehen, das er sich wieder Fotos besorgt über solche Kontakte. Wieder hat er nur genau das zugegeben. Hat sich aber zu einer Paartherapie bereit erklärt. Ich war misstrauisch, habe seine Standortdaten gecheckt und gesehen, dass

    er wirklich in einem Bordell war. Er hat dann zweimal Fremdgehen (einmalig Bordell, einmal mit Pärchen) unter Tränen und Beteuerungen gestanden.

    Wir waren 3 Mal bei der Therapie, bei der aber nicht allzuviel herauskam, ausser, dass ich Vertrauen schenken müsste und wenn es nicht ginge, dann eben nicht mehr. Dass er aber nicht süchtig wäre (er hat ja auch nicht alles erzählt)


    Danach wollte er auch nicht mehr drauf angesprochen werden, er sagte, er würde das niemals wieder tun, weil er sich nicht mehr im Spiegel anschauen könnte. Ich hätte aber das Bedürfnis gehabt, zu reden. Eigentlich wollten wir auch wieder in Therapie, das hat er mich aber vertröstet und zunehmend abgelehnt. Ich hatte dann noch (weil ich gestehen muss, dass ich ihm nachspioniert habe) herausgefunden, dass er schon 3 Monate nach Beziehungsbeginn durch den Straßenstrich gefahren wäre und jemand ihn gesehen hatte. Er hat mir gesagt, aus Neugier und ist dann sehr sauer geworden. Wirklich darüber reden konnten wir nicht mehr, er wurde dann immer wütend. Dass er das nie wieder tun würde und damit müsste es gut sein, die Therapie würde ja eh nichts bringen, etc.. das ging wieder ein Jahr.


    Vor einer Woche habe ich jetzt herausgefunden, dass er immer noch einen geheimen Ordner hat mit Bilder von den Prostituierten und auch ihm. Das müssen mindestens 6 oder 7 sein, 2 aus unserer Zeit, der Rest aus der Beziehung davor. Es kommt mir vor wie eine Trophäensammlung. Er hat auch immer ungeschützt Sex mit den Frauen. Ich hab ihn konfrontiert und er meinte, er hätte es löschen wollen, wäre aber noch nicht dazu gekommen. (?) das find ich sehr Unglaubwürdig. Es gab ein Hin und Her, am Anfang hat er nichts zugegeben, irgendwann hat er dann eingelenkt und gesagt, er ginge jetzt zum Therapeuten, er wollte diesem schwarzen Loch in seiner Seele endlich auf den Grund gehen. Er würde es nicht mehr aushalten (er hatte es ja eigentlich sehr gut ausgehalten davor, als ich es noch nicht entdeckt hatte.)

    es kam raus, dass er zumindest in der vorherigen Beziehung schon sehr oft zu Prostituierten gegangen ist und er gestand mir noch eine weitere Lüge. Er hatte mir erzählt, er und seine Ex hätten schon einmal einen Dreier gehabt, was gar nicht stimmt.

    Ich glaube nicht, dass er im letzten Jahr nochmal wirklich zu einer Prostituierten gegangen ist, aber zumindest diesen Ordner hat er sich wieder angeschaut. Keine Ahnung, ob das ein Rückfall ist..


    ich bin jetzt mit meine Kind noch nicht aus dem Urlaub bei Verwandten nach Hause zurückgekehrt und überlege, ob es nicht besser ist, das auch nicht mehr zu tun. Mein Kind hängt aber sehr an seinen Stiefgeschwistern und wäre sehr traurig, ich will ihm aber ein weiteres Hin und Her nicht zumuten. Ich würde aus der Stadt wegziehen, in die ich nur wegen meinem Partner gezogen bin. Wahrscheinlich müsste ich auch einen Notfallschulwechsel organisieren. Ich habe Angst, dass ich wieder zurückgezogen werde, wenn ich in die Wohnung zurückkehre, ich halte es auch so kaum aus. Ich habe extremes Mitleid mit meinem Partner und extreme Schuldgefühle und vermisse ihn sehr. Wut spüre ich leider nicht wirklich. Das würde es leichter machen. Ich denke immer, ob ich ihm nicht doch beistehen sollte, er hat ja jetzt zugesagt, der Sache auf den Grund zu gehen, und wäre geläutert.


    Ich weiss ehrlich gesagt nicht mehr, was ich ihm noch glauben kann. Ich finde die Kraft kaum, ihn zu verlassen und ein neues Leben zu leben ohne ihn, nicht mehr zuhause und einsam. Wie würdet ihr das einschätzen? Gibt es bei solch einer Situation noch eine Chance? Soll ich meinem Kind seine Stiefbrüder wegnehmen? Ist das die Koabhängigkeit oder Liebe? Ich wäre für Erfahrungen sehr dankbar, ich bin gerade echt am Boden.


    Viele Grüsse, Miu

  • Servus Miu,


    eine Coabhängigkeit sehe ich zumindest nach deiner bisherigen Beschreibung nicht!
    Coabhängigkeit müsste ja einige Merkmale beinhalten, das Wesentliche wäre eine direkte Unterstützung eines Abhängigen.
    Vermutlich meinst du, wenn du nicht direkt eingreift und unterbindest, wäre schon die co Abhängigkeit gegeben …
    Vielmehr würde das zum Beispiel eher zutreffen, wenn du einem Süchtigen Geld zur Beschaffung für seinen Suchtstoff geben würdest.

    Wenn man den von dir geschilderten Verlauf so liest, stellt sich der ziemlich klassisch dar.
    Zugegeben wird nur immer das, was definitiv sowieso aufgedeckt ist.
    Ein wirklich ehrliches Gespräch findet auch nicht statt, wenn gesprochen wird, wird es ja mehr oder weniger nur durch dich „erzwungen“!
    Therapeutisch wurde eigentlich auch nichts unternommen und dies eben über fünf Jahre nicht.

    Komisch ist eigentlich auch, dass eine Paartherapie angegangen wurde, welche zwar bestimmt irgendwann einen Nutzen gehabt hätte, aber zuvor muss er erst einmal die Suchterkrankungen therapeutisch aufgearbeitet werden.
    Dies hätte eigentlich der behandelnde Therapeut anmerken müssen, aber letztlich ist es egal, weil die Paartherapie nicht weitergeführt wurde.

    Niemand kann definitiv sagen, wann es in einer Beziehung noch eine Chance gibt, hier aber muss man schon sehen wie viele Chancen bereits vertan wurden.
    Demgegenüber steht natürlich, dass Süchtige sehr selten nur einen oder wenige Anläufe brauchen, um sich von einer Sucht zu lösen.
    Letzteres ist aber eher für den Abhängigen wichtig und soll aufzeigen dass man immer etwas verändern kann, wenn man wirklich auch alles dafür gibt!
    Für Angehörige/Partner würde ich aber ein anderes Maß ansetzen - hier zählt doch viel mehr was du noch aushalten kannst und mir scheint das weit überschritten zu sein.

    Solche Möglichkeiten wie du gerade hast, also dass du aktuell aus dem Umfeld heraus bist und dies auch fortführen könntest, bieten sich sehr selten.
    Süchtige sind perfekte Schauspieler und Lügner, die finden in der Regel immer wieder neue Punkte um das Umfeld einzuwickeln.
    Als Partnerin ist meist auch eine gewisse Restliebe im Spiel und man macht sich Vorwürfe, den Süchtigen Partner alleine zu lassen …
    Was aber tut sein Partner?
    Natürlich könntest du darauf vertrauen, dass er die Sache nun wirklich angehen will, aber dein Text besagt eher das Gegenteil.

    Ich stelle mir die Frage, was muss noch alles passieren, dass du dich wirklich dann trennst?

    Wenn du dich jetzt trennst, bedeutet das für den Moment zumindest erst einmal eine Trennung auf Zeit.
    Auch wenn es in den meisten Fällen nicht mehr zu einem Rückschritt, als die Aufhebung der Trennung, kommt - ausgeschlossen ist dies natürlich nie!
    Er hätte ja dann die Möglichkeit, sich entsprechende Hilfe über Beratungsstellen und Therapeuten zu suchen und sein Problem wirklich ernsthaft angehen.
    Wenn dies so eintreten würde und er dann über einen langen Zeitraum „Clean“ wäre, dann könnte dies ja zu einen erneuten aufleben einer Partnerschaft führen.
    Hier muss man aber Zeiträume von mehreren Monaten wirken lassen ;)

    Ich glaube auch, dass es absolute Verzweiflung ist, dass du keine Wut mehr spürst.
    Es ist schon eher eine Gleichgültigkeit, Hoffnung schaut für mich zumindest anders aus.

    Hinsichtlich deines Kindes ist das natürlich auch ein Problem, auf der anderen Seite sehe ich aber hier viel wichtiger den Schutz deines Kindes.
    Du hast kein Alter angegeben, doch die spielt in der Regel gar keine Rolle, Kindern kann man eigentlich kaum was vormachen und die bekommen wesentlich mehr mit als wir oft glauben.
    Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass dein Kind eine glückliche Beziehung ihrer Mutter sieht, viel er die große Angst und Hoffnungslosigkeit!
    Auch wenn es ein harter Schritt ist, wenn dein Kind gewohnte gute Freunde verliert, es wird auch am neuen Wohnort wieder vertraute und gleichgesinnte Freunde finden.

    Je nachdem wie alt dein Kind ist, sollte es aber altersgemäß wirklich auch die Wahrheit erfahren wenn die Trennung vollzogen wird.

    Wenn möglich verlängere deinen Urlaub und leite erste Schritte für den Umzug ein - das es für mich jedenfalls die richtige Empfehlung!

    Fange nie an aufzuhören höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Lieber Franz, Vielen Dank, deine Worte bestärken mich gerade unglaublich und helfen mir, bei meiner Entscheidung zu bleiben, auch wenn es sehr weh tut. Ich schwanke gerade zwischen ganz starkem Schmerz, schlechtem Gewissen und auch erste leichte Zeichen von Erleichterung. Solche fast körperlichen Schmerzen hatte ich bei einer Trennung fast noch nie. Aber der Gedanke daran, dass ich meinem Kind das nicht antun möchte, helfen mir. Unglaublich, wie stark ich meinen Expartner bemitleide und wie wenig ich mir selbst Mitgefühl

    entgegenbringen kann. Ich habe eher das Gefühl, etwas

    falsch zu machen. Das gibt mir etwas zu denken. Ich muss da

    wohl auch an mir arbeiten. Nochmal vielen Dank, Miu

  • Du solltest dir aktiv Unterstützung suchen, also eine SHG und/oder Angehörigenberatung :)

    Fange nie an aufzuhören höre nie auf anzufangen

    Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

  • Was mir noch aufgefallen ist: hast Du denn ungeschützten Verkehr mit ihm (gehabt)?

    Würdest Du zurück kommen, ihm glauben, dass er nichts mehr macht und er lügt, riskierst du deine eigene Gesundheit (AIDS, Clamydien und was es sonst noch so gibt...) . Und auch, wenn ich zwischen den Zeilen zumindest ein weniger großes Selbstwertgefühl lese, als ich dir wünschen würde :

    wie wenig ich mir selbst Mitgefühl

    entgegenbringen kann. Ich habe eher das Gefühl, etwas falsch zu machen

    bedenke, dass Du ein Kind hast, das im Grundschulalter ist und absolut auf dich als gesunde Mama angewiesen ist. Der leibliche Vater taucht in deinem Bericht nicht auf, daher scheint er nicht die riesengroße Rolle im Leben deines Kindes zu spielen...


    Was ich damit sagen will: falls Du es dir selbst nicht wert sein solltest, auf deine Gesundheit zu achten (und ich sage damit nicht, dass es so ist, sorry, falls ich dir damit zu nahe trete!), dein Kind ist es dir bestimmt wert...


    Pass auf dich und dein Kind auf. Dein Partner ist schon erwachsen und muss ab einem bestimmten Punkt selbst Verantwortung übernehmen...


    Ich drücke Däumchen!

  • Hallo, danke für die Antwort,

    ja, wir hatten ungeschützten Verkehr, allerdings wusste ich da noch nicht, dass er fremdgegangen ist und später hatte ich ja geglaubt, dass er damit aufgehört hat. Das war auch wirklich das krasseste, dass er mich potentiell in Lebensgefahr gebracht hat. Mein Bauchgefühl hatte mir immer gesagt, dass die Sexsucht noch nicht gegessen war, aber er hat es ja immer beteuert. Tja..

    es stimmt, Nintje, die Kraft, dass ich jetzt nicht mehr zurückgehe, gibt mir schon der Gedanke, dass meine grösste Verantwortung bei meinem Kind und mir liegt, mein Sohn ist das allerwichtigste für mich. Allerdings fühle ich auch ein bisschen Verantwortung für meine 2 Stiefkinder. Sie haben zwar Mutter und Vater, aber sie bleiben jetzt natürlich in dem schwierigen Umfeld und das tut mir leid für sie. Mein Sohn ist gerade auch sehr traurig, dass er seine Brüder nicht mehr sehen kann. Das tut mir sehr leid, aber ist ja auch logisch. Sein Papa hat zum Glück eine gute Beziehung zu ihm und kümmert sich jetzt auch vermehrt. Ich habe wieder gemerkt, wieviel Unterstützung ich eigentlich durch Familie und Freunde habe. Das hilft mir sehr und dafür bin ich dankbar. Und auch für die Antworten hier.

    Ich habe heute einen Satz gelesen, der mich sehr beeindruckt hat: you only get to be a victim once. After that, you‘re a volunteer.

    Ist schon was wahres dran.

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