Pornosucht, Kampf gegen die Sucht

  • Hallo zusammen,

    ich schreibe hier, weil ich gerne mit Menschen in Kontakt kommen würde, die Ähnliches erleben.
    Ich habe lange mit Pornosucht gekämpft. Seit 95 Tagen bin ich pornofrei und aktuell auch in Therapie. Das ist ein wichtiger Schritt für mich, aber ehrlich gesagt auch kein leichter Weg.

    Es gibt Tage, an denen ich stolz bin, und andere, an denen Zweifel, Suchtdruck oder innere Leere auftauchen. Ich merke, wie viel sich gerade in mir sortiert – Gefühle, Gedanken, alte Muster. Manchmal fehlt mir einfach jemand, der versteht, wie sich das anfühlt, ohne zu urteilen oder zu verharmlosen.

    Ich suche keine perfekten Ratschläge, sondern einen ehrlichen Austausch auf Augenhöhe:
    Wie geht ihr damit um?
    Was hilft euch langfristig?
    Wie erlebt ihr Therapie oder Abstinenz?

    Wenn du dich angesprochen fühlst und Lust hast zu schreiben, würde ich mich freuen.
    Danke fürs Lesen

  • Servus. Glückwunsch. Ich kenne das Gefühl. Allerdings nehme ich es nicht mehr so wichtig mit der Abstinenz, zurzeit lasse ich Erotik oder gelegentlich Pornographie zu. Wie lange beschäftigt dich denn die Chose schon?

  • Guten Morgen und danke für deine Nachricht. Angefangen mich damit wirklich intensiv zu beschäftigen habe ich erst seit Oktober 2025. ich bin hier von meiner Frau erwischt wurden und habe eingesehen das ich Hilfe brauche und es so nicht weitergehen kann. Ich mache gerade eine Therapie und es kommen Dinge aus meiner Jugend zum Vorschein die ich verträgt habe und die ein Indiz sein könnten warum ich in diese Sucht geraten bin. Es fällt mir nicht leicht darüber zu sprechen, ich setze auch gerade erst alle Puzzle zusammen. Die Therapie hilft mir aber sehr, ich reflektiere mich selber intensiv und ordne mein Leben und mein Verhalten in meiner Beziehung und in meinem Alltag gerade neu. Bin Gespannt wie es hier weitergeht, habe aber auch Angst!

  • Ah, okay, verstehe. Das ist sehr komplex dann möglicherweise für Einsteiger in die Therapiebranche. Ich habe meine erste Therapie vor dreißig Jahren gestartet gehabt, und komme manchmal entsprechend daher. Nicht, dass ich ungeduldig wäre, aber insbesondere zurzeit habe ich zu viel Energie. Das führt dazu, dass beispielsweise ich wieder mehr konfliktgeladene Pornographie brauche, um direkt gegen den Energieüberschuss zu arbeiten.

    Es liest sich so, dass deine Frau dich nicht verlassen hat. Das ist schön.

    Wie ist es denn, wenn du sexualisierter Werbung begegnest oder entsprechende Musikvideos oder Titelbilder an Kiosken siehst?

  • Guten Tag, das macht mir nichts aus ich versuche aber dennoch auch solche Dinge zu meiden. Ich habe jetzt 111 Tage geschafft und nicht das Gefühl, dass ich Pornos noch irgendwie brauche! Ich setzte mich aber auch gerade sehr mit meiner Kindheit und den Anfängen der Sucht auseinander.

  • Guten Morgen ihr Lieben, ich bin noch immer ohne Rückfall habe aber das Gefühl alleine zu sein und bin deprimiert. Ich arbeite viel auf, mit mir selber und auch in der Therapie, habe aber keinen so richtig zum Reden und stehe mit meinem Problem alleine da. Es gibt immer ma wieder solche Tiefen bei mir und ich falle ab und zu in so ein Loch. Ich weiß auch nicht, es ist schwer wenn man keinem zum reden hat aber das Thema ist auch nicht einfach.

  • Hi smoky ich kenne das, ehrlich gesagt such ich hier auch hilfe. Wenn du bock hast können wir gern privat reden. lg michi

  • Guten Morgen ihr Lieben, kurzes Update zu meiner Situation, suchtfrei seit 125 Tagen. Es läuft gut, nur das es mir ab und zu schwer fällt sich mit mir selber auseinander zu setzen und zu reflektieren, da falle ich ab und zu in ein emotionales Loch. Das wird aber besser in letzter Zeit. Lg

  • Hi

    Habe hier mitgelesen und Trau mich kaum zu sprechen.

    Ich vermute ich hab hier auch ein Riesen Problem und ich habe etwas getan, was alles zerstören könnte


    Bitte helft mir wie ist es bei euch ?
    Habt ihr die Wahrheit irgendwann erkannt und gebeichtet?
    Wie gehen die Partnerinnen damit um?

    Ich bin verzweifelt 😩 das Gewissen erdrückt mich ic kann an nichts anderes denken

    Es macht mir Hoffnung wenn ihr schreibt ihr seid „ clean“ oder pornofrei, bleibt das so?
    Und wie gehen andere damit um?

    Lg

  • Hi,

    Ich bin seit heute auch Mitglied in dem Forum. 🎉 Kurz zu mir: Männlich, 27 Jahre alt, seit meiner Kindheit habe ich Probleme mit Realitätsflucht (Eskapismus). Als Kind wurde ich acht Jahre lang in der Familie körperlich und psychisch missbraucht und habe in der Zeit Mobbing in der Schule erlebt. Ich hatte also niemanden, der für mich da war - keine emotionale Bezugsperson. Für viele Jahre. Schon früh habe ich deshalb gelernt, meine Gefühle zu betäuben und aus der Realität zu fliehen.

    Mit 13 Jahren habe ich dann ab und zu mal erotische Geschichten gelesen - auch einige, die ich heute sehr kritisch finde. Dennoch habe ich während des Missbrauchs von meinem 6. bis zu meinem 14. Lebensjahr nicht aufgehört, in der Realität Freunde und Glück zu suchen und auch immer wieder Freundschaften geschlossen. mit 14 Jahren kam dann auch die erste Beziehung, die erste "richtige" langfristige Beziehung mit 16 Jahren. Mit 16 Jahren habe ich angefangen, viel Alkohol zu konsumieren und auch andere Drogen zu nehmen. Mit 18 Jahren kam der Cut: Neue Beziehung und mich von den bisherigen Junkie-"Freunden" getrennt. Keine Drogen mehr genommen. Habe mein Abitur nachgeholt und sehr gut abgeschlossen. Sah alles super aus.

    Mit 20 Jahren habe ich mich von der damaligen Freundin aus guten Gründen getrennt, stand aber plötzlich ganz allein da. Keine Freunde, keine Partnerin, niemanden, der sich für mich interessiert oder mich unterstützt. Da stieg mein Pornokonsum dann deutlich an. Als Jugendlicher habe ich zwar ab und zu mal pornografische Inhalte konsumiert, aber eher in einem normalen Maß und nur selten in Beziehungen. Ab 20 Jahren hat sich das schrittweise gesteigert. Mit meinem Umzug in die erste eigene Wohnung hat sich das dann noch verschlimmert: Auf einmal konnte ich tun und lassen, was ich wollte. Und habe jeden Tag stundenlang Medien und Pornos konsumiert. Mit war damals schon bewusst, dass ich abhängig bin, aber auch wenn ich jeden Tag dagegen angekämpft habe, glaube ich heute, dass ich garnicht die Chance hatte, zu gewinnen. Heute mit 27 Jahren habe ich alles verloren. Ich habe mich selbst und meine berufliche Zukunft vernachlässigt, hasse mich selbst. Die Sucht nach Medien (zum Zwecke der Ablenkung) und Pornos (zum Zwecke der Betäubung) ist so stark, dass ich lieber zuhause konsumiert habe, anstatt in der Universität eine Frau zu treffen, die mir mit ihrem bloßen Anblick die Luft zum Atmen nimmt.

    Abhängigkeit ist, wie viele andere psychische Erkrankungen, ein Weg mit vielen Stationen. Und meiner Meinung nach muss man die Stationen gehen, um eine Chance haben, damit klarzukommen. Damit klarkommen heißt nicht, dass es irgendwann verschwindet. Einmal abhängig, immer abhängig. Aber man lernt es zu kontrollieren.

    Der Weg besteht meiner Erfahrung nach (und den Gesprächen mit vielen Menschen, die erfolgreich abstinent leben nach Drogensucht, Alkoholsucht oder eben Pornosucht) aus vier wesentlichen Stationen und einem Wendepunkt:

    1. Ich erkenne, dass ich abhängig bin und welche Auswirkungen die Abhängigkeit auf mein Leben hat. (Volle Erkenntnis über die Folgen der Sucht)
    2. Ich lerne, mit der Abhängigkeit klarzukommen, also "Nein" zur Sucht und zum Suchtdruck zu sagen. Damit das klappt, ist vor allem 3. und 4. erforderlich.
    3. Ich erkenne das Grundproblem, das mich erst in die Abhängigkeit führt. Abhängigkeit ist immer auch ein Symptom. Mit der Zeit wird es selbst zum Auslöser für soziale Isolation, berufliche und finanzielle Probleme, Depression. Aber es ist dennoch auch immer ein Symptom eines grundlegenden Problems (bei mir nach aktuellem Kenntnisstand innere Leere, fehlende Perspektive, fehlende Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens)
    4. Ich lerne das Grundproblem zu bewältigen. Jeden Tag. Weil jeder Tag zählt.

    Wer diese vier Schritte beherrscht, schafft die Abstinenz. Meiner Erfahrung nach ist das der einzige Weg. Eine Therapie hilft dabei, diese Schritte zu beherrschen, aber sie nimmt dir nicht die Entscheidung ab, diesen Weg zu gehen. Gehen muss ihn jeder alleine.

    Daneben berichten viele Abhängige von einem Wendepunkt. Meistens ein Tiefpunkt, an dem sie alles verloren haben. Auch das ist mMn erforderlich, denn Fakt ist: Konsum (ganz egal, welche Droge) ist geil. Zumindest fühlt es sich so an. Glücksgefühle, Ausschüttung von Dopamin und Serotonin ohne auch nur die kleinste Anstrengung vorzunehmen und das auf Knopfdruck man immer man will/es braucht. Ob Pornos, Alkohol, Crystal oder Heroin - letztendlich besteht die Herausforderung der Abstinenz darin, ein Leben zu führen, in dem man sich anstrengen muss, um Erfolge zu haben, anstatt sich etwas einzuschmeißen. Und darin, dass die Realität so aussieht: Das Leben hat nur dann einen Sinn, wenn man ihm einen Sinn verleiht. Innere Leere ist der Grundzustand, kein Problem. Aber sie zu bewältigen, ist eine Herausforderung.

    Wie seht ihr das? Smokymacpot

    P.S.: Suche auch jemanden, der mich bei dieser Reise in ein gutes Leben untersützt.

  • Heute ist bei mir übrigens Tag 1. Mal sehen wie es läuft. Ich war heute morgen kurz davor, mich an meinen PC zu setzen und YouTube-Videos, Filme oder Serien zu sehen, was bei mir unweigerlich zum Konsum pornografischer Inhalte führt, bin dann aber hier im Forum gelandet.

    Ich habe mir einige der Berichte von verheirateten Frauen durchgelesen, deren Männer pornosüchtig sind und die als Partnerin sehr darunter leiden und ich will so nicht sein. Ich habe alles versucht - äußere Faktoren (Umfeld, soziale Kontakte) verändert, Tagesablauf verändert, habe jeden möglichen Tiefpunkt erlebt, hatte sogar Suizidgedanken, habe vollständig den Glauben an mich selbst verloren. Hatte auch mal Selbsthilfegruppen sowie Therapie. Nichts hat etwas gebracht. Ich weiß, dass es einzig und allein von mir abhängig ist. Letztendlich ist es meine Entscheidung. Die Entscheidung, ob ich leben oder sterben will.


    Ich werde mein Leben lang in schlechte Situationen kommen, schwere Zeiten durchleben, mich alleine fühlen. Ob ich konsumiere ist eine Entscheidung, die ich nur für mich treffe. Eine Entscheidung, die nur ich treffen kann.

  • Ja, grüß dich, Freeman, gut dass du dich doch noch traust. Es zeigt deine Zerrissenheit, über deinen Weg zum nächsten Kick. Es gibt nichts zu beichten, es gilt gesehen zu werden, anerkannt zu werden, Schmerz zu teilen, weg aus der Umklammerung der Sucht. Jedes Mal, wenn du Sex in all seinen Facetten siehst und direkt oder indirekt erlebst, bist du Mensch. Mensch sein, das zu erkennen, ist das Ziel, und es anzunehmen, dass im Guten, auch Böses stecken kann. Der Drang, dann weiter zu gehen, als ursprünglich angestrebt, ist dann aber nichts Böses, es schließt sich der Kreis, das ist wieder Mensch sein.

    Es gibt Grenzen, über die kann man gehen. Einerseits aus Neugier, und aus notwendigem Übel, das ist schon klar, dann erreichst du dein Limit. Gehst du über dein Limit, wird es nahezu unmöglich für gesunde Menschen, ein gutes Gefühl zu bewahren. Das kann man schon mal machen, übers Limit gehen, auf Dauer macht das dann die meisten wahrscheinlich krank.

    Was sich liest, wie eine Unterstellung oder Klugscheißerei oder eine Predigt, ist die indirekte Schilderung - in Kurzform - meines Weges. Ich bin unschuldig hineingezogen worden. Bin abgestürzt darüber hinaus, und konnte mich allerdings befreien und gesunden. Nun, das hatte mich viel Mühe gekostet, und irre war es auch - es war die schlimmste Zeit, es war die beste Zeit. Und das war nur ein Zitat. Es stimmt nämlich nicht, es war nicht die beste Zeit, die beste Zeit kann nie gewesen sein, die beste Zeit ist jetzt.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!