Kokain und seine wirklichen Langzeitwirkungen

  • Hallo ihr Lieben,


    kann mir jemand erzählen, welche wirklichen Auswirkungen ein 2 Jahrzehntelanger Kokainkonsum hat?

    Ich habe einen Freund und stelle immer wieder fest, dass mich sein Verhalten (auch ohne Stoff) irritiert. Er ist so ambivalent, seine Ausstrahlung und Stimmung passen nicht zu dem, wie er sich verhält oder spricht. Er konsumiert mind. ein Mal die Woche, hat derzeit nie selbst Koks da, aber ein Umfeld, wo wirklich jeder stofft und ihm immer etwas angeboten wird. Er sagt nie nein. Ich habe die Vermutung, dass bei ihm schon einiges durcheinandergeraten ist im Oberstübchen. Kann das sein?

    Nebenher wird viel getrunken und geraucht.


    Über Antworten und Erfahrungen würde ich mich freuen.

    Herzliche Grüße

  • Liebe Elaine,


    Ich mach’s ganz kurz: Geh lieber! Sorry für die ehrlichen Worte, aber deine Einschätzung, dass im Gehirn etwas durcheinander geraten ist, ist definitiv so. Keine Frage. Aus persönlicher Erfahrung mit einem Langzeitabhängigen würde ich dir raten zu gehen.

  • Kokain hat ein hohes psychisches Abhängigkeitspotenzial, das konsumieren einzustellen, ist äußerst schwer!

    Manche psychischen Folgeschäden können irreparable sein ...

    Hier mal Erkrankungen samt Kokssucht:

    • Depressionen
    • Dysphorie (also Gegenteil von Euphorie)
    • Schlafstörungen
    • innere Unruhe
    • Kokainpsychose
    • Persönlichkeitsveränderungen

    Letzteres, weil du ja danach gefragt hast, stellt sich oft so dar - Kokser halten sich für witzig, kreativ, intelligent und redselig.
    Mit der Zeit aber kommt das Umfeld nicht mehr mit, kann den wirren Gedanken nicht mehr folgen und zieht sich eh zurück.

    Das bestärkt wiederum die Paranoia, alle sind böse, alle verfolgen mich, nur ich weiß, wo es lang geht ...


    Aber man sollte dabei nicht vergessen, auch wenn man Koks oft nicht als körperlich abhängig machend ansieht, es gibt auch massive körperliche Langzeitschäden.

    • am Herz-Kreislauf-System (meist Herzmuskel)
    • an den Gefäßen (Gefäßwände verhärten)
    • hohes Schlaganfallrisiko
    • hohes Herzinfarktrisiko

    Oft wird Koks auch mit Alkohol vermischt eingenommen, dabei entsteht Cocaethylen, das führt z.B. zu Leberschäden.

    So steigt dann das Risiko von launischem und aggressivem Auftreten, kennt man eigentlich von fast allen Koksern ;)

    Das schreibst du ja auch selbst, also es wird viel getrunken <X


    Ich bin von Koks auf Heroin umgestiegen, zuerst mit Cocktails, dann ganz.

    Dieser dauernde Verfolgungswahn, der Stress, ich hab das nicht ausgehalten.

    So blöd es sich anhören mag, H hat mir (und meinem Umfeld) viel Leid gebracht, aber Koka habe ich von den Auswirkungen her viel schlimmer empfunden.

  • Hey Franz,

    lieben Dank für deine Ausführungen. Magst du mir von den Kokainauswirkungen detailierter berichten?

    Ich bin aus der Beziehung ausgestiegen, habe aber irgendwie das Bedürfnis, den Menschen zu verstehen. Jetzt nach der Trennung erlebe ich ihn krass unempathisch, liebevolle Nachrichten empfindet er als Vorwurf, wird aggressiv und ist extrem misstrauisch. Mir wird Untreue unterstellt usw.

    Den Kontakt habe ich nun blockiert, weil mich das zu sehr aus der Bahn wirft. Was geht vor in den Koksköpfen und wird das irgendwann wieder "normal"?

    Liebe Grüße

  • Liebe Elaine,


    da alle Menschen unterschiedlich sind, gibt's vermutlich keine konkreten Muster der Auswirkungen. Bei Deinem Exfreund könnte ich mir vorstellen, dass Du ihm mit liebevollen Nachrichten vor Augen führst, was er verloren hat, das schmerzt natürlich. Dann legt er sich zurecht, dass ein anderer Mann bzw Untreue dahinter stecken muss, auf die Weise kann er sich hinter Aggressionen verstecken und muss seine Probleme nicht angehen. Wäre das eine Erklärung?


    Mein langjährig kokainabhängiger Freund hat sich immer wieder tagelang verkrochen, dann wieder plötzlich Kontakt gesucht, vordergründige Einsicht, Versuche, was geregelt zu kriegen (die oft im Sande verliefen), usw. Depressionen bis hin zu suizidähnlichen Gedanken, Wut auf sich selbst, Interesse- und Empathielosigkeit, Verlust von sozialen Beziehungen, auch der Libido, schnelle Aufgebrachtheit und Aggressionen hab ich als Folgewirkungen erlebt oder er hat mir davon erzählt. Wenn ich so Dinge wie Gefühlskälte benannt habe, hat er das gelegentlich bestätigt. Trotz langjähriger Verbindung. Mal war ich die Frau seines Lebens, dann wieder wurde ich tagelang ignoriert. Zuletzt sagte er mir, in bestimmten Situationen zähle halt nur, dass genug Geld da ist für nächsten Konsum.


    Gut dass Du diese Entscheidung getroffen hast. Mir fällt es noch immer schwer, mich rauszuarbeiten. Ich mag den Menschen. Aber hilft ja nix.


    Liebe Grüße, RF

  • Habt lieben Dank für eure Antworten.

    Es hilft mir ein Stück weit. Es ist so unfasslich, diese Empathielosigkeit und aus Briefen nur den einen Satz rauspicken und all das andere, Herz öffnende nicht zu sehen. Ganz schön crazy und verworren.

    Ich habe für mich beschlossen, meinen Liebeschip zu bearbeiten. Er ist ja nicht der erste Mann, den ich hatte, mit einem Drogenproblem. Diesmal bin ich schneller raus. Nochmal sollte mir das nicht passieren.

    Alles Liebe für euch!

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