Abstinenz von Cannabis

  • Hallo zusammen,

    ich bin 25 und habe jetzt ungefähr 1 ½ Jahre lang täglich Cannabis konsumiert. Vor 55 Tagen habe ich von einem Tag auf den anderen komplett damit aufgehört, weil ich am Ende meines Konsums jedes Mal Panikattacken bekommen habe. (Ich bin sowieso eher hypochondrisch veranlagt und hatte jedes Mal das Gefühl, einen Schlaganfall zu erleiden.)
    Deshalb habe ich den Entschluss gefasst, dass ich aufhören muss.

    Das habe ich dann auch getan. Die letzten Wochen waren jedoch wirklich sehr anstrengend und unangenehm.

    In den ersten zwei Wochen hatte ich noch keine wirklichen Entzugserscheinungen, außer dass ich schlecht einschlafen konnte.

    Nach etwa 2–3 Wochen ging es dann los:

    Ich hatte mit Schwindel zu kämpfen, mit starken Angstzuständen (Hypochondrie – ich dachte wirklich, ich hätte verschiedenste schwere Krankheiten), teils depressiven Phasen (aber maximal 1–2 Stunden am Tag), Kopfschmerzen, innerer Unruhe, Appetitlosigkeit und anfangs auch mit einem Brain Fog zu kämpfen. Später hat sich der Brain Fog eher in ein Gefühl verwandelt, als würde mein Gehirn „Überstunden“ machen.

    Also das Übliche, was man auch häufig online liest, wenn man sich mit dem Thema Cannabis-Abstinenz beschäftigt.

    Das Ganze hat sich über die letzten Wochen immer mal wieder verbessert, vor allem dann, wenn ich meinem Körper Ruhe und Zeit gegeben habe. Sobald ich jedoch etwas unternommen habe, wurde es relativ schnell wieder schlimmer. Vor allem, wenn ich mit Freunden in eine Bar gegangen bin oder mich lange unter vielen Menschen aufgehalten habe. Dann kommt sehr schnell eine massive Reizüberflutung, mein Gehirn fängt wieder an „Überstunden“ zu machen und es fällt mir schwer, zu entspannen.

    Gestern bin ich nun zum ersten Mal seit Beginn meiner Abstinenz verreist, um mein Patenkind zu besuchen.

    Davor war ich eigentlich wieder auf einem ganz guten Weg – aber die Reise hat mich echt wieder rausgehauen, vor allem was negative Gedanken und innere Unruhe angeht.

    Ich nehme aktuell auch Magnesiumglycinat zur Unterstützung für Muskeln und Nervensystem.

    Der wichtigste Punkt ist jedoch: Ich werde zu 100 % die Finger von Cannabis lassen. Auch wenn es gerade ein ziemlich harter Weg ist, habe ich die ganze Zeit über mein Ziel im Kopf – und auch jetzt noch:

    einfach wieder nüchtern meinen Alltag meistern zu können und wieder komplett fit zu werden.

    Ich wollte meinen aktuellen Weg einfach mal mit der Community teilen und mich austauschen.
    Über eure Erfahrungen, Tipps oder Ratschläge würde ich mich sehr freuen!

    Liebe Grüße!

  • Hi Mot

    ich bin selbst aktuell bei Tag 62, wir haben also wohl einen sehr identischen „Schlusspunkt“ :smiling_face:

    Mir ging es ähnlich wie dir. Die ersten 10 Tage hatte ich kaum Symptome, nur mein Schlaf war etwas schlechter und ich fühlte mich gereizt. Nun, nach gut 60 Tagen kann ich berichten: es ging mir phasenweise (circa ab Tag 40) wieder richtig gut. Ich konnte wieder normal essen (damit hatte ich bis Tag 40 immer wieder große Probleme) und meine Angst war auf ein Minimum reduziert. Jedoch habe ich immer wieder Momente, in denen die Angst und Depression voll zurückkommt. Oft gibt es dafür eine Auslöser (zB Stress auf der Arbeit), jedoch nicht immer.
    Ich hoffe einfach, dass es weiter bergauf geht. Ich glaube fest daran, dass wir gemeinsam drei Monate schaffen und es dann leichter wird.
    Lass uns darüber gerne austauschen, vielleicht hilft das ja.
    Wie waren deine letzten Tage?
    Liebe Grüße!


    Mot ah, und: hast du mit Tabak konsumiert? Ich habe nämlich zusätzlich vor drei Wochen komplett aufgehört, Tabak zu konsumieren und habe das Gefühl, dass das die Situation auch nochmal verschlimmert.

    Einmal editiert, zuletzt von SmallRecipe7788 (30. November 2025 um 17:33) aus folgendem Grund: Ein Beitrag von DerFruchtige mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Hey @DerFruchtige,

    mir geht es derzeit sehr ähnlich. Ich habe ebenfalls das Problem, dass sich meine Lage immer wieder verbessert und dann wieder etwas verschlechtert. Das macht die aktuelle Situation leider ziemlich anstrengend. Umso dankbarer bin ich dafür, wenn ich gute Tage habe!

    Ich bin aber genauso überzeugt davon, dass wir das Ganze durchziehen und stark bleiben werden. Der Grundgedanke, dass sich all das langfristig wieder bessern wird, ist definitiv da und gibt mir viel Hoffnung.

    Die letzten Tage waren bei mir etwas turbulent, weil ich einen sehr guten Freund und mein Patenkind in Norwegen besucht habe. Die Reise und die gemeinsame Zeit waren wunderschön und haben mir seelisch richtig gutgetan. Ich war schon lange nicht mehr so glücklich wie dort.

    Gleichzeitig war es aber auch extrem anstrengend (die Reise selbst, die vielen Menschen, die ganzen Reize). Deshalb ging es mir in den letzten zwei Tagen leider wieder etwas schlechter – Gedankenrasen, Schlafprobleme, Schwindelgefühl und leichte Angstzustände. Die Tage habe ich dann hauptsächlich mit Serien schauen und am Handy verbracht. Das ist zwar meine persönliche Bewältigungsstrategie und hilft mir kurzfristig, wirkt sich langfristig aber eher negativ aus.

    Deshalb bin ich gerade wieder in einer Phase, in der ich versuche, mehr auf mich und meine Genesung zu achten – das Handy auch mal wegzulegen und stattdessen lieber spazieren zu gehen usw.

    Wie geht es dir aktuell? Was sind Dinge, von denen du sagst, dass sie dir helfen?

    Ich finde den Austausch sehr wertvoll, gerade weil unser „Schlusspunkt“ so ähnlich ist.

    Ich habe Cannabis meist mit Tabak konsumiert, aber nie sonst Zigaretten geraucht.

    Liebe Grüße und bleib stark! Wir packen das!

  • Mot Es freut mich, dass du eine gute Zeit in Norwegen hattest!
    Mir ging es ähnlich, ich bin vor zwei Wochen zu meiner Freundin gefahren, sie studiert gerade im Ausland. Zunächst ging es mir 1,5 Wochen wirklich gut und deutlich besser, als ich jetzt meine Rückfahrt gebucht habe kam jedoch wieder der Einbruch. Ich bin sehr nervös, schlafe schlecht und bin auch oft sehr traurig. Ich hoffe, dass sich das alles bald legen wird und kann dir Therapie empfehlen, das hilft mir sehr. Bei mir scheinen noch andere Dinge an die Oberfläche zu kommen, die ich während meines Konsums wohl verdrängt habe. Ansonsten glaube ich, dass auch der Tabakentzug eine Rolle spielen kann, wenn auch eine kleinere. Ich frage mich einfach täglich, wann wieder Normalität einkehrt. Arbeiten fällt mir sehr schwer und ich überlege, mich kommende Woche krankzumelden, um mich auf meine Genesung konzentrieren zu können.
    Wie klappt es bei dir mit Arbeit, kannst du dich konzentrieren?
    Ansonsten sind bei mir vor allem die frühen Stunden des Tages anstrengend, da ist die Nervosität sehr ausgeprägt.
    Liebe Grüße, Halte durch!

  • @halloIchBins

    Freut mich, dass es in der Zeit mit deiner Freundin besser wurde und du die Zeit mit ihr genießen konntest.

    Ich habe die letzten 2 Wochen Urlaub gehabt und die Woche davor krank gemacht. Habe gestern wieder angefangen zu arbeiten und hatte echt Angst davor, habe mir diese Angst dann wirklich auch mehr und mehr eingeredet und es dadurch vermutlich auch nur schlimmer gemacht. Habe jetzt den 2. Arbeitstag hinter mir und ich bin echt ziemlich fertig, versuche es jetzt aber erst einmal die nächsten 2 Wochen so gut es geht durchzuziehen, mit der Hoffnung dass ich mich dadurch wieder step by step an den Alltag gewöhne. Ich merke nämlich jedes Mal, wenn ich unterwegs bin, dass es nach einer Zeit wieder schlimmer mit vor allem dem Schwindel und der inneren Unruhe wird. Habe daher das Gefühl, dass sich mein Körper einfach wieder an die neuen Reize gewöhnen muss und ich meinem Körper daher einfach etwas Zeit geben muss.
    An die ganzen Reize wird sich mein Körper jedoch niemals nur zuhause gewöhnen, deshalb möchte ich hier jetzt die nächsten 2 Wochen einfach durchziehen, auf arbeit etwas langsamer machen und hoffen, dass es etwas bringt. Ich bin aber guter Dinge und bleibe dran! Ich hoffe es geht dir genau so!
    Viel Kraft uns beiden!

  • Kleiner Nachtrag von mir:

    Ich habe mich in den letzten Tagen noch einmal sehr intensiv mit mir selbst auseinandergesetzt und mich tiefer mit meinen Symptomen und Problemen beschäftigt. Mittlerweile habe ich festgestellt, dass der Hauptauslöser meiner Symptome höchstwahrscheinlich ein „instabiles Nervensystem“ ist, das durch eine Kombination aus täglichem Cannabiskonsum, der darauffolgenden Abstinenz sowie gewissen Entzugssymptomen und Ängsten entstanden ist.

    Daher befasse ich mich aktuell auch viel mit dem Thema Nervensystem, lese Bücher darüber, wie man dieses wieder „back on track“ bekommt, und stelle mich meinen Ängsten bewusst, anstatt vor ihnen zu flüchten. Aus diesem Grund gehe ich auch wieder ganz normal arbeiten und treffe mich mit Freunden und unternehme verschiedenste Dinge – auch wenn es manchmal schwierig ist. Ich habe jedoch das Gefühl, dass ich mein Nervensystem nur so wieder daran gewöhnen kann, solche alltäglichen Situationen nicht mehr als „Gefahr“ einzuschätzen.

    Ganz verschwunden sind die Symptome leider noch nicht. Wenn ich unterwegs bin, habe ich hier und da weiterhin mit Schwindel und Derealisation zu kämpfen, auch die innere Unruhe ist ab und zu noch da. Es wird vermutlich auch noch etwas dauern, bis sich mein Nervensystem wieder in einem vollkommen normalen Zustand befindet. Ich merke aber jetzt schon, wie viel klarer ich durchs Leben gehe und wie viel mehr Spaß es macht!

    Weitere Updates folgen!

    LG und vorab schon einmal schöne Festtage!

  • schöne Festtage!

    Ebenfalls und weiter viel Erfolg beim Clean werden/bleiben:exclamation_mark:

    Das Nervensystem sieht sicher eine große Rolle, aber ist das vielleicht nicht etwas zu technisch?

    Ich denke auch die Psyche spielt eine große Rolle bei Suchterkrankungen. Mit technisch meinte ich eher rein körperliche Ursachen, doch glaube ich, gehört genauso eine psychische Aufarbeitung.

    Du bist nun bei ca. 3 Monaten, richtig? Gestehe dir weiter Zeit und Geduld zu, du hast enorm viel geschafft, es wird bestimmt mit der Zeit noch viel besser.

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