Porno-Sucht / Konsequenzen für die Beziehung beidseits

  • Hallo, ich habe mich nach 25 Jahren von meinem Mann getrennt. 15 Jahre davon verheiratet. Ich bin seit 4 Nächten in meiner eigenen Wohnung und ich gehe emotional durch die Hölle. Angefangen hat es bereits vor ca. 24 Jahren, da hatte ich zufällig diverse Nacktfotos von Frauen auf seinem Laptop gesehen. Er hatte mich sogar gebeten an den Laptop zu gehen, ich habe ihm nicht nachspioniert. Hatte ja auch gar keinen Grund. Wir waren damals noch frisch verliebt. Ich hatte für ihn meinen ersten Mann verlassen. Diesen Vorfall damals hätte ich nutzen sollen um gleich wieder zu gehen, denn es hat mich sehr verletzt. Sex hatten wir damals sehr viel und wie ich fand auch guten und kreativen. Aber das waren ja nur alte Fotos, wie er mir mitteilte und die hatte er ja nur, weil es in der Beziehung die er vorher führte nicht mehr funktioniert hatte. Natürlich wollte ich das alles glauben und da ich gerade meine erste Ehe in den Sand gesetzt hatte, wollte ich nicht diejenige sein, die schon wieder geht. Hätte ich es mal getan! In den darauffolgenden Jahren gab es immer wieder Situationen, wo er mich bat an seinen Rechner zu gehen um zum Beispiel Termine zu checken oder so und da passierte es eben immer wieder, das ich pornografisches Material fand. Die Dateien waren direkt da, oder sogar offen. Er sah Pornos, wenn ich zu Hause war, Essen gekocht, oder seine Schlüpper gewaschen habe. Den letzten großen Knall gab es 2018. Da sollte ich um Termine abzustimmen an seinen Rechner gehen. Er hatte hunderte Pornos runter geladen auf seinen Rechner. Er musste also nicht mal mehr online gehen und hatte so jederzeit schnellen Zugriff. 2018 saß ich dann völlig verzweifelt und weinend vor ihm und habe ihm gesagt, das ich es nicht mehr ertrage. Getrennt habe ich mich nicht. Warum? Wegen des gemeinsam sanierten Hauses, meiner Tiere und der Hoffnung das doch alles wieder gut wird. Ich habe dann 2 Jahre gebraucht um mich davon zu erholen, bis ich in sein Büro gehen konnte ohne Angst zu haben, das er gerade wieder kuckt. Ich habe ihm 2018 auch den Zugriff auf meine Konten entzogen, weil ich nicht das Risiko eingehen wollte, das er von dem Rechner an dem er Pornos schaut auch noch Bankgeschäfte von meinem Konto macht, wegen Viren usw.. Er hat den Wink nicht begriffen. Getrennt habe ich mich außerdem nicht, weil es ja irgendwie kein anerkannter Trennungsgrund ist in der Gesellschaft.Machen ja alle, hört man immer wieder gern.Heute denke ich darüber anders. Ich habe ihm gesagt, das wenn es noch einmal passiert ich mich trennen werde. Ich glaube das er zwischendurch aufgehört hatte. Aber die letzten 2 Jahre habe ich wieder gemerkt, das er Pornos schaut. Er hatte kein Interesse mehr an Intimität, wurde immer einsamer, vernachlässigte soziale Kontakte zu Freunden, vernachlässigte sich selbst usw.. Ich habe ihn immer wieder gefragt und er hat mir immer geantwortet, das er es nicht mehr macht. Er hat mich belogen. Anfang Juli kam ich aus dem Garten ins Haus und er klickte die Seite schnell zu. Ich fragte ihn " na, hast Du wieder Pornos geschaut?" da sagte er völlig frei jeglichen Schuldgefühles " nur ein paar Bilder", weil er gerade einen Link per Mail bekommen hat. In seiner Welt war er Opfer. Kurz war ich sprachlos, dann begann ich zu verstehen ... und wusste, das wird wahrscheinlich das Ende. Ich war völlig betäubt. Habe mich krank schreiben lassen und habe mir professionelle Hilfe gesucht. Das tat ich bereits zum 3. Mal in dieser Beziehung. Die ersten 2 Male waren es Choachings, nun eine Therapie. Ich fand zum Glück schnell einen guten Therapeuten. Ziel für mich ist, das es mir besser geht. Ich habe meinem Mann gesagt, das über unserer Beziehung "Trennung ja oder nein" steht. Ich habe ihm gesagt, das ich denke, das er ein Pornosucht - Problem hat. Er suchte sich auch einen Therapeuten. Dort ging er wohl auch regelmäßig hin, mit der Erkenntnis, es ist kein Suchtproblem. Für ihn schön, für mich vielleicht eher nicht, da ich (dämlich wie ich bin/war) bei einem Suchtproblem die Bereitschaft gehabt hätte, daran mit ihm zu arbeiten und ihn zu unterstützen. Da er aber nun darauf beharrte das es kein Suchtproblem ist, bleibt ja nur die eigentliche Wahrheit, das er sich die Filme und Bilder angesehen hat, wenn ich zu Hause war, wissend das es mich zutiefst verletzt. Er ist intelligent, sehr überlegt und tut nichts ohne es vorher abzuwägen. Warum er es immer wieder tat, kann er mir bis heute nicht erklären. Er hat in seiner Therapie erfahren, das er es einsetzt um Stress abzubauen ... wenn das keine Sucht ist ... Ich habe ihn immer wieder gebeten mir doch mitzuteilen, was seine Strategien sind, zukünftig damit umzugehen. Leider kam da gar nichts. Ich wollte nicht, das er mir sagt, das er es nie wieder tut. Ich wollte nur hören, das er sich Filter setzt, einen anderen Browser nutzt, oder was auch immer . Leider kam nichts, außer der Aussage, er habe alles im Griff. Anfang Oktober ging es für mich nicht mehr. Ich habe die Trennung ausgesprochen. Erst da begann er zu rotieren. Ich bin plötzlich die Liebe seines Lebens, er will alles für mich tun usw.. Er begann plötzlich Gefühle zu zeigen, die er in den 25 Jahren davor nie gezeigt hat. Es gab alles, Trauer, Drama, Suizidgedanken. Sogar eine Amnesie, so das ich ihn mit Verdacht auf Schlaganfall ins Krankenhaus gebracht habe. Er hatte bereits den Ruheforst, in dem wir uns eine Buche kaufen wollten - um mal gemeinsam beerdigt zu werden, angeschrieben und einen Besichtigungstermin vereinbart. Als ich ihn im Krankenhaus besuchte habe ich ihn gefragt, warum er das getan hat. Er meinte, er hätte sich das Leben nehmen wollen, weil ich ihn verlassen will,aber das Thema hätte er mit seinem Therapeuten besprochen und es sei aktuell kein Thema mehr. Am selben Abend bekam ich einen Anruf von einem Freund der ganz aufgelöst war und meinte mein Mann hat in einer Mail an ihn von Selbstmord gesprochen. Ich habe in der Klinik Bescheid gesagt und er wurde in die Psychiatrie verlegt, da es kein Schlaganfall war. Er war freiwillig in der Klinik und wollte seine Probleme angehen. Leider hat er keine Therapieangebote angenommen, nur das Gespräch mit der Seelsorge gesucht. Nach 10 Tage wurde er auf eigenen Wunsch entlassen und er hat niemandem Bescheid gesagt. Wir dachten alle er wäre tot. Es war die Hölle. Er war dann bei einem Freund. Davor hatten wir viele Gespräche mit vielen Vorwürfen. Beidseits. Ich habe schnell eine Wohnung gefunden und bin aus unserem Haus ausgezogen um uns räumlich zu trennen. Jetzt sitze ich hier in meiner neuen Wohnung, zwischen Kartons und schlafe auf dem Boden auf einer Matratzenrolle.. Es gibt gute und schlechte Tage. Es gibt Tage, da ändert sich die Stimmung mehrmals täglich. Ich versuche diese Achterbahn der Gefühle zuzulassen und an mich zu glauben, das ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Ich bin ja nicht morgens aufgewacht und habe gedacht " Heute trenne ich mich nach 25 Jahren mal von meinem Mann". Nein, es hatte eine lange Vorgeschichte. Natürlich hatten wir auch andere Probleme in der Beziehung. Wir haben beide Fehler gemacht. Aber dazu noch dieser Anlass, das Gefühl nicht gesehen, nicht gehört, nicht beachtet zu werden. Das meine Gefühle derart mit Füssen getreten wurden, die Demütigung und Verletzung will ich nun nicht mehr aushalten. Ich habe meinem Mann vor ein paar Tagen folgenden Link geschickt, weil ich finde, das hier sehr gut erklärt wird, welche Auswirkungen der Pornokonsum für Partnerinnen und die Beziehung hat: https://www.return-mediensucht.de/gruppe-fuer-porno-aussteiger-3/ . Dieses Video ist von der Seite: https://www.return-mediensucht.de/ Er hat es ich wohl mehrfach angesehen und meinte zu mir, er beginnt langsam zu verstehen. Ganz ehrlich, ich wünsche es ihm, von ganzem Herzen. Aber ich kann ihm nicht mehr vertrauen, da er mich ja auch immer wieder belogen hat. Ich glaube, das ist sogar noch das Schlimmere. Somit ist das Vertrauen weg. Ich kann es immer noch nicht begreifen, warum er alles was wir uns in den 25 Jahren aufgebaut und erreicht haben, so leichtsinnig weggeworfen hat. Bei vollem Bewusstsein und in geistiger Gesundheit und dem Wissen, mich zu verletzten. Ich hatte ihn dann gefragt, warum er erst aktiv wurde, als ich die Trennung ausgesprochen habe. Ob er denn dachte, das ich mich auch dieses Mal wieder einkriege. Er meinte, das ich sonst ja auch nicht konsequent war. Und jetzt bin ich es. Es ist die Hölle, aber ich glaube daran, das es irgendwann besser wird und ich ein glückliches Leben führen kann. Wenn es so sein soll, auch langfristig alleine, aber in jedem Fall ohne diese ständigen Demütigungen. Ich möchte noch ein Buch empfehlen " Trennt Euch" von Thomas Meyer und Euch nahelegen, sucht Euch professionelle Hilfe, die Euch dabei unterstützt (wieder) glücklich zu werden.

  • Franz 11. Dezember 2023 um 13:47

    Hat das Thema freigeschaltet.

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