Hallo allerseits,
Ich bin neu hier und habe zunächst ein bisschen rumgelesen und festgestellt, dass die Dinge, die bei mir zu Hause stattfinden, tatsächlich einem Muster folgen das so offenbar häufig vorkommt. Bisher habe ich mich sehr allein und speziell gefühlt mit meiner Situation aber nun sehe ich etwas klarer.
Mit meinem Freund bin ich seit 4 Jahren zusammen. Schon beim 1. Date wurde deutlich, dass er kifft. Ich war /bin allein/getrennt erziehende Mama und wusste, dass ich mich auf ihn auf keinen Fall einlassen würde, eben aus diesem Grund. Tja Pustekuchen, aus dem Date wurden mehrere und nun sind wir seit vier Jahren zusammen.
Er kifft seit 20 Jahren und begründet dies mit seiner ADHS. In „lichten“, vertrauensvollen Momenten gibt er zu dass er auch zu emotionsregulation kifft, er hatte ne schlimme Kindheit mit Alkohol und Gewalt in der Familie, Kinderheim, Wohngruppen, sein Vater starb als er 13 war und seine Mutter als er 27 war. Mittlerweile ist er 40, ich 42.
Ich konnte seinen Konsum gut von meinen Kindern trennen da wir in verschiedenen Städten wohnten und wir uns meistens ohne Kinder sahen.
Nun ist die Situation eine andere: wir haben ein Baby bekommen. Ich habe etwas gehadert aber bin ja auch nicht mehr die jüngste, und die Kleine ist wirklich großartig! Er ist auch völlig vernarrt uns glücklich mit ihr. Jetzt sind wir also Patchworkfamilie, wohnen zusammen und versuchen alles so gut es geht zusammenzusortieren. Vom Komsum bekommen die Kinder gerade mit, dass er oft (10-15 mal am Tag vielleicht?) auf den Balkon geht und „raucht“. Noch kennen sie den Unterschied nicht. Aber die große ist 10 und in der weiterführenden und irgendwann werden Fragen aufkommen. Der Papa der Mädels weiß nichts von der Situation und ich an seiner Stelle würde ausrasten denke ich.
Wenn er (mein Freund) konsumiert hat merkt man ihm nichts an. Er ist nicht langsamer oder irgendwas, reagiert ganz „normal“ auf alles. Ist wohl Toleranzentwicklung und ich denke es hat schon auch mit der ADHS zu tun, sein Stoffwechsel ist allgemein etwas anders als bei andren, er nimmt Unmengen an Zucker zu sich aber hat maximal ein Bäuchlein und ist ansonsten eher hager.
Natürlich frisst dieses suchtverhalten viel Geld, ca 600 im Monat, und da ich in Elternzeit bin und er 2100 verdient bleibt kaum was übrig. Ich hab hohe Fixkosten und übernehme gerade das meiste. Nun hat er mir veröffentlicht dass er mir nicht wie verabredet die halbe Miete bezahlt sondern nur das was er zahlen würde wäre ich nicht in Elternzeit. Weil er 600 Euro Gras nachbezahlen muss. Und da hat er ja noch nichts für seinen Konsum gekauft. Alles im Streit einfach so festgelegt, zuvor haben wir solche Problematik auch schon gehabt, aber dann meistens in Ruhe darüber geredet und irgendwie eine Lösung gefunden, meistens natürlich so, dass ich das ausgeglichen habe. Stichwort CoAbhängigkeit… Aber wie kann man das sonst lösen, man muss ja essen? Diesmal bin ich aber wirklich sauer und verzweifelt, sollte er das tatsächlich so durchziehen. Möchte ihn aber nicht verlassen, unser Baby macht uns beide so happy. Die Großen mögen ihn auch, er kann (wenn er Lust hat) toll mit ihnen spielen.
Ich empfinde ihn als launisch, mal offen, mal zurück gezogen und die Abende an denen er PS zockt oder Serien guckt sind auch die meisten in der Woche. Hängt sehr viel am Handy und kommentiert in internetforen. Bisher dachte ich das ist halt seine Eigenschaft aber ich hab den Eindruck dass doch mehr auf die Sucht zurück zu führen ist als mir bisher klar war. Wenn ich mich hier im Forum so umschaue und die Geschichten lese die mir so vertraut vorkommen. Auch Schuldzuweisung, „ich würde weniger kiffen wenn du nicht so viel mit mir streiten würdest“z.b. kenne ich. Wir streiten fast täglich, teilweise mit richtig schlimmen Beleidigungen. Dass ich eine Neigung Richtung Borderline hab macht sie Sache nicht entspannter. jetzt ging es eben hoch her wegen des Geldes und die Kinder haben das leider mitbekommen und es belastet sie. Ich bemühe mich so gut ich kann alles auszugleichen aber manchmal kann ich einfach nicht mehr. Viele Sätze die im Streit fallen passen definitiv ins Suchtmuster, wie gesagt nach Lesen der Forenbeiträge erkenne ich sehr viel wieder. Bis hin zur Schuldzuweisung, dass ich IMMER streite und gar nicht anders kann. Aber wenn er Hasch in der Küche macht und Krümel verstreut dann muss ich etwas sagen und damit meckern und in seinen Augen Streit anfangen.
So das ist meine Situation. Liest man in Foren, die nicht von Angehörigen geführt werden, heißt es einfach „das wusstest du doch dass er kifft dann mach halt kein Kind mit ihm.“ Haha, wenn es so einfach wär und wir alle straight und stabil und nicht schräge Entscheidungen treffen würden und alles schwarz weiß wäre dann gäbe es auch endlich Weltfrieden.